Neues Rund um Linux

Aus LinuxUser 06/2009

Neues Rund um Linux

Aktuelles

Gegen Schweine- und Software-Patente

Bei einer Demonstration in München Mitte April zogen FFII (http://www.ffii.org), Piratenpartei, Greenpeace, Misereor und Bauernverbände gemeinsam vor das Europäische Patentamt (EPA). Unter den Demonstranten war auch Richard Stallman (http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Stallman), der bei der Kundgebung über die gemeinsamen Interessen aufklärte.

Anlass für die Demonstration war ein Patent auf ein Verfahren zur Züchtung von Schweinen, das der US-Agrarkonzern Monsanto angemeldet hatte. Ein Sammeleinspruch mit mehr als 5000 Unterschriften wurde in einem Protestmarsch zum Europäischen Patentamt getragen. Bei der Kundgebung auf dem Münchner Marienplatz erklärte Richard Stallman im Namen des FFII Deutschland, welche Interessen Software-Entwickler mit den Lebensschützern verbindet: “Patente auf Pflanzen und Tiere sind ein Angriff auf die Bauern, die ihre Arbeit tun. Software-Patente sind ein Angriff auf Entwickler, die ihre Arbeit tun.” Von Software-Patenten sei nahezu jeder betroffen: “Nur ein Bruchteil der Unternehmen sind Bauern, aber sicher nutzen die meisten Unternehmen Computer, und sie alle sind in Gefahr.”

Begleitet von Applaus bezeichnete Stallman das Europäische Patentamt als “korrupt und bösartig”, und falls es zur Lösung des Problems notwendig sei, sollte man vor der vollständigen Abschaffung der Behörde nicht zurückschrecken. Die Europäer sollten sich nicht einschüchtern lassen, so Stallman: “Jede Institution bekommt den Respekt, den sie verdient.”

Gegen Patent-Schweine: Richard Stallman und das FFII vor dem Europäischen Patentamt in München.

Gegen Patent-Schweine: Richard Stallman und das FFII vor dem Europäischen Patentamt in München.

Mini-PC von Shuttle mit Atom 330 und OpenSuse 11.1

Shuttle hat seine Mini-Rechner mit Intels Atom-Prozessor überarbeitet und bietet statt des X27-Barebones nun auch Komplettsysteme an. Den Nettop X270V mit gibt es statt mit Windows Vista wahlweise auch mit vorinstalliertem OpenSuse 11.1 (http://tinyurl.com/lu0906-x270va).

Das Komplettsystem basiert auf dem Barebone X27D, den LinuxUser in Ausgabe 01/2009 ausführlich getestet hat. Das flache flache, schwarze Gerät misst 25 x 18,5 x 7 cm. Innen steckt ein mit 1,6 GHz getakteter, passiv gekühlter Atom-330-Prozessor mit zwei Kernen. Das Gerät unterstützt Hyperthreading mit bis zu vier Threads. In der Grundausstattung hat der Rechner 6-Kanal-Audio, PS/2-Buchsen, serielle Schnittstelle, sechs USB- und zwei Monitoranschlüsse.

Im Online-Konfigurationssystem des Herstellers lässt sich der Arbeitsspeicher von einem GByte auf zwei erweitern, die Festplatte bietet je nach Geldbeutel 160, 320 oder 500 GByte Speicherplatz. Auch einen DVD-Brenner baut Shuttle gegen Aufpreis ein. Der Grundpreis des Linux-Systems liegt bei 355 Euro, mit Windows Vista kostet der Rechner gut 100 Euro mehr.

Shuttles Nettop X270V gibt es jetzt auch mit vorinstalliertem OpenSuse 11.1.

Shuttles Nettop X270V gibt es jetzt auch mit vorinstalliertem OpenSuse 11.1.

Debian-Projektleiter Steve McIntyre wiedergewählt

Die Debian-Entwickler haben entschieden: Steve McIntyre bleibt für ein weiteres Jahr Leiter des freien Betriebssystems. Bis zum 11. April hatten die Stimmberechtigten Zeit, in einem relativ komplizierten Wahlverfahren (http://www.debian.org/vote/2009/vote_001.en.html) zwischen McIntyre, Stefano “Zack” Zacchiroli und der Option “Keiner von beiden” zu entscheiden.

Die Kandidaten hatten im Wahlkampf die Kommunikation innerhalb des Projekts zur obersten Priorität erklärt. McIntyre meinte, er habe den zeitlichen Aufwand unterschätzt, der mit dem Amt als Projektleiter verbunden sei und deshalb nicht so viel erreicht, wie er sich vorgenommen hatte. Bereits im Vorfeld hatte er deshalb angekündigt, sich im Fall einer Wiederwahl Hilfe zu holen und Luk Claes zu seinem Assistenten zu ernennen.

