Spielen und bilden mit KDE 4

Aus EasyLinux 02/2008

Spielen und bilden mit KDE 4

Allerlei Abwechslung

Der KDE-Desktop enthält nicht nur einiges an Software, um die Büroarbeit zu bewältigen: Spiele sorgen für Kurzweil, und die Lernsoftware bringt nicht nur die Sprachkenntnisse auf Vordermann.

Neben Dateiverwaltung, Computerkonfiguration, Webanwendungen und Officeprogrammen peppt KDE 4 auch den schnöden Büroalltag mit allerlei Spielen auf. Wer sich dann noch weiterbilden möchte, etwa über den Aufbau von Wassermolekülen oder in einer Fremdsprache, findet dazu auch auf dem KDE-Desktop eine Antwort. Wir zeigen Ihnen eine Auswahl an Programmen und sagen Ihnen, was sich in KDE 4 getan hat.

Mit KDE 4.0 überarbeiteten die Entwickler vor allem das Aussehen der Oberfläche. Auch die Lernprogramme und Spiele erfuhren dabei ein Facelifting. Nur wenige neue Anwendungen fanden den Weg in die neue KDE-Version. Die Neuerungen stecken im Detail: So verwendet KDE mit Version 4 konsequent skalierbare Grafiken (SVG). Deren Darstellung erfordert Rechenleistung, erlaubt aber ein verlustfreies Skalieren. Praktisch bedeutet das, dass Icons und Anwendungsgrafiken im SVG-Format beliebig vergrößert werden können – z. B. wenn Sie die Fenstergröße ändern –, ohne dass es zu einem Qualitätsverlust kommt. Pixelige Grafiken gehören der Vergangenheit an. Damit die CPU dadurch nicht allzu sehr ins Schwitzen gerät, nutzt KDE 4 nun einen Pixmap Cache [1]. Er beschleunigt das Laden von Icons beim Start einer Anwendung und speichert die von einem Programm angeforderten Grafiken in einem schnellen Zwischenspeicher. Dieses Feature sorgt in erster Linie für den schnelleren Start einer Applikation. Daneben funktionieren die Anwendungen flüssiger. Entstanden ist der Pixmap Cache im Rahmen des Google Summer of Code 2007 [2].

Lernsoftware in KDE 4

Skalierbare Grafiken und der Pixmap Cache bringen grafische Highlights auf den neuen Desktop. Unter KDE 4 können Lernprogrammenund Spiele in einem kleinen Fenster oder vergrößert auf dem ganzen Bildschirm laufen; alle Grafiken passen sich der Größe an.

Im Bereich der Lernsoftware, die im KDE-Edu-Projekt zu Hause ist, sind drei Neuzugänge zu verzeichnen. Der Desktopglobus Marble [3], der Vokabeltrainer Parley und das Mathematikprogramm KAlgebra bereichern die ohnehin schon gut gefüllte Auswahl an Programmen, mit denen der wissenshungrige Anwender noch einiges dazulernt.

Weltanschauung mit Marble

Mit Marble gehen Sie auf Entdeckungsreise auf unserem Planeten. Wie groß sind die Braunkohlentagebaulöcher in der Lausitz, wo liegt Reykjavik und was gibt es in Tokyo alles zu sehen? Marble zeigt Ihnen die Geografie der Erde und weitere Informationen über Städte via Anbindung an Wikipedia [4]. Schieben Sie die Weltkugel nach Belieben mit der Maus, als wäre diese ein echter Globus auf Ihrem Schreibtisch (Abbildung 1). Zur Auswahl stehen vier Ansichten der Weltkugel: vom detaillierten Atlas, der Ansicht ohne geografische Details über den Blick auf die nächtliche Erde bis hin zur Satellitenansicht. Aber es muss nicht immer rund sein, denn eine plane Kartenansicht unterstützt die Anwendung auch.

Abbildung 1: Mit Marble entdecken Sie die Kontinente und Länder.

Abbildung 1: Mit Marble entdecken Sie die Kontinente und Länder.

