Als vielseitiger Zuspieler für HD-Fernseher sind HD-fähige Mediaplayer heiß begehrt. Western Digitals Verkaufsschlager WD TV gibt es jetzt in einer Neuauflage mit Netzwerk und mehr Leistung, Konkurrent Seagate hält mit dem FreeAgent Theater+ dagegen.
Ein kleiner, schwarzer 4 x 10 x 12,5 Zentimeter großer Kasten sorgte Ende 2008 für Furore: Western Digitals WD TV war der erste günstige Mediaplayer für HD-Medien bis 1080p im rechenaufwändigen H.264-Format, der – damals ein absolutes Novum – auch noch Unterstützung für das offene Containerformat Matroska (.MKV) bot. Für um die 90 Euro ging die kleine Mediaschachtel so zahlreich über den Ladentisch, dass sie des öfteren sogar in Münchens bekannter Computermeile Schillerstraße ausverkauft war.
Über zwei USB-Anschlüsse bindet der WD TV beliebige USB-Massenmedien an. Das gilt nicht nur für USB-Sticks, Digicams und Camcorder, sondern auch für Festplatten – was für den Harddisk-Hersteller Western Digital wohl der Hauptgrund war, ein solches Gerät überhaupt anzubieten. Das sehr stromsparende und völlig lüfterlose Gerät gibt zahllose Containerformate und Codecs über FBAS/Composite in SD-Auflösung oder wahlweise auch via HDMI in HD aus und verfügt zudem auch über einen analogen und optisch-digitalen Audioausgang.
Da Western Digital nicht nur regelmäßig nützliche Firmware-Updates veröffentlichte, sondern auch brav den Quellcode des Linux-basierten Mediaplayers, formte sich schnell eine Hacking-Community [1] um das populäre Gerät. Schnell integrierten findige Bastler Unterstützung für USB-Ethernet-Adapter, USB-Hubs, optische Laufwerke und USB-WLAN-Sticks, natürlich zusammen mit den entsprechenden Funktionen wie Telnet-Login, NFS, FTP, Youtube, UPNP/DLNA, RSS-Feed-Anzeige, Apple-HD-Kinotrailern und vielem mehr.
Dies bemerkte natürlich auch Western Digital und trug den Wünschen der Käuferschaft zumindest teilweise Rechnung, indem es unlängst den Nachfolger WD TV Live veröffentlichte. Neben 100-MBit/s-Netzwerkbuchse und Unterstützung für zahlreiche USB-WLAN-Sticks [2] (alle mit Ralink-Chipsatz) integriert das WD TV Live nun zusätzlich einen HD-fähigen analogen YPbPr-Komponentenausgang und unterstützt endlich Stereo-Downmix von DTS-Audio (letzteres war allerdings auch schon in der B-Revision des Vorgängers enthalten). Optische Laufwerks- und USB-Hub-Unterstützung vermisst der Anwender jedoch weiterhin.
Aber die Konkurrenz schläft nicht: Seagate veröffentlichte zur selben Zeit eine H.264-fähige Version des FreeAgent Theater mit dem Zusatz “+” als direkte Konkurrenz zu WDs vielseitiger Schachtel. Das WD TV Live kostet bei WD offiziell 135 Euro, im Handel rund 110 Euro. Für das FreeAgent Theater+ gibt Seagate einen unverbindlichen Verkaufspreis von 140 Euro an, im freien Handel wandert es für rund 120 Euro über den Ladentisch.
Western Digital legt seinem Gerät Netzteil und Fernbedienung plus Batterien, eine CD mit Handbuch und Windows-Konvertersoftware sowie je eine A/V-Composite- und YPbPr-Komponenten-Kabelpeitsche bei. Bei Seagate gibt es noch zusätzlich ein Netzwerkkabel und einen Composite-SCART-Adapter dazu. Keiner der beiden Anbieter legt jedoch ein HDMI-Kabel bei – die Hersteller bekämen es in Mengenabnahme als Cent-Artikel, der Anwender muss es im Fachhandel zumeist vollkommen überteuert einkaufen.
