Das neue Ubuntu 8.10 ist da

Aus LinuxUser 12/2008

Das neue Ubuntu 8.10 ist da

© LNM AG

Der Steinbock hüpft ins Ziel

Pünktlich wie die Maurer stellen die Ubuntu-Entwickler Version 8.10 der beliebten Distribution bereit. Neben vielen nützlichen Neuerungen bringt sie auch einen ärgerlichen WLAN-Bug mit.

Intrepid Ibex bedeutet “Unerschrockener Steinbock” und ist (zumindest auf Deutsch) ein Zungenbrecher. Die dazugehörige Distribution Ubuntu 8.10 läuft in der Praxis hoffentlich weniger holprig – zumindest erreichte der Steinbock ohne zu stolpern das offizielle Release-Datum. Das neue Ubuntu bringt einige interessante Features mit, die Endanwendern und Profis gleichermaßen das Leben erleichtern. Zudem haben die Entwickler einige Programme aufgefrischt.

Gnome-Updates, aber kein OpenOffice 3

Zunächst gibt es eine neue Version von Gnome (2.24.1), die wir bereits im letzten Heft besprochen haben [1]. Zu den Veränderungen gehören etwa die neuen Funktionen des Dateimanagers Nautilus, der nun Tabs kennt, versehentlich gelöschte Dateien restauriert und sich nicht mehr an FAT-Dateinamen verschluckt. Statt Ekiga 3.0 hat Ubuntu aber noch die Variante 2.0.12 an Bord. Mit Firefox 3.0.3 erhalten Internetanwender eine stabile Variante des freien Browsers. Grafiker dürfen sich über Gimp 2.6.1 freuen, das mit neuen Features glänzt, wie etwa Support für RAW-Fotos. Zudem unterstützt es einen Dynamikumfang von 32 Bit pro Farbkanal. Der Medienplayer Totem ist auch an Bord, er spielt nun die kostenlosen Inhalte der BBC ab.

Etwas überraschend schaffte es OpenOffice 3.0 nicht in Ubuntu 8.10. Die Distribution bringt die ältere Version 2.4.1 der freien Office-Suite mit. Die Gründe sind laut Ubuntu-Mitarbeiter Colin Watson [2] technischer Natur: OpenOffice 3 kam zu spät, es gab Probleme beim Anpassen der Pakete und die 3.0 wäre ohnehin nur neben der 2.4 installiert worden – quasi als Testlauf.

Mehr Netzwerk, mehr Druck, mehr Privatsphäre

Für eine bessere Netzanbindung sorgt der Network-Manager in Version 0.7, der 3G-Technologien wie UMTS und Roaming unterstützt. In die WLAN-Anbindung hat sich allerdings ein störender Bug eingeschlichen (siehe Kasten “Falscher Kanal”). Über das Drucker-Interface Jockey integriert Ubuntu nun auch Druckertreiber aus einer externen Quelle [3]: Zum einen fehlt insbesondere auf den Ubuntu-CDs der Platz für sämtliche Druckertreiber, zum anderen kommen ständig neue Modelle auf den Markt, die Ubuntu auf diese Weise auch unterstützt.

Falscher Kanal

Stellen Sie den WLAN-Kanal am Router manuell ein, um in Gebieten mit dichter WLAN-Besiedlung den Empfang zu verbessern, haben Sie eventuell ein Problem. Weil das WLAN-Treibermodul von Ubuntu 8.10 Ihren Standort fälschlich nicht erfährt, fällt es auf einen überall erlaubten Kanalsatz als kleinsten gemeinsamen Nenner zurück. Als Workaround schreiben Sie in die Datei /etc/modprobe.d/options die Zeile

options mac80211 ieee80211_regdom="EU"

Damit aktivieren Sie die Verwendung aller in Europa erlaubten Kanäle, also 1 bis 13. Das funktioniert aber erst nach dem erneuten Laden des Treibers beziehungsweise nach dem Neustart des Systems. Aber Vorsicht: Arbeiten Sie mit dem so eingestellten System in den USA, Japan oder in etlichen außereuropäischen Ländern, machen Sie sich strafbar. Mehr Informationen zum Bug finden Sie unter [4].

Neu ist die Einführung eines passwortgeschützten Verzeichnisses ~/Private, in das die Anwender sensible Dateien und Verzeichnisse verschieben. Beim Anmelden eines Benutzer hängt Ubuntu automatisch das EcryptFS-Dateisystem in das Verzeichnis ein. Via PAM (Pluggable Authentication Module) und Passwort des Benutzers mountet Ubuntu das verschlüsselte Dateisystem. Selbst wenn ein Angreifer also den Rechner mit Hilfe einer Live-CD bootet, kann er auf dieses Verzeichnis nicht zugreifen.

Für Gäste haben sich die Ubuntu-Macher auch etwas ausgedacht: Die nutzen den Rechner temporär im Gast-Modus. Nach dem Abmelden löscht die Distribution automatisch die in der Sitzung erzeugten Dateien und Daten.

Kernpunkte

Unter der Haube von Ubuntu 8.10 hat sich ziemlich viel getan, was am Kernel 2.6.27 liegt. Er bringt deutlich mehr Treiber für Wireless-Karten und Webcams mit. Dells DKMS-Projekt (Dynamic Kernel Module Support) erleichtert zudem das Aktualisieren von externen Kernel-Modulen, wenn es ein neues Kernel-Release gibt. Das macht Sinn für externe Geräte, die ein eigenes Kernel-Modul mitbringen, das der Anwender installieren muss.

[1] Neues in Gnome 2.24: Christian Meyer, “Blick nach vorn”, LinuxUser 11/2008, S. 68ff.

[2] Interview mit Colin Watson: http://www.tectonic.co.za/?p=3447

[3] Druckertreiber-Ressource: http://openprinting.org

[4] WLAN-Bug in Ubuntu: https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+source/linux/+bug/268388

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