Damit Sie nicht die Übersicht verlieren, bietet Marble eine detaillierte Legende. Entfernungen messen Sie, indem Sie zwei oder mehrere Knoten auf der Karte anlegen und Marble die Distanz berechnen lassen. Via GPS-Daten haben Sie die Möglichkeit, Wanderrouten zu planen oder zurückgelegte Strecken nachzuvollziehen. Den Vergleich mit Google Earth muss Marble aber fürchten, kann es doch eine so große Funktionsfülle wie Google Earth (noch) nicht anbieten

Ebenfalls neu in der KDE-Edu-Familie ist Parley. Es ging aus dem Vokabeltrainer Kvoctrain [5] hervor. Doch mit Parley lernen Sie nicht einfach nur eine Fremdsprache: Parleys Lernmethode, die so genannte Spaced Repetition (regelmäßiges Wiederholen), lässt sich auf weitere Anwendungsgebiete ausdehnen, wovon findige User Gebrauch machen. So lernen Sie auf der Schulbank Parleys neben anatomischen Begriffen und Gitarrennoten auch Hauptstädte sowie die Namen römischer Eroberer. All diese Lektionen importieren Sie als kvtml-Dateien [6], auch solche aus KDE 3. Die Anwendung ist Ihnen zudem beim Erstellen eigener Lerninhalte behilflich.

Parley sorgt für Abwechslung, indem es unterschiedliche Abfragemethoden bzw. Tests bereitstellt. Besonders interessant dürfte Multiple Choice sein, aber auch die mit Bildern unterstützten Lernkontrollen sind hervorzuheben (Abbildung 2).

Abbildung 2: Parley: Bei Vokabeltests helfen Bilder beim Lernen.

Abbildung 2: Parley: Bei Vokabeltests helfen Bilder beim Lernen.

Kurven mit KAlgebra

Kalgebra ist mehr als ein moderner mathematischer Rechenschieber. Sie können damit Rechenaufgaben wie in einem Taschenrechner eingeben oder Funktionsgraphen in 2D- oder 3D-Ansicht darstellen lassen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Kalgebra hilft bei der Kurvendiskussion.

Abbildung 3: Kalgebra hilft bei der Kurvendiskussion.

Zur Bedienung des Programms müssen Sie keine Mathematikstudium abgeschlossen haben. Alle Features des Programms erreichen Sie auf der einfachen und übersichtlichen Oberfläche über Reiter. Vor allem für Schüler, die sich mit der grafischen Darstellung von Funktionen auseinandersetzen, dürfte KAlgebra interessant sein Schade ist, dass sich im KDE-Edu-Projekt noch kein deutsches Handbuch dazu findet.

Da stimmt die Chemie – Kalzium

Neben den neu in die KDE-Familie hinzugekommenen Programmen, nahmen das KDE-Edu-Team Detailverbesserungen an den Programme vor. Außer Schönheitskorrekturen an der Oberfläche fanden zusätzliche Funktionen Einzug in bestehende Lernprogramme. Ein Beispiel ist Kalzium: Das Chemieprogramm beherrscht das Periodensystem der Elemente (PSE). Und das nicht nur in der Standardansicht, die Sie aus der Schule kennen. Das Programm ermöglicht die Anzeige der Elemente geordnet nach ihrem Aggregatzustand oder Entdeckungsjahr. Zu jedem chemischen Element im PSE verfügt Kalzium über detaillierte chemische, physikalische aber auch historische Informationen. Atommodelle zeigen Ihnen die Positionen der Elektronen um den Atomkern, und Berechnungen chemischer Formeln sind auch möglich. Neu hinzugekommen ist die Molekülansicht in 3D (Abbildung 4). Mit ihr betrachten Sie molekulare Strukturen aus allen erdenklichen Richtungen.

Abbildung 4: Chemie fast zum Anfassen: Der Molekülbetrachter in Kalzium.

Abbildung 4: Chemie fast zum Anfassen: Der Molekülbetrachter in Kalzium.

Spiele in KDE 4

Es müssen nicht immer Spiele mit hochauflösender und animierter Grafik sein, um mal zwischendurch Spaß am Rechner zu haben. Wer kein Spielefreak ist, aber dennoch die eine oder andere Minute Langeweile zu überbrücken versucht, findet unter den Spielen des KDE-Desktops einige Spiele. Hauptsächlich haben überarbeiteten die Programmierer des KDE-Games-Teams die zahlreichen Spiele überarbeitet. Größter Unterschied zu den Versionen in KDE 3 ist die Verwendung skalierbarer Grafiken. Damit passen sich die Anwedungsgrafiken jeder Fenstergröße an, ohne pixelig oder verwaschen auszusehen. Daneben wurden allerlei Fehler bereinigt, und viele Grafiken bekamen ein neues Aussehen. So passen sich die Spiele dem neuen Look der KDE- 4-Oberfläche an und unterscheiden sich also vor allem optisch von den Versionen in KDE 3. Die Spiele unterteilt das KDE-Team in Kategorien wie Arkade-, Karten- und Brettspiele.

