Spielefans schwärmen von den potentiellen Möglichkeiten der jüngsten Sony-Playstation, Linux kann sie auch. Ein guter Grund für LinuxUser, sich eine PS3 näher anzusehen.
Die Playstation 3 von Sony hat nicht nur die Maße und das Gewicht eines Videorekorders, sondern heizt auch ein kleineres Zimmer problemlos auf mollige Temperaturen. Wer sich trotzdem einen solchen Rechner kaufen möchte oder bereits gekauft hat, bringt mit wenig Handarbeit auch ein Linux-System auf die Festplatte. Am besten eignen sich dazu die speziell für die PS3 angepassten Versionen von Yellow Dog Linux und Ubuntu “Feisty Fawn”. Doch auch Debian und Fedora Core lassen sich mit geringem Aufwand installieren – dazu gibt es bereits eine ausführliche Anleitung [1], leider aber nur in Englisch. Die beste Anlaufstelle für Ubuntu auf der Playstation bietet Psubuntu.com [2], jedoch ebenfalls nur in Englisch. Eine sehr gute und zudem aktuelle deutsche Anleitung für Ubuntu 7.04 liefert das deutsche Ubuntu-User-Forum [3].
Zu wenig des Guten
Beim Auspacken der PS3 fallen zunächst das enorme Gewicht und die Größe auf (siehe Tabelle “Playstation 3”). Ihre knapp 6 Kilo verdankt die Playstation in erster Linie der Kühlung: Allein der Kühlkörper samt Lüfter bringt ein gutes Kilo auf die Waage. Das Mainbord mit zwei massiven Stahlplatten auf der Ober- und Unterseite (Abbildung 1) steuert weitere 1,2 Kilo bei. Trotz dieser Kühlungsmaßnahmen erzeugt die Konsole im Gegensatz zu einem herkömmlichen PC enorm viel Abwärme. Der Geräuschpegel bewegt sich zwischen Notebooklüfter auf Hochtouren und Desktop-Rechner. Für einen Wohnzimmer-PC jedenfalls macht die Playstation 3 entschieden zu viel Krach.

Abbildung 1: Massive Kühlung: Der Lüfter der PS3 hat einen Durchmesser von rund 15 Zentimetern und wiegt 500 Gramm. Der Kühlkörper bringt nochmal so viel auf die Waage. Darunter befindet sich zwischen zwei Metallplatten das rund 30 x 25 Zentimeter große Mainboard.
Mangels VGA- oder DVI-Ausgang lässt sich die Playstation 3 nicht an einen herkömmlichen PC-Monitor anschließen. Dem PS3-Benutzer bleiben somit zwei Möglichkeiten: Er kauft sich ein zusätzliches HDMI-Kabel und einen Fernseher mit HDMI-Eingang, oder er schließt die PS3 an ein herkömmliches TV-Gerät an (Kabel im Lieferumfang vorhanden). Mit der günstigeren Lösung lässt sich zwar halbwegs vernünftig spielen – um mit Linux zu arbeiten, reichen jedoch 720 x 540 Bildpunkte nicht aus. Konsequenterweise fehlt der Playstation 3 auch ein traditioneller Klinken- Audioausgang.
Playstation 3
| Prozessor | Cell, 64-Bit-PowerPC-Prozessor (3,2 GHz) |
| RAM | 256 MByte |
| Grafik | Nvidia RSX mit 265 MByte Speicher |
| Festplatte | 2,5″ S-ATA (60 GByte) |
| Optische Laufwerke | Blue-Ray (kein Brenner) |
| Netzwerk | Gigabit-Ethernet, WLAN, Bluetooth |
| Schnittstellen | 2 x USB 2.0, Kartenleser (Memory Stick, SD, Compact Flash), S-Video-Out, HDMI, optischer Ausgang |
| Abmessungen (ca.) | 33 x 28 x 10 cm |
| Gewicht (ca.) | 6 kg |
| Preis (ca.) | 600 Euro |
Installation
Vor der eigentlichen Installation müssen Sie auf der Playstation über System-Einstellungen | Festplatten-Dienstprogramm eine neue Partition für das Linux-System anlegen. Mit der aktuellen Playstation-Firmware können Sie auswählen, ob Sie 10 GByte für das Linux-System oder 10 GByte für das Playstation-System einteilen möchten (Abbildung 2).
