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Hoch hinaus

Kommerzielles Office-Paket Softmaker 2006

Formatzwang

Als enttäuschend stellt sich im Zusammenhang mit den markigen Werbesprüchen der Support für Fremdformate dar: Einfache Word-Dokumente schreibt und liest die Software bis auf geringe Mängel zwar sehr gut. Doch sobald Dokumente über komplexere Strukturen verfügen, strecken die Filter die Flügel.

Die im Test verwendeten Dateien beinhalteten einige Grafiken, Tabellen und gezeichnete Objekte. Keines dieser Dokumente gab die Software auch nur annähernd fehlerfrei wieder. Hierbei reichten die Probleme von falschen Interpretationen der Schriftart (Abbildung 8), über falsche Grafikpositionen (Abbildung 9), bis hin zum Nichterkennen und falschen Darstellen von Zeichnungen (Abbildung 10).

Abbildung 8: Beim Lesen von Fremdformaten traten mitunter Probleme beim Darstellen von Schriften auf.

Abbildung 9: Öffnen Sie ein Fremdformat mit Grafiken, beginnt in einigen Fällen eine lustige Rutschpartie.

Abbildung 10: Textmaker stellt Zeichnungen aus Formaten wie einem Word-Dokument oder einer OpenOffice-Datei manchmal nicht richtig dar.

Noch schlechter fallen die Ergebnisse beim Test mit Dokumenten im Open-Document-Format aus. Hier verspielt Textmaker seinen Geschwindigkeitsvorteil: Beim Einlesen einer 3,6 MByte großen Datei mit einigen Abbildungen und zirka 40 Seiten Text beschert das Programm einen Stillstand von 30 Sekunden – ohne ein Anzeichen von Fortschritt. Andere Programme öffnen diese Datei entweder deutlich schneller oder zeigen zumindest über einen Fortschrittsbalken an, dass der Prozess noch in Arbeit ist.

OpenOffice-Dokumente kann Textmaker nur lesen (sowohl SXW als auch ODT), jedoch nicht schreiben. Die beworbene Vielfalt beim Umgang mit "zahlreichen weiteren Formaten" beschränkt sich in der Realität auf Textdateien in diversen Kodierungen, das Rich-Text-Format, Microsoft-Word- und Pocket-Word-Dokumente sowie HTML 4.0.

Planmaker kann mit OpenOffice-Dokumenten (sowohl SXC als auch ODS) überhaupt nicht umgehen, sondern lediglich Dateien der OOo-Urgroßväter Starcalc 1 und 2 lesen. Der weitere Support für Fremdformate beschränkt sich auf auf Microsoft-Excel-Dateien verschiedener Versionen und Formate, diverse dBase-Varianten, DIF-Dateien und HTML 4.0 (nur schreiben).

Insgesamt bleibt damit der Zugriff auf die meisten persönlichen Dokumente (OpenOffice-Tabellen ausgenommen) zwar weiterhin erhalten. Neben den Schwierigkeiten bei komplexen Dokumenten darf der Anwender sich aber vom unter Linux inzwischen gängigen Open-Document-Format verabschieden: Ein Schritt, der gut überlegt sein will.

Fazit

Softmaker Office 2006 für Linux hinterlässt beim Anwender gemischte Gefühle. So wartet die Software mit einer wohldurchdachten Benutzeroberfläche, einem schlanken Aufbau und einem großen Funktionsumfang auf. Die schlechte Systemintegration und der miserable Open-Document-Support bestärken allerdings das Gefühl, dass Linux-Kunden weniger im Fokus stehen.

Dazu kommt noch, dass zwei Programme, die zwar sehr gut miteinander harmonieren, noch keine Bürosuite ergeben. Einige fehlende Elemente, wie die Datenbankfunktion oder das Zeichnen von Objekten, gleicht das Paket über integrierte, aber abgespeckte Funktionen je nach Anwenderanspruch mehr oder minder gut aus. Das Fehlen einer Präsentationssoftware dürften aber nicht alle Büroarbeiter verschmerzen.

So bleibt das Büropaket all jenen zu empfehlen, die über nicht allzugroße Systemressourcen verfügen oder ein überladenes Büropaket meiden wollen. Diese sehen sich aber mit der Tatsache konfrontiert, dass sie ihre Dokumente in Zukunft wieder in proprietären Formaten speichern müssen, etwa als Microsoft-Dokument oder in den kaum verbreiteten Softmaker-Formaten TMD/PMD. 

Produktinfo

Hersteller: Softmaker Software GmbH, Nürnberg
Inhalt: Textmaker (Textverarbeitung), Planmaker (Tabellenkalkulation), Handbücher im PDF-Format, Download- oder CD-Version
Preis: Linux-Version 69,95 Euro, Bundle mit Windows-Version 99,95 Euro
Preis Upgrade: 34,95 Euro von Softmaker Office 2004, 49,95 Euro von älteren Versionen

Glossar

DIF

Document Interchange Format. Textbasiertes Dateiformat für den Datenaustausch zwischen Tabellenkalkulationen. DIF kann nur mit einzelnen Arbeitsblättern umgehen.

Infos

[1] Linux-Version: http://www.softmaker.de/ofl.htm

[2] Testversion: http://www.softmaker.de/ofldemo.htm

[3] Office-Pakete im Vergleich: Mirko Albrecht, "Sixpack", LinuxUser 11/2006, S. 34

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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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LinuxUser 06/2012

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