Marble gehört zum KDE-Edutainment-Project, das verschiedene Bildungsprogramme für den KDE-Desktop entwickelt. Dessen Benutzer haben deshalb den Globus eventuell schon auf der Festplatte liegen. Gewissheit verschafft ein Blick ins Startmenü, wo Marble für gewöhnlich in der Gruppe Lernprogramme liegt. Wer es dort noch vermisst, wirft einen kurzen Blick in seinen Paketmanager: Je nach Distribution steckt der Globus entweder im Paket marble oder gemeinsam mit den anderen Bildungsprogrammen im Archiv kdeedu.
Marble selbst basiert mittlerweile voll auf KDE 4. Für die Nutzer anderer Desktopsysteme, wie etwa Gnome oder des alten KDE 3.5, haben die Entwickler eine spezielle Programmvariante gestrickt. Wie deren Name Marble-Qt bereits andeutet, benötigt sie lediglich die Qt4-Bibliotheken.
Im Gegenzug fehlen ihr allerdings ein paar interessante Funktionen, wie etwa der automatische Download von Karten via GHNS [2]. Wer den vollen Funktionsumfang möchte, der kommt an einer parallelen KDE-4-Installation nicht vorbei. Möchten Sie vorher sehen, welche Funktionen die komplette Marble-Version bietet, dann haben Sie die Möglichkeit, mit einer Live-CD die Software zu testen (siehe Kasten "Marble in a Box").
Marble in a Box
Mit der Live-CD "Marble in a Box" testen Sie den digitalen Globus, ohne Datenmengen im Gigabyte-Bereich zu installieren. Die auf OpenSuse basierende Scheibe eignet sich damit auch für eine Demonstration bei Windows-affinen Bekannten oder für einen Einsatz in Klassenräumen. Allerdings hinkt sie der Versionsnummer etwas hinterher: So gab es zum Redaktionsschluss nur die Version 0.7.1 anstelle der aktuellen 0.8.
Die Live-CD selbst gibt es in zwei Varianten: Einmal in einer schlanken, nur 350 MByte großen Version und ein weiteres Mal mit den Blue-Marble-Satellitenbilder (so auf unserer Heft-DVD). Letztere machen die ISO-Datei zwar fast doppelt so groß, dafür brauchen Sie die Daten später nicht mehr aus dem Internet zu saugen. Insbesondere in Klassenzimmern mit mehreren PCs vermeiden Sie so akute Engpässe beim Netzwerk.
Steuermann
Nach dem ersten Start präsentiert Marble wie in Abbildung 1 einen Globus. Das etwas schlecht erkennbare Fadenkreuz in der Bildmitte zeigt dabei auf Europa. Per Drag & Drop rotieren Sie die künstliche Erde um ihre Achsen. Macht Sie diese Steuerungsmethode schwindlig, platzieren Sie einfach den Mauszeiger an einem der Fensterränder. Bei jedem Mausklick bewegt Marble dann die Karte in die entsprechende Richtung, die ein kleiner, weißer Pfeil anzeigt.
Bei der Navigation hilft die gleichnamige Leiste am linken Bildschirmrand. Über die Knöpfe mit den Pfeilen rotieren Sie die virtuelle Erde in die gewünschte Richtung, über den Knopf mit dem Häuschen-Symbol springen Sie wieder zur Ausgangsansicht zurück. Mit der Lupen-Funktion zoomen in die jeweilige Ansicht hinein hinein beziehungsweise wieder heraus. Letzteres erledigen Sie noch etwas schneller über das Mausrad. Abhängig von der Auflösung des vorhandenen Kartenmaterials enden hohe Zoomstufen allerdings in einer ziemlich matschigen Darstellung.
TIPP
Einen neuen Heimatpunkt setzen Sie, indem Sie auf die gewünschte Stelle in der Karte mit der rechten Maustaste klicken und aus dem Kontextmenü den Punkt Heimatort setzen auswählen.
Möchten Sie zu einem bestimmten Ort navigieren, wählen Sie diesen entweder aus der Liste aus oder tippen den Namen in das Feld Suchen ein. Marble dreht die virtuelle Erde automatisch in die korrekte Position und markiert die gefundene Stadt. Sobald Sie die markierte Stelle anklicken, erscheint ein kleines Kontextmenü. Hier finden Sie nicht nur die exakten Koordinaten, sondern gelangen auch mit einem Klick auf den Städtenamen zu vielen weiteren Informationen, wie etwa der Einwohnerzahl – vorausgesetzt Marble kennt die entsprechenden Informationen. Das Register Wikipedia liefert gleich noch den passenden Enzyklopädie-Eintrag.
Ergänzend zapft Marble den Bilderdienst Flickr an: Sobald Sie diesen über Ansicht | Online-Dienste | Fotos aktiviert haben, erscheinen Bilder, die andere User in der dargestellten Region aufgenommen haben. Darunter finden sich allerdings auch zuweilen niedliche Hundefotos oder Blütenblätter. Mit Ansicht | Online-Dienste | Wikipedia aktivieren Sie die Abfrage der Online-Enzyklopädie. Danach markiert Marble alle Orte mit einem W, für die ein Wikipedia-Eintrag existiert. Ein Mausklick auf ein Foto oder W zaubert wieder ein entsprechendes Optionsmenü hervor.
Zollstock
Um den Abstand zwischen zwei Punkten zu ermitteln, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Startpunkt, wählen Messpunkt hinzufügen und wiederholen das beim Endpunkt. Marble zeichnet eine rote Linie und nennt links oben die Gesamtdistanz (Abbildung 2). Bei Bedarf fügen Sie noch weitere Messpunkte hinzu. Auf diese Weise berechnen Sie beispielsweise die Strecke von Dortmund nach München und weiter nach Berlin. Ebenfalls per Rechtsklick entfernen Sie unerwünschte Messpunkte wieder.
Die Bedeutung der anderen bunten Punkte und Symbole auf der Karte verrät die Seitenleiste auf dem Reiter Legende. Marble zeigt eine Information an, sofern das zugehörige Kästchen abgehakt wurde. Ganz unten in der Liste lässt sich übrigens auch das gerade bei einer hohen Vergrößerung schnell nervende Koordinatensystem abschalten.
TIPP
Über Ansicht | Informationskästen blenden Sie weitere Bedienelemente auf der Karte ein und aus, darunter beispielsweise die Windrose rechts oben in der Ecke.



