Linux und freie Software: Unzählige Möglichkeiten, Programme und Optionen. Da den Überblick zu behalten, ist nicht immer leicht. Wer weiß, wo er Anleitungen und Hilfen findet, kann sich in vielen Fällen selber helfen.
Freie Software zeichnet sich in jeder Hinsicht durch eine besondere Vielfalt aus. So existiert oft mehr als ein Tool, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Praktischerweise halten sich viele Projekte an Konventionen für Struktur und Dokumentation, die das Wechseln zwischen Programmen erleichtern.
Als eine erste Anlaufstelle für Desktop-Anwender dienen die Hilfe-Browser von KDE und Gnome, die oft auch distributionsspezifische Inhalte zugänglich machen. Dieser Artikel zeigt, wie Sie darüber hinausgehende Dokumente finden und nutzen.
Manpages
Zu den bekannteren Möglichkeiten, Dokumentation abzurufen, gehört der Befehl Man. Er zeigt sogenannte Manpages an, die sich in neun Themenabschnitte unterteilen (siehe Tabelle “Manpage-Abschnitte”).
Geben Sie man Programmname ein, um eine bestimmte Hilfsseite zu anzuzeigen. Existiert in mehr als einem Abschnitt eine Manpage mit gleichem Namen, geben Sie zusätzlich noch den gewünschten Abschnitt mit an. Die Befehl man 1 chmod oder man 2 chmod liefern Hilfeseiten aus den Abschnitten 1 und 2. Mit man -a zeigt das System einfach alle Manpages mit dem selben Titel hintereinander an. Ohne Angabe des Abschnitts verwendet Man die erste Seite anhand der in /etc/manpath.config unter SECTION angegebenen Reihenfolge.
Manpage-Abschnitte
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| 1 | Befehle wie ls, chown und less sowie Anwendungen wie Konqueror, Nautilus und OpenOffice |
| 2 | Systemaufrufe wie accept(), _sysctl() und chown() |
| 3 | Verschiedene Unterprogramme von Bibliotheken (zum Beispiel Perl, X11, OpenSSL) |
| 4 | Geräte-Dateien wie isdnctrl, nv (X.org NVidia-Treiber) sowie hd und sd (IDE- und SCSI-Festplatten) |
| 5 | Dateiformate wie hosts (für /etc/hosts), fstab (für /etc/fstab) undxorg.conf (Konfigurationsdatei für X.org) |
| 6 | Spiele wie Frozen-bubble, Lbreakout2 und Pingus |
| 7 | Verschiedenes wie Debconf (Debian-Konfigurationstool), Bastille (Sicherheit), iso_8859_15 (Zeichensatz-Kodierung) und gimpprint-* (GIMP-Print) |
| 8 | Hilfsmittel zur Systemverwaltung wie Adduser, Alsaconf und Tune2fs |
Mit apropos Schlüsselwort suchen Sie in den Kurzbeschreibungen der Manpages. Der Befehl verwendet eine unscharfe Suche; die Option -e lokalisiert das exakte Vorkommen des Schlüsselworts. Die Option -w erlaubt das Sternchen als Muster, -r einen regulären Ausdruck.
Der Befehl Whatis hingegen sucht nur in den Titeln der Manpages. Auch dieser Befehl versteht die Optionen -w und -r. Die Suche nach einem Schlüsselwort wie ls eignet sich ausgezeichnet, um ein Gefühl für die Wirkungsweise der Optionen zu bekommen (siehe Abbildung 1).
Viele Manpages liegen auch in Deutsch vor. Um sie zu verwenden, müssen sie unter Debian, Ubuntu und anderen Debian-Derivaten das Paket manpages-de installieren. Suse Linux dagegen bringt bereits in der Standardinstallation deutschsprachige Manpages mit. Deren Umfang fällt jedoch nicht so vollständig aus wie bei Debian.
Wollen Sie bei installierten deutschsprachigen Manpages doch lieber eine (möglicherweise aktuellere) englischsprachige Variante sehen, verhilft Ihnen das Kommando LC_ALL=en_GB man Manpage zu der gewünschten Information.
Einen guten Überblick über die Manpages bietet Konqueror in Zusammenhang mit dem entsprechenden Kioslave, den Sie mit Hilfe des URI man:/ aufrufen (siehe Abbildung 2), oder die vom Programm Yelp dargestellte Gnome-Hilfe. Hier liegen die Seiten im Abschnitt Befehlszeilen-HilfeHandbücher. Das funktioniert jedoch nur mit der aktuellen Gnome-Version 2.14 – und daher nicht unter Suse Linux, das auch in der aktuellen Version 10.1 noch auf Gnome 2.12 setzt.

Abbildung 2: Bei mehr als einer Manpage mit gleichem Titel zeigt Konqueror eine Liste der gefundenen Seiten an.
Info-Dateien
Bei den Manpages handelt es sich nicht um die einzige Dokumentationsquelle im Linux-System: Eigentlich sollten die Info-Pages sie ablösen. Das ist zwar bislang noch nicht passiert, aber die Seiten finden sich trotzdem auf vielen Systemen. Die entsprechenden Dateien liegen im Texinfo-Format vor, dem Standardformat der Free Software Foundation. Einige Anleitungen gibt sogar es nur noch in diesem Format.
Mit dem Befehl info erhalten Sie eine umfangreiche Übersicht der vorhanden Info-Seiten. Sie gliedert sich relativ unsystematisch in Bereiche wie Verschiedenes (Miscellaneous), Entwicklung (Development), das Texinfo-Dokumentationssystem (Texinfo), Editoren, Video-CD-Programme und allgemeine Befehle (General Commands).
Der Befehl Info funktioniert ähnlich wie ein Web-Browser mit Tastaturkommandos. Ein Sternchen am Anfang und zwei Doppelpunkten am Ende markieren einen als Verweis (“Node”) verwendeten Text. Mit der Eingabetaste rufen Sie den Verweis auf, der sich unter der Schreibmarke befindet. Mit [U] (“up”) gehen Sie eine Ebene nach oben, mit den Tasten [N] (“next”) und [P] (“previous”) ein Thema weiter respektive zurück. Mit [?] erhalten Sie eine Liste der unterstützten Tastenbefehle.
Der Befehl Pinfo bringt Farbe in die Info-Seiten und gestattet die Navigation mit den Cursortasten: Mit [Pfeil-oben] und [Pfeil-unten] blättern sie in den Seiten, [Pfeil-links] und [Pfeil-rechts] wechseln zwischen den Ebenen. Das Programm müssen Sie unter den meisten Distributionen gesondert nachinstallieren. Gefallen Ihnen die Farben nicht, ändern Sie diese global in /etc/pinforc oder benutzerspezifisch in ~/.pinforc.
Mit Emacs lesen Sie Info-Seiten, indem Sie [Strg]+[H] und anschließend [Strg]+[I] drücken oder HelpMore ManualsAll Other Manuals (Info) aus dem Menü wählen. Bei XEmacs klappt dies mit [Alt]+[?] sowie anschließendem Druck auf [I] beziehungsweise über HelpInfo (Online-Docs)Info Contents (Abbildung 3).
Auch Konqueror kann mit Info-Seiten umgehen und stellt dazu den URI info:/ zur Verfügung. Die KDE-Hilfe bietet zudem eine alphabetisch sortierte Übersicht. Mit Yelp sehen Sie die Info-Seiten über Befehlszeilen-HilfeGNU Info-Seiten ein. Das klappt jedoch nur mit Gnome 2.14 – also wiederum nicht unter Suse Linux inklusive Suse 10.1.
Zusatz-Dokumentation
Ein weiterer Anlaufpunkt für Dokumentation ist das Verzeichnis /usr/share/doc. Dort finden Sie nicht nur die Dokumentation zu allen installierten Software-Paketen, sondern auch weitere installierte Dokumentationspakete. Davon gibt es reichlich: Suchen Sie in Yast, mit apt-cache search oder einem anderen Paketmanager ihrer Wahl nach Begriffen wie documentation, doc, manual, man, help, howto, faq und reference (siehe Tabelle “Kleine Auswahl an Dokumentationspaketen”). Aktivieren Sie bei Yast gegebenenfalls die Suche in den Paket-Beschreibungen, die bei apt-cache search standardmäßig aktiv ist.
Bei deutschsprachigen Paket-Beschreibungen, wie Sie in Suse Linux vorkommen, macht es Sinn, auch nach Begriffen wie hilfe und dokumentation zu forschen. Suchen Sie Dokumentation zu einem bestimmten Programm, kombinieren Sie jeweils einen dieser Begriffe mit dem Programmnamen. In Yast gelingt das nur nur über die Wildcard-Suche mit Sternchen. Mit apache*doc suchen Sie zum Beispiel die Dokumentation für den Web-Server Apache.
Kleine Auswahl an Dokumentationspaketen
| Thema | Debian | Suse |
|---|---|---|
| Distribution | Debian-Referenz (debian-reference-de, debian-reference-de), Installationsanleitung (zum Beispiel installation-guide-i386), Apt-Howto (apt-howto-de, apt-howto) |
Suse-Hilfe (susehelp_de, susehelp), Suse-Handbuch (suselinux-manual_de, suselinux-manual_en) |
| Linux | Howtos (doc-linux-de, doc-linux-html, doc-linux-txt), Linux-Kernel (linux-doc, bis Version 2.6.10 kernel-doc, auch Kernel-Source-Pakete), Selflinux (selflinux) |
Howtos (howto, howtoenh), Kernel-Sourcen, Linux-Kernel (kernel-docs, auch Kernel-Source-Pakete), Selflinux (selflinux) |
| Sonstiges | SelfHTML (selfhtml), SelfPHP (selfphp) |
SelfHTML (selfhtml) |
Wollen Sie wissen, wo die Dokumentation nach der Installation gelandet ist, verwenden Sie je nach Paketformat dpkg -L Paketname | less oder rpm -ql Paketname | less, um die Liste der installierten Dateien anzuschauen. Der Befehl Find [1] hilft ebenfalls, die gesuchte Dokumentationsdatei zu lokalisieren.
Verwenden Sie Programme wie Less für Text-Dokumente, Zless für gepackte Text-Dateien [2], Lynx, W3m [3] oder einen anderen Browser ihrer Wahl für HTML-Seiten sowie Xpdf, Kpdf, Evince oder Gpdf für PDF-Dateien.
Der Befehl Grep [4] eignet sich hervorragend zur Volltextsuche. So sucht grep -r -i "vesa" /usr/src/linux-2.6.14/Documentation/ in der Kernel-Dokumentation nach Informationen zum Thema VESA.
Mit den passenden Suchbegriffen bewaffnet, stellt auch das Internet eine gute Informationsquelle dar. Verwenden Sie Begriffe wie bei der Paketsuche, geben Sie die zentralen Begriffe Ihrer Fragestellung ein oder suchen Sie nach dem allgemeinen Teil einer Fehlermeldung. Viele Homepages freier Software-Projekte bieten Dokumentationen, Howtos, Wikis und Fehlerdatenbanken (siehe Tabelle “Kleine Auswahl an Internetressourcen”) an.
Kleine Auswahl an Internetressourcen
| Was? | Wo? |
|---|---|
| The Linux Documentation Project | http://www.tldp.org/ |
| Debian (mit vielen Verweisen auf Dokumentation zu Linux und freier Software allgemein) | http://www.debian.de/doc/index.de.html |
| OpenSUSE (meist englischsprachig) | http://www.opensuse.org/Documentation |
| Suchmaschinen-FAQ | http://www.ososo.de/suchmaschinen-faq/ |
| Suchmaschinen-Liste | http://www.ub.uni-konstanz.de/dt-suchm.htm |
Glossar
-
Manpages
-
Dokumentationsseiten, die in Unix und verwandten Betriebssystemen wie Linux verbreitet sind.
-
Bibliotheken
-
(engl. Libraries) Enthalten Standardfunktionen, die in vielen Programmen zum Einsatz kommen, zum Beispiel für die Bildschirmausgabe.
Infos
[2] Less & Co.: Heike Jurzik, “Nachgelesen”, LinuxUser 01/2006, S. 94, http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/01/094-moreless
[3] Lynx, Links, W3m: Heike Jurzik, “Surfen in der Shell”, LinuxUser 03/2005, S. 88, http://www.linux-user.de/ausgabe/2005/03/088-zubefehl
[1] Find und Locate: Christian Baun, “Spürnasen”, LinuxUser 05/2005, S. 88, http://www.linux-user.de/ausgabe/2005/05/088-find/
[4] Suche mit Grep: Heike Jurzik, “Text im Heuhaufen”, LinuxUser 05/2004, S. 76, http://www.linux-user.de/ausgabe/2004/05/076-zubefehl






