Werkzeuge für PDF und Postscript (Teil 4)

Aus LinuxUser 11/2009

Werkzeuge für PDF und Postscript (Teil 4)

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Bücher, Broschüren und Booklets

Im vierten Teil unserer Reihe zur effektiven Nutzung von Postscript und PDF geht es um das clevere Erzeugen von Büchern, Broschüren und Booklets.

Serie Postscript/PDF-Tools

Teil 1 Anzeigen und Konvertieren https://www.linux-community.de/artikel/19014
Teil 2 Zerlegen und Zusammensetzen https://www.linux-community.de/artikel/17410
Teil 3 Mehrfachdruck und Poster https://www.linux-community.de/artikel/19376

Als Verfasser eines Textdokuments schenken wir dem Druck erst einmal relativ wenig Aufmerksamkeit. Wir konzentrieren uns lediglich auf den Inhalt und hoffen darauf, dass am Ende das Papier sauber aus dem Drucker purzelt. Bei vielseitigen Dokumenten wie Broschüren und Büchern erahnen wir vielleicht, dass in der Druckerei unser Text einen hochkomplexen Prozess durchläuft, bis er als fertiges Exemplar geheftet oder gebunden vor uns liegt.

Um die Schwierigkeiten zu verstehen, betrachten wir die Seitenverteilung eines Dokuments aus mehreren DIN-A5-Seiten beim Ausdruck auf A4-Blätter, beispielsweise für eine Broschüre. Abbildung 1 verdeutlicht, wie die einzelnen Seiten dazu auf dem beziehungsweise den Papierbögen angeordnet werden müssen. Die erste und dritte Spalte entsprechen der Vorderseite, die zweite und vierte Spalte der Rückseite eines Bogens, den es beidseitig zu bedrucken gilt. Von oben nach unten steigt die Anzahl der Seiten in der Broschüre – die erste Zeile zeigt eine einseitige, die zweite eine zweiseitige Broschüre und so fort.

Abbildung 1: Anordnung der Einzelseiten auf Druckbögen bei einer DIN-A5-Broschüre (Druck auf DIN-A4-Bögen).

Abbildung 1: Anordnung der Einzelseiten auf Druckbögen bei einer DIN-A5-Broschüre (Druck auf DIN-A4-Bögen).

Abbildung 2 demonstriert die Anordnung bei einem vierseitigen Textdokument. Dieser Papierbogen faltet man anschließend in der Mitte und heftet (Fadenbindung), klammert oder klebt (Klebebindung) ihn dann mit den anderen Seiten zusammen. Zu guter Letzt wird der überstehende Rand abgeschnitten, sodass eine gerade Kante entsteht.

Abbildung 2: Seitenanordnung in einem vierseitigen Dokument.

Abbildung 2: Seitenanordnung in einem vierseitigen Dokument.

Druckbogen erstellen

Beim Erstellen von Druckbögen hilft uns im Fall von Postscript wieder einmal das bereits in den vorigen Teilen diese Reihe eingesetzte Paket Psutils [1]: Diesmal kommen die Kommandos psbook und psnup zum Einsatz.

Mithilfe von Psbook sortieren Sie die Seiten in einem Postscript-Dokument so um, dass sie anstatt in Lese-Reihenfolge in der richtigen Abfolge für die gewünschte Bindung im Dokument erscheinen. Danach setzen Sie psnup mit dem Parameter -2 ein, um zwei Seiten auf einem Blatt abzubilden. Nach Ablauf der folgenden Kommandosequenz befindet sich die druckfertige Broschüre in der Datei flyer.ps:

$ psbook original.ps bogen.ps
$ psnup -2 bogen.ps flyer.ps

Wie Patrick T. Chmielewski in seiner äußerst lesenswerten Abhandlung zum Buchdruck unter Linux/Unix [3] treffend bemerkt, führt diese Schrittfolge nur für solche Broschüren zu einem perfekten Ergebnis, die aus einer relativ überschaubaren Menge einzelner Seiten bestehen. Je mehr Blätter zusammenkommen, um so unhandlicher gestaltet sich das Falten und Verbinden der Blätter. Im Buchdruck behilft man sich damit, dass man einzelne Heftchen erstellt, die man am Schluss zu einem Buch bindet. Psbook bietet dazu den Parameter -s, mit der sich diese Heftchen (“Stückchen”) generieren lassen. Die Zahl bestimmt die Blattanzahl, für 16 Seiten pro Stückchen lautet der Aufruf:

