VailuxOS: Wechsel zu Linux ohne Reibungsverluste

Aus LinuxUser 06/2026

VailuxOS: Wechsel zu Linux ohne Reibungsverluste

© bartusp / 123RF.com

Glatter Umstieg

Digitale Souveränität gewinnt in Europa zunehmend an Bedeutung. Das in Deutschland entwickelte VailuxOS will auf dem Desktop den nahtlosen Umstieg von proprietären Systemen wie Windows erleichtern.

Immer mehr Anwender fühlen sich mit der digitalen Abhängigkeit von US-Software unwohl. Fälle wie die des Chefanklägers beim Internationalen Strafgerichtshof, Karim Khan, dessen E-Mail-Konto Microsoft kurzerhand deaktivierte, belegen eindrucksvoll, wie sehr die Abhängigkeit von Big-Tech-Oligopolen aus den USA schaden kann. Das beschert heimischen Clouddiensten und europäischen Softwareanbietern eine stark steigende Nachfrage. Bei Arbeitsplatzsystemen besteht dieselbe Abhängigkeit, doch viele Anwender sind den Windows-Einheitsbrei gewohnt und wollen sich nicht neu orientieren.

Mit dem Debian-Derivat VailuxOS [1] wollen deutsche Entwickler den Umstieg auf das freie Betriebssystem erleichtern. Die Arbeitsoberfläche der Distribution erinnert stark an die der neuesten Windows-Version und bietet ein Bedienkonzept, das einen Umstieg ohne Brüche gewährleistet. Die Softwareverwaltung integriert die Debian-Repositories, sodass ein nahezu unerschöpflicher Fundus an Anwendungssoftware zur Verfügung steht. Grafische Anwendungen integriert VailuxOS in Flatpak-Containern ins System. Der resultierende Betrieb in einer abgeschotteten Umgebung bringt einen deutlichen Zugewinn an Sicherheit.

Installation

Anders als Windows stellt VailuxOS nur bescheidene Anforderungen an die vorhandene Hardware und erlaubt daher den Einsatz auf älteren Rechnern. Als Mindestanforderungen nennen die Entwickler eine Dual-Core-CPU mit wenigstens 2 GHz Taktfrequenz sowie 4 GByte RAM, eine Grafikkarte mit mindestens 256 MByte Grafikspeicher und 25 GByte freien Massenspeicher. Als Bildschirmauflösung genügt selbst das XGA-Format mit 1024 mal 768 Punkten. VailuxOS lässt sich damit sogar auf 15 Jahre alten Rechnern problemlos betreiben. Diese Anspruchslosigkeit erstaunt umso mehr, als das eigentlich recht schwergewichtige KDE Plasma als Arbeitsumgebung dient.

Sie beziehen VailuxOS als rund 4,3 GByte großes hybrides ISO-Abbild [2] von der Projektseite, das Sie anschließend auf eine DVD oder einen USB-Stick transferieren. Anschließend starten Sie den Rechner vom neu angelegten Wechseldatenträger. Im Grub-Bootloader wählen Sie aus, ob Sie VailuxOS zunächst im Live-Modus testen oder gleich installieren wollen.

Entscheiden Sie sich für den Live-Modus, gelangen Sie nach dem Schließen des Willkommensfensters direkt auf die Arbeitsoberfläche (Abbildung 1). Sie wirkt auf den ersten Blick wie ein Klon von Windows 11: Das Startmenü befindet sich zusammen mit einigen Anwendungsstartern in der Mitte der Panelleiste am unteren Bildschirmrand. Links gibt es ein Wetter-Applet, rechts residiert der gewohnte System-Tray. Er integriert ein kleines, per Mausklick aufklappbares Kontrollzentrum zum Steuern einiger wichtigster Desktop-Funktionen. Auf dem Desktop liegen lediglich die drei Icons der Installationsroutine, des Papierkorbs und des Dateimanagers.

Abbildung 1: Die Arbeitsoberfläche von VailuxOS ähnelt sehr der von Windows 11.

Abbildung 1: Die Arbeitsoberfläche von VailuxOS ähnelt sehr der von Windows 11.

Ein Doppelklick auf das Installer-Icon öffnet den populären grafischen Assistenten Calamares, der das Betriebssystem in wenigen Schritten auf den Massenspeicher packt. War auf dem Zieldatenträger vorher ein LVM-Partitionsschema eingerichtet, müssen Sie ihn manuell von allen Partitionen befreien, sonst bricht der Assistent die Installation ab. Nach der Installation gelangen Sie über einen Warmstart wieder ins Willkommensfenster und danach auf die Arbeitsoberfläche.

Das Startmenü weist eine frappierende Ähnlichkeit zu dem des Microsoft-Betriebssystems auf: eine Suchleiste am oberen Rand, angepinnte Applikationen und die zuletzt verwendeten Dokumente und Dateien. Ein Klick auf All apps im Startmenü öffnet die Gesamtansicht der installierten Anwendungen – Linux-Pendants zu den aus Windows bekannten Programmen. Neben dem Webbrowser Firefox finden Sie hier den Dateimanager Dolphin, das Terminal und mit Discover den KDE-eigenen App-Store. Selbst die Steuerelemente am unteren Menürand ähneln optisch ihren Windows-Äquivalenten.

Software

Über die Debian-Repositories steht Ihnen eine nahezu unerschöpfliche Auswahl an freier Software zur Verfügung. Daneben gibt es VailuxOS-eigene Repos sowie Archive von Drittanbietern wie Mozilla und Wine (Abbildung 2). Auf Flatpak-Pakete greifen Sie via Flathub zu, bei Bedarf binden Sie zusätzlich die Snap-Paketverwaltung ein.

Abbildung 2: In VailuxOS sind bereits zahlreiche Software-Repositories eingepflegt.

Abbildung 2: In VailuxOS sind bereits zahlreiche Software-Repositories eingepflegt.

KDE Discover, das grafische Werkzeug für die Softwareverwaltung und die Aktualisierung, prüft schon beim Start im Hintergrund, ob neue Applikationsversionen zur Verfügung stehen. Es gruppiert die verfügbare Software in Kategorien, die einzelnen Applikationen integrieren Sie mit wenigen Mausklicks in Ihr System. Dabei zeigt die Listenansicht von Discover in den einzelnen Gruppen nur die jeweils zu installierenden Programme und verzichtet auf die Auflistung von Abhängigkeiten, Bibliotheken und Frameworks.

Als Standardpaketquelle dient Flathub. Das zieht eine zusätzliche Sicherheitsebene ins Betriebssystem ein, da die einzelnen Flatpaks in isolierten containerbasierten Umgebungen laufen. Möchten Sie stattdessen lieber die konventionelle Debian-Paketverwaltung nutzen, deaktivieren Sie das Flatpak-Paketmanagement über den Einstellungsdialog von Discover. Nach dem Aktualisieren der entsprechenden Paketquellen stehen alle Debian-Pakete zur Verfügung.

VailuxOS installiert nicht alle gängigen Standardapplikationen vor. Zwar finden sich die meisten KDE-spezifischen Programme, es fehlen aber andere wichtige Anwendungen wie VLC, Gimp und Thunderbird, die Sie bei Bedarf über Discover nachinstallieren. Durch den Wegfall unnötiger Anwendungen bleibt das System allerdings gertenschlank und damit agiler.

Fremde Welten

VailuxOS bindet auf Wunsch über die Wine-Laufzeitumgebung zahlreiche Windows-Programme ein. Klicken Sie auf eine aus dem Netz bezogene EXE-Programmdatei, bietet das entsprechende Kontextmenü an, die Anwendung mit Wine zu öffnen (Abbildung 3). In den meisten Fällen lässt sie sich dann direkt in Ihr laufendes VailuxOS-System integrieren. Fallen zusätzliche Abhängigkeiten an, zieht Wine sie per gesondertem Download nach.

Abbildung 3: Die Windows-Laufzeitumgebung Wine ist ebenfalls in VailuxOS integriert und gestattet die Installation von Windows-Programmen.

Abbildung 3: Die Windows-Laufzeitumgebung Wine ist ebenfalls in VailuxOS integriert und gestattet die Installation von Windows-Programmen.

Allerdings lassen sich nicht alle Windows-Programme via Wine unter Linux ausführen. Gibt es eine native Linux-Variante der angepeilten Windows-Anwendung, empfiehlt es sich, diese zu installieren: Sie bietet meist denselben Funktionsumfang, verfügt über die gleiche Oberfläche wie die Windows-Variante und arbeitet obendrein stabiler und schneller als das Windows-Gegenstück unter Wine. Die Java-Laufzeitumgebung ist bereits integriert, sodass Sie Java-Applikationen ohne das Installieren zusätzlicher Pakete aus dem Stand verwenden können.

Ressourcen

VailuxOS kommt trotz KDE-Plasma-Desktop und der aktiven Zusatzpakete mit erstaunlich wenig Ressourcen aus (Abbildung 4). Auf einem älteren PC mit nur 4 GByte RAM benötigte VailuxOS im Test im Leerlauf gerade einmal 1,7 GByte Arbeitsspeicher. Das lässt ausreichend Reserven für den Einsatz großer Standardapplikationen wie LibreOffice oder Gimp.

Abbildung 4: Der Ressourcenbedarf fällt mit Ausnahme des belegten Massenspeichers bei VailuxOS erfreulich niedrig aus.

Abbildung 4: Der Ressourcenbedarf fällt mit Ausnahme des belegten Massenspeichers bei VailuxOS erfreulich niedrig aus.

Selbst betagte Prozessoren der ersten Core-i-Generationen kommen mit dem Debian-Derivat gut zurecht. Daher können Sie mit VailuxOS sogar älteren Maschinen neues Leben einhauchen, sofern Sie sich auf den Einsatz von Standard-Bürosuiten oder weniger ressourcenintensiven Multimediaanwendungen beschränken. Allerdings fällt insbesondere beim Einsatz von Wine oder Flatpaks der Massenspeicherbedarf recht hoch aus. Bereits ohne zusätzlich installierte Anwendungen beansprucht VailuxOS 21 GByte Festplattenkapazität.

Fazit

Mit dem Debian-Ableger VailuxOS fällt der Umstieg von Windows zu Linux auf dem Arbeitsplatz-PC leicht. Das System ähnelt im Handling weitgehend Windows 11 und gestattet daher einen alles in allem reibungslosen Übergang. Dank der vorinstallierten Wine-Laufzeitumgebung lassen sich sogar ältere Windows-Anwendungen integrieren, für die es noch keine Linux-Version gibt. Dabei glänzt VailuxOS mit exzellenter Stabilität. Anders als Windows verschickt es keine Telemetriedaten und verzichtet auf penetrante Werbung sowie fehlerbehaftete KI-Assistenten. Allein das macht VailuxOS schon sympathisch. (jak/jlu)

Infos

  1. Projektseite: https://vailux.de

  2. VailuxOS herunterladen: https://forum.vailux.de/downloads/

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