ALT Linux einen Geheimtipp zu nennen, hieße tiefstapeln: Die russische Distribution gehört definitiv zu den zurzeit besten Linux-Spielarten weltweit. Dafür sorgen ein rund 150 Mann starkes Entwicklerteam und das rasant zunehmende Interesse an Linux in Russland. Auf dem FTP-Server [1] finden Sie die DVD- und CD-Version für 32- und 64-Bit-Rechner sowie eine Abbilddatei für USB-Sticks zum Download. Neben der Desktop-Variante gibt es von ALT Linux auch noch einen Server sowie spezielle Versionen für den Einsatz in Schulen und Behörden (Office-Server, Terminal-Server). Dieser Artikel bespricht ALT Linux Desktop in der Version 4.1.
Steckbrief ALT Linux
| Name | Alt Linux |
|---|---|
| Aktuelle Version/Codename | 4.1/Thymus |
| Land | Russland |
| Basiert auf | Eigenentwicklung |
| Medien | Live-CD/Install-DVD |
| Paketmanager | RPM |
| Primärer Desktop | KDE |
| Alternative Desktops | Gnome, XFCE |
| Kernel | 2.6.25 |
| Entwicklerteam | 50 Vollzeit, 100 Freiwillige |
| Release-Zyklus | halbjährlich (Desktop), jährlich (Server) |
| Stärken | sehr solide Linux-Distribution mit ausgereiften Admin-Tools |
| Schwächen | keine Updatequellen eingerichtet, in Westeuropa nicht sehr verbreitet |
Sisyphus
Die Basis von ALT Linux bildet die Entwicklungsumgebung Sisyphus – eine der Hauptkomponenten der russischen Distribution. Sie hilft beim Bauen der Distribution, stellt die nötigen Repositories bereit und erfüllt damit ähnliche Funktionen wie der OpenSuse-Buildservice. Die Ähnlichkeit ist mehr als nur Zufall: Einige Mitgründer des ALT-Linux-Teams arbeiteten früher mit den Nürnbergern zusammen, um den Support für kyrillische Zeichensätze zu verbessern. Neben dem Sisyphus-Zweig gibt es noch das Daedalus-Repository. Hier landen die (noch) instabilen Pakete.
Den Erfolg im eigenen Land verdankt ALT Linux nicht zuletzt der sehr guten Lokalisierung. So erhalten Sie zum Beispiel auch auf der Konsole Fehlermeldungen in Russisch (Abbildung 1) und die meisten Manpages gibt es ebenfalls in einer lokalisierten Version.
Installation
Der Heft-DVD liegt die Live-Version von ALT Linux 4.1 Desktop bei. Möchten Sie das System installieren, benötigen Sie dazu die DVD-Version oder die Installations-CD [1]. Im Bootdialog zeigt ALT Linux zunächst eine in kyrillischer Schrift gehaltene Auswahl an (Abbildung 2). Drücken Sie hier einfach [F2] für die Sprache und wählen Sie dann Other aus – zumindest, sofern Sie nicht aus der Ukraine, Weißrussland oder Kasachstan stammen. ALT Linux stellt das Bootmenü dann auf Englisch um.
Die eigentliche Installation gestaltet sich klassisch: Sie wählen die Sprache aus und stimmen den Lizenzbedingungen zu; danach stellen Sie Land, Zeitzone und aktuelle Uhrzeit ein. Das Partitionierungsmodul lässt Ihnen die Wahl, nur den freien Plattenplatz oder die komplette Platte zu nutzen respektive im Expertendialog eigene Einstellungen zu treffen – etwa für LVM- und RAID-Setups. Nach der Partitionierung startet sogleich die Paketinstallation, es gibt weder einen Übersichtsbildschirm noch eine zusätzliche Sicherheitsabfrage.
Nach dem Überspielen der Software bietet ALT Linux noch einen Dialog zur erweiterten Programmauswahl an. Hier legen Sie fest, ob Sie zusätzliche Spiele, Serveranwendungen oder Systemtools installieren möchten. Danach richten Sie das Root-Passwort, ein Benutzerkonto und das Netzwerk ein. Grafikkarte und Monitor stellt die Distribution automatisch ein (Abbildung 3), lässt Ihnen aber die Möglichkeit, die Einstellungen gleich zu ändern. Die Installation dauert auf einem aktuellen Rechner eine gute Viertelstunde.
Sämtliche Dialoge sind sehr übersichtlich gehalten und bereiten auch bei kleinen Auflösungen keine Probleme. Als Bootloader setzt ALT Linux immer noch auf Lilo. Die Distribution bindet dabei bereits installierte Distributionen automatisch in das Bootmenü ein. Dass ALT Linux früher auf Mandriva basierte, merkt man nur noch an sehr wenigen Stellen: So bietet die Distribution etwa beim Booten über [I] einen Interaktiven Modus an, und um mit vollen Rechten zu arbeiten, müssen Sie die Admin-Rechte mit su - erlangen.



