Mit seiner NASync-Serie möchte der Neueinsteiger UGreen im NAS-Markt die Konkurrenz das Fürchten lehren.
Den Konsumentenmarkt für Network Attached Storage (NAS) teilen in den letzten Jahren Anbieter wie Synology und Qnap zu großen Teilen untereinander auf. In der zweiten Reihe stehen Terramaster und Asustor. Das führte dazu, dass sich die Platzhirsche keine allzu große Mühe geben mussten, um ihre Marktanteile zu halten. Das könnte jetzt vorbei sein, denn seit dem Frühjahr drängt der neue Anbieter UGreen mit mehr als konkurrenzfähigen Geräten in den Markt der praktischen, per Netzwerk angeschlossenen Datenspeicher für die private Cloud.
“Neuer Anbieter” stimmt hier allerdings nicht ganz, denn das in Shenzhen beheimatete Unternehmen UGreen ist ein etablierter und angesehener Lieferant von Kabeln, Netzteilen, Docks, Hubs und Powerbanks mit einem Jahresumsatz von rund 7 Milliarden US-Dollar. Netzwerkspeicher hatten die Chinesen bisher nicht im Portfolio. UGreen erkannte jedoch, dass die NAS-Platzhirsche sich bei ihrer Hard- und Software kein Bein ausreißen. Das sah man als Einstiegspunkt an und kündigte eine Serie namens NASync an, um der Konkurrenz Paroli zu bieten.
Dank HDMI-Eingang eignen sich die Geräte nicht nur als Datenspeicher, sondern machen mit der entsprechenden Software auch als Home-Server eine gute Figur. Die NASync-Systeme gibt es vorerst nur in den USA und in Deutschland zu kaufen, die Ausweitung auf andere Märkte bereitet UGreen gerade vor.
Kampfansage
Die medienwirksame Ankündigung auf der Branchenmesse CES im Frühjahr 2024 weckte das Interesse an den sechs NASync-Modellen für zwei, vier, sechs oder acht Festplatten [1]. Fünf davon erlauben eine Mischbestückung mit HDDs und bis zu zwei NVMe-SSDs, das sechste setzt ganz auf Flash und nimmt bis zu vier NVMe-SSDs auf.
Die Tatsache, dass selbst das mit nur zwei Einschüben ausgestattete Einsteigergerät sich via 2,5-Gbit/s-Ethernet ans LAN anbinden lässt, zeigt wie viele andere Details der NASync-Serie die kompromisslose Herangehensweise des Neueinsteigers. Kurz gesagt, ist die Hardware zu den veranschlagten Preisen derzeit konkurrenzlos. Kein anderer Hersteller offeriert derzeit ein per 10-Gbit/s-Ethernet angebundenes NAS mit vergleichbarer Ausstattung zu einem ähnlichen Preis an. Die Geräte der Konkurrenz bieten entweder weniger fürs gleiche Geld oder kosten um einiges mehr.
Ende März 2024 startete UGreen eine Schwarmfinanzierung auf Kickstarter mit dem Ziel, 20 000 US-Dollar einzuspielen. Zwölf Stunden nach Beginn der Kampagne stand dank des guten Marketings und 40 Prozent Nachlass auf den Endpreis für 48 Stunden der Zähler bereits auf 2,5 Millionen US-Dollar und blieb nach einem Monat Laufzeit bei fast 6,7 Millionen US-Dollar stehen. Zeitgleich mit dem Beginn der Kampagne erschienen zahlreiche Videos von Youtubern, die im Vorfeld voll ausgestattete Testgeräte erhalten hatten.
Da das private Qnap-NAS des Autors bereits in die Jahre gekommen ist, erwies sich das Crowdfunding als gute Möglichkeit, für Ersatz zu sorgen. Für das angepeilte NASync DXP4800 Plus, das nach dem offiziellen Markteintritt rund 650 Euro kosten sollte, reduzierte sich mit dem Early-Adopters-Nachlass der Preis auf 389 Euro. Da UGreen bereits ein Vertriebsnetz in Deutschland hat, sind Versand und Steuern bereits im Preis enthalten. Die Lieferung war für Juni 2024 avisiert, die Ware traf am 6. Juni ein. Solche Pünktlichkeit ist bei Crowdfunding eher unüblich. Bis dahin hatte UGreen also alles richtig gemacht.
Die Hardware
In unserem Testgerät (Abbildung 1) arbeitet eine Intel-CPU des Typs 8505 Gold [2] mit 5 Kernen und 6 Threads, einer maximalen Taktfrequenz von 4,40 GHz und allen für die Virtualisierung notwendigen VT-x-Erweiterungen. Der Prozessor samt integriertem UHD-Grafikchip entstammt der 12. Intel-Generation. Als Arbeitsspeicher steckt ein 8-GByte-Riegel DDR5 mit einer Taktung von 4800 MHz im Gerät, das RAM lässt sich über zwei Sockel auf bis zu 64 GByte erweitern.

