README
Linux-Distributionen mit multimedialem Schwerpunkt sind inzwischen weit verbreitet. ZevenOS-Neptune bietet jedoch zusätzlich eine aufgepeppte Oberfläche und eine extrem vereinfachte Bedienung.
Mit ZevenOS (http://www.zevenos.com) hat sich ein Linux-Abkömmling etabliert, der eines der weniger bekannten, jedoch höchst innovativen Betriebssysteme der späten neunziger Jahre zum Vorbild hat: Die Distribution lässt das ungewöhnliche und auch heute noch keineswegs angestaubt wirkende Erscheinungsbild und Bedienkonzept von BeOS wieder auferstehen. Die neueste Variante ZevenOS-Neptune 1.8 basiert auf Debian "Lenny", wobei jedoch ein Kernel der Version 2.6.31, ein X-Server in Version 7.3 und als Desktop das schlanke und schnelle XFCE in einer modifizierten Version 4.4.2 zum Zug kommen.
Zu diesen Kernkomponenten hat das Team rund um den Kölner Leszek Lesner neben dem üblichen Spektrum an freier Software zusätzliche Eigenentwicklungen gruppiert. Hinzu kommen einige besonders interessante neue Applikationen und ein Artwork, das durch sein ästhetisch ansprechendes Erscheinungsbild die Distribution auch optisch abrundet.
ZevenOS-Neptune 1.8 ist als Live-CD angelegt. Im Bootmanager-Menü tauchen nach dem Einschalten des Rechners Starteinträge für das Betriebssystem jeweils in Deutsch und Englisch auf. Zusätzlich gibt es spezielle abgesicherte Modi, falls die Software Probleme mit der Hardware-Erkennung haben sollte.
Nach erfolgreichem Start präsentiert sich Neptune in dezenten Blautönen mit BeOS-ähnlichen Symbolen. Die Panelleiste von XFCE befindet sich am oberen Bildschirmrand, unten residiert mittig eine Schnellstartleiste. Über sie starten Sie die wichtigsten Anwendungen per Mausklick. Hier geben sich neben vielen Multimedia-Applikationen auch der wieselflinke Webbrowser Google Chrome sowie die meistgenutzten Office- und Hilfsprogramme ein Stelldichein.
Viel Magi(e)
Aufmerksamkeit erregt sofort der Starter mit der Bezeichnung MAGI 2 auf der Arbeitsoberfläche: Hinter diesem Icon verbirgt sich das zentrale Verwaltungswerkzeug des Betriebssystems, das Sie mit dem interessanten Bedienkonzept von Neptune vertraut macht. Sie finden in den wichtigsten Menüs keine Menüleisten mehr wie bei anderen Distributionen, sondern eine grau hinterlegte Gruppenleiste im unteren Bereich des Auswahlfensters.
Ein Klick auf eines der Gruppensymbole verzweigt in die Untergruppen. Ganz unten im jeweiligen Fenster finden Sie ein permanent eingeblendetes Eingabefeld und die dazugehörige Schaltfläche für die Suche. Zudem – auch das ein Novum – lässt sich aus jedem Fenster heraus durch Anklicken des roten Ausschalters das System herunterfahren oder neu starten.
Magi 2 beinhaltet im Menü Einstellungen auch seinen kleineren Bruder Magi, der die Menüs System | Einstellungen und System | Systemverwaltung von Gnome nachbildet, ohne allerdings dessen verwirrende Vielzahl von Optionen zu bieten. Magi verlegt zusätzlich entgegen sonstiger Gepflogenheiten das Untergruppenmenü an den oberen Fensterrand. Einen Vorgeschmack auf die Fensterleiste von Ubuntu 10.04 bietet ZevenOS-Neptune bereits mit der Anordnung der Schaltknöpfe Verkleinern, Vollbild und Schließen am linken Rand der Leiste (Abbildung 1).
Ein weiteres Novum stellt die ebenfalls von der Arbeitsoberfläche aus zu aktivierende Datenträgerverwaltung dar. Hier verzweigt das Programm in eine übersichtliche Liste der im System vorhandenen Partitionen. Durch einen Klick auf das entsprechende Feld in der Spalte Aktivieren hängen Sie das jeweilige Laufwerk ein, wobei Sie in der rechts angeordneten Balkengrafik in der Spalte Belegt sofort erkennen, in wie weit die Partition ausgelastet ist. Diese Mountfunktion macht ZevenOS-Neptune auch zu einem idealen Rettungssystem, da Sie nicht erst umständlich Partitionen auf der Festplatte suchen müssen, sondern diese gleich aktivieren können (Abbildung 2).
3D ohne 3D
ZevenOS-Neptune bietet im unteren Bereich des Desktops eine "Zeebar" genannte Schnellstartleiste mit animierten, sich beim Darübergleiten des Mauszeigers selbst vergrößernden Icons. Zusätzlich können Sie im Menü ZevenOS | Einstellungen | Fenstermanager-Tweaks im Reiter Compositor noch die optischen Schmankerl des XFCE-Desktops einschaltet und konfigurieren. In diesem Dialog passen Sie für einzelne Fenster je nach Aktivitätsstatus Deckkraft sowie Schatten den individuellen Wünschen an. Damit erhält Ihr Desktop optisch das besondere Etwas – und zwar nicht nur bei hochgerüsteten Grafikkarten und opulenter CPU-Leistung. In unserem Test auf einem als besonders kapriziös bekannten IBM-Netvista-Desktopsystem mit einem integrierten einfachen 2D-Intel-Grafikcontroller leistete sich ZevenOS-Neptune weder bei den 3D-Effekten noch bei der eigentlichen Hardwareerkennung Schwächen. Sogar die Bildschirmauflösung wurde korrekt und ergonomisch auch im Live-Betrieb eingestellt – was auf dieser Maschine weder Fedora noch OpenSuse in den jeweils aktuellen Versionen schaffen.



