Das Livesystem Knoppix arbeitet genauso wie eine installierte Distribution. Mit unseren Tipps und Tricks konfigurieren Sie das System bis ins letzte Detail.
Sei es die Bildschirmauflösung oder der Einsatz als Rettungssystem – mit tatkräftiger Unterstützung durch Maintainer Klaus Knopper beantworten wir Ihre Fragen. Klaus muss es wissen, stammt doch das beliebte Livesystem aus seiner Werkstatt.
Bildschirmauflösung
Frage: Laptops verwenden heutzutage zunehmend Auflösungen in einem deutlich breiteren Format. Angenommen sie liegt bei 1280×800 Bildpunkten, aber diesen Modus findet man in Knoppix nicht: Wie bekommen Anwender trotzdem die korrekten Werte für die X-Auflösung hin?
Antwort: Klar gibt’s für dieses Problem eine Lösung. Aber zuerst eine kurze Erläuterung: Knoppix versucht, in einer möglichst sicheren Auflösung zu starten, damit der User immer eine grafische Oberfläche hat, auch wenn die Hardware nicht die richtigen Daten zum Ansteuern herausrückt. Bei vielen Grafikkarten liegen die Werte mit 1024×768 Pixeln bei 75 Hz in einem sicheren Bereich. Wer schon mal einen Monitor gegrillt hat (komplett mit weißem Rauch, dem Knistern und den passenden Geräuschen), der geht gerne etwas defensiver vor. Aus diesem Grund verhält sich Knoppix so konservativ.
Startet Knoppix auf Ihrem Laptop, versucht es, die korrekten Werte via DDC zu ermitteln. Verweigert die Hardware die Auskunft, fällt das System in den sicheren Modus zurück. Um die Auflösung generell zu ändern, drücken Sie [F4], wenn das Boot-Menü erscheint und wählen Sie einen Wert aus. Taucht die von Ihnen benötigte Auflösung nicht auf, drücken Sie [F5]. Sie sehen eine Befehlszeile mit Boot-Parametern. Löschen Sie den Eintrag vga=XXX wobei an der Stelle von XXX gewöhnlich eine dreistellige Zahl steht. Tragen Sie
screen=1280x800 vga=normal
in die Zeile ein. Der Parameter vga=normal bewirkt, dass der Textmodus beim Booten in normaler VGA-Auflösung durchläuft. Sie können auf ihn verzichten, wenn Ihre Hardware einen Framebuffer mit einer Auflösung von 1280×800 Pixeln verkraftet.
Rettungssystem
Frage: Linux ist ja an sich ein sehr robustes System. Allerdings passiert es auch hier schon mal, dass es bei einer fehlerhaften Konfiguration nicht mehr startet. Gibt es eine Möglichkeit, Knoppix als Rettungssystem zu nutzen und so noch an die Daten zu gelangen oder sogar das System zu reparieren?
Antwort: Eine Knoppix-DVD leistet bei dieser Aufgabe gute Arbeit. Als erstes booten Sie von dem Datenträger. Damit haben Sie schon mal ein funktionstüchtiges System. Anschließend binden Sie die Partitionen des alten Systems in das Livesystem ein. Das Listing 1 zeigt, wie so etwas aussieht; bei Ihnen dürften die Gerätenamen aber etwas abweichen. Wichtig ist aber, dass Sie die Mount-Flags dev und suid verwenden.
su root mkdir /daten mount -o dev,suid /dev/Root-Device /daten mount -o dev,suid /dev/Home-Device /daten/home mount -o dev,suid /dev/Var-Device /daten/var mount --bind /proc /daten/proc mount --bind /sys /daten/sys mount --bind /tmp /daten/tmp # Wenn Udev im Einsatz ist, schreiben Sie zusätzlich mount --bind /dev /daten/dev
Unter der Voraussetzung, dass bis hier alles fehlerfrei funktioniert, wechseln Sie nun in eine Chroot-Umgebung für die Reparaturarbeiten:
chroot /daten
Danach beginnen Sie mit den Änderungen am gemounteten System, das sich nun aus Ihrer Perspektive so verhält, als hätten Sie es gebootet. Erst, wenn Sie mit exit die Shell verlassen, kehren Sie wieder zum Livesystem zurück.
Tastaturbelegung ändern
Frage: Knoppix stammt ja aus dem deutschsprachigen Raum. Was machen denn Anwender, die das System mit einer anderen Tastaturbelegung oder Sprachunterstützung nutzen möchten?
Antwort: Das ist kein Problem. Entweder Sie wählen im Boot-Menü [F3] und wählen die passende Sprache aus oder Sie übergeben beim Booten über die Kommandozeile den Parameter lang=uk. Dann setzt das System automatisch die Parameter keyboard und kdekeyboard auf den entsprechenden Wert. Weitere Cheatcodes finden Sie übrigens in der Hilfe, die Sie aus dem Boot-Menü über [F1] erreichen.