Abbildung 1: Während der Testphase stand das UGreen-NAS auf dem Schreibtisch, mittlerweile nimmt es einen Platz im TV-Regal ein.
Das NASync DXP4800 Plus verfügt über vier Platten-Slots sowie eine im System verbaute, über PCIe 3.0×2 angeschlossene NVMe-SSD von Phision mit einer Kapazität von 128 GByte. Zwei via PCIe 4.0×4 angebundene NVMe-Steckplätze im M.2-2280-Format lassen sich entweder als Cache oder als schneller Datenspeicher nutzen, je nachdem, ob man nur einen oder beide Steckplätze bestückt. Ist nur ein Platz belegt, dient die NVMe wahlweise als Lese-Cache oder zusätzliches Volume. Bei Doppelbestückung richtet man entweder einen Lese-Schreib-Cache ein oder legt ein RAID 1 als zusätzliches Volume für Docker-Container oder virtuelle Maschinen an.
Ans Netz geht das DXP4800 Plus über zwei Ethernet-Anschlüsse mit 2,5 und 10 Gbit/s Bandbreite, die sich bei Bedarf per Link Aggregation bündeln lassen. Daneben gibt es auf der Gehäusevorderseite je einen USB-3.2- und USB-C-Anschluss sowie einen SD-Kartenleser. Auf der Gehäuserückseite finden sich ein USB-3.2- und zwei USB-2.0-Ports, die RJ45-Buchsen für das 2,5- und 10-Gbit/s-Ethernet sowie ein HDMI-Eingang. Die Hardware steckt in einem dunkelgrauen Unibody aus stabilem Aluminium mit den Maßen 17,8 x 17,8 x 25,75 Zentimeter, das Gewicht liegt bei 4,3 Kilogramm. Die Verarbeitung wirkt makellos, die Haptik vermittelt Wertigkeit.
Es gibt einen Punkt am DXP4800 Plus, bei dem eine Nachbesserung sinnvoll erscheint. Dabei geht es um den hinter einem magnetisch befestigten Staubfang angebrachten 140-Millimeter-Gehäuselüfter, der bei hoher CPU-Aktivität in einer ruhigen Umgebung selbst aus einigen Metern Entfernung noch deutlich zu hören ist. Wir haben den Standardlüfter gegen einen Be Quiet Silent Wings 4 ausgetauscht, als Alternative bietet sich der Noctua NF-A14 an. Das NAS offeriert einen PWM-Anschluss, sodass man den Lüfter nur anstecken muss.
Bei den anderen Modellen verbaut UGreen teilweise andere Lüftergrößen. So verfügen die größeren Modelle über zwei Lüfter mit je 90 (DXP6800) respektive 120 (DXP8800) Millimeter Durchmesser. Einen genauen Überblick über die Spezifikationen aller sechs Geräte finden Sie auf Kickstarter unter Specifications [3]. Wir haben zudem die Wärmeleitpaste auf der CPU gegen eine hochwertigere Variante [4] getauscht und konnten damit die CPU-Temperatur um 5 bis 8 Grad Celsius senken. Das Zerlegen der dicht gepackten NAS-Komponenten ist allerdings nur routinierten Hardwarebastlern zu empfehlen.
Die Software
Der Betriebssystemaufsatz, den UGreen auf der Basis von Debian 12 selbst entwickelt hat, hört auf den Namen UGOS (Abbildung 2) und befand sich beim Start des Crowdfundings noch im Alpha-Stadium. Selbst bei Auslieferung war bestenfalls das Beta-Stadium erreicht. Die Software ist ebenso proprietär wie die Lösungen von Qnap und Synology. Noch fehlende Funktionen will UGreen im Jahresverlauf 2024 sukzessive ausliefern.