Will die interne Kommunikation verbessern: Der alte und neue Debian-Projektleiter Steve McIntyre.

Will die interne Kommunikation verbessern: Der alte und neue Debian-Projektleiter Steve McIntyre.

VFAT auf der Abschussliste

Das Open Invention Network hat drei der acht Patente, die Microsoft im Prozess gegen Tomtom ausspielte, auf http://www.post-issue.org veröffentlicht, um nach “Prior Art” zu suchen. Dabei geht es um das Sammeln möglichst vieler Beweise, die belegen, dass die patentierten Techniken (zum Beispiel intelligentes Handling von langen und kurzen Dateinamen) bereits vor der Patenteinreichung verbreitet waren. Gelingt dies, wird das Patent für ungültig erklärt. Der technische Leiter des Open Invention Networks, Keith Bergelt, geht davon aus, dass bei entsprechender Mithilfe aus der Community die Patente noch dieses Jahr für nichtig erklärt werden könnten.

Derweil gehen die Kernel-Entwickler in der Angelegenheit eigene Wege: Anfang April erschien ein Patch für das VFAT-Dateisystem, der das Anlegen von Dateien mit langem Namen unterbindet. Zwar kann die Linux-Implementation des FAT-Filesystems mit entsprechenden Dateinamen nach wie vor umgehen, legt jedoch nur noch klassische Namen nach dem 8.3-System an. Damit umgeht VFAT in Zukunft automatisch Microsofts Patentfalle.

Adoptier eine Codezeile!

Mit dem Webvideo-Player Miro kann man recht einfach Videos von verschiedenen Video-Webseiten abonnieren, herunterladen, anschauen und speichern. Das Projekt wurde über die Jahre durch zahlreiche großzügige Sponsoren gefördert, nun geht jedoch das Geld aus. Die Kampagne “Adopt a line” (https://www.getmiro.com/adopt/) soll darum potenzielle Spender dazu überreden, ein paar Scheine springen zu lassen: Für vier US-Dollar im Monat kann man eine Zeile Code “adoptieren”. Für den neuen Code-Elter legt das Projekt eine eigene Webseite an und ein Widget zur Verfügung, das die Zeile anzeigt. Zudem gibt es ein offizielles Adoptionszertifikat, und der Spender wird in den Credits erwähnt. Abwickeln lässt sich die Adoption über die Kreditkarte oder Paypal.

Intel strickt am GCC mit

Am 10. April meldete sich auf der GCC-Mailingliste die Intel-Entwicklerin Melanie Blower (http://gcc.gnu.org/ml/gcc/2009-04/msg00336.html), um mit der FSF die Formalitäten zu klären, damit sie und zwei Arbeitskollegen von Intel in Zukunft Code zum GNU-C-Compiler, denn Binutils, GDB und der Glibc beisteuern können. Da Intel mit dem ICC eine praktisch konkurrierende, eigene Compiler-Suite unterhält, kam dieser Schritt etwas überraschend. Möglicherweise will Intel die eigenen Hardwarekomponenten künftig mit einer breiteren Compiler-Unterstützung aufwerten.

Kurz notiert

Die ursprünglich für 1. April geplante Freigabe der runderneuerten Version von X.org (http://www.x.org) einschließlich X-Server 1.7 haben die Entwickler wegen Zeitproblemen mittlerweile auf den den 15. Juli verschoben. Als größte Neuerung des X-Server 1.7 gilt die Multi-Pointer-X-Erweiterung MPX, mit der man endlich neben Tastatur und Maus beliebig viele weitere Eingabegeräte gleichzeitig nutzen darf.

Die Version 0.5.2 des Debian-Paketmanagers Aptitude (http://packages.debian.org/aptitude) bringt vor allem beim Auflösen von Abhängigkeiten deutlich Performance-Vorteile. Daneben hat Entwickler Daniel Burrows auch ein neues grafisches Frontend für die Abhängigkeitprüfung geschrieben.

Die Tabellenkalkulation von Gnome Office, Gnumeric (http://projects.gnome.org/gnumeric/), ist in Version 1.9.6 erschienen. Die Release bringt neben einer Reihe kleinerer Bugfixes und Änderungen die Möglichkeit, Spreadsheets mit variabler Größe zu nutzen.

Christoph Pfister hat die erste Entwickler-Vorabversion von Kaffeine (http://kaffeine.kde.org) für KDE 4 veröffentlicht. Das neue Kaffeine wird neben den Features der alten Version auch etliche neue mitbringen und neben DVB-T auch DVB-S- und DVB-C-Fernsehen beherrschen. Eine Testversion für Endanwender soll es im Juni oder Juli geben.

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