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Handgestrickt

Mutt mit allen Raffinessen nutzen

01.05.2007 Mails professionell verwalten ohne Maus: Mit dem textbasierten Mailclient Mutt stehen Ihnen eine unerreichte Funktionsvielfalt und beinahe unendliche Konfigurationsmöglichkeiten offen.

Wer täglich bis zu 100 oder mehr Mails bekommt – sei es Spam oder ernst zunehmende Post – der weiß einen gut konfigurierbaren Mailclient zu schätzen. Mit Mutt setzen Sie auf ein Programm, dass genau für diesen Einsatzzweck gedacht ist. Es interagiert ausgezeichnet mit anderen Tools, wie Fetchmail und Procmail, und zeichnet sich durch eine äußerst flexible und mächtige Konfiguration aus.

LinuxUser widmete dem Mailclient Mutt [1] bereits mehrere Artikel mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Texte behandeln unter anderem den einfachen Einstieg [2], den Vergleich zu anderen Mailern [3] sowie den Fork Mutt-NG [4]. Auch die Zusammenarbeit des Mailclients mit anderen Tools kam bereits zur Sprache [5]. Dieser Artikel legt den Schwerpunkt auf Funktionen, die Sie in dieser Form nur bedingt in anderen Mailprogrammen finden. Außerdem beleuchtet er das Zusammenspiel mit dem Texteditor Vim [6].

Grundkonfiguration

Mutt testet beim Start auf die die folgenden Konfigurationsdateien: ~/.muttrc-Mutt-Versionsnummer , ~/.muttrc, ~/.mutt/muttrc-Mutt-Versionsnummer , /etc/Muttrc-Mutt-Versionsnummer und /etc/Muttrc, wobei letztere als globale Konfigurationsdateien arbeiten. Wie Sie sehen, erlaubt es die Software also nicht nur individuell per User Optionen anzupassen, sondern auch für unterschiedliche Versionen des Programms.

Haben Sie noch keine persönliche Konfigurationsdatei, legen Sie ein Gerüst an, indem Sie die Beispielkonfiguration aus /usr/share/doc/mutt/examples/ auf Debian-basierten Systemen, beziehungsweise /usr/share/doc/packages/mutt/contrib auf Systemen, die auf OpenSuse basieren, als Grundlage verwenden.

Sie finden je nach Distribution dort die Dateien sample.muttrc.gz und sample.muttrc-tlr.gz, die Sie mit Gunzip entpacken, oder die ungepackte Versionen. Kopieren Sie eine der beiden Dateien nach ~/.muttrc in Ihr Home-Verzeichnis, und passen Sie das File an Ihre Bedürfnisse an. Informationen zu Ihrer Identität tragen Sie am besten in die Datei ~/.muttrc ein, da alle Programmversionen die Datei lesen:

set realname="Karl Deutsch"
set from="kdeutsch@it-works.co.at"
set envelope_from=yes

Vorsicht: Mit der letzten Option setzt Mutt die mit set from= festgelegte Adresse auch im sogenannten Envelope der Mail ein, was den Transport beeinflusst. Das Programm reicht die Mail nämlich zum Versand an den MTA auf Ihrem System weiter. Fühlt sich dieser nicht für die definierte Domain verantwortlich, und sieht sich auch nicht in der Lage, die Mail weiterzureichen, dannstellt er die Nachricht nicht zu.

Möchten Sie versandte E-Mails archivieren, verwenden Sie den Befehl set copy=yes in Ihrer Konfiguration. Für die Kopien definieren Sie mit set record=Dateiname einen Speicherort. Falls Sie viele Nachrichten verschicken, lohnt es sich, diese in Monatsarchiven abzulegen. Tragen Sie dazu die folgende Zeile in die Datei ~/.muttrc ein:

set record=+outbox/`hostname`_sent-`date +%Y-%m`

Damit legt die Software alle ausgehenden Mails in der Datei Mailordner /outbox/Rechnername _sent-Jahr -Monat (beispielsweise pc_sent-2007-04 oder laptop_sent-2007-04) ab.

Beim Erstellen von Nachrichten ergibt es in einigen Fälle Sinn, dass die Headerzeilen (From, To, CC, BCC, Subject) im Texteditor zum Bearbeiten erscheinen (Abbildung 1). Dieses Verhalten aktivieren Sie durch den Befehl set edit_headers. Sie tragen ihn entweder in die eigene Konfigurationsdatei ein oder geben ihn in der Ansicht "Index" (Liste der Mails in einer Mailbox) nach [:] ein. Mit unset statt set deaktivieren Sie diese Option.