Abbildung 2: Der erste Start der UGOS-Weboberfläche zeigt die von UGreen vorinstallierten Anwendungen. Hinter der Glocke mit dem roten Punkt oben rechts wartet eine Übersicht der nächsten Schritte bei der Einrichtung.
Anfangs tat sich der Hersteller damit schwer, den Käufern den Einsatz eines Betriebssystems ihrer Wahl zu erlauben. Im BIOS der NASync-Systeme war ein Watchdog aktiviert, der nach drei Minuten Alarm schlugt, wenn das System zwar eingeschaltet war, aber das auf der System-SSD installierte UGOS nicht lief. Zudem war die System-SSD durch ein Siegel geschützt, dessen Entfernung zum Garantieverlust führte. Selbst ins BIOS wollte UGreen die Käufer zunächst nicht lassen.
Die Chinesen hatten wohl unterschätzt, dass ihre Absatzmärkte im Westen liegen und ein solcherart vernageltes System hierzulande wenig Chancen hat. Nach einer Welle des Protests lenkte UGreen ein und erlaubt nun sowohl den Zugang zum BIOS (per [Strg]+[F2]) als auch die Installation eines fremden Betriebssystems. Der Watchdog lässt sich abschalten, die System-SSD kann man dann ersetzen oder im BIOS deaktivieren. Alternativ lässt sich einer der SSD-Steckplätze zum Booten nutzen, indem man die Bootreihenfolge entsprechend anpasst.
UGreen hat aus der Affäre gelernt, pflegt mittlerweile eine offenere Kommunikationspolitik und reagiert schnell auf Wünsche der Community. Alternative Betriebssysteme für das UGreen-NAS (siehe Kasten “Alternative Betriebssysteme”) behandelt der Teil 2 dieses Artikels in der nächsten Ausgabe näher. Im vorliegenden Teil sehen wir uns zunächst einmal an, wo UGOS derzeit steht und für wen es sich eignet.
Alternative Betriebssysteme
Eventuell möchten oder können Sie nicht so lange warten, bis UGOS die von Ihnen benötigten Funktionen bietet. Möglicherweise vertrauen Sie dem Anbieter nicht, weil er in der Volksrepublik China sitzt. Vielleicht stehen Sie auch ganz einfach mit proprietärer Software auf dem Kriegsfuß. Kein Problem: UGreen lässt Ihnen hier mittlerweile mehr Freiraum als die Konkurrenz. Als UGOS-Ersatz kommen mehrere Kandidaten infrage, je nachdem, wie Sie Ihr NAS einsetzen möchten. An vorderster Front stehen dabei Proxmox, Unraid, TrueNAS Scale und OpenMediaVault; daneben kommen auch ein reines Debian oder sogar Windows 11 infrage. Wie Sie ein anderes Betriebssystem aufspielen, zeigt der zweite Teil dieses Artikels in der kommenden Ausgabe.
UGOS
Bei dem von UGreen aufgesetzten RAID (Abbildung 3) handelt es sich um ein Linux-basiertes Software-RAID (Abbildung 4), auf dem Btrfs als Filesystem zum Einsatz kommt. Die bekannten potenziellen Fehler von Btrfs hinsichtlich RAID 5 und 6 kommen hier also nicht zum Tragen. Aus der Sicht von Btrfs stellt das Array lediglich eine große Platte dar (Abbildung 5) – quasi das Beste aus zwei Welten.