Technische Daten
| Hersteller | Seagate | Western Digital | ||
| Modell | FreeAgent Theater+ | WD TV Live | ||
| SOC | Realtek RED1073MD, 400 MHz | Sigma Design SMP8655AD, 500 Mhz | ||
| RAM | 128 MByte | 512 MByte | ||
| Flash | 256 MByte | 512 MByte | ||
| Dateisysteme | FAT16/32, NTFS, Apple-HFS+ | FAT16/32, NTFS, Apple-HFS+, Ext3 (rw), Ext4 (ro) | ||
| LAN-Protokolle | Appleshare, SMB, UpnP | Appleshare, DLNA, SMB, UpnP | ||
| SMB-Server | nein | ja | ||
| Maße (mm) | 30 x 183 x 175 | 40 x 100 x 125 | ||
| Anschlüsse | 100-Mbit/s-Ethernet, 3 x USB 2.0, HDMI, A/V, S/PDIF (optisch), YpbPr | 100-Mbit/s-Ethernet, 2 x USB 2.0, HDMI, A/V, S/PDIF (optisch), YPbPr | ||
| Zubehör | Netzteil, Fernbedienung, A/V-Composite-Kabelpeitsche, YpbPr-Kabelpeitsche, Composite-SCART-Adapter, Netzwerkkabel | Netzteil, Fernbedienung, A/V-Composite-Kabelpeitsche, YpbPr-Kabelpeitsche | ||
| Stromverbrauch (Idle / Last / Off) | 8,2 / 10,0 / 0,0 | 6,5 / 8,5 / 5,0 Watt | ||
| Besonderheiten | 1 x USB 2.0 als Festplatten-Dock, keine Pause-Funktion bei Online-Videos, integrierte Hilfe-Seiten, Reset-Taster, Lautstärke und Zoom auf Fernbedienung | sehr enge Positionierung der Anschlüsse | ||
| Preis (UVP/Straße) | 140 / 120 Euro | 135 / 110 Euro | ||
| Unterstützte Formate | ||||
|---|---|---|---|---|
| Containerformate | AVI, MKV/MKA, DAT (VCD/SVCD), MP4/MOV (nur mit ISO-MPEG4 oder H.264-Codec), WMV (nur WMV3 bzw. 9/VC-1), MPG, ISO (unverschlüsselt, DVD, AVCHD, BD), MPEG-TS (TP, M2T, MOD, TS, MTS, M2TS), WAV, VOB, FLV | AVI, MKV/MKA, DAT (VCD/SVCD), MP4/MOV (nur mit ISO-MPEG4 oder H.264-Codec), WMV (nur WMV3 bzw. 9/VC-1), MPG, ISO (unverschlüsselt, DVD, AVCHD, BD), MPEG-TS (TP, M2T, MOD, TS, MTS, M2TS), WAV, VOB | ||
| Video-Codecs | H.264/AVC, WMV3/VC-1, DivX/Xvid, ISO-MPEG4 und MPEG1/2 (alle bis 1920 x 1080), RMVB (bis 1280 x 720) | H.264/AVC, WMV3/VC-1, DivX/Xvid, ISO-MPEG4 und MPEG1/2 (alle bis 1920 x 1080) | ||
| Audio-Codecs | AC/M4A, MP3, M2A, AIFF, (L)PCM, WMA (kein WMA Pro/5.1), DTS/DTS-MA und Dolby Digital (beide Bitstream und Stereo-Downmix), OGG, FLAC | AC/M4A, MP3, M2A, AIFF, (L)PCM, WMA (kein WMA Pro/5.1), DTS/DTS-MA und Dolby Digital (beide Bitstream und Stereo-Downmix), OGG, FLAC | ||
| Grafik | BMP (nur unkomprimiert), JPEG (nur RGB, kein Progressive), GIF, TIFF (nur single-layer), PNG | BMP (nur unkomprimiert), JPEG (nur RGB), GIF, TIFF (nur single-layer), PNG | ||
| Untertitel | SRT, ASS, SSA, SUB oder SMI (im Container oder separat als eigene Datei) | SRT, ASS, SSA, SUB oder SMI (im Container oder separat als eigene Datei) | ||
| Playlists | M3U, PLS, WPL | M3U, PLS, WPL | ||
| Features | ||||
| Dateimanager | nein | ja | ||
| Internet-Funktionen | Video (Youtube, zahlreiche Channels), Foto (Flickr, Picasa), RSS-Feeds, Firmware-Update | Video (Youtube), Fotos (Flickr), Webradio (Live365), Firmware-Update | ||
| Video | ||||
| Wiederaufnahme abgebrochener Videos | nur online, nur für das letzte gesehene Video | für alle Videos (nicht online) | ||
| Spulen (online) | 2x | 10-Sekunden-Sprünge | ||
| Spulen (Datei) | 2x (mit Sound), 4x, 8x, 16x, 32x | 10-Minuten-Sprünge, 2x, 4x, 8x, 16x | ||
| DVD-Menüs | ja | nein | ||
| Foto | ||||
| Funktionen | Zoomen, Drehen, Scrollen, Slideshow | Zoomen, Drehen, Scrollen, Slideshow | ||
| Audio | ||||
| Anzeige Albumcover | nein | ja | ||
WD TV Live
Als erstes testeten wir bei Western Digitals nun graumetallic matt statt wie der Vorgänger hochglänzend schwarz gefärbter Medienschachtel (Abbildung 1) die Online-Update-Funktion. Die funktioniert perfekt, lediglich einige missglückte Übersetzungen (Abbildung 2) sorgen für Belustigung. In den Menüs finden sich weitere Kuriositäten, wie Bauelemente für Composite-Video oder 8**Bisschen für 8 Bit. Dass die Statusleiste Barre**d’Information heißt, legt den Verdacht nahe, dass die französische Lokalisierung die Ausgangsbasis für die deutsche war.