Kein Booten möglich
Frage: Bei der Version 5.1.1 tritt unter bestimmten Umständen ein Fehler auf, der den normalen Startvorgang verhindert [1]. Es erscheint am Startbildschirm die folgende Ausgabe:
Knoppix V5.1.1-CD … RELEASE 2007-01-04 Unknown keyword in config file
Anschließend verweigern die Funktionstasten den Dienst. Wie lässt sich dieses Problem lösen?
Antwort: Verlassen Sie über [ESC] das grafische Boot-Menü und geben Sie auf der Kommandozeile /boot/knoppix/linux ein. Gegebenenfalls ergänzen Sie wie weiter oben beschrieben die Bildschirmauflösung und die Sprachunterstützung.
Festplatten-Installation
Frage: Knoppix bringt fast sämtliche Software mit, die ich zum Arbeiten brauche. Wie aber bekomme ich es permanent auf meine Festplatte?
Antwort: Knoppix lässt sich zwar technisch ohne großen Aufwand auf der Festplatte installieren, doch das ist nicht seine primäre Rolle als Livesystem. Andere Distributionen wie Debian eignen sich für den täglichen Gebrauch wesentlich besser. Wollen Sie Knoppix dennoch auf die Festplatte spielen, geben Sie auf der Konsole mit Root-Rechten knoppix-installer ein. Aber Vorsicht: Das System braucht mindestens 15 GByte freien Speicherplatz. Andernfalls läuft die Installation zwar durch, schreibt aber einige Daten wegen Platzmangels nicht mehr auf die Platte und lässt sich dann nicht mehr booten.
Netzwerkfehler
Frage: Wie es scheint, tritt bei der Installation auf die Festplatte ein Fehler beim Konfigurieren der Netzwerkkarte auf. Woran liegt das?
Antwort: An dieser Stelle bereitet das Programm KDEsu (Abbildung 1) Probleme. Abhilfe schafft das verwandte Programm GKsu, das Sie über die Kommandozeile starten. Ein Anwender berichtet auch, dass KDEsu funktioniert, wenn man in der Datei ~/.kde/share/config/kdesurc die Zeile super-user-command=sudo in super-user-command=su umwandelt. Alternativ lösen Sie das Problem, indem Sie die Zeile auskommentieren.
Sicheren X-Server nutzen
Frage: Manche modernen Grafikkarten bereiten dem X-Server trotz vieler Mühen der Entwickler immer wieder Probleme. Was tut man, wenn nach dem Booten keine grafische Oberfläche erscheint?
Antwort: Benötigen Sie eine GUI, um vielleicht schnell ein paar Bilder anzusehen, genügt es auch, einen Treiber zu verwenden, den alle Karten unterstützen. Bei Knoppix aktivieren Sie diesen, indem Sie die folgende Kommandozeile nutzen:
knoppix xmodule=vesa
Damit verwendet der X-Server den Vesa-Treiber. Die VESA BIOS Extension für Grafikkarten in IBM-kompatiblen PCs stellt über eine einheitliche Schnittstelle sicher, dass das Betriebssystem die Hardware in genau definierten Auflösungen und Farbtiefen ansprechen kann, obwohl es über keine passenden Treiber für genau diese Hardware verfügt. Auf diese Weise ist ein Arbeiten unter X trotzdem möglich. Neuere Features, wie grafische Effekte die auf 3D-Beschleunigung basieren, schließt das allerdings aus.
Knoppix remastern
Knoppix bringt eine Menge Tools mit. Aber es gibt immer wieder Fälle, in denen ein wichtiges Programm fehlt. Dann hilft es nur, die Software nachzuinstallieren und eine neue CD oder DVD aus dem System zu erstellen. Wie aber sorgt man dafür, dass das dabei entstandene Image nicht plötzlich sehr viel größer ausfällt als die ursprüngliche Version?
Es gibt einige Tricks, die zum Reduzieren der Gesamtgröße beitragen. Erster und wichtigster Schritt ist das Leeren des Paketcaches mittels apt-get clean auf der Kommandozeile. Damit löschen Sie die gesamten Pakete, die ein Debian-System beim Installieren als DEB-Paket zusätzlich in seinem Cache unter /var/lib/apt/cache/ speichert. Das bringt mitunter schon eine ganze Menge.
Weiterhin empfiehlt es sich, die Liste der Pakete, die das System als verfügbar kennt, auf die Installierten zu reduzieren. Mit den folgenden Befehlen erreichen Sie dies:
echo -n "Zeroing available Package lists …"
for i in /var/lib/apt/lists/*_{Release,Packages,Sources}; do :>$i; touch -t 198103190000.00 $i; done
apt-get check
dpkg --clear-avail
rm -f /var/cache/apt/*.bin
apt-cache gencaches
sync-available
Außerdem bliebe noch die Möglichkeit, doppelt vorhandene Dateien im System mit exakt den gleichen Attributen durch Hardlinks zu ersetzen. Da dies aber größte Vorsicht erfordert und schnell in einem unbenutzbaren System enden könnte, sollten nur erfahrene Anwender auf diese Variante zurückgreifen.
[1] Deutsches Knoppix-Forum: http://www.elearnit.de/knoppix/forum/