Abbildung 3: Im ersten Schritt zur Einrichtung des NAS erstellen Sie einen oder mehrere Speicher-Pools. Dazu fassen Sie eine Anzahl von Speichermedien per RAID zu einem Volume zusammen.

Abbildung 4: Für das Erstellen des Arrays sollten Sie im Speichermanager die Option RAID-Synchronisierung als Priorität einstellen. Damit verringerte sich im Test die veranschlagte Zeit von 14 auf 8 Stunden. Hinterher müssen Sie die Priorität unbedingt wieder umstellen.

Abbildung 5: Das Erstellen eines Speicher-Pools dauert je nach Anzahl und Größe der Medien einige Stunden oder sogar Tage. Nach Abschluss des Vorgangs sehen Sie die Pools im Speichermanager.
UGOS lässt sich über verschiedene Protokolle mit anderen Geräten im LAN und darüber hinaus verbinden. Die Einstellungen dazu finden Sie in der Systemsteuerung unter Dateidienst. Zu den angebotenen Protokollen finden sich neben SMB und NFS auch FTP, Rsync und WebDAV (Abbildung 6). Trotz des Debian-Unterbaus von UGOS richten sich die Anweisungen zum Einrichten lediglich an Windows- und Apple-Nutzer. Der Menüpunkt Erweiterte Einstellungen bietet zusätzlich die Aktivierung der Netzwerkerkennungsdienste Web Service Discovery (WSD, Windows), Bonjour (Apple) und Universal Plug and Play (UPnP) an.

Abbildung 6: Der Zugriff auf entfernte Geräte wird in der Systemsteuerung unter Dateidienst konfiguriert. Dort stehen unter anderem SMB, FTP, NFS, Rsync und WebDAV zur Aktivierung bereit.
Das Einbinden des Netzwerkspeichers in KDE Dolphin und analog in anderen Dateimanagern gelingt problemlos über die Erkennung von Netzwerk-Shares. In Dolphin geben Sie dazu als Präfix smb:// in das Adressfeld ein (Abbildung 7).

Abbildung 7: Im Dateimanager Dolphin reicht meist die Eingabe von smb://, um freigegebene Shares zu erkennen. Der dahinterstehende Dienst heißt bei KDE kio-discovery-wsd.
Applikationen
Die UGreen NASync-Serie hatte ihren offiziellen Markteintritt am 1. Juli 2024 und ist seitdem bei UGreen selbst und bei Amazon erhältlich. Der Verkauf beschränkt sich nach wie vor auf Deutschland und die USA, während UGreen das Vertriebsnetz und die nötigen Support-Kapazitäten für NASync erweitert. In den drei Wochen zwischen der Auslieferung der insgesamt über 13 000 Kickstarter-Geräte und dem offiziellen Markteintritt erhielten wir vier System- und über ein Dutzend App-Updates. Der Support und die Informationspolitik funktionierten gut. Antwort vom Support gab es auf Deutsch oder Englisch per E-Mail oder Telefon meist innerhalb von 24 Stunden. Auf Wunsch schalteten sich die Supporter per Teamviewer auf und behoben bestehende Probleme.
Allerdings war die Software auch bei Markteintritt bei Weitem nicht aus der Beta-Phase heraus. Das wird sich nach unserer Ansicht auch in den nächsten 12 Monaten nicht ändern. Der momentane Nutzwert hängt stark davon ab, welche Nutzungsszenarien Sie für das System anpeilen. Der derzeitige Stand der Software schließt eine professionelle Nutzung praktisch aus, als Heimanwender dagegen können Sie das Gerät – mit Einschränkungen – durchaus als NAS oder Home-Server einsetzen.
Im App Center (Abbildung 8) von UGOS findet sich derzeit primär Software zum Verwalten des NAS, wobei die meisten Apps noch nicht alle geplanten Funktionen bieten. Die Anwendungen für Musik, Video und Fotos funktionieren grundsätzlich, weisen aber ebenfalls noch Einschränkungen auf. Dasselbe gilt für die Apps Virtuelle Maschine und Docker: Die geplante Ein-Klick-Installation von Docker-Diensten steht noch komplett aus.

