Neues rund um Linux

Aus LinuxUser 02/2010

Neues rund um Linux

Aktuelles

Konzeptstudie für OLPC der 3. Generation

Mit einem Tablet im Plastikdesign könnte die Geschichte des OLPC (One Laptop per Child) weitergehen. Yves Behar, Designer und Gründer des Fuse-Projekts (http://www.fuseproject.com), hat erste Entwürfe für den XO-3 online gestellt. Dabei setzt er komplett auf Kunststoff. Das wasserdichte Gehäuse im Letter-Format beherbergt eine Marvell-ARMv5-CPU und einen per Induktion zu ladenden Akku. Den Stromverbrauch des Geräts wollen die Entwickler unter ein Watt drücken. Das Ultra-Low-Power-Display (http://www.pixelqi.com) soll wie beim ersten OLPC transmissive und reflektive Modi für drinnen und draußen beherrschen und sich im Hoch- und Querformat betreiben lassen. Auch Multitouch-Bedienung zählt zu den angepeilten Fähigkeiten. Als Kostenpunkt pro Einheit plant das Projekt 75 US-Dollar ein, die ersten XO-3-Tablets könnten 2012 auf den Markt kommen (http://tinyurl.com/lu1002-xo3).

Superflaches Tablet mit Multitouch-Display: So könnte der XO-3 aussehen. (Bild: Fuseproject.com)

Superflaches Tablet mit Multitouch-Display: So könnte der XO-3 aussehen. (Bild: Fuseproject.com)

KDE 4.4 Beta 2

Unter dem Codenamen “Claus” hat das KDE-Projekt kurz vor Weihnachten KDE 4.8.35 (http://kde.org/info/4.3.85.php), die zweite Vorabversion von KDE 4.4, zum Download freigegeben. Zu den wichtigsten Neuerungen von KDE 4.4 Beta 2 zählen die stark überarbeitet Plasma-Oberfläche, einige neue Programme (darunter die Blogging-Anwendung Blogilo) sowie ein komplett überarbeitetes Fenstermanagement mit Gruppierungsfunktion. Details zu sämtlichen geplanten Neuerungen verraten die Release Goals (http://tinyurl.com/lu1002-kde44). Die finale KDE-4.4-Version soll im Februar 2010 erscheinen.

Neu in KDE 4.4 Beta 2: Der Blogging-Client Blogilo. (Bild: KDE.org)

Neu in KDE 4.4 Beta 2: Der Blogging-Client Blogilo. (Bild: KDE.org)

Bürgerclient für Linux jetzt im Test

Zum 1. November 2010 soll in Deutschland der elektronische Personalausweis (ePA) mit RF-Chip eingeführt werden, der es den Bürgern unter anderem ermöglichen soll, auch Online-Dienstleistungen von Unternehmen und Behörden nutzen. Um sich mittels des ePA sicher im Internet zu identifizieren, muss man auf seinem PC die erforderliche Software installieren, den sogenannten Bürgerclient. Diesen sollen die Einwohnermeldeämter via Webportal verteilen. Über die Software erfolgt die verschlüsselte Kommunikation zwischen dem in einem zertifizierten Lesegerät steckenden Personalausweis, dem PC und dem Server des Anbieters beziehungsweise der Behörde.

Um eine reibungslose Einführung des elektronischen Identitätsnachweises zu gewährleisten, führt das Bundesministerium des Inneren (BMI) seit Anfang Dezember einen einjährigen Anwendungstest mit Behörden und Unternehmen durch. Als Generalauftragnehmer fungiert dabei Siemens IT Solutions and Services. In der ersten Testphase kam dabei ausschließlich der Windows-Bürgerclient zum Einsatz. Seit dem 15. Januar befinden sich nun auch die Versionen für Linux und Mac OS X in der Erprobung.

Alle drei Bürgerclient-Varianten sollen dann gleichzeitig mit der Einführung des elektronischen Personalausweises im November 2010 zur Verfügung stehen. Wie Siemens IT Solutions and Services auf Anfrage LinuxUser mitteilte, sieht der mit dem BMI geschlossene Vertrag vor, gleichzeitig mit der Verfügbarkeit des Linux-Bürgerclients auch dessen Quellcode zu veröffentlichen.