Als neues Feature gibt es einen etwas umständlich zu bedienenden Dateimanager, der sich im Einstellungsmenü versteckt. Damit verschieben Sie Dateien zwischen den angeschlossenen USB-Laufwerken oder Netzwerk-Freigaben, kopieren oder löschen sie. Der Transfer geht sogar für USB-2-Verhältnisse etwas gemächlich zu Werk (wir maßen rund 12 MByte/s zwischen zwei NTFS-Laufwerken), aber es funktioniert.
Das Gerät reagiert noch einen Tick flotter als der Vorgänger, was wohl dem von 300 auf 500 MHz beschleunigten SMP8655AD-Chip von Sigma Designs (MIPS, Codename “TangoX”) zu verdanken ist. Er bringt auch einen integriertem 333-MHz-DSP für das Videodecoding mit. Statt 128 MByte RAM gibt es nun satte 512 MByte, was sich nicht nur in flotterer Bedienung bemerkbar macht: Das WD TV Live spielt nun auch 1080p-Videos in H.264 mit sehr vielen Reference-Frames (siehe Kasten “Reference-Frames”) problemlos ab. Dabei verschluckte sich der Vorgänger noch mit Klötzchenhusten, das neue System bewältigte im Test bis zu 15 Ref-Frames ohne Schwierigkeiten.
Reference-Frames
Als Reference Frames (auch Ref-Frames genannt) bezeichnet man die zurückliegenden Bilder, aus denen sich der aktuelle Frame Bildinhalte holen darf. Zwar erlaubt H.264 selbst bis zu 16 Ref-Frames, der Blu-ray/AVCHD-Standard schreibt jedoch maximal vier bei einer Auflösung von 1920×1080 vor. Das ist auch das Maximum, das die meisten Hardwareplayer (Blu-ray-Player, Playstation 3, Xbox 360, Popcorn Hour Mediacenter) unterstützen. Das Hauptproblem bei vielen Reference-Frames stellt – insbesondere bei Embedded-Geräten – der Speicherverbrauch dar: Das System muss alle vergangenen Frames zur Referenzierung vollständig im Speicher vorhalten. Die Anzahl der Reference Frames finden Sie beispielsweise mit dem äußerst nützlichen Werkzeug Mediainfo [13] heraus.
Medienfreundlich
Das WD TV Live verweigert sich noch immer allen optischen Medien, obwohl nach Angabe des bekanntesten WD-TV-Firmware-Hackers seine Firmware Unterstützung dafür integriert, aber deaktiviert [4]. Dafür zeigt es sich gewohnt abspielfreudig, was Dateien angeht (siehe Tabelle “Technische Daten”). Die Files dürfen auf Dateisystemen der Typen FAT16/32, NTFS oder sogar Apple HFS+ liegen, wobei das Gerät (wie Linux selbst) auf HFS+ nur lesend zugreift. Zudem unterstützt das WD TV Live auch Ext3 (lesend und schreibend) und Ext4 (nur lesend) – was Western Digital nicht für erwähnenswert zu halten scheint, denn der Hersteller preist dieses Feature nirgendwo an.
Wir testen das WD TV Live mit diversen schwierigen, von HDTV-Sendern digital aufgezeichneten H.264-Beispielclips, wie sie x264-Entwickler zum Test verwenden [5]: Das WD TV spielt alle mit Bravour. Der Deinterlacer für Interlace-Material wie etwa dem bei TV-Sendern populären 1080i könnte etwas besser ausfallen, man sieht Kanten. Im Test stellt sich heraus, dass WDs Mediaplayer kein DivX/Xvid mit GMC (“Global Motion Compensation”) unterstützt – das beherrschen allerdings auch viele andere Hardware-DivX-Playern nicht. Auch Videos in WMV1/2, DV oder in den sonstigen älteren Quicktime-Codecs spielt das Gerät nicht.
Dateien im Flash-Video-Container FLV zeigt das WD TV Live nicht einmal an – obwohl es den FLV-Standard-Codec H.264 unterstützt und auch problemlos die eingebetteten FLV-Videos auf Youtube spielt. ISO-Dateien gibt der Mediaplayer grundsätzlich als großen Videostream ohne eine eventuell vorhandene Menü-Navigation ab.
