Hardware-News

01.08.2006

Tux am Ruder

Die Aufgabe beim Wettbewerb Microtransat ist einfach: Unbemannte Segelboote bis 3 Meter Länge fahren autonom einen abgesteckten Kurs ab. Die Ausführung bedarf aber einiger Tüftelarbeit: Vor allem das Aufkreuzen, das Segeln gegen den Wind, stellt für Entwickler und Boot eine Herausforderung dar. Entsprechend bewertet die Jury diese Fähigkeit besonders hoch. Den Sieg auf dem in der Nähe der französischen Stadt Toulouse gelegenen See St. Nicolas De La Grave ersegelte sich das Linux-gesteuerte Roboat von einem Team der östrerreichischen Gesellschaft für innovative Computerwissenschaften (InnoC, http://www.innoc.at).

Die Basis des Roboat ist ein konventionelles Modellsegelboot. Schließlich sei es nicht nötig, das Segeln neu zu erfinden, sagte Roland Stelzer, Präsident von InnoC. Worauf es ankam war, die Segeltechnik einer autonomen Steuerung zu überlassen. Das siebenköpfige InnoC-Team hat daran seit Ende März in seiner Freizeit entwickelt. Das Boot nutzt ein Epia-Mainboard mit einem 600-MHz-Prozessor unter Debian Sarge zur Steuerung der an Bord befindlichen Technologie: GPS-Maus, Motoren für Segelwinde und Ruder, Sensoren für Windgeschwindigkeit und -richtung sowie für die Schräglage des Bootes.

Mit dem ersten Erfolg in der Tasche bereitet sich die Segelcrew bereits auf das nächste Ziel vor: Eine Wettfahrt auf der Irischen See. Für diese Herausforderung sucht das Team noch Sponsoren. Fernziel des von der französischen Luftfahrtuniversität ENSICA (Ecole Nationale Supérieure d'Ingénieurs de Constructions Aéronautiques) organisierten Wettbewerbs ist eine unbemannte Atlantik-Überquerung: Davon leitet sich auch der Name Microtransat der Veranstaltung ab.

Roboat auf Siegkurs bei der Wettfahrt nahe Toulouse – Tux steuert.

Senyo 600 im Linux-Test

Der neue flüsterleise Thin Client Senyo 600M aus dem Hause Transtec sträubt sich derzeit noch gegen Linux. Das Gerät mit den Maßen eines CD-Laufwerks wiegt rund 1,3 Kilogramm und kommt mit Intels neuer Core-Duo-CPU. An der liegt es aber nicht, dass die Linux-Tests sich hinziehen: Laut Transtec verursachen ein Card-Reader sowie die Controller für Firewire und Bluetooth Probleme.

Aus diesem Grund gibt es das Topmodell 600M derzeit nur mit Windows XP; eine Linux-Version folge aber auf jeden Fall, lässt Transtec wissen. In einer Konfiguration mit Intel T2300E-CPU (1,66 GHz), 512 MByte DDR2-SDRAM, 80 GByte-Festplatte und Double-Layer-DVD-RW-Laufwerk kostet der Mini-Rechner 770 Euro, Windows XP zahlt man dabei mit.

Ohne Betriebssystem ist ein weiteres Modell, der Senyo 600W, für 450 Euro zu haben. Dann allerdings mit Celeron-M-CPU und 40 GByte-Festplatte. Ob der dort ebenfalls aufgeführte 4-in-1-Kartenleser funktioniert, wenn man Linux installiert, bleibt fraglich. Wir halten Sie auf dem Laufenden, was die voll unterstützte Linux-Version des Senyo betrifft.

Der Senyo 600 ist laut Hersteller einer der kleinsten PCs der Welt.