So oder ähnlich wird der elektronische Personalausweis aussehen. (Quelle: BMI)

So oder ähnlich wird der elektronische Personalausweis aussehen. (Quelle: BMI)

Umstrittene Massenklage wegen GPL-Verletzung

Die Juristen des Software Freedom Law Center (SFLC) haben Klage gegen 14 Elektronikfirmen eingereicht (http://tinyurl.com/lu1002-klage). Sie werfen den Herstellern vor, in der Firmware ihrer Produkte das Vielzweck-Binary Busybox einzusetzen, ohne dabei die GPL-Bedingungen zu beachten. Zu den betroffenen Geräten gehören unter anderem ein digitaler Videorekorder von Bosch, Webcams von JVC, HDTV-Geräte von Samsung, ein Mediaplayer von Western Digital und ein DSL-Router von Zyxel. Die SFLC-Anwälte vertreten in der Klage den Busybox-Entwickler Erik Andersen sowie die Organisation Software Freedom Conservancy, zu deren Mitgliedern Entwickler und freie Softwareprojekte zählen. Bei der Klage handelt es sich um den umfangreichsten Rechtsstreit, den das SFLC bisher in Sachen GPL-Einhaltung angestrengt hat.

Herbe Kritik am Vorgehen des SFLC kommt derweil von dem bekannten Open-Source-Aktivist und ehemaligen Debian-Projektleiter Bruce Perens. Er hatte Busybox ursprünglich aus der Taufe gehoben, arbeitet aber mittlerweile nicht mehr an dem Projekt. Zwar begrüßt er grundsätzlich das Vorgehen gegen GPL-Verletzer, stellt jedoch das konkrete Vorgehen des SFLC infrage (http://perens.com/blog/2009/12/15/23/). So habe man beispielsweise ihn als Busybox-Erfinder vor der Klage nicht kontaktiert, obwohl die Software in weiten Strecken auf seinem Code basiere, beschwerte sich Perens. Zudem warf er dem Kläger Andersen vor, dieser habe unter Missachtung der Rechtslage Copyright-Vermerke von Perens und anderen Entwicklern aus dem ursprünglich Code entfernt und Lizenzierungsvermerke geändert.

Fühlt sich durch die Klage des SFLC in seinen Rechten verletzt: Busybox-Erfinder Bruce Perens.

Fühlt sich durch die Klage des SFLC in seinen Rechten verletzt: Busybox-Erfinder Bruce Perens.

OpenSuse 11.2 VorKon erschienen

Als neueste Version seiner beliebten VorKon-Serie – das Kürzel steht für “vorkonfiguriert” – bietet der Millin-Verlag (http://www.millin.de) jetzt OpenSuse 11.2 VorKon an. Die komplett remasterte und stark erweiterte OpenSuse-11.2-DVD gibt es jetzt erstmals auch in einer 64-Bit-Version.

OpenSuse 11.2 VorKon beruht auf der Download-Version des OpenSuse-Projekts, ergänzt diese aber mit Installationsanleitungen, umfangreichem Dokumentationsmaterial, zahlreichen Hardwaretreibern, einigen kommerziellen Anwendungen sowie dem Paketdokumentations- und Installationssysteme YiPI (“Yet another Interactive Package Information”). Hinzu kommen zusätzliche Software-Pakete und einige vorkonfigurierte Anwendungen, die sich ohne langwierige Konfigurationsarbeiten und Anpassungen sofort nutzen lassen. Außerdem enthält die DVD ein Farbmanagementsystem mit 16-Bit-Farbbearbeitung, ICC-Profilen für Cinepaint und einem dazugehörigem HDR-Workshop.

Eine 1-Klick-Installation von RealPlayer, Adobe Acrobat Reader, Java und Flash Player bereitet den Webbrowser für multimediale Internetstreifzüge vor. Ähnlich einfach funktioniert die Installation proprietärer Treiber, etwa für Nvidia-Grafikkarten, AVM-Fritz-WLAN-Adapter, T-Mobile-UMTS-Sticks und ähnliche Geräte. Auch beliebte Webanwendungen wie Mediawiki, Joomla, Typo3 und Moodle bringt die DVD bereits vorkonfiguriert mit, sodass sie sich mit einem Mausklick im Netzwerk einrichten lassen.