$ psbook -s16 bogen.ps flyer.ps

Als besonders angenehm erweist sich dabei, dass Psbook auch Sonderfälle berücksichtigt. Bei unserer Broschüre tritt ein solcher Fall ein, wenn sich die Seitenanzahl nicht restlos durch Vier teilen lässt (also jeweils zwei Seiten für Vorder- und Rückseite). Psbook ergänzt die fehlenden Leerseiten automatisch und fügt sie an den notwendigen Stellen im Dokument ein.

PDF-Bücher

Die Anzahl der Buchdruck-Assistenten für PDF-Dokumente hält sich in überschaubarem Rahmen: Das einzige Werkzeug, das als Analogon zu Psbook gelten könnte, ist Bookbinder ([2], Abbildung 3). Es basiert auf Java Swing und läuft laut Angabe seines Autors stabil auf den Plattformen Windows, Mac und Linux.

Abbildung 3: Die aufgeräumte Benutzeroberfläche von Bookbinder.

Abbildung 3: Die aufgeräumte Benutzeroberfläche von Bookbinder.

Tests unter aktuellen Debian- und Ubuntu-Versionen verliefen allerdings unerwartet negativ: Die fehlerhafte Referenzierung von Bibliotheken und Darstellungsfehler in der Benutzeroberfläche behindern die Arbeit. Sobald der Entwickler diese Fehler beseitigt, wird das praktische Bookbinder den Alltag für viele Anwender deutlich erleichtern.

Bis es soweit ist, heißt es wieder einmal auf die Kommandozeile zurückzugreifen. Dazu benötigen Sie alle Werkzeuge, die wie in den bisherigen Teilen dieser Beitragsserie bereits vorgestellt haben – Listing 1 zeigt, wie es funktioniert.

Listing 1
$ pdfjoin vorlage.pdf --paper a5paper --fitpaper false --outfile vorlage-a5.pdf
$ pdftops -paperw 420 -paperh 595 vorlage-a5.pdf vorlage-a5.ps
$ psbook vorlage-a5.ps vorlage-a5-book.ps
$ psnup -Pa4 -pa5 -2 vorlage-a5-book.ps vorlage-a5-book-zweiseitig.ps
$ ps2pdf14 vorlage-a5-book-zweiseitig.ps broschuere.pdf

Zunächst erzeugt pdfjoin aus der Vorlage im Format DIN A4 ein Dokument im Format DIN A5 (Zeile 1). Die Option --paper a5paper sorgt dabei für die Umwandlung nach DIN A5. Der Schalter --fitpaper false gibt an, dass das Seitenformat der Eingabedatei nicht dem Seitenformat des Ausgabefiles entspricht.

In Zeile 2 wandelt pdftops die DIN-A5-Vorlage von PDF nach Postscript um. Dabei legt der Parameter -paperw 420 -paperh 595 für Postscript die exakte Größe der Seite auf 420 x 595 pt fest. Das Psbook-Kommando in Zeile 3 sortiert die enthaltenen Seiten danach so um, wie man sie für den Broschürendruck benötigt. Der nachfolgenden psnup-Aufruf in Zeile 4 ordnet zwei Seiten pro Blatt an (Option -2). Die zusätzlichen Parameter -Pa4 und -pa5 setzen die Seitengröße für die Eingabedatei auf DIN A5 (-Pa5) und die Blattgröße für die Ausgabe auf DIN A4 (-Pa4).

Das letzte Kommando wandelt schließlich die Postscript-Datei wieder in ein PDF-Dokument um. Dabei stellt das verwendete Kommando ps2pdf14 sicher, dass die neueste, unterstützte PDF-Spezifikation (hier: Version 1.4) zum Einsatz kommt.