Auf Ubuntu.com finden Sie die CD-Abbilddatei ubuntu-7.04-desktop-powerpc+ps3.iso von Ubuntu “Feisty” [4] für die Playstation. Auf der CD liegt im Verzeichnis kboot die Datei otheros.bld. Legen Sie auf einer unterstützen Speicherkarte oder einem USB-Flash-Drive die Verzeichnisstruktur ps3/otheros an und kopieren Sie die Datei otheros.bld ins neu erstellte Verzeichnis otheros. Rufen Sie danach auf der Playstation das Menü System-Einstellungen | Anderes System installieren auf, so findet die Playstation auf dem Speichermedium das neue Betriebssystem (Abbildung 3). Um es zu starten, legen Sie die Ubuntu-CD ins Blueray-Laufwerk ein und wählen System-Einstellungen | Standardsystem | Anderes System.

Anderes System installieren sucht die PS3 nach der Bootloader-Datei otheros.bld.” width=”300″ height=”225″ />
Anderes System installieren sucht die PS3 nach der Bootloader-Datei otheros.bld. Spätestens jetzt brauchen Sie eine USB-Tastatur. Um die Installation zu starten, drücken Sie am Bootprompt die Eingabetaste. Möchten Sie das Playstation-Betriebssystem laden, geben Sie am Bootprompt boot-game-os ein und drücken ebenfalls [Eingabe]. Möchten Sie den textbasierten Bootloader durch einen grafischen Betriebssystemstarter ersetzen (Abbildung 4), laden Sie sich die otheros.bld-Datei von Ozlabs.org [5] herunter und wiederholen die Schritte zum Installieren eines anderen Systems (ohne Partitionierung).
Die eigentliche Installation von Ubuntu stellt für den durchschnittlichen Linux-Benutzer keinerlei Herausforderung dar. Das Installationsprogramm beklagt sich zwar zweimal über eine fehlende Apple-Bootstrap-Partition, diese Hinweise können Sie jedoch getrost ignorieren.
Linux-Schwachpunkte
Zurzeit gibt es unter den meisten Linux-Distributionen noch Probleme mit dem WLAN und dem Sound. Bei “Feisty” lassen sich die Soundprobleme lösen, indem Sie in der Datei /etc/modules das bereits eingetragene Modul snd_powermac durch snd_ps3 ersetzen:
fuse # snd_powermac snd_ps3
Nach einem Neustart funktioniert so auch die Soundausgabe. Das WLAN-Modul jedoch verweigert unter Linux seinen Dienst komplett.
Mit 256 MByte Hauptspeicher (keine Erweiterungsmöglichkeit) arbeitet der Rechner deutlich am untersten Limit. Dass sich Yellow Dog für E17 als Desktop entschieden hat, dürfte auch mit dem Speicherverbrauch zusammenhängen. Allerdings arbeitet auch dieses speziell für die Playstation 3 angepasste Linux nicht schneller als die “Feisty”-Version. Die Playstation fühlt sich unter Linux etwa so an wie ein 5 Jahre alter PC.
Auch das DVD-Ripping oder MP3/OGG-Encoding erledigt der Cell-Prozessor nicht schneller als eine gewöhnliche AMD- oder Intel-CPU gleicher Taktfrequenz: Ein Geschwindigkeitszuwachs lässt sich nur durch Programme erzielen, die auf den Cell-Prozessor optimiert sind. Last but not least bietet die Playstation auch keine 3D-Beschleunigung, da das Gastsystem in einer virtuellen Umgebung läuft, die keinen direkten Zugriff auf die Grafikhardware bekommt.
Wer trotzdem seinen Spaß an der PS3 haben will, kann die Playstation ja mal auseinandernehmen und wieder zusammenbauen (Vorsicht: Garantieverlust!) [6].
Fazit
Die PS3 ist aus mehreren Gründen nicht wirklich tauglich für Linux. Zocker dürften diese Negativpunkte nicht allzusehr interessieren – wer dagegen mit dem Kauf einer PS3 als Linux-Powerrechner liebäugelt, sieht sich stattdessen besser nach einem leisen Core2-Duo-System um. Das kostet zwar etwas mehr als die Playstation, kommt aber mit bis zu zehnmal weniger Strom aus.
[1] Debian/Ubuntu auf der PS3: http://www.louiscandell.com/ps3/
[2] Ubuntu on PS3: http://psubuntu.com/
[3] Deutsche Installationsanleitung für Feisty: http://wiki.ubuntuusers.de/Playstation_3
[4] Feisty-PPC-ISO: http://cdimage.ubuntu.com/ports/releases/feisty/
[5] Grafischer Bootloader: http://ozlabs.org/~jk/projects/petitboot/
[6] PS3 zerlegt: http://www.therealps3grill.com/disassemble.htm