Ein Highlight für Simulationsfans stellt die Flightgear-Ausstattung dar: Der Flugsimulator kommt mit zusätzlichen Flugzeugen, Materialien und mehr als 350 MByte Szeneriedaten von Deutschland und den Nachbarstaaten. Über FlightGear Launch Control lassen sich menügeführt alle Einstellungen vornehmen, um Flightgear den persönlichen Wünschen hin anzupassen und den Flugsimulator zu starten. Aus der Welt der kommerziellen Software finden sich auf der VorKon-DVD eine voll funktionsfähige Einzelplatzversion der Finanzverwaltung Moneyplex 2009 sowie eine Vollversion der Bürosuite Softmaker Office 2008.

Der Millin-Verlag liefert OpenSuse 11.2 VorKon mit einer gedruckten Kurzanleitung für den Einstieg in Versionen für 32- und 64-Bit-Rechner zum Preis von je 19,90 Euro aus. Inbegriffen sind Installationssupport per E-Mail und kostenlose Updates aller VorKon-Anwendungen.

OpenSuse 11.2 VorKon ergänzt die Download-Version um vorkonfigurierte und kommerzielle Anwendungen sowie zahlreiche proprietäre Treiber.

OpenSuse 11.2 VorKon ergänzt die Download-Version um vorkonfigurierte und kommerzielle Anwendungen sowie zahlreiche proprietäre Treiber.

Digikam erreicht Version 1.0

Rechtzeitig zu Weihnachten hat der Digikam-Maintainer Gilles Caulier die Version 1.0 der beliebten KDE-Fotoverwaltungssoftware veröffentlicht (http://www.digikam.org), kurz darauf erschienen auch die passenden Kipi-Plugins. Bei Digikam 1.0 handelt es sich um die erste KDE-4-Version der Software, zudem bringt sie zahlreiche Verbesserungen und neue Features mit. Gegenüber der letzten KDE-3-Version behoben die Entwickler rund 500 Bugs. Zu den Neuigkeiten gehören unter anderem der Support für das Dateiformat PGF (http://www.libpgf.org), ein überarbeiteter Assistent beim ersten Start des Programms sowie ein runderneuerter Batch-Queue-Manager. Mithilfe von Liquid Rescale lassen sich jetzt Bilder strecken und verzerren, ohne dabei das Hauptmotiv zu beeinträchtigen. Der Version 1.0 will Caulier bereits Ende Januar ein Bugfix-Release 1.1 folgen lassen, um möglicherweise noch enthaltene Fehler schnellstens auszubügeln.

Digikam 1.0 bringt bereits zahlreiche Verbesserungen mit und lässt sich über die passenden Kipi-Plugins noch weiter ausbauen. (Bild: Gilles Caulier)

Digikam 1.0 bringt bereits zahlreiche Verbesserungen mit und lässt sich über die passenden Kipi-Plugins noch weiter ausbauen. (Bild: Gilles Caulier)

Midnight Commander 4.7 mit Unicode

Nach mehreren Jahren Tiefschlaf nahm sich im letzten Frühjahr ein Entwicklerteam des verwaisten Midnight-Commander-Codes an. Nun ist die neue Version 4.7 des beliebten Konsolen-Dateimanagers fertig und bringt erstmals von Haus aus Unicode-Support mit (http://www.midnight-commander.org). Das Encoding lässt sich zudem für jedes Panel separat einstellen, was auch ein Handling von unterschiedlich kodierten Dateisystemen ermöglicht. Daneben haben die Entwickler die Suchfunktion überarbeitet und auch in den Editor integriert. Die meisten Hotkeys lassen sich nun beliebig konfigurieren und MC färbt Dateien nach Typ unterschiedlich ein. Zu guter Letzt erhielt der Zweipanel-Dateimanager auch einen Skin-Support.

