Knoppix ist eine vollständige Linux-Distribution, die direkt von der DVD und ohne Installation läuft. Das Betriebssystem auf der Festplatte – egal, ob Windows oder Linux – bleibt dabei unangetastet. Den Namen erhielt die Distribution von ihrem geistigen Vater und Entwickler Klaus Knopper, der pünktlich zur CeBIT 2008 die Version 5.3 veröffentlichte. Im Wesentlichen hat das Knopper-Team die mitgelieferten Programme aktualisiert – der Kasten Programmversionen gibt einen kurzen Überblick über den Stand der Dinge.
Das Erfolgsrezept von Knoppix ist nach wie vor die schier unglaubliche Fülle mitgelieferter Programme, die für fast jeden Geschmack etwas zu bieten hat: Spiele, Multimediaanwendungen, professionelle Bürosoftware mit (unter anderem) OpenOffice sowie leistungsstarke Programmierumgebungen wie Eclipse. Die zahlreichen Werkzeuge für die Systemreparatur und -analyse machen Knoppix darüber hinaus zu einem wunderbaren mobilen Erste-Hilfe-Koffer.
Programmversionen
Knoppix 5.3 bringt unter anderem folgende Anwendungen mit:
- KDE 3.5.8 und 4.0.1, Gnome 2.20, X.org 7.3
- XFCE 3.8 und 4.4.2
- Iceweasel 2.0 (Firefox), Icedove 2.0 (Thunderbird)
- OpenOffice 2.3.1, Gnucash 2.2.2
- Gimp 2.4.3, Inkscape 0.45
Die Programmvielfalt der neuen Knoppix-Version hat allerdings ihren Preis: Da das gesamte System ausschließlich im Hauptspeicher arbeitet, sollten Sie es nur auf einem leistungsfähigen Rechner verwenden. Zwar begnügt sich Knoppix selbst mit bescheidenen 128 MByte RAM, bietet im Gegenzug aber dann auch nur eine ziemlich spartanische und zudem gewöhnungsbedürftige Desktop-Umgebung. Möchten Sie mit KDE oder Gnome arbeiten, braucht Ihr PC wenigstens 512 MByte Arbeitsspeicher; kommt das opulente OpenOffice dazu, darf es gerne auch etwas mehr sein.
Dass Knoppix direkt von DVD läuft, ist in vielen Situationen das wichtigste Argument für das Live-System: Nach dem Entfernen der DVD und dem Neustart des installierten Systems ist alles wie vorher – Knoppix hinterlässt standardmäßig keine dauerhaften Spuren auf Ihrem Rechner. Das ist vorteilhaft, wenn Sie ein Programm ausprobieren oder im Internet surfen möchten. Allerdings ist das spurlose Verschwinden des Systems nicht immer erwünscht; schließlich kann es wichtig sein, Arbeitsergebnisse und Dokumente auch dauerhaft abzulegen. Darum erlaubt Knoppix das Anlegen eines Home-Verzeichnisses auf der Festplatte und die Sicherung aller Einstellungen. Reicht Ihnen das noch nicht, können Sie die Distribution auch komplett auf Ihre Festplatte überspielen – letzteres wahlweise schreibgeschützt, wie bei der DVD, oder als normales System, wie bei einer herkömmlichen Distribution.
Dank der gewohnt exzellenten Hardwareerkennung kommt Knoppix weitgehend ohne Eingriffe ins System oder irgendwelche komplizierten Einstellungen aus. So lässt sich ein Computer einfach auf seine Linux-Tauglichkeit prüfen. Ebenfalls erfreulich: Der Knoppix-PC dockt sich automatisch an bestehende Netze an, was gefahrloses Surfen erlaubt.
Start der Knoppix-Live-DVD
Um Knoppix zu starten, legen Sie die Heft-DVD ein und booten den Computer. Sie landen automatisch am Startbildschirm aus Abbildung 1, dem so genannten Bootprompt. Lädt Ihr Computer versehentlich das bereits vorhandene Betriebssystem von der Festplatte, müssen Sie unmittelbar nach dem Einschalten des Rechners die Startreihenfolge der Laufwerke ändern. Dies geschieht in den Grundeinstellungen des Computers, dem so genannten BIOS. Um dorthin zu gelangen, drücken Sie direkt nach dem Einschalten eine bestimmte Taste oder Tastenkombination, die Sie den Meldungen auf dem Bildschirm entnehmen, meistens [F1] oder [Entf].