Netzwerk
Als gelungen erweist sich die Netzwerkintegration des WD TV Live: Es sieht nicht nur sofort Zeroconf-Dienste oder UPnP/DLNA-Server (wie beispielsweise das in den meisten Repositories erhältliche Mediatomb), sondern greift auch auf SMB- und Appleshare-Freigaben zu. Support für NFS, SSH und FTP gibt es nur mit einer gehackten Community-Firmware, wie etwa dem WDLXTV Live [6].
Für nicht erwähnenswert hält Western Digital offenbar ein weiteres praktisches Feature, das wir bei den Netzwerk-Einstellungen unter Dateien freigeben entdeckten: Das WD TV Live stellt auf Wunsch die daran angeschlossenen Laufwerke als SMB-Share im Netz zur Verfügung. So kann man die Platte(n) einfach und komfortabel vom Rechner aus befüllen und verwalten, die Lese- und Schreibrate liegt bei rund 6 MByte/s. Die Internet-Funktionen halten sich in engen Grenzen: Youtube für Videos, Flickr für Fotos und Live365 für Webradio.
Bedienung
Es geht bei voller Bestückung des WD TV Live an der Rückseite immer noch recht eng zu (Abbildung 3), hier wirkt sich die geringe Größe nachteilig aus. Die SD-A/V-Ausgänge hat der Hersteller nun als Klinkenstecker ausgelegt statt wie beim Vorgänger als Cinch. Das schafft Platz für den ebenfalls per Klinke realisierten YPbPr-Komponentenausgang. Die rechts und hinten sitzenden USB-Ports stellen immer noch keine optimale Lösung dar; zum Anstecken von USB-Geräten empfiehlt sich insbesondere für den rückwärtigen Port nach wie vor ein permanent angeschlossenes Kabel oder eine USB-Dockingstation.
Nutzer eines HDCP-fähigen DVI-Flachbildschirms müssen nicht mehr ganz so fluchen wie beim Vorgänger, da WD den rückwärtigen USB-Port nun vertikal statt horizontal auslegt. Äußerst eng wird es zumeist dennoch, vieles geht wenn dann nur mit Gewalt – je nach Adapter- und USB-Steckergröße. Eine Notlösung: Kaufen Sie ein HDMI-Kabel und nutzen sie an der Monitor-Seite einen HDMI-zu-DVI-Adapter. Eine Alternative bietet ein USB-Verlängerungskabel mit kurzem Stecker (Abbildung 3), das sich zum einfacheren Einstöpseln ohnehin empfiehlt.

Abbildung 3: Platzprobleme beim WD TV Live: Eine USB-Verlängerung mit HDMI-zu-DVI-Adapter wirkt hier Wunder.
Der WD TV Live ist zwar etwas komplizierter zu bedienen als der Vorgänger, bleibt aber intuitiv. Das Menü untergliedert sich in die Hauptbereiche Video, Foto, Musik und Einstellungen. Das Interface, das dem XMB-Interface von PS3 oder PSP ähnelt (nur vertikal statt horizontal) verzweigt wegen der zusätzlichen Netzwerk-Funktionen nach der horizontalen Ebene nun wieder vertikal – zuvor gab es nur eine horizontale und eine vertikale Ebene. Die zweite vertikale Ebene wählt nun die Quelle (Netzwerk-Shares, USB-Laufwerke, Streaming-Server, Internet-Dienste) aus, die dritte den Sortiermodus der Mediendateien.
Wie beim Vorgänger gibt es an der Bedienung nur wenig zu bemängeln. Videos starten fast verzögerungsfrei, was das relativ flotte Durchzappen einer Video-Sammlung ermöglicht. Das WD TV Live merkt sich praktischerweise beim Abbruch der Videowiedergabe die letzte Position und macht auf Wunsch dort weiter. Informationen zu Auflösung und Codec des Videostreams wären jedoch wünschenswert, außerdem verdeckt die beim Spulen automatisch eingeblendete Informationsleiste eventuelle Untertitel. Gelegentlich hängte sich das Gerät im Test auf oder nahm einen “spontanen” Reset vor – das kennt man schon vom Vorgänger HD TV.
Der Foto-Modus bietet grundlegende Funktionen wie Zoomen, Drehen und Scrollen, außerdem gibt es einstellbare Überblendeffekte für Slideshows. Als Online-Foto-Funktion integriert WD Flickr, bei Online-Videos beschränkt sich auf das WD TV Live auf Youtube, das es immerhin sauber integriert, insbesondere seit Firmware 1.01.24: Im “Youtube-Update” hat WD endlich eine rudimentäre Spulfunktion integriert, die in 10-Sekunden-Schritten durchs Video springt – das würden sich auch bei normalen Videodateien gut machen. Die ebenfalls gelungene Integration von Webradios beschränkt sich auf einige ausgewählte freie Sender von Live365 und Pandora (außerhalb der USA nicht verfügbar). Der Musikplayer zeigt im Metatag integrierte oder extern als JPG beiliegende Albumcover an. Die Musik spielt auch während der Menünavigation im Hintergrund weiter, so dass man beispielsweise beim Anschauen eigener Foto-Slideshows oder Flickr-Alben Musikuntermalung nach Wahl hat.