Hinweise

Beim Ausführen der Kommandos aus Listing 1 und insbesondere beim Umwandeln nach Postscript fallen die erzeugten Dateien zum Teil recht umfangreich aus. Für eine Vorlage aus 100 Seiten mit einem Dutzend Abbildungen sind Dateigrößen von 300 bis 500 MByte nicht ungewöhnlich und fordern auf kleineren Rechnern durchaus ihren (Leistungs-)Tribut.

Achten Sie beim Druck von Broschüren unbedingt darauf, dass der innere Seitenrand (“Innensteg”) ausreichend breit ausfällt: Pro gefaltetem Blatt verschwinden in etwa 0,2 bis 0,5 Millimeter im Falz, die sie deshalb von der Breite der bedruckbaren Fläche abziehen müssen. Der exakte Wert hängt von der Art und dem Gewicht des verwendeten Papiers ab – je voluminöser es ausfällt, desto mehr Platz gilt es für den Innensteg vorzusehen. Bei einem zu schmalen Innensteg rückt der Text unangenehm nah an die Falzung heran und wird schlimmstenfalls teilweise von ihr verschluckt.

Glossar

pt

Abkürzung für “Points”, ein drucktechnisch begründetes Längenmaß. 1 pt entspricht 0,375 mm.

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3 Kommentare
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Christian Knorr
15 Jahre her

Hallo und vielen Dank für die Informationen zum Buchdruck. Ihr Listing 1 verursacht bei mir (ubuntu 10.10) den Fehler, dass ab Zeile 4 (psnup) die Einzelseiten zu klein dargestellt werden. Soll heißen, das Format ist richtiger Weise A4, darauf aber zu kleine Seiten mit zu viel weißem Nichts oben und rechts. Die Falz ist auch nicht mittig. Die Abwandlung des Scripts bringt in meinem Fall genau das gewünschte Ergebnis. Bei psnup habe ich “-Pa4 -pa5” gänzlich entfernt (Ergebnis ist A4) und -s1 (scale) hinzugefügt: [code] #!/bin/bash pdfjoin $1 –paper a5paper –fitpaper false –outfile 1-vorlage-a5.pdf || { echo “Fehler pdfjoin” exit… Mehr »

M. N.
11 Jahre her

Da sich ‘pdfjoin’ nicht unter den (aktuellen) ‘psutils’ findet, komme ich unter Verwendung von ‘psresize’ mit einer Verbesserung bei dem ‘psnup’-Befehl zu folgender Bash-Datei, die ich MAKEBROCHURE genannt habe: ————————— #!/bin/bash if [[ ${1} != “” && ${2} != “” && ${3} == “” ]]; then if [[ -e “/usr/bin/pdftops” && -e “/usr/bin/psresize” && -e “/usr/bin/psbook” && -e “/usr/bin/psnup” && -e “/usr/bin/ps2pdf14” ]]; then pdftops -paperw 595 -paperh 840 “${1}” .vorlage.ps psresize -pa5 .vorlage.ps .vorlage-a5.ps psbook .vorlage-a5.ps .vorlage-a5-book.ps psnup -Pa5 -2 .vorlage-a5-book.ps .vorlage-a5-book-zweiseitig.ps ps2pdf14 .vorlage-a5-book-zweiseitig.ps “${2}” rm .vorlage.ps rm .vorlage-a5.ps rm .vorlage-a5-book.ps rm .vorlage-a5-book-zweiseitig.ps else echo Eines der benötigten Programme… Mehr »

M. N.
11 Jahre her
Reply to  M. N.

In dem Befehl ‘pdftops -paperw 595 -paperh 840 “${1}” .vorlage.ps’ scheint die Angabe von Papierbreite und -höhe nicht unbedingt erforderlich zu sein, sodass das Ergebnis auch ohne die Angabe recht ähnlich zum ursprünglichen Ergebnis ist, während das „DIN-A4-Format” der Eingabedatei ebenfalls optional zu sein scheint.

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