Die KDE-Brennsuite in Version 1.0

Aus LinuxUser 05/2007

Die KDE-Brennsuite in Version 1.0

Nummer Eins

K3b gilt zu Recht als bestes Brennprogramm unter Linux. Lesen Sie in diesem Artikel, was das neue K3b neben der runden Versionsnummer alles zu bieten hat.

K3b hat eine Karriere wie im Bilderbuch hinter sich: Ein Student startet in seiner Freizeit “just for fun” ein Projekt [1], um etwas mit Qt und C++ zu programmieren. Aus dem kleinen CD-Brennprogramm entwickelt sich in Kürze eine richtig gute Brennsuite für Linux, die nun nach rund acht Jahren Entwicklung die Versionsnummer 1.0 erreicht hat.

Mehr als 1.0

Für die neue Version hat der Hauptentwickler Sebastian Trüg aber nicht nur Fehler behoben, sondern auch einige neue Features eingebaut. Dazu gehört der komplett neu geschriebene Dialog zum Auslesen (Rippen) von Video-DVDs und das Handling von Medien anstelle von Geräten.

Wie es sich für eine Jubiläumsversion gehört, kommt K3b auch in einem neuen Look (Abbildung 1). Gefällt Ihnen dieser nicht, finden Sie unter Einstellungen | K3b einrichten | Stile auch das traditionelle Theme von Ayo.

Abbildung 1: Zusätzlich zu den vorhandenen Schnellstartknöpfen bringt Version 1.0 einen Button für sämtliche Aktionen mit.

Abbildung 1: Zusätzlich zu den vorhandenen Schnellstartknöpfen bringt Version 1.0 einen Button für sämtliche Aktionen mit.

Woher nehmen

Bis zum Erscheinen dieser Ausgabe gibt es vermutlich für die meisten Distributionen bereits fertige Pakete zum Download. Möchten Sie K3b aus den Quellen installieren, finden Sie diese auf der Heft-DVD im Verzeichnis LinuxUser/k3b. Die Abhängigkeitsliste [2] für eine komplette Installation fällt relativ umfangreich aus; sind jedoch alle Abhängigkeiten erfüllt, kompiliert das Programm problemlos.

Zeigt K3b nach dem Start an vielen Stellen noch englische Texte an, fehlt die aktuelle deutsche Übersetzung. Da die Sprachdaten von K3b mit knapp 50 Sprachen allein 7 MByte groß sind, lagern diese in einem separaten Tarball. Sie finden diesen auf der Heft-CD in der Datei k3b-i18n-1.0.tar.bz2. Wenn Sie das Archiv mit tar xvfj Paketname entpacken und den Code mit dem üblichen Dreischritt übersetzen und installieren, spricht K3b nach einem Neustart perfekt Deutsch.

Neue Features

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das neue K3b nicht vom alten: Per Klick auf eine der vier Schnelltasten erstellen Sie eine neue Audio- oder Daten-CD, kopieren eine CD oder beschreiben eine DVD mit Daten. Die neue Version zeigt Ihnen aber auch, welche Projekte K3b sonst noch beherrscht. Wählen Sie dazu den Button Weitere Aktionen (Abbildung 3). Möchten Sie die Schnellstarttasten ändern, klicken Sie diese mit der rechten Maustaste an und wählen Knopf hinzufügen beziehungsweise Knopf entfernen.

Für jedes Projekt öffnet K3b einen neuen Reiter. Im Unterschied zur Vorgängerversion können Sie jedoch in K3b auch dann auf die Schnellstartknöpfe zugreifen, wenn Sie ein Projekt geöffnet haben, da die Schnellstarter auf einem eigenen Reiter residieren. In den Brenndialogen fällt auf, dass K3b 1.0 auf einige frühere Optionen verzichtet und bei fast allen Einstellungen die Option Automatisch vorgibt.

Sollte es beim Brennen zu Problemen kommen, hilft der Systemcheck von K3b über Hilfe | Systemüberprüfung weiter. Er zeigt an, ob die Berechtigungen für sämtliche Programme stimmen, und bietet bei Problemen auch Lösungsvorschläge an.

