Bücher, Broschüren und Booklets
Werkzeuge für PDF und Postscript (Teil 4)
Serie Postscript/PDF-Tools
| Teil 1 | Anzeigen und Konvertieren | http://www.linux-community.de/artikel/19014 |
| Teil 2 | Zerlegen und Zusammensetzen | http://www.linux-community.de/artikel/17410 |
| Teil 3 | Mehrfachdruck und Poster | http://www.linux-community.de/artikel/19376 |
Als Verfasser eines Textdokuments schenken wir dem Druck erst einmal relativ wenig Aufmerksamkeit. Wir konzentrieren uns lediglich auf den Inhalt und hoffen darauf, dass am Ende das Papier sauber aus dem Drucker purzelt. Bei vielseitigen Dokumenten wie Broschüren und Büchern erahnen wir vielleicht, dass in der Druckerei unser Text einen hochkomplexen Prozess durchläuft, bis er als fertiges Exemplar geheftet oder gebunden vor uns liegt.
Um die Schwierigkeiten zu verstehen, betrachten wir die Seitenverteilung eines Dokuments aus mehreren DIN-A5-Seiten beim Ausdruck auf A4-Blätter, beispielsweise für eine Broschüre. Abbildung 1 verdeutlicht, wie die einzelnen Seiten dazu auf dem beziehungsweise den Papierbögen angeordnet werden müssen. Die erste und dritte Spalte entsprechen der Vorderseite, die zweite und vierte Spalte der Rückseite eines Bogens, den es beidseitig zu bedrucken gilt. Von oben nach unten steigt die Anzahl der Seiten in der Broschüre – die erste Zeile zeigt eine einseitige, die zweite eine zweiseitige Broschüre und so fort.
Abbildung 2 demonstriert die Anordnung bei einem vierseitigen Textdokument. Dieser Papierbogen faltet man anschließend in der Mitte und heftet (Fadenbindung), klammert oder klebt (Klebebindung) ihn dann mit den anderen Seiten zusammen. Zu guter Letzt wird der überstehende Rand abgeschnitten, sodass eine gerade Kante entsteht.
Druckbogen erstellen
Beim Erstellen von Druckbögen hilft uns im Fall von Postscript wieder einmal das bereits in den vorigen Teilen diese Reihe eingesetzte Paket Psutils [1]: Diesmal kommen die Kommandos psbook und psnup zum Einsatz.
Mithilfe von Psbook sortieren Sie die Seiten in einem Postscript-Dokument so um, dass sie anstatt in Lese-Reihenfolge in der richtigen Abfolge für die gewünschte Bindung im Dokument erscheinen. Danach setzen Sie psnup mit dem Parameter -2 ein, um zwei Seiten auf einem Blatt abzubilden. Nach Ablauf der folgenden Kommandosequenz befindet sich die druckfertige Broschüre in der Datei flyer.ps:
$ psbook original.ps bogen.ps $ psnup -2 bogen.ps flyer.ps
Wie Patrick T. Chmielewski in seiner äußerst lesenswerten Abhandlung zum Buchdruck unter Linux/Unix [3] treffend bemerkt, führt diese Schrittfolge nur für solche Broschüren zu einem perfekten Ergebnis, die aus einer relativ überschaubaren Menge einzelner Seiten bestehen. Je mehr Blätter zusammenkommen, um so unhandlicher gestaltet sich das Falten und Verbinden der Blätter. Im Buchdruck behilft man sich damit, dass man einzelne Heftchen erstellt, die man am Schluss zu einem Buch bindet. Psbook bietet dazu den Parameter -s, mit der sich diese Heftchen ("Stückchen") generieren lassen. Die Zahl bestimmt die Blattanzahl, für 16 Seiten pro Stückchen lautet der Aufruf:
$ psbook -s16 bogen.ps flyer.ps
Als besonders angenehm erweist sich dabei, dass Psbook auch Sonderfälle berücksichtigt. Bei unserer Broschüre tritt ein solcher Fall ein, wenn sich die Seitenanzahl nicht restlos durch Vier teilen lässt (also jeweils zwei Seiten für Vorder- und Rückseite). Psbook ergänzt die fehlenden Leerseiten automatisch und fügt sie an den notwendigen Stellen im Dokument ein.
PDF-Bücher
Die Anzahl der Buchdruck-Assistenten für PDF-Dokumente hält sich in überschaubarem Rahmen: Das einzige Werkzeug, das als Analogon zu Psbook gelten könnte, ist Bookbinder ([2], Abbildung 3). Es basiert auf Java Swing und läuft laut Angabe seines Autors stabil auf den Plattformen Windows, Mac und Linux.
Tests unter aktuellen Debian- und Ubuntu-Versionen verliefen allerdings unerwartet negativ: Die fehlerhafte Referenzierung von Bibliotheken und Darstellungsfehler in der Benutzeroberfläche behindern die Arbeit. Sobald der Entwickler diese Fehler beseitigt, wird das praktische Bookbinder den Alltag für viele Anwender deutlich erleichtern.
Bis es soweit ist, heißt es wieder einmal auf die Kommandozeile zurückzugreifen. Dazu benötigen Sie alle Werkzeuge, die wie in den bisherigen Teilen dieser Beitragsserie bereits vorgestellt haben – Listing 1 zeigt, wie es funktioniert.
$ pdfjoin vorlage.pdf --paper a5paper --fitpaper false --outfile vorlage-a5.pdf $ pdftops -paperw 420 -paperh 595 vorlage-a5.pdf vorlage-a5.ps $ psbook vorlage-a5.ps vorlage-a5-book.ps $ psnup -Pa4 -pa5 -2 vorlage-a5-book.ps vorlage-a5-book-zweiseitig.ps $ ps2pdf14 vorlage-a5-book-zweiseitig.ps broschuere.pdf
Zunächst erzeugt pdfjoin aus der Vorlage im Format DIN A4 ein Dokument im Format DIN A5 (Zeile 1). Die Option --paper a5paper sorgt dabei für die Umwandlung nach DIN A5. Der Schalter --fitpaper false gibt an, dass das Seitenformat der Eingabedatei nicht dem Seitenformat des Ausgabefiles entspricht.
In Zeile 2 wandelt pdftops die DIN-A5-Vorlage von PDF nach Postscript um. Dabei legt der Parameter -paperw 420 -paperh 595 für Postscript die exakte Größe der Seite auf 420 x 595 pt fest. Das Psbook-Kommando in Zeile 3 sortiert die enthaltenen Seiten danach so um, wie man sie für den Broschürendruck benötigt. Der nachfolgenden psnup-Aufruf in Zeile 4 ordnet zwei Seiten pro Blatt an (Option -2). Die zusätzlichen Parameter -Pa4 und -pa5 setzen die Seitengröße für die Eingabedatei auf DIN A5 (-Pa5) und die Blattgröße für die Ausgabe auf DIN A4 (-Pa4).
Das letzte Kommando wandelt schließlich die Postscript-Datei wieder in ein PDF-Dokument um. Dabei stellt das verwendete Kommando ps2pdf14 sicher, dass die neueste, unterstützte PDF-Spezifikation (hier: Version 1.4) zum Einsatz kommt.