Abbildung 1: Bei Bedarf zeigt Mutt auch die Mailheader im Editor an.

Damit Mutt Sie beim Erstellen einer neuen Nachricht nach Empfänger und Betreff fragt, und zwar bevor er das Editorfenster öffnet, setzen Sie den Befehl unset autoedit ein. Mit der Befehlsfolge unset move weisen Sie Mutt an, gelesene Nachrichten nicht aus der Mailbox zu verschieben.

Beim Antworten auf Nachrichten sollten Sie immer die ursprüngliche Nachricht zitieren. Das erreichen Sie mit dem Eintrag set include. Eine zitierte Nachricht beginnt mit dem Namen des ursprünglichen Absenders, seiner E-Mailadresse, dem Sendedatum und der Uhrzeit. Damit Mutt diese Informationen beim Antworten automatisch und korrekt einsetzt, tragen Sie die folgende Zeile in Ihre ~/.muttrc ein:

set attribution="* %n <%a> [%(%d.%m.%Y %H:%M)]:"

Fast alle Mailprogramme ergänzen beim Antworten auf eine E-Mail das Kürzel Re im Betreff und beim Weiterleiten die Abkürzung Fwd. Falls Sie E-Mails bekommen, bei denen die Betreffzeilen nicht dem Standard entsprechen, weisen Sie Mutt an, die Zeilen zu reparieren. Verwenden Sie dazu die folgende Zeile:

set reply_regexp="^((re([\[^-][0-9]+\]?)*|aw|antwort|antw|wg):[ \t]*)+"

Sie ersetzt die Kürzel aw, antwort, antw und wg durch das gewünschte re. Bei Bedarf ergänzen Sie die Liste um weitere, nicht standardkonforme Varianten.

Vim als Maileditor

Beim Bearbeiten von Mails mit einem Editor empfiehlt es sich, einige Konventionen zu beachten: Zum Beispiel zeugt es vom gutem Stil, eine Zeile spätestens bei 72 Zeichen hart zu umbrechen. Das ermöglicht es dem Empfänger, den Mailtext lesefreundlich anzuzeigen. Falls Sie den Editor Vim [6] zum Schreiben von elektronischen Nachrichten einsetzen, bringen Sie ihn mit folgender Zeile in der ~/.muttrc ein entsprechendes Verhalten bei:

set editor='vim -c "set t_Co=8" -c "syntax on" -c "/^$" -c "set tw=72" -c "set number"'

Das Ergebnis sehen Sie in Abbildung 1. Die Parameter haben folgende Bedeutung: * t_Co: Die Anzahl der Farben, die der Editor verwendet. * syntax on: Die einzelnen Elemente der E-Mail (Absender, Empfänger, Betreff, Inhalt, Unterschrift) werden verschiedenfarbig dargestellt. * /^$: Beim Erstellen einer neuen Nachricht bewegt sich der Cursor für die Texteingabe sofort in die erste Leerzeile, also nach direkt unterhalb des E-Mail-Headers. * tw: Der automatische Zeilenumbruch erfolgt mit Spalte 72. * set number: Am linken Bildschirmrand werden fortlaufende Zeilennummern eingeblendet.

Mit Textbausteinen (Kasten "Textbausteine") und verschiedenen Darstellungsfarben (Kasten "Farben festlegen") vereinfacht sich das Bearbeiten von E-Mails noch weiter.

Abbildung 2: Das Darstellen der verschiedenen Elemente der Nachricht in unterschiedlichen Farben vereinfacht das Lesen gerade bei komplexen Nachrichten.

Textbausteine

Um sich das Tippen beim Erstellen von Mails zu erleichtern, legen Sie Textbausteine für den Editor Vim in der Datei ~/.vimrc an. Dabei verwenden Sie die Form :ab, danach folgt das Textkürzel (zum Beispiel hi) und darauf der ausgeschriebene Text (Hallo). Damit im Text ein Zeilenumbruch erfolgt, tragen Sie CR ein:

:ab hi Hallo
:ab mfg mfg<CR>Karl Deutsch

Farben festlegen

Die Anzeigefarben für E-Mails (Abbildung 2) definieren Sie beim Einsatz von Vim in der Datei ~/.vimrc zum Beispiel auf die folgende Weise:

:hi mailHeader      ctermfg=Grey
:hi mailSubject     ctermfg=Green
:hi mailEmail       ctermfg=Blue
:hi mailSignature   ctermfg=Grey
:hi mailQuoted1     ctermfg=Darkyellow
:hi mailQuoted2     ctermfg=Green
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LinuxUser 03/2012

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