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Punkt, Punkt, Komma, Strich

SVG-Bilder selbst zeichnen

01.05.2007 Wer für das Web skalierbare Vektorgrafiken erstellen möchte, liegt mit Glips Graffiti richtig: Anders als die Konkurrenz bietet es auf das SVG-Format zugeschnittene Werkzeuge.

Der Start ins Leben war schwer: Bei ihrer Geburt feierten die Erfinder im World Wide Web Consortium (W3C) [1] die neuen Scalable Vector Graphics (SVG) noch als offenes und zukunftssicheres Format, doch außerhalb des Kreißsaals konnte sich der Newcomer zunächst nur schwer behaupten. Selbst seine Eltern Adobe und Sun verstießen das Kind und blieben altbekannten Formaten treuer als dem eigenen Nachwuchs. Erst in der jüngsten Vergangenheit gewinnt SVG doch noch an Fahrt und lernt sich im Leben zu behaupten. Diese beinahe wundersame Entwicklung verdankt es vor allem den vielen freien Internetbrowsern: Sie bringen SVG-Bilder direkt aus dem Internet auf den heimischen Bildschirm – immer häufiger sogar einigermaßen standardkonform.

Auch die Open-Source-Gemeinde entdeckte schließlich die Vorzüge des lizenzfreien Dateiformats. So akzeptieren etwa die Desktops KDE und Gnome Icons im SVG-Format. Auch die größte freie Clipart-Bibliothek, OpenClipart.org, speist sich ausschließlich mit SVG-Dateien. Die stammen durchweg aus geeigneten Konvertern oder speziell auf das SVG-Format zugeschnittenen Zeichenprogrammen.

Eines dieser Programme hört auf den Namen Glips Graffiti. Es kommt von der französischen Firma Itris [2], die das kleine und leichte Werkzeug im Rahmen ihres Glips-Projekts (es beschäftigt sich mit der Programmentwicklung für Echtzeitsysteme) entwickelt hat. Dessen Ergebnisse sind – anders als das Zeichenprogramm selbst – allerdings kostenpflichtig. Glips Graffiti dagegen untersteht der LGPL.

Abbildung 1: Beispiel-Schaf: Solche und viele andere SVG-Bilder finden Sie in der OpenClipart-Bibliothek.

Installation

Auf der Glips Graffiti-Homepage [3] stand zum Redaktionsschluss neben der letzten stabilen Version 1.4 auch eine erste Testversion der kommenden Version 1.5 zur Verfügung. Letztere enthielt jedoch noch einen gravierenden Programmfehler, der jegliche Startversuche scheitern ließ. Abhilfe verspricht bislang nur eine umständliche Operation am offenen Quellcode. Aus diesen Gründen erhält im Folgenden die zwar etwas ältere, dafür aber funktionierende Fassung den Vorzug. Die einzelnen Arbeitsschritte lassen sich aber ohne Mühe auf den Nachfolger übertragen.

Um Glips Graffiti in Betrieb zu nehmen, entpacken Sie als erstes das Archiv in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Kontrollieren Sie anschließend in Ihrem Paketmanager, ob das Java Runtime Environment installiert ist. Diese Software benötigen alle in Java geschriebenen Anwendungen. Glips Graffiti verlangt mindestens nach der Version 1.4.2; von der neuen Beta an ist sogar das neue Java 1.6 nötig. Sollte Ihrer Distribution keine passende Java-Umgebung beiliegen, finden Sie alle benötigten Pakete unter [4].

Öffnen Sie nach dem Einrichten von Programm und Umgebung ein Terminalfenster. Wechsel Sie in das Glips-Graffiti-Verzeichnis und starten dort das Zeichenprogramm (Version 1.4.2) per java -jar GlipsGraffiti.jar. In der neuen Version 1.5 führt ein java -jar GlipsGraffitiSVGOnly.jar ans Ziel. Nach ein paar Sekunden erscheint das Hauptfenster aus Abbildung 1.

Bedienung, bitte!

Gemäß SVG-Standard arbeitet Glips Graffiti mit Vektorgrafiken. Solche Bilder bestehen aus einzelnen geometrischen Formen, die erst zusammen ein fertiges Bild ergeben. Vektorgrafikprogramme eignen sich primär für das Gestalten von Illustrationen oder technischen Zeichnungen. Prominente Anwendungen aus der Windows-Welt sind beispielsweise Corel Draw oder Adobe Illustrator. Unter Glips Graffiti gibt die Symbolleiste einen kleinen Einblick in die dort zur Verfügung stehenden Grundfiguren.

Bevor Sie den Zeichenstift zücken dürfen, müssen Sie erst einmal eine Leinwand aufziehen. Die wählen Sie aus dem Menü File | New.... Glips Graffiti möchte nun die Größe der neuen Grafik wissen. Die Angabe px für Pixel ist etwas irreführend: Genau genommen kennt der SVG-Standard überhaupt keine konkreten Maßangaben, sondern nur eine abstrakte und nicht näher bezeichnete Längeneinheit. Wie groß eine solche Einheit in der Realität ausfällt, hängt allein vom Ausgabemedium ab. Nur auf dem Bildschirm entspricht eine Einheit genau einem Pixel. Standardmäßig erstellt Glips Graffiti eine 400 mal 400 Pixel große Grafik. Falls Sie später mehr Platz benötigen, hilft der Menüpunkt Transforms | Canvas | Resize beim Umwandeln.

Klicken Sie auf Ok, erscheint ein neues, leeres Fenster (Abbildung 2). Am oberen und linken Rand sehen Sie ein Lineal. Die kleinen roten Dreiecke in den Linealen befinden sich dabei immer auf Augenhöhe mit dem Mauszeiger. So können Sie die einzelnen geometrischen Objekte exakt positionieren. Das graue Kästchenmuster im Hintergrund dient dem gleichen Zweck. Es gehört nicht zur Grafik, sondern hilft beim Ausrichten. Falls Sie diese beiden Hilfen stören, schalten Sie sie unter Display | Show grid und Display | Rulers | Hide rulers ab.

Abbildung 2: Das Hauptfenster von Glips Graffiti mit einem neuen, leeren Dokument.

In der Statusleiste am unteren Rand gibt Ihnen Glips Graffiti Informationen zum Dateinamen, dem Vergrößerungsfaktor und der aktuellen Mausposition.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,50 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

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