Im Brenndialog hat Sebastian Trüg gleich zwei wichtige Änderungen vorgenommen: K3b zeigt den Namen eines Laufwerks nur noch an, wenn sich kein Medium darin befindet. Je nach Projekt zeigt der Dialog neu einen Hinweis (Bitte legen Sie eine Audio-CD ein) oder den Typ des Mediums an (Abbildung 2). Dies erleichtert die Arbeit in K3b mit mehreren Laufwerken deutlich.

Abbildung 2: In K3b 1.0 muss sich der Benutzer keine Gerätenamen merken, sondern nur den Medientyp (links). In bisherigen Versionen zeigte K3b hier den Namen des Lese- oder Schreibgeräts an (rechts). Abbildung 2: In K3b 1.0 muss sich der Benutzer keine Gerätenamen merken, sondern nur den Medientyp (links). In bisherigen Versionen zeigte K3b hier den Namen des Lese- oder Schreibgeräts an (rechts).

Traditionell zeigte K3b bislang im Brenndialog unten drei Schalter an, über die Benutzer ihre Einstellungen speichern und neue laden konnten. Anstelle dieser drei Knöpfe stellt Version 1.0 nur noch zwei Schaltflächen bereit: Einen Button, um die Einstellungen zu speichern, und ein Dropdown-Menü, über das sich die Standardwerte oder eigene Einstellungen laden lassen. Der Dialog wirkt dadurch deutlich übersichtlicher.

Rippen macht Spaß

Gut gefallen hat uns der neue Videokodierungsdialog von K3b. Die Oberfläche lehnt sich stark an das Audio-Ripping-Fenster an. Klicken Sie auf das entsprechende Laufwerk-Symbol, so listet K3b die einzelnen Filme auf und markiert diese automatisch für die Auslese (Abbildung 3). Ein Klick auf Auslese starten öffnet einen zweiten Dialog, in dem Sie den Codec, die Bitrate und die Bildgröße auswählen. Für die meisten Benutzer dürfte auch in diesem Dialog ein Klick auf Start genügen, um die DVD ins MPEG4-Format umzuwandeln. Im Hintergrund arbeitet dann transcode je nach Länge des Spielfilms und CPU-Leistung ein paar Stunden, bis das MPEG4-Video fertig ist.

Abbildung 3: Einfacher denn je: mit dem neuen Video-Ripping-Dialog von K3b wandeln Sie Ihre Filme über wenige Mausklicks ins MPEG4-Format um.

Abbildung 3: Einfacher denn je: mit dem neuen Video-Ripping-Dialog von K3b wandeln Sie Ihre Filme über wenige Mausklicks ins MPEG4-Format um.

Möchten Sie die Videodaten nicht umwandeln, sondern bearbeiten oder direkt darauf zugreifen, werden Sie am neuen KIO-Slave von Konqueror gefallen finden: Über die Adresse videodvd:/ ziehen Sie die MPEG-Streams einer DVD per Drag & Drop auf Ihren Rechner. Um die Verschlüsselung brauchen Sie sich dabei nicht zu kümmern.

Zwei kleine Schönheitsfehler haben sich beim DVD-Ripping-Modul allerdings noch eingeschlichen: Die Statusanzeige spiegelt den tatsächlichen Verlauf nicht wirklich wider und bleibt bereits nach wenigen Sekunden bei 99 Prozent stehen, obwohl die eigentliche Arbeit noch bevorsteht. Zudem liest K3b noch keine Untertitel aus.

Fazit

Version 1.0 von K3b mach einen rundum soliden Eindruck und bringt neben vielen kleinen Verbesserungen auch neue Features mit. Wer schon einmal ein Brennprogramm benutzt hat, kommt mit K3b problemlos klar. Ein Update lohnt sich für das Video-Ripping in jedem Fall. Ansonsten gilt wie immer: Never change a running system.

Glossar

KIO-Slave
KDE Input/Output Slave. Virtuelle Adresse, um auf einheitliche Art und Weise Zugang zu allen möglichen Arten von Daten zu erlangen.
Infos

[1] K3b-Homepage: http://k3b.plainblack.com/

[2] Abhängigkeiten: http://k3b.plainblack.com/requirements

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