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Tunnel bauen

IPv6 in der Praxis

Eigene IPv6-Dienste

Falls Sie jetzt auf den Geschmack gekommen sind und eventuell eigene IPv6-Dienste unter einer statischen Adresse anbieten möchten, dann helfen eventuell die folgenden Abschnitte weiter.

Einen der am meisten verwendeten Internet-Dienste stellt sicherlich WWW dar. In der Unix-Welt kommt hierfür besonders oft Apache als Webserver zum Einsatz. Im folgenden gehen wir davon aus, dass Sie in der Datei /etc/httpd/conf/httpd.conf nach dem Muster von Listing 6 bereits mehrere virtuelle Hosts für IPv4 konfiguriert haben.

Listing 6
<VirtualHost 192.168.0.1:80>
ServerAdmin webmaster@worlddomination.org
DocumentRoot /var/www/html/worlddomination/
ServerName www.worlddomination.org
ErrorLog logs/worlddomination.org-error_log
TransferLog logs/worlddomination-access_log
</VirtualHost>

Soll dieser virtuelle Host nun über eine IPv6-Adresse zu erreichen sein, müssen Sie die erste Zeile des im Listing gezeigten Abschnitts entsprechend abändern, sodass sie die IPv6-Adresse enthält:

<VirtualHost [2a01:198:514:0:21b:77ff:fe40:9e8e]:80>

Auch eine Kombination mit der alten IPv4-Adresse funktioniert. Wichtig: Die IPv6-Adresse muss in eckigen Klammern stehen, da ansonsten der Port-Trenner nicht eindeutig ist. Schließlich trennt man unter IPv6 die einzelnen Blöcke ebenfalls mit einem Doppelpunkt.

Nach einem Neustart des Dienstes mittels /etc/init.d/httpd restart lauscht dieser nun auch auf der angegebenen IPv6-Adresse auf eingehende Anfragen. Die Ausgabe von Netstat bestätigt das (Listing 7).

Listing 7
# netstat -tln |grep '80\>'
tcp  0  0  192.168.0.99:80              0.0.0.0   LISTEN
tcp  0  0  2a01:198:514:0:21b:77ff::80  ::        LISTEN

Generell lässt sich sagen, dass auf aktuellen Linux-Distributionen die allermeisten Server-Dienste bereits IPv6-fähig sind. Einige, wie etwa der Apache-Webserver, benötigen zum korrekten Funktionieren noch einige Anpassungen, andere laufen bereits ohne manuelle Änderungen problemlos auch unter IPv6. Stellen Sie beispielsweise eine SSH-Verbindung zu einem IPv6-Host her, so sollte der Connect ohne Probleme funktionieren. Die verantwortliche Einstellung in der Konfigurationsdatei /etc/ssh/sshd_config hierfür lautet AddressFamily any und ist in der Standardeinstellung bereits aktiv. Möchten Sie den Connect ausschließlich für IPv6 erlauben, so müsste die Anweisung AddressFamily IPv6 lauten.

Zum Schluss noch einige Hinweise zum Thema DNS-Namensauflösung: In der IPv4-Welt funktioniert die Auflösung von einem Rechnernamen in die dazu passende IP-Adresse über einen sogenannten A-Eintrag. Der findet sich in den Zonendateien eines DNS-Servers. Unter IPv6 erfolgt dieses Mapping jedoch über den AAAA-Eintrag. Listing 6 zeigt ein Beispiel für die Auflösung eines IPv4- und eines IPv6-Namens.

Listing 8
# dig +short -t A www.google.com
www.l.google.com.
74.125.43.103
74.125.43.99
74.125.43.105
74.125.43.106
74.125.43.104
74.125.43.147
# dig +short -t AAAA ipv6.google.com
ipv6.l.google.com.
2a00:1450:8006::63
2a00:1450:8006::67
2a00:1450:8006::69
2a00:1450:8006::68
2a00:1450:8006::93
2a00:1450:8006::6a

Möchten Sie Ihre eigenen Dienste im DNS nun auch unter Ihrer IPv6-Adresse registrieren, müssen Sie dazu entsprechende Änderungen an der Zonendatei Ihres DNS-Servers vornehmen. Nähere Informationen zu diesem Thematik bieten beispielsweise die SixXS-FAQ [4].

Fazit

Ist der Einstieg in die IPv6-Welt erst einmal geschafft, fällt die Konfiguration der passenden Umgebung nicht wirklich schwerer als man es von IPv4 her kennt. Langfristig werden Sie vermutlich um den Einsatz des neuen Protokolls sowieso nicht herum kommen, sodass sich die Beschäftigung mit der Technik bereits jetzt lohnt.

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