Der ehemalige Computerverkäufer Jah Shaka (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Musiker) vermisste auf seinem Rechner ein kostenloses und zugleich leistungsstarkes Videobearbeitungsprogramm. Insbesondere die Länder der Dritten Welt lagen ihm am Herzen, in denen die Menschen kaum mehrere tausend Dollar für ein Echtzeitschnittsystem aufbringen. Zur gleichen Zeit arbeitete er in Jamaica für ein Projekt der UNESCO, das sich ganz ähnliche Ziele gesetzt hatte, aber letztendlich im Sand verlief. Also nahm er kurzentschlossen selbst das Heft in die Hand, schaute sich als Vorlage verschiedene, hochpreisige Schnittsystem an und entwickelte schließlich das erste freie Videobearbeitungs- und Effektprogramm mit Profiambitionen. Dem Ergebnis verpasste er seinen eigenen Namen: Jahshaka [1].
Nachdem sich die ersten Versionen fast ausschließlich auf Effekte und Animationen beschränkten, erschien Ende 2006 nach über fünfjähriger Entwicklungszeit die lang erwartete Version 2.0. Die Entwickler bewerben diese nicht ganz umsonst als erste kostenlose, eierlegende Wollmilchsau der Videobearbeitung. Die Liste der angebotenen Funktionen liest sich wie ein Auszug aus einem Katalog für ein mehrere tausend Euro teures Echtzeitschnittsystem: Dank der OpenGL-Schnittstelle berechnet Jahshaka seine Effekte in Echtzeit, bietet so genannte Compositing-Funktionen, ein auf Videos spezialisiertes Malprogramm (das so genannte Videopaint), sowie Werkzeuge zum schnellen Erstellen von Animationen und natürlich auch den schnöden Videoschnitt.
Jashaka richtet sich somit eigentlich an semiprofessionelle Filmer. Wie das folgende Beispiel zeigt, verdaut die Schnittsoftware aber auch spielend das letzte Urlaubsvideo anspruchsvoller Hobbyregisseur.
Jahplayer
Als Bonus erhalten Sie zusammen mit Jahshaka noch den Jahplayer, ein Abspielprogramm für Medien aller Art. Wie sein großer Bruder nutzt es die Beschleunigungsfunktionen moderner 3D-Grafikkarten, über die der Mediaplayer auch recht exotische Dateiformate abspielt. Der Jahplayer steht bei Sourceforge in fertigen Paketen [2] bereit. Falls Sie Jahshaka aus dem Quellpaket bauen, genügt ein ./configure jahplayer; make; make install zum Übersetzen und Installieren der Software.
Installation
Sollte nun der Appetit geweckt sein, trennen Sie nur noch zwei größere Hürden vor der Inbetriebnahme. Auf die erste treffen Sie direkt bei der Installation: Sofern Sie im Internet kein fertig geschnürtes Paket für Ihre Distribution finden, bleibt nur der Griff zum Archiv mit den Quelltexten.
Wie Sie aus diesem in einer extrem kurvenreichen Fahrt das fertige Programm zaubern, verrät der Kasten "Installation aus den Quellen". Anwender mit Fedora Core auf dem Rechner finden bei Sourceforge [2] ein passendes Paket. Letzteres installieren Sie in einem Terminalfenster per sh jahshaka-2.0FC5.run. Für User mit Suse 10.1 und höher hält die Jahshaka-Website noch ein Archiv [3] mit RPM-Paketen bereit. Debian und Ubuntu-Besitzer finden auf der Jahshaka-Homepage im Bereich Downloads ein Installationsskript, das nach dem Start mit sh jahshaka-dapper-x86.sh install die benötigten Pakete nachlädt und einspielt.
Unabhängig von der verwendeten Distribution setzt die Software zusätzlich die Bibliotheken Boost, Libdv, Libquicktime, Freetype2 und Glut (meist in Form von Freeglut) voraus. Alle großen Distributionen sollten diese Pakete standardmäßig mitbringen. Stellen Sie zusätzlich noch sicher, dass die 3D-Beschleunigung der Grafikkarte aktiviert ist. Dies prüfen Sie am schnellsten durch den Aufruf von glxgears in einem Terminalfenster. Das kleine Werkzeuge sollte Frameraten von über 200 Bildern pro Sekunde anzeigen.
Installation aus den Quellen
Sofern Jahshaka für Ihre Distribution nicht als fertiges Paket vorliegt, erstellen Sie das Schnittprogramm aus dem Quellpaket selbst erstellen. Dazu sind jedoch einige Vorbereitungen notwendig. Installieren Sie zunächst folgende Pakete, einschließlich der zugehörigen Entwicklungspendants. Letztere tragen in der Regel ein -devel oder -dev im Namen:
libboostlibdvlibquicktimefreetype2- Glut-Bibliotheken (beispielsweise
freeglutundfreeglut-devel) qt3-develqt3-devel-tools
Allerdings empfindet Jahshaka eine kleine Abneigung gegenüber den neuen Qt4-Bibliotheken. Auf aktuellen Distributionen sollten Sie daher die zugehörigen Pakete am besten vorübergehend deinstallieren. Dies klappt jedoch nicht mit jeder Linux-Distribution. In diesen Fällen bleibt nur als Lösung, die Umgebungsvariablen von Hand so umzubiegen, dass diese ausschließlich die Qt3-Verzeichnisse zeigt. Primär betrifft das die Variablen $PATH und $QTDIR.
Installieren Sie das OpenAL-System. Dies umfasst sowohl die Bibliotheken selbst, als auch das zugehörige Entwicklerpaket. OpenSuse 10.2 bringt letzteres leider nicht von Haus aus mit. Sie laden es einfach aus den OpenSuse-Repositories [4] herunter. Weitere Informationen zu OpenAL erhalten Sie auf der Website des Projekts [5].
Laden Sie Glew herunter [6] oder verwenden Sie die Version von der Heft-CD. Entpacken es in ein Verzeichnis und spielen es als Benutzer root per ./configure; make; make install ein. Stellen Sie sicher, dass Sie die Entwicklerpakete für Gtk2 und SDL installiert haben. Laden Sie anschließend das Multimedia-System MLT [7] herunter, und spielen Sie es nach dem Entpacken ebenfalls per Dreisatz ein.
Auf der gleichen Webseite (oder der Heft-CD) finden Sie auch seinen Kompagnon MLT++ ([7],[8]). Übersetzen Sie auch dieses Programm von Hand, und installieren Sie es im System. Nun fehlen noch die OpenLibraries [9], deren Quelltext Sie ebenfalls auf der Heft-CD finden. Sie installieren die Software via ./configure; make; make install in der Kommandozeile.
Hat bis hierhin alles geklappt, kommt nun Jahshaka an der Reihe. Wie schon bei den anderen Programmen installieren Sie das Videoschnittprogramm nach dem Entpacken des Quellcodearchivs mit dem Dreischritt.
Start
Nach dem Start gilt es gleich die zweite Hürde zu nehmen: Da Jahshaka mit Funktionen nur so um sich wirft, bedarf es einer mehr oder weniger langen Eingewöhnungszeit. Wie das Hauptfenster (Abbildung 1) zeigt, orientierten sich die Entwickler beim Entwurf der Oberfläche an professionellen Konkurrenzprodukten. Allen voran waren dies die Discreet-Produkte, die schon immer für ihr etwas gewöhnungsbedürftiges Bedienkonzept berühmt-berüchtigt waren. Doch keine Angst: Nach einer kurzen Orientierungsphase geht die Arbeit meist erstaunlich schnell von der Hand.