Fernbedienung
Die Fernbedienung ist klein, liegt aber gut in der Hand. WD verzichtet auf einen Knopf-Overkill, die Fernbedienung bietet aber dennoch alle nötigen Funktionen – mit Ausnahme eines Lautstärkereglers, der zumindest bei Stereo-Downmix und Analog-Audioausgang problemlos technisch möglich wäre. Der WD TV Live spult im von DVD-Playern bekannten 2x/4x/8x/16x-Verfahren, wobei während des Spulens die Tasten “Letztes” beziehungsweise “Nächstes” 10 Minuten springen.
Beim Abspielen von Videos regelt das Steuerkreuz lediglich die Verzögerung eventuell vorhandener Untertitel – nützlicher wäre da da stattdessen ein Mplayer-ähnliches Sprungsystem gewesen. Mplayer springt beim Drücken auf die Cursortasten in 10-Sekunden- oder 1-Minuten-Schritten vor und zurück, was die Navigation im Film viel einfacher macht als das umständliche, aber leider weit verbreitete System mit zyklisch durchgeschalteten Spulgeschwindigkeiten. Bei einigen Videos, insbesondere Xvid, hat das WD TV Live etwas Probleme beim Zurückspulen und hängt insbesondere im 2x-Modus gerne einmal an einer Stelle fest.
Hacked-Firmware
Die WDLXTV-Live-Firmware [6] des bekannten WD-TV-Hackers b-rad ermöglicht nicht nur oben schon Erwähntes wie Unterstützung für optische Laufwerke und USB-Hubs, Telnet/SSH-Logins und Zugriff auf NFS-, SSH- und FTP-Shares. Daneben realisiert sie auch Theme-Unterstützung und die Nutzung des WD TV Live als Server – egal ob als Webserver mit Webkonfigurations-GUI, als DAAP-Server für iTunes oder als FTP-Server. Auch eine Version mit integriertem Bittorrent- und NZB-Client gibt es, mit der das WD TV Live als lüfterloser und stromsparender Download-Sklave fungiert.
Die Installation von WDLXTV Live 0.3.41 ist schnell erledigt. Sie kopieren die entsprechenden Dateien auf einen USB-Stick, das WD TV Live weist beim Einstecken automatisch auf die neue Firmware hin und fragt, ob es sie einrichten soll. Dienste wie Telnet, SSH und FTP funktionieren sofort einwandfrei, die Login-Daten dazu finden sich im README. Die Firmware erweist sich im Test als noch nicht so ausgereift wie jene für den Vorgänger.
Die Skriptsammung cd-manager für optische Laufwerksunterstützung hat b-rad entfernt und empfiehlt den lokalen UPNP-Server UMSP [7] als Alternative. Dieser macht sämtliche (auch an Hubs) angeschlossenen USB-Geräte und das Root-Dateisystem über das Servermenü der WD-TV-Live-Benutzeroberfläche zugänglich und integriert obendrein auch Unterstützung für Apple-Trailer und hunderte von Web-Radiostationen. Ersteres ist äußerst nützlich, denn trotz USB-Hub-Unterstützung versteht sich das WD TV in der normalen GUI-Navigation immer noch auf maximal zwei USB-Massenspeicher.
Durch Auswahl von entsprechenden Unterpunkten ändert man beispielsweise die Sortierreihenfolge oder lässt sich den Output von top als UPnP-Dateiliste anzeigen. Eine gute Idee, die Umsetzung muss allerdings noch etwas reifen: Bei der Apple-Trailerwiedergabe stoppte die Wiedergabe nach ein paar Sekunden, die GUI fror ein. Des öfteren reagierte UMSP auch nicht mehr, insbesondere wenn Musik im Hintergrund lief. Darüber hinaus lässt sich die Unterstützung von optischen Laufwerken momentan nicht nutzen, da diese beim Booten schon angeschlossen sein müssen – WDLXTV 0.4.1 startet mit angeschlossenem USB-Hub aber nicht vom USB-Stick.
