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Fortgeschritten

Schul-Linux von Praktikern für Praktiker

20.05.2009
Mit LinuxAdvanced reiht sich ein Linux aus Österreich in den Reigen der Edu-Distributionen ein. Es überzeugt durch eine solide Basis und neue, an der Praxis ausgerichtete Ideen auch als Allrounder.

README

LinuxAdvanced wurde eigentlich als Distribution für den schulischen Alltag entwickelt. Die umfangreiche Software-Ausstattung, multiple Kernel-Versionen und der clevere Installer machen das System aber auch zum interessanten Allrounder.

Bildungsdistributionen und freie Software für Lehr- und Lernzwecke gibt es inzwischen viele. Selten kommt es jedoch vor, dass aktive Pädagogen, die mit dem schulischen Alltag, den EDV-Sorgen ihrer Kollegen und dem Lehrplan bestens vertraut sind, eine eigene Distribution entwickeln – quasi aus der Praxis für die Praxis – und diese auch intensiv pflegen. Genau dies ist am renommierten Bundesgymnasium Rechte Kremszeile im österreichischen Krems geschehen, wo der Informatiklehrer Mag. Dr. Klaus Misof gemeinsam mit seinem Kollegen Rene Schwarzinger und Ewald Zimmermann vom Bundesgymnasium Zwettl mit LinuxAdvanced eine schlanke und an den Bedürfnissen des gymnasialen Schulalltags orientierte Linux-Distribution auf die Beine gestellt hat.

LinuxAdvanced gibt es auf der Website des Bundesgymnasiums Rechte Kremszeile zum kostenlosen Download [1]. Daneben finden sich dort mehrere, teilweise von den Entwicklern selbst geschriebene Anleitungen zu den mitgelieferten Programmen [2]. Als Varianten stehen ein DVD-Image sowie eine Version zur Installation auf einem USB-Stick zur Auswahl; das derzeit auf der Homepage noch gelistete CD-ISO-Abbild pflegen die Entwickler nicht mehr weiter, da der limitierte Speicherplatz auf der CD die Programmauswahl zu sehr einschränkt.

Zusätzlich entsteht derzeit eine Servervariante der Distribution, die es gestatten soll, die für den Schulbetrieb wichtigsten Dienste schnell und bequem mithilfe einiger von Mag. Dr. Misof selbst geschriebener Skripte zu installieren, ohne dass der Nutzer dazu tiefergehende Kenntnisse der Server- und Netzwerkfunktionen mitbringen müsste.

Look and feel

LinuxAdvanced bietet beim ersten Start ein umfangreiches Auswahlmenü, das neben verschiedenen abgesicherten Modi für den Fall von Hardware-Inkompatibilitäten auch noch zwei unterschiedliche Kernelversionen bereithält: Für moderne Rechner mit CPUs ab Pentium-III starten Sie eine für 686er-Prozessoren optimierte Version, zudem existiert noch eine für den Befehlssatz und die Taktfrequenzen der älteren Pentium-I/II-Prozessoren optimierte Variante.

Nach der Auswahl der entsprechenden Kernelvariante bootet das Betriebssystem ohne weitere grafische Gimmicks. Beim Start von DVD sticht zunächst die gute Hardware-Erkennung ins Auge: Selbst auf Notebooks mit ihren speziellen, für den mobilen Einsatz konstruierten Komponenten zeigt LinuxAdvanced keine Schwächen. So erkannte es auf unseren Testgeräten sowohl die integrierten WLAN-Module als auch die Bluetooth-Schnittstellen sofort korrekt und richtete sie ein. Auch mit den diversen Bildschirmauflösungen gab es im Test keinerlei Probleme.

Der nach dem Booten erscheinende, in frischem Blau gehaltene XFCE-Desktop begrüßt Sie mit einem sehr modern wirkenden Design. Über eine unten mittig angeordnete Dockleiste starten Sie die meistbenutzten Programme mit einem einzigen Mausklick. Die am oberen Bildschirmrand verlaufende Panelleiste umfasst auch den Systemtray. Dort finden Sie einige weniger oft benötigte kleinere Programme sowie den Arbeitsflächenumschalter.

Über die zwei Desktop-Icons LA to HDD und LA to USB-stick installieren Sie LinuxAdvanced bei Bedarf auf dem entsprechenden Medium. Weitere Icons liefern die entsprechende Dokumentation dazu. Das Einrichten des Systems auf der Festplatte geschieht in wenigen Schritten durch im Terminal ablaufende Skripte. Nach dem Anstoßen der Installation vergehen nur wenige Minuten, bis das System betriebsbereit auf dem Massenspeicher liegt.