Für die Kleinsten hält die Spieleecke in KDE 4 den Kartoffelknülch (potato guy) bereit (Abbildung 5): Mit ihm lernen Kinder spielerisch den Umgang mit der Maus. Aber auch gestresste Bürohocker können sich ihren imaginären Chef in Kartoffelform mit allerlei lustigen Accessoires ausstatten. Schieben Sie einfach Mund, Augen und Ohren sowie Schuhe, Krawatte und Rock an die richtigen Stellen.

Abbildung 5: Mit dem Kartoffelknülch lernen schon die Jüngsten den Umgang mit der Maus.

Abbildung 5: Mit dem Kartoffelknülch lernen schon die Jüngsten den Umgang mit der Maus.

Ein Highlight der “Logic Games” ist Ksudoku: Das mittlerweile sehr beliebte Zahlenrätsel fand im neuen KDE eine überzeugende Umsetzung (Abbildung 6). Zur Auswahl stehen nicht nur das klassische 9×9-, sondern auch ein 25×25-Felder-Spielbrett. Neben der bekanntesten Spielweise verfügt Ksudoku über viele Varianten wie X-Sudoku, Samurai und Jigsaw. Darüber hinaus wartet das Spiel mit einer 3D-Variante (Roxdoku) auf, die aber wegen der schlechten grafischen Details wenig überzeugt.

Abbildung 6: Das klassische Sudoku-Brett ist in K-Sudoku grafisch sehr schön umgesetzt.

Abbildung 6: Das klassische Sudoku-Brett ist in K-Sudoku grafisch sehr schön umgesetzt.

Unter den Kartenspielen finden sich wie gewohnt das Offiziersskat Lskat und Kpatience (Solitär). Letzteres spielen Sie in 15 Abwandlungen in der Regel allein; dagegen zocken bei Kiriki – einem Würfelspiel wie etwa Kniffel – bis zu sechs Spieler gemeinsam (Abbildung 7). Der eher sportlich Interessierte schwingt unter KDE 4 den Golfschläger. Ein richtiges Golf-Feeling kommt zwar bei Kolf nicht auf und weitläufig ist der 2D-Golfplatz auch nicht, dafür lochen auch Ungeübte einen Ball ganz locker ein. Bei der Orientierung auf dem Platz arbeitet das Programm mit Zahlen und Pfeilen. Diese zeigen an, wie hoch ein Hügel und wie tief eine Grube ist, damit der KDE-Golfer den richtigen Schwung abschätzen kann.

Abbildung 7: Falls Sie genügend Platz vor dem Bildschirm haben, spielen Sie Kiriki mit bis zu sechs Spielern.

Abbildung 7: Falls Sie genügend Platz vor dem Bildschirm haben, spielen Sie Kiriki mit bis zu sechs Spielern.

Fazit

KDE 4 hält einige interessante und abwechslungsreiche Lernprogramme und Spiele in petto, auf die Sie schon gespannt sein dürfen. Von den vielen Programmen in diesen beiden Bereichen, die die KDE-Games- [7] und die KDE-Edu-Webseite [8] verzeichnen, konnten wir nur einen Bruchteil vorstellen. Mit der KDE 4-Live-Version, die Sie auf der Heft-DVD finden, können Sie aber alle weiteren Anwendungen auf eigene Faust entdecken.

Glossar

Google Summer of Code

Auf diesem jährlich von Google organisierten Programmierstipendium haben Studenten die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung für die Mitarbeit an einem Open-Source-Projekt zu erhalten.

SVG

Scalable Vector Graphics (skalierbare Vektorgrafiken) ist ein Standard zur Beschreibung zweidimensionaler Vektorgrafiken. SVG-Bilder zeichnen sich dadurch aus, dass man ohne Qualitätsverlust ihre Größe verändern kann.

Spaced Repetition

Bei dieser Lernmethode vergehen immer größere Zeitabschnitte zwischen nachfolgenden Abfragen. Anwendung findet diese Methode vor allem beim Erlernen von Sprachen.

Infos

[1] Ankündigung zu KDE 4: http://www.kde.org/announcements/announce-4.0-beta1.php

[2] Google Summer of Code: http://code.google.com/

[3] Marble-Artikel: Marcel Hilzinger, “Meine kleine Welt”, EasyLinux 01/2008, S. 80 f.

[4] Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/

[5] Kvoctrain-Artikel: Heike Jurzik, “Tux lernt Fremdsprachen”, EasyLinux 01/2008, S. 58 f.

[6] Vorgefertigte Lerndateien für Parley: http://edu.kde.org/contrib/kvtml2.php und http://edu.kde.org/contrib/kvtml.php

[7] KDE-Spiele: http://games.kde.org/

[8] KDE-Lernprogramme: http://edu.kde.org/

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