Im Gegensatz zu den featurereichen gehackten Firmwares für den Vorgänger benötigt die Live-Version für viele der ursprünglich dem NSLU2-Projekt entliehenen Ipkg/Optware-Pakete keinen eigenen USB-Stick mehr, da der integrierte Flash-Speicher mit 256 MByte nun groß genug ausfällt. Für extra installierte Module, die Schreibrechte außerhalb des /tmp-Verzeichnisses brauchen (beispielsweise auch UMSP) ist jedoch weiterhin ein Ext3-Live-Boot mittels root.bin auf einem USB-Stick Pflicht. Die Boot-Zeit reduzierte b-rad durch die Integration vieler vormals vom USB-Stick geladener Pakete in den Flash-Speicher jedoch drastisch. Sie unterscheidet sich ohne USB-Stick kaum mehr von jener der Original-Firmware (etwa 30 Sekunden bei Kaltstart, 5 Sekunden beim Warmstart). B-rad bietet auch ein angepasstes Debian fürs WD TV Live an [8].
Um die amtliche Firmware wieder einzuspielen, laden Sie die Version herunter, auf der die WDLXTV-Live-Firmware basiert [9]. Nun ändern Sie die Versionsnummer in der Datei wdtvlive.ver auf eine, die höher ist als die momentan installierte. Danach erfolgt wieder die Installation per USB-Stick.
Stromverbrauch
In Sachen Stromverbrauch erweist sich das WD TV Live als vorbildlich: Im Leerlauf zieht der kleine Kasten gerade mal 6,5 Watt, den höchsten Stromverbrauch beim Video-Abspielen maßen wir mit 8,5 Watt bei 1080p WMV3. Egal, ob optimierte CPU-Player oder GPU-beschleunigte Videodecodierung: Von einem derart niedrigem Stromverbrauch können sowohl PCs als auch Blu-ray-Player nur träumen. Ein kleiner, aber verschmerzbarer Nachteil: Das Gerät schaltet beim Betätigen des Power-Knopfes nur den Bildschirm und die entsprechende LED aus, läuft aber weiter und zieht auch dann immer noch 5 Watt. Unverständlicherweise lässt sich das WD TV mit der Original-Firmware im “Schlafmodus” allerdings nicht im Netzwerk (SMB) erreichen – mit der Firmware von b-rad funktioniert das über sämtliche Dienste.
Seagate FreeAgent Theater+
Da das FreeAgent Theater+ als direkter Konkurrent zum WD TV Live auftritt, beschränken wir uns auf die Erwähnung der Features und Funktionen, die die beiden Geräte unterscheiden.
Als erstes fällt an dem größeren, aber flacheren hochglanz-schwarzen Gerät das integrierte 2,5-Zoll-Dock auf. Hier findet ein FreeAgent-Go-Laufwerk von Seagate Platz – insbesondere für Feinde des USB-Kabelsalats eine praktische Lösung (Abbildung 4). Beim Stecker in der Mitte der Media-Bay, der sich unter dem abnehmbaren Plastikdeckel verbirgt, handelt es sich um einem handelsüblicher Mini-USB-B-Anschluss. Wenn man also Glück oder ein Mini-USB-B-Verlängerungskabel zur Hand hat, nimmt er auch Verbindung zu beliebigen anderen USB-Massenspeichern auf.
Somit hat man letztendlich statt zwei USB-Ports (einer hinten, einer vorne) sogar derer drei zur Verfügung. Abgesehen davon bietet das Theater+ die selben Anschlüsse wie das WD TV Live. Da das Gerät breiter baut, kommen sich die Ports auch nicht gegenseitig in die Quere: Ein Betrieb mit HDMI-zu-DVI-Adapter bereitet keine Probleme (Abbildung 5). Seagate bietet optional sogar einen eigenen USB-WLAN-Dongle in passender Optik an.

Abbildung 5: Bei Seagates Mediaplayer gibt es selbst bei voller Steckerbestückung keine Platzprobleme.
Unter der Haube
Seagate setzt auf einen anderen MIPS-Chip, den Realtek “Venus” RTD1073MD [10] mit 400 MHz. Er verfügt über 128 MByte RAM und 256 MByte Flash-Speicher. Denselben Chip nutzen auch Player von Asus, Medion und Patriot. Seagates 3 x 18,3 x 17,5 Zentimeter großer Media-Flachmann unterstützt die Dateisysteme FAT16/32, NTFS und HFS+, kommt im Gegensatz zu Western Digitals Gerät jedoch nicht mit Ext3/4 zurecht. Seagate integriert keinen Dateimanager, auch einen globalen Medienindex wie beim WD TV Live gibt es nicht.