Sobald Sie nach der Installation die Software genauer erkunden, stellen Sie schnell fest, dass die Entwickler bei verschiedenen außergewöhnlichen Projekten Anleihen genommen haben. Zwar basiert LinuxAdvanced grundsätzlich auf dem soliden Debian, hat einige Komponenten jedoch vom progressiven Dreamlinux übernommen. So stammt das sehr übersichtliche Kontrollzentrum zum Einstellen der Grundkonfiguration von der südamerikanischen Distribution (Abbildung 1), und auch das optisch ansprechende Artwork kommt aus Brasilien.

Abbildung 1: Eine Anleihe bei Dreamlinux aus Brasilien: Das Control Center von LinuxAdvanced.

Die Programmauswahl fördert weitere Besonderheiten zutage: In LinuxAdvanced finden sich neben XFCE-optimierten Applikationen auch Anwendungen aus der KDE-Welt und dem Gnome-Fundus. So integriert das Menü PROGRAMME | Education beispielsweise zahlreiche Kedu-Lernprogramme. Hier findet sich als besonderes Zuckerl auch das Lern- und Autorensystem Jclic [3], das es Pädagogen erlaubt, ohne Programmierkenntnisse schnell und effizient eigene Lehrinhalte zu generieren. LinuxAdvanced integriert als erste Distribution dieses innovative Lernmittel.

Gängige Software für die tägliche Arbeit, wie die Bürosuite OpenOffice, den Webbrowser Iceweasel, den Mail- und Newsclient Icedove sowie die Bildbearbeitung Gimp finden sich ebenfalls in aktuellen Versionen. Einer der Schwerpunkte von LinuxAdvanced liegt im kreativen Sektor: Über das Menü PROGRAMME | Multimedia rufen Sie eine stattliche Anzahl von Applikationen wie Audacity (Audiobearbeitung), Cinelerra (Videoeditor) oder den VLC-Mediaplayer auf. Die wichtigsten Codecs zur Video- und Audiobearbeitung bringt LinuxAdvanced erfreulicherweise bereits mit.

Als weiteres Goodie hat LinuxAdvanced auch Virtualbox in der Version 1.6.6-OSE mit an Bord, sodass Sie über virtuelle Maschinen mehrere Linux-Distributionen gleichzeitig auf dem Rechner einsetzen können. Auch exotischere Gast-Betriebssysteme wie IBM OS/2 Warp oder dessen Nachfolger Ecomstation lassen sich hier in den gängigen Versionen starten. Auch der Emulator Wine steht fertig konfiguriert zur Verfügung. Somit führt LinuxAdvanced als Integrationsplattform verschiedenste Welten unter einem einheitlichen System zusammen.

Um auch optisch keine Langeweile aufkommen zu lassen, nutzt LinuxAdvanced einige der visuellen Effekte, die XFCE bereits von Haus aus mitbringt. So erfreut der Hintergrund des Terminals durch Transparenz, und auch der Systemmonitor Conky erscheint schwebend auf dem Desktop. Diese Effekte verbrauchen nur minimale Ressourcen und laufen selbst auf alten Rechnern mit leistungsschwächeren Grafikkarten. Wer eine entsprechend leistungsfähiges Grafikboard sein Eigen nennt, den bedient Compiz Fusion mit weiteren 3D-Gimmicks.

Fazit

LinuxAdvanced, vom Chefentwickler Mag. Dr. Klaus Misof etwas untertrieben als Distribution für den Bildungsbereich deklariert, geht in seinem Funktionsumfang weit über das übliche bildungsspezifische Anforderungsprofil hinaus. So bietet die Distribution durch die erstmalige Integration des innovativen Autorensystems Jclic selbst Lehrern ohne jegliche Programmierkenntnisse die Möglichkeit, multimediale Inhalte selbst zu entwerfen.

Daneben bring LinuxAdvanced alles an Software mit, was man für die tägliche Arbeit benötigt, und wartet zudem mit beeindruckenden multimedialen Fähigkeiten auf. Im Alltagsbetrieb zeigt sich der österreichische Pinguin dank der soliden Basis Debian flott und stabil und lässt somit für den Schüler wie den Lehrenden kaum Wünsche offen.

Die Integration zweier Kernelversionen und die Option, das System auch auf einem USB-Stick zu installieren, machen deutlich, dass die Entwickler auch Anwender mit älterer Hardware und hochmobile Linux-Enthusiasten nicht aus dem Blickfeld verloren haben. Trotzdem geht insbesondere bei der Optik die Unterstützung alter Rechner nicht mit verminderter Leistungsfähigkeit der Software einher, was die sorgfältige Auswahl ressourcenschonender Applikationen begünstigt.

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