Lin-Habu 10.4 erschienen

Die für Selbstständige und kleine Firmen gedachte, kommerzielle Buchhaltungssuite Lin-Habu (http://tinyurl.com/lu1002-linhabu) gibt es jetzt in Version 10.4. Sie soll laut Hersteller auch auf 64-Bit-Systemen wieder reibungslos funktionieren soll. Die Daten für Kassenbuch, Zeitenliste und Fahrtenbuch lassen sich nun auch per iPhone und iPod Touch erfassen. Für diese Geräte bringt Lin-Habu für die mobile Eingabe angepasste Programme mit, die Synchronisation erfolgt per WLAN. Zu den weiteren Neuerungen zählen die Anpassung der Elster-Kennziffern für die Umsatzsteuervoranmeldung 2010 sowie Online-Banking für die Schweiz per DTA-Export. Daneben lassen sich Datenexporte aus Shopsystemen im XML-Format einlesen. Der Hersteller MC Richter GbR liefert Lin-Habu in unterschiedlichen Leistungspaketen ab rund 95 Euro. Neben der Linux-Version gibt es auch Varianten für Mac OS X und Windows.

Google und Microsoft fliegen aus dem Kernel

Der bei Novell angestellte Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman pflegt für das Linux-Treiberprojekt den separaten Staging-Zweig mit neuen Treibern. In seinem Blog http://www.kroah.com/log/ berichtet er regelmäßig über dessen Status. Bereits in früher hatte er darauf hingewiesen, dass der Staging-Zweig keine Müllhalde für nicht mehr gepflegten Code sei und er entsprechende Treiber aus dem Zweig entfernen werde. Mit dem Kernel 2.6.33 greift diese Drohung nun wohl zum ersten Mal: Der von Google eingebrachte Code aus dem Android-Projekt ist laut Kroah-Hartman zurzeit ohne Maintainer und fliegt daher raus. Ebenfalls auf der Abschussliste steht das viel zitierte, von Microsoft unter der GPL beigesteuerte Kernelmodul hv, um das sich Microsoft seit dessen Veröffentlichung nicht mehr gekümmert hat.

Kurz notiert

Das Bugfix-Release Gnome 2.28.2 behebt zahlreiche Fehler in Anwendungsprogrammen wie Evolution, Brasero, Empathy, Epiphany, Evince, Gedit oder Totem. Mehr dazu verraten die Release-Notes (http://tinyurl.com/lu1002-gnome).

AMD hat ein Update für die proprietären 3D-Treiber für aktuelle ATI-Karten veröffentlicht. Catalyst 9.12 behebt zahlreiche Bugs im Mehrmonitor-Modus und verbessert das Catalyst Control Center (http://tinyurl.com/lu1002-ati).

Die deutschsprachige Wikipedia (http://de.wikipedia.org) hat am 27. Dezember den millionsten Artikel veröffentlicht. Damit rangiert deutsche Ausgabe des Online-Lexikons auf Rang Zwei nach der englischen (3,1 Mio.) und vor der französischen (0,9 Mio.) Variante.

Nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit ist die Version Cygwin 1.7 (http://cygwin.com) der Unix-Wrapper-API für Windows erschienen. Sie unterstützt jetzt auch Windows 7 und Windows Server 2008R2.

Schlechte Neuigkeit für alle Benutzer von Palm-OS-Geräten: Die Maintainer haben jede weitere Arbeit an KPilot eingestellt (http://blogs.fsfe.org/adridg/?p=631). Ab KDE 4.4 zählt das Tool nicht mehr zum Umfang der KDE-PIM-Suite.

OpenOffice.org hat bekannt gegeben, OpenOffice 2.x nicht länger zu unterstützen. Die im September erschienene Version 2.4.3 bleibt das letzte Release dieser Reihe, Patches und Updates wird es nicht mehr geben.

Im Rahmen eines Hacking-Contests entstand innerhalb einer Woche das GPLv3-lizenzierte Python-Programm Unswindle, das DRM-geschützte Kindle-E-Books ins freie Mobipocket-Format umwandelt, wie The Register http://tinyurl.com/lu1002-elreg berichtet.

Beim Norhtec Gecko Surfboard handelt es sich um ein in einem Keyboard verbautes, Linux-fähiges Single-Chip-System zum Preis von 99 US-Dollar (http://tinyurl.com/lu1002-norhtec). Mit 1-GHz-CPU, 512 MByte RAM, Ethernet, VGA- und Audio-Ausgang sowie zwei USB-Ports soll es sich zum Surfen und für Bürojobs eignen.

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