Das FreeAgent Theater+ spielt alle Container und Codecs, die auch das WD TV Live unterstützt. Es beherrscht zusätzlich allerdings FLV und das besonders in Asien und China populäre RMVB (Realmedia Variable Bitrate) – jedoch nur bis zu Auflösungen von 1280×720 (720p). Ein weiterer Punkt für Seagate: DVD-Menüs in ISOs unterstützt das Theater+ voll, inklusive Navigation und Motion-Menüs. Eine Testdatei des x264-Projekts (luxe.hd.mts, [5]) funktionierte nicht, der Rest dafür einwandfrei. In Sachen Reference-Frames liegt das FreeAgent Theater+ zwischen dem alten WD TV und dem neuen Live: Mit Ausnahme des 15-Reference-Frames-Testclips spielte das Seagate-Gerät alle anderen mit 5, 6, 8, 10 oder 11 Reference-Frames problemlos ab. Wie beim WD-Konkurrent funktionieren bei Seagates Gerät DV, GMC in DivX/Xvid, WMV1/2, spezielle Quicktime-Codecs und optische USB-Laufwerke nicht.
Überraschenderweise unterstützt das FreeAgent Theater+ keine JPEGs im Progressive-Modus. Bei Audiodateien zeigt Seagates Medienflunder keine beiliegenden respektive im Meta-Tag integrierten Covers an.
Benutzeroberfläche
Die größten Unterschiede zur Western-Digital-Konkurrenz liegen in der grafischen Benutzeroberfläche: Seagate untergliedert sie in die fünf Hauptbereiche Filme, Fotos, Musik, Internet und Geräte. Bei der Auswahl von Filmen, Fotos oder Musik zeigt das FreeAgent Theater+ eine Liste mit allen spielbaren Dateien an, über die Menü-Taste ändern Sie die Sortierung oder suchen manuell im Dateisystem.
Unter Geräte verzweigt die nächste Ebene zwischen der Dateistruktur der USB-Laufwerke, Netzwerkfreigaben oder Media-Servern (UPNP). Der Seagate-Player benennt angeschlossene USB-Laufwerke in übelstem Windows-Stil als C, D und E. Verwirrend: Er listet immer nur den jeweils letzten mit Ordner durchsuchen ausgewählten Medientyp (Film, Foto, Musik) auf. Andererseits liefert das Theater+ beim Druck auf die Info-Taste umfassende Informationen zur Auflösung und zum Codec des gerade spielenden Videos. Eine patente Idee sind auch die integrierten Hilfeseiten, die ein Handbuch überflüssig machen.
Gelegentlich stürzte das Gerät im Test kommentarlos ab oder fror ein. Manche Abstürze waren reproduzierbar, beispielsweise beim Aufruf des Wetter-Widgets, von Picasa oder Flickr, während im Hintergrund Musik spielte. Anders als WD hat Seagate aber praktischerweise einen Reset-Knopf hinten am Gerät angebracht.
Netzwerkfunktionen
Mit Version 1.26 der Firmware integrierte Seagate zahlreiche Internet-Funktionen. Neben Youtube und Flickr residieren hier auch Picasa sowie verschiedene RSS- und Video-Feeds in schicken, nach Themenbereich sortierten grafischen Menüs. Dort findet man beispielsweise Kanäle für die Tagesschau, das Computermagazin “Neues” oder den Discovery-Channel. Als Bonus gibt es noch Widgets für Wetter und Börsenkurse.
Die Online-Videos lassen sich zwar spulen (allerdings nur maximal mit doppelter Geschwindigkeit), jedoch nicht pausieren. Die ausschließlich bei Online-Videos implementierte Fortsetzen-Funktion setzt Seagate wenig überzeugend um, sie merkt sich nur die Position im jeweils zuletzt abgebrochenen Film. Zwischendurch etwas anderes gucken und später weiter schauen verbietet sich somit. Internet-Radiosender fehlen unverständlicherweise vollständig.
Das FreeAgent Theater+ kann zwar auf UPnP-Server und SMB/AFP-Freigaben zugreifen, jedoch fehlt ein integrierter SMB-Server, der das Gerät im Netzwerk selbst erreichbar macht. Somit gibt es keine Möglichkeit, via Netzwerk mit dem Rechner Dateien auf angeschlossene Laufwerke zu kopieren. Da obendrein wie bereits erwähnt auch ein Dateimanager fehlt, klappt das auch mit dem FreeAgent Theater+ selbst nicht. Diese ärgerlichen Mankos behebt jedoch eine gehackte Firmware – dazu später mehr.
Das FreeAgent Theater+ erweist sich mit 8,2 Watt im Leerlauf und maximal 10 Watt beim Videospielen als etwas stromhungriger als das WD TV Live, jedoch schaltet das Betätigen des Power-Knopfes das Gerät auch tatsächlich ab.