Abbildung 8: Die Auswahl im App Center wirkt nach wie vor sehr beschränkt. Zumindest sind seit Kurzem aber Apps für Docker und virtuelle Maschinen verfügbar.
Die von UGreen vorinstallierten Apps laufen samt und sonders auf der System-NVMe-SSD. Nachträglich installierte Apps sollten Sie stattdessen auf der oder den NVMe-SSDs auf den beiden freien M.2-Steckplätzen installieren. Das verbessert die Performance und sorgt zudem dafür, dass die HDDs häufiger in den Schlafmodus gehen.
Zugriff von außen bietet UGOS derzeit über den Herstellerdienst UGreenlink oder über dynamisches DNS. In Sachen UGreenlink müssen Sie selbst entscheiden, ob Sie einem Dienst aus der VR China vertrauen möchten – wir haben die Verbindung sofort nach dem Test wieder gekappt. DDNS beschränkt sich derzeit noch auf fünf Anbieter, von denen drei in China sitzen. Die beiden anderen sind No-IP und DuckDNS. Hier muss UGreen dringend nachbessern.
Die Synchronisations- und Backup-Lösung von UGOS lässt sich ebenfalls noch nicht produktiv einsetzen. Das Synchronisieren funktioniert derzeit ausschließlich zwischen UGreen-NAS-Geräten (Abbildung 9). Das Backup-Konzept sieht das Sichern des NAS auf einem entfernten Rechner sowie das Sichern eines entfernten Rechners auf dem NAS vor. Beides soll per Rsync laufen, funktioniert aber noch nicht zufriedenstellend (Abbildung 10). Hier kann man derzeit nur auf Docker-basierte Lösungen wie Syncthing oder Rsync zurückgreifen. An einer funktionierenden Implementierung direkt über die grafische Oberfläche arbeitet UGreen noch.

Abbildung 9: Der Zugriff von außen auf das NAS lässt sich relativ einfach über UGreenlink realisieren, allerdings gibt man sich damit in die Hände des Herstellers. Der Zugriff über DDNS ist schon eher der Privatsphäre zuträglich.

Abbildung 10: Ein Backup des UGreen-NAS mit Bordmitteln klappt derzeit noch nicht. Die Oberfläche zeigt aber, wie das künftig funktionieren soll.
Mobile Apps
Mobil-Apps für das NAS gibt es für Android (Abbildung 11) und iOS. Die von uns getestete Android-App erlaubt den Zugriff auf alle derzeit vorhandenen Verwaltungsfunktionen, von der Überwachung der Temperaturen und Lüfterdrehzahlen bis hin zum Starten und Stoppen von Containern, dem Neustarten oder Ausschalten des Geräts und dem Anstoßen von Updates (Abbildung 12). Multimedia-Inhalte lassen sich ebenfalls ansehen respektive -hören. Die grafische Gestaltung sowie den Funktionsumfang der App kann man als gelungen bezeichnen.

Abbildung 11: Die optisch gut umgesetzte Android-App für das UGreen NAS bietet eine komplette Übersicht über das System und die darauf installierten Anwendungen.