Router-Firmware für Sportliche

Der WLAN-Router WRT54G gehörte lange zu den Lieblingen ambitionierter Linux-Anwender: Das darauf als Betriebssystem installierte Linux erlaubte einen einfachen Tausch der Router-Firmware. Zahlreiche Projekte widmeten sich daraufhin der Verbesserung des Systems. Dass die Cisco-Tochter Linksys sich vor einigen Monaten entschlossen hat, Router ab der fünften Generation (v5) mit dem Betriebssystem Vxworks zu bespielen, machte diesen Bemühungen einen Strich durch die Rechnung .

Nun ist es Entwicklern des DD-WRT-Projekts (http://www.dd-wrt.org) gelungen, die eigene Linux-Firmware auf Router der Serien WRT54G/GSv5 zu übertragen, ohne dafür Hand an die Hardware legen zu müssen. Der Firmware-Flash ist dennoch nicht ganz trivial: Vorbereitend gilt es ein Image einzuspielen, das den Vxworks-Bootloader überschreibt. Anschließend folgt das Einspielen der eigentlichen Firmware (D-WRT-Micro). Der von den Entwickler für das Flash-Image gewählte Name Vxworks-Killer ist Programm: Die Killer-Software sorgt dafür, dass die ursprüngliche Router-Firmware unwiederbringlich verloren geht – was auch für den Router selbst gilt, wenn beim Flashen etwas schief geht.

Deutlich gefahrloser ist eine Option, die Linksys anbietet. Nachdem die Wogen wegen des Firmware-Wechsels zu Vxworks hoch schlugen, entschloss sich das Unternehmen, einen WRT54GL anzubieten. Das "L" steht für die Linux-Firmware, die in diesem Modell zu finden ist. Benutzer, denen Garantieleistungen wichtiger sind als die sportliche Herausforderung des Updates, achten bereits beim Kauf darauf.

Der Linksys-Router der Serie WRT54GS ist zum Firmware-Wechsel zu überreden.

Thinclient-Grafikkarten mit Linux-Treiber

Der kanadische Hersteller Matrox hat eine neue Grafikkartenserie namens Epica vorgestellt. Die lüfterlosen PCI-Karten im Low-Profile-Formfaktor sind für den Mehrschirm-Betrieb auf Thin Clients gedacht. Matrox bietet für die Produkte eigene Linux-Treiber an.

Das Modell Epica-TC4 ist mit 128 MByte DDR-Grafikspeicher ausgestattet und erlaubt den Anschluss von vier Analog- oder Digital-Displays mit einer maximalen Auflösung von 1600 x 1200 pro Monitor. DVI-Adapter und eine Kabelpeitsche für vier Monitore sind im Lieferumfang enthalten. Die Modelle TC2 und TC2-Lite unterstützen zwei Monitore. Weitere Informationen gibt es unter http://www.matrox.com/graphics/epica/. Die Karten sollen vorerst über OEMs in Thin Clients auf den Markt kommen, die üblichen Distributionskanäle folgen laut Matrox später, gleiches gilt für die Preisangabe.

Kleine Grafikkarte mit großen Kühlrippen: Die Epica-TC4 von Matrox erlaubt den Betrieb mit vier Schirmen.

Bildverwalter via Wine

Suchmaschinenbetreiber Google hat das Bildverwaltungsprogramm Picasa in einer Linux-Version veröffentlicht. Allerdings basiert die Linux-Ausgabe auf der Wine-Technologie, die das Windows API unter Linux lauffähig macht. Ein natives Linux-Picasa gibt es nicht, nur die über Wine angestöpselte Windows-Variante.

Laut Googles Ankündigung entspricht der Funktionsumfang von Picasa für Linux bis auf minimale Einschränkungen der Windows-Ausgabe. Dazu zählt, dass das direkte Brennen von CDs nicht klappt. Mit dem Windows-Treiber für die dafür zuständige Bibliothek kommt Wine nicht zurecht. Eine Liste von FAQs beantwortet zusätzliche Detailfragen (http://picasa.google.com/linux/faq.html).

Einmal installiert, durchforstet Picasa den Rechner auf angegebenen Pfaden nach Bildern, listet sie auf und ermöglicht dem Anwender das komfortable Verwalten seiner Fotoschätze. Google betont, dass die Wine-Entwicklung für die Linux-Version keine proprietären Anteile enthält. Alle in Zusammenarbeit mit Codeweavers vorgenommenen Änderungen und Verbesserungen seien an das Wine-Projekt zurückgeflossen.

Picasa sucht und findet Bilder im angegebenen Verzeichnis.

Parallels stutzt virtuelles Windows zurecht

Mit seiner im Vergleich zu VMWare günstigeren Virtualisierungslösung hat das Unternehmen Parallels vor kurzem den Markt mit einem gleichnamigen Produkt betreten. Nun gibt es von Parallels einen Compressor, der es versteht, virtuellen Gastbetriebssysteme zurechtzustutzen.

In einem ersten Schritt löscht das Werkzeug temporäre Dateien und räumt die Festplatte auf, um ungenutzten Plattenplatz freizugeben. In einem zweiten Schritt verkleinert der Kompressor die virtuelle Festplatte auf das nötigste. Der Compressor startet optional sowohl im Gastbetriebssystem, als auch im gastgebenden System (Host). Zudem verspricht Parallels nicht nur Unterstützung für die eigene Virtualisierungslösung, sondern auch für die Software von VMWare und Microsofts Virtual PC.

Den Reinigungsdurchlauf beherrscht der Compressor bislang allerdings nur bei einem Windows-Gastsystem (ab Windows 2000). Als Host für die virtuellen Maschinen kommen Linux und Windows in den 32-Bit- und 64-Bit Ausgaben in Frage. Den Compressor gibt es nach einer Registrierung bei Parallels für einen 14-tägigen Test zum Herunterladen (http://www.parallels.com/en/download/compressor/). Fällt der Test positiv aus, kostet die Workstation-Edition 50 US-Dollar, die Server-Ausgabe 180 US-Dollar. Die Lizenz gilt laut Parallels pro Rechner, egal wie viele virtuelle Maschinen darauf laufen.

Novell entlässt den Chef

Novell hat das Ausscheiden des bisherigen Chief Executive Officer Jack L. Messman bekannt gegeben. Zusammen mit Messman musste auch der Fianzchef Joseph S. Tibbetts den Hut nehmen: "Das Novell Board of Directors hat entschieden, dass der bisherige CEO Jack L. Messman und der bisherige CFO, Joseph S. Tibbetts, Novell mit Wirkung zum 21. Juni 2006 verlassen." Offenbar hat Messman den Umbau Novells in Richtung Linux nicht so zügig vorangetrieben, wie die Vorstände sich das wünschten.

Als Nachfolger wählten die Vorstandsmitglieder Ronald W. Hovsepian auf den bisherigen Platz Messmans. Der bislang als Chief Operating Officer in den Personalakten geführte Hovsepian hat bei Novell seit seinem Eintritt im Jahr 2003 – als Verantwortlicher für das Nordamerika-Geschäft – innerhalb kurzer Zeit einen Durchmarsch an die Konzernspitze hingelegt. Den Posten des Chief Financial Officer übernimmt vorläufig Dana C. Russell (44), die derzeit das Amt des Vice President Finance and Corporate Controlling bekleidet.

Eine weitere Personalie betrifft den Vorstandsvorsitz, den nun Thomas G. Plaskett übernimmt, der seit November 2002 bei Novell die Position eines Directors inne hatte. Plaskett, bislang einfaches Vorstandsmitglied, kommentierte die Personalentscheidungen: "Der Vorstand ist zu dem Schluss gekommen, dass ein Wechsel im Management der beste Weg ist, unsere Wachstumsstrategie zu beschleunigen und den Unternehmenswert zu steigern.".

Ronald W. Hovsepian übernimmt den Posten des CEO bei Novell.

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