Linux ist einfach anders. Hardware sprechen Sie über Gerätedateien an, die Oberfläche tauschen Sie beliebig aus und verändern sie, auf den Inhalt von Festplatten greifen Sie über Verzeichnisse zu, und es laufen meist nur Programme, die für das freie Betriebssystem entwickelt wurden. Das wird zum Ärgernis, wenn eine wichtige Anwendung ausschließlich in einer Windows-Version existiert. Vielen Linux-Umsteigern fehlen vor allem ihre Spiele und Grafikprogramme, etwa Corel Draw oder die Produkte aus dem Hause Adobe, maßgeblich Photoshop. Hier hilft dann nur noch ein parallel installiertes Windows – oder die Software Wine. Sie gaukelt der Anwendung einfach ein vorhandenes Windows-System vor.
Rolle rückwärts
Die Geschichte von Wine beginnt bereits im Jahr 1993. Zur damaligen Zeit entwickelte die Computerfirma Sun ein kleines Werkzeug, um Windows-Anwendungen unter ihrem Betriebssystem Solaris zu starten – ganz ohne Windows-Lizenz oder anderweitige Eingriffe. Diese Software inspirierte Bob Amstadt und Eric Youngdale, etwas ähnliches auch für Linux zu entwickeln – kurze Zeit später erschien die erste Wine-Version. Mittlerweile arbeiten an dem kleinen Hilfsprogramm über 300 Hobby-Programmierer auf der ganzen Welt.
Krummer Name
Um Windows-Programme unter Linux zu betreiben, greift Wine zu einem recht aufwändigen Trick: Es setzt sich wie ein Simultandolmetscher zwischen die Windows-Anwendung und Linux. Verlangt die Windows-Anwendung: "Zeichne eine Schaltfläche!", gibt Wine diesen Befehl direkt an Linux weiter. Im Gegensatz zu VirtualBox oder VMware simuliert Wine aber nicht gleich einen ganzen PC und ist somit auch kein richtiger Emulator. Das erklärt den Namen Wine, der für Wine Is Not an Emulator steht.



