Da investieren Sie viel Geld in neue Technik, und dann beharrt Ihr mobiler MP3-Player darauf, dass Queens Sänger Freddy Mercury ein "unbekannter" Künstler sei, der Ihnen ein "unbekanntes Lied" vorträllert. Schuld an der Misere sind fehlende, falsche oder inkonsistente Zusatzinformationen in den so genannten ID3-Tags.
Sie könnten jetzt ein Programm wie EasyTag [1] zücken, um die Tags manuell zu korrigieren. Bei einer umfangreichen Musiksammlung gerät das jedoch schnell zu einer Sisyphusarbeit. Musicbrainz Picard zapft hingegen einfach die Internet-Musikdatenbank Musicbrainz [2] an und speichert die dort hinterlegten Informationen als Tags in den MP3-Dateien. Neben dem MP3-Format verarbeitet das Werkzeug noch weitere Formate – etwa Ogg Vorbis, MP2, MP4, WMA oder FLAC.
Um Musicbrainz zu installieren, greifen Besitzer von OpenSuse 11.1 und 11.2 einfach zu den Paketen auf der Heft-DVD. Diese enthält auch eine Installationsanleitung. Unter Kubuntu 9.10 klicken Sie im Startmenü auf Rechner / KPackageKit und geben in die Suchleiste picard ein. Sie klicken auf den grauen Pfeil neben dem Fundstück, wählen Anwenden und dann Jetzt installieren. Der Paketmanager sucht nun nach Abhängigkeiten und spielt dann die nötige Software auf Ihren Rechner, sobald Sie auf Ok klicken. Haben Sie Ihr Passwort preisgegeben und KPackageKit seine Arbeit erledigt, finden Sie MusicBrainz Picard im K-Menü unter Programme / Multimedia.
Gesichtskontrolle
Nach dem Start von Musicbrainz Picard erscheint das zweigeteilte Hauptfenster. Die Tags sämtlicher Stücke Ihrer MP3-Sammlung zu korrigieren, kostet jetzt nur noch eine handvoll Mausklicks:
- Klicken Sie in der Symbolleiste auf Ordner hinzufügen. (Zum gleichen Ziel führen Datei / Ordner hinzufügen oder [D].)
- Steuern Sie das Verzeichnis mit Ihrer MP3-Sammlung an und lassen Sie es Öffnen. Musicbrainz Picard liest jetzt die Musikdateien ein, was ein wenig dauert. Anschließend finden Sie sämtliche Lieder auf der linken Seite als lange, unsortierte Liste unter nicht zugeordnete Dateien.
- Jetzt lassen Sie die Stücke auf Basis der bestehenden Tags vorsortieren. Dazu klicken Sie in der Symbolleiste auf Gruppieren (oder wählen Extras / Gruppieren oder [U]). Nach ein paar Sekunden Bedenkzeit finden Sie unter Gruppen die erkannten Alben (Abbildung 1). Über die kleinen Dreiecke oder Pluszeichen klappen Sie ihre jeweiligen Inhalte auf.
Markieren Sie ein Album oder Lied, das Musicbrainz Picard in der Datenbank nachschlagen soll, und aktivieren Sie anschließend Lookup in der Symbolleiste (Extras / Lookup oder [L]). Jedes identifizierte Stück wandert automatisch auf die rechte Seite in sein passendes Album.
Kriminaldienstliche Erfassung
Als Nächstes kontrollieren Sie, ob Musicbrainz Picard keinen Fehler gemacht hat. Dazu klappen Sie auf der rechten Seite über das kleine Dreieck oder Pluszeichen das erkannte Album auf. Vor jedem Stück steht ein Balken. Er zeigt an, wie sicher sich Musicbrainz Picard bei der Zuordnung war. Ein grün gefülltes Kästchen weist auf eine hohe Übereinstimmung hin, während das Programm rot markierte Stücke sehr wahrscheinlich falsch einsortiert hat (Abbildung 2). Lieder mit einem vorangestellten Notensymbol gehören zum Album, fehlen aber in Ihrer MP3-Sammlung.
Wenn Sie ein Stück anklicken, erscheinen als zusätzliche Orientierungshilfe im unteren Teil des Hauptfensters die Original-Metadaten, die Musicbrainz Picard durch die nachgeschlagenen, neuen Metadaten ersetzen würde. Lag die Anwendung daneben, ziehen Sie das Stück oder das ganze Album per Drag & Drop auf die linke Seite mit den noch nicht zugeordneten Dateien zurück.
Musicbrainz Picard schlägt immer die Original-Metadaten in der Datenbank nach, es stützt seine Entscheidungen somit auf die alten, möglicherweise fehlerhaften oder unvollständigen Tags. Spätestens wenn die MP3-Dateien überhaupt keine Zusatzinformationen besitzen, stößt diese Vorgehensweise an ihre Grenzen. Glücklicherweise gibt es noch eine zweite Identifizierungsmethode: Dazu markieren Sie einen bislang hoffnungslosen Kandidaten in der Liste auf der linken Seite und aktivieren Prüfen in der Symbolleiste (Menü: Extras / Prüfen oder [P]). Musicbrainz Picard erstellt jetzt einen digitalen Fingerabdruck der MP3-Datei und schlägt diesen so genannten Portable Unique Identifier (PUID) in der Datenbank nach.



