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Alter Simulant!

Emulatoren-Urgestein

Bochs. der Großvater unter den Emulatoren, erfreut sich bester Gesundheit: Dank regelmäßiger Vitaminspritzen nimmt es der rüstige Opa sogar noch spielend mit Windows XP auf.

Bereits 1994 erblickt der PC-Emulator Bochs (ausgesprochen Box) das Licht der Welt. Kevin Lawton heißt sein Erfinder, der es zunächst gebührenpflichtig vertreibt. Sechs Jahre später kauft der französische Linux-Distributor Mandriva – damals noch unter dem Namen MandrakeSoft – den Emulator, befreit ihn von seinen kommerziellen Fesseln und stellt ihn unter die LGPL.

Installation

Mittlerweile bietet Sourceforge.net Bochs eine neue Heimat ([1], Abbildung 1). Dort bekommen Sie ihn kostenlos als RPM-Paket (auch auf Heft-CD), dessen Inhalt auf allen halbwegs modernen Distributionen läuft. Über eine Konsole spielen