Falls Sie Startprobleme mit der DVD haben, können Sie Knoppix am Bootprompt einige Einstellungen mit auf den Weg geben. Welche Eingaben hier möglich sind, verrät der Bootmanager über [F2] und [F3] (Abbildung 2). Geben Sie zum Beispiel debug ein und drücken dann [Eingabe], startet Knoppix mit ausführlichen Statusmeldungen. Die Funktion memtest testet Ihren Hauptspeicher, forensic untersagt Knoppix jeglichen Zugriff auf die Festplatten, und expert schaltet auf einen interaktiven Startvorgang um. Meist genügt es, die Eingabetaste zu drücken (Abbildung 3). Eine komplette Liste mit allen Einstellungen finden Sie auf der DVD in der Datei /KNOPPIX/knoppix-cheatcodes.txt.
Sollte ein einfacher Startversuch fehlschlagen, tippen Sie am Bootprompt zunächst knoppix testdvd ein. Dann überprüft Knoppix die DVD auf Schäden. Anschließend startet Sie über die Eingabe von failsafe einen abgesicherten Modus, in dem Knoppix nur die notwendigsten Treiber lädt.
Es werde Licht
Läuft alles glatt, startet Knoppix standardmäßig die grafische Oberfläche KDE in der Version 3.5.8 (Abbildung 4). Möchten Sie stattdessen lieber mit der Desktop-Alternative Gnome 2.20 arbeiten, das schlankere XFCE oder gar das brandneue KDE 4.0.1 nutzen, wählen Sie aus dem Knoppix-Menü mit dem Pinguin (links unten in der Startleiste) unter Ultilities den Punkt KNOPPIX-Desktop Auswahl / Neustart (Abbildung 5). Alternativ geben Sie bereits beim Systemstart am Bootprompt knoppix desktop= und dann den Namen der gewünschten Oberfläche ein, etwa bei Gnome knoppix desktop=gnome, für KDE 4.01 knoppix desktop=kde4.
Ebenfalls bereits am Bootprompt können Sie Knoppix auffordern, mit einer bestimmten Auflösung und Farbtiefe zu arbeiten. Normalerweise wählt die Distribution die Eckdaten von Monitor und Grafikkarte recht konservativ – meist eine Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten. Die Eingabe von
knoppix screen=1280x1024 depth=24
aktiviert dagegen die heute gebräuchlichen 1280 x 1024 Pixel bei einer Farbtiefe von 24 Bit. Nach dem Start der Live-Distribution können Sie die Auflösung auch mit einem Klick auf das Icon in der rechten unteren Ecke, direkt links neben der Uhr, anpassen. Darüber ist allerdings nur ein Wechsel zu niedrigeren Auflösungen möglich.
Sofern Knoppix beim Start eine 3D-fähige Grafikkarte findet, für die das Live-System auch passende Treiber auf der DVD bereithält, aktiviert es automatisch die 3D-Effekte für den Desktop. Für das damit verbundene Grafikfeuerwerk sorgt im Hintergrund das Programm Compiz, über dessen Einstellungsprogramm CompizConfig Settings Manager Sie im Knoppix-Menü unter Konfiguration die zu verwendenden Effekte ab- und zuschalten (Abbildung 6). Darunter fallen beispielsweise transparente Fenster, Reflexionen, das Blättern über [Alt]+[Tab] durch die vorhandenen Fenster und der mittlerweile schon recht bekannte Würfel, der beim Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsflächen erscheint. Nutzer von jüngeren ATI- und Nvidia-Karten haben allerdings Pech: Sie erlauben die genannten 3D-Effekte nur mit proprietären Treibern, die Knoppix bei der Installation aber wegen der komplizierten Konfiguration nicht einrichtet.