Fernbedienung
Die Fernbedienung des FreeAgent Theater+ bietet einen Lautstärkeregler und eine nützliche Stummschalte-Taste. Spulen funktioniert zwar mit bis zu doppelter Geschwindigkeit sogar mit Sound, die Maximalgeschwindigkeit liegt bei 32x. Das stellt aber unschönerweise die einzige Möglichkeit zur Navigation im Film dar. Bei einem Dreistunden-Film mit Überlänge spult man also selbst mit 32x fast 6 Minuten, um ans Ende zu kommen. Obendrein merkt sich das FreeAgent Theater+ beim Abbruch der Wiedergabe auch nicht die Position im Video, sodass man später beim Weiterschauen stets manuell spulen muss. Positiv an der Fernbedienung: Ein Zoom-Knopf erlaubt es, schnell mit einem Knopfdruck ins Foto oder Video zu zoomen um ein Detail zu vergrößern.
Hacked-Firmware
Seagate hat für das FreeAgent Theater+ – wie auch für seine anderen Open-Source-basierten Produkte – den Quellcode veröffentlicht [11]. Da das Gerät aber noch relativ neu ist, bleibt die Hacking-Community bislang recht überschaubar. Es gibt schon erste Mods zum Herunterladen [12], die einen Samba-Server, SSH, Telnet, FTP, ein Web-Interface, einen Torrent-Client sowie Ipkg/Optware-Unterstützung bieten. Momentan organisiert sich die hackfreudige Anwenderschaft über Seagates Foren, dedizierte Community-Anlaufstellen fehlen noch. Achten Sie beim Herunterladen genau wie bei der offiziellen Firmware darauf, die lokalisierte EMEA-Version anzuklicken, nicht etwa die US-Variante.
Wir testen mit PMP Alpha 8d der Hacked-Firmware, die schon gut funktioniert. Im Gegensatz zum WD TV Live bleibt beim FreeAgent Theater+ das Risiko minimal, durch missglücktes Flashen das Gerät unbrauchbar zu machen (zu “bricken”): Das Theater+ kennt eine so genannte Cold-Flash-Methode, die immer funktioniert. Mit dieser installieren Sie auch die Hacked-Firmware: Stromversorgung abstecken, USB-Stick mit install.img-Datei einstecken, Strom wieder einstecken und gleichzeitig Reset-Knopf drücken, bis das Seagate-Logo erscheint.
Telnet und SMB funktionieren nach der Installation sofort, ebenso das Web-Interface. An der grafischen Benutzeroberfläche ändert sich nichts, noch nicht einmal die Versionsnummer weist auf die gehackte Firmware hin. Sämtliche bisher implementierten Erweiterungen beziehen sich auf die Netzwerkfunktionen. Der Transfer via SMB läuft allerdings noch gemächlicher als beim WD TV Live, wir messen 4,2 MByte/s. Ein nettes Gimmick: Über das Webinterface kann man unter anderem den Player fernsteuern.
Fazit
Western Digital hat mit dem WD TV Live ordentlich nachgelegt: Viele Features, die zuvor nur mittels gemoddeter Firmware verfügbar waren, finden sich nun direkt integriert und unterstützt. Zudem ermöglichen die leistungsfähigere Hardware und der größere Speicher den Hackern nun ganz neue Features.
Seagates FreeAgent Theater+ erweist sich als harter Konkurrent und könnte dem Platzhirschen einige sourcecodeträchtige Hacker-Hirschkühe abspenstig machen. Die Benutzeroberfläche und die Firmware zeigen sich als noch nicht ganz so ausgereift wie beim WD TV Live, sind aber auf dem besten Weg dahin. Das FreeAgent Theater+ bietet schon jetzt einige attraktive Features, die man bei WD vergeblich sucht.
Infos
[1] Hacking Community um das WD TV: http://b-rad.cc/, http://wdtvforum.com, http://wiki.wdtv.org
[2] Liste unterstützter WLAN-Adapter des WD TV Live: http://tinyurl.com/wdtvlive-usbdev
[4] WD TV Live in Hackerhand: http://b-rad.cc/974/wdtv-live-unboxing-undressing/
[5] x264-HDTV-Samplefiles: http://x264.nl/h.264.samples
[6] Community-Firmware für das WD TV Live: http://b-rad.cc/wdlxtv-live/
[7] UMSP, lokaler UPnP-Server für WD TV: http://wdtvforum.com/main/index.php?topic=4459.0
[8] Debian auf WD TV Live: http://b-rad.cc/1058/debian-on-wdtv-live/
[9] Offizielle WD-Firmware: http://b-rad.geg0r.de/index.php?dir=official-firmware
[10] Realtek RTD1073: http://tinyurl.com/rtd1073md
[11] Sourcecode für das Seagate FreeAgent Theater+: http://tinyurl.com/seagate-source
[12] Hacked-Firmware für das Freeagent Theater+: http://tinyurl.com/seagate-fat-hackfw
[13] Mediainfo: http://mediainfo.sf.net