Abbildung 12: Die Android-App zeigt nicht nur den Systemstatus, sondern erlaubt auch den Zugriff auf sämtliche UGOS-Apps. So lassen sich Docker-Container starten und stoppen, deren Ressourcenverbrauch kontrollieren und im Log verfolgen.
Wer in Sachen Docker das komfortable Arbeiten mit Unraid oder Portainer gewohnt ist, muss hier unter Umständen zunächst hinzulernen, um mit der bisher mageren Docker-Implementierung klarzukommen. Unterstützung für Docker Compose fehlt noch, soll aber bald bereitstehen. Eine Alternative bieten Portainer unter UGOS als grafische Variante. Noch einfacher setzen Sie Docker-Container derzeit allerdings per SSH auf, sofern Ihnen der Arbeitsablauf geläufig ist. Der Kasten “Immich im Container ausrollen” zeigt als Beispiel das schnelle Ausrollen der Google-Photos-Alternative Immich als Container im Terminal.
Da wir gerade bei SSH sind: Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, wie bei Debian gewohnt das Grundsystem per apt upgrade zu aktualisieren: Das ist zumindest derzeit nicht vorgesehen und könnte das System beschädigen.
Der derzeitige Stand der Software verbietet wie schon erwähnt einen produktiven Einsatz. Ungesicherte Daten sollten Sie UGOS derzeit nicht anvertrauen. Obendrein gibt es Postings in den Support-Foren auf Facebook, Reddit und Discord, die über fehlende Stabilität der Software klagen. Dabei geht es um Volumes, die sich nach einer Systemaktualisierung nicht mehr einhängen lassen, sowie um nicht mehr zustande kommende Netzwerkverbindungen. Auch wir hatten immer wieder Probleme, uns per SSH auf das NAS zu verbinden.
Immich im Container ausrollen
Voraussetzung für das Ausrollen ist die Installation von Docker und Docker Compose. Verbinden Sie sich per SSH mit UGOS, legen Sie ein Verzeichnis für Immich an und wechseln Sie dorthin (Listing 1, erste Zeile). Dann laden Sie zwei Dateien von Github in dieses Verzeichnis (zweite und dritte Zeile). Anschließend passen Sie die .env-Datei nach Ihren Wünschen an und starten zu guter Letzt das Ausrollen der Container (letzte Zeile). Nach Abschluss des Vorgangs finden Sie Immich startbereit in der Docker-App von UGOS.
Listing 1
Immich ausrollen
$ mkdir ./immich && cd ./immich $ wget -O docker-compose.yml https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/docker-compose.yml $ wget -O .env https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/example.env ... $ docker compose up -d
Fazit und Ausblick
Das UGreen NASync DXP4800+ und die anderen Geräte der Serie hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Bei der Hardware gibt es bis auf den je nach Standplatz etwas zu lauten Lüfter nichts zu beanstanden. Auf den ersten Blick erkennt man die durchdachte Konstruktion, die bereits bei den nummerierten Laufwerksschächten an der Vorderseite beginnt und bei dem von Magneten gehaltenen Staubfilter an der Rückseite längst nicht endet.
Hinsichtlich der Software muss sich UGreen den Vorwurf gefallen lassen, viel zu spät mit der Entwicklung begonnen zu haben. Ein Markteintritt mit Beta-Software hinterlässt alles andere als einen vertrauenswürdigen Eindruck. Besonders Neueinsteiger in die Welt der NAS-Systeme werden enttäuscht sein, da ihnen das Know-how fehlt, um die Unzulänglichkeiten des derzeitigen Softwarestands zu umgehen. Gehören Sie zu dieser Gruppe, raten wir so lange vom Kauf ab, bis die Software alle geplanten Funktionen fehlerfrei liefert.
Alte Hasen in Sachen Netzwerkspeicher finden bei UGreen eine im Vergleich zur Konkurrenz preislich absolut interessante Hardware, die mit einem alternativ zu installierenden Betriebssystem sofort in den produktiven Betrieb gehen kann. Wie das funktioniert, lesen Sie im zweiten Teil dieses Artikels in der nächsten Ausgabe. (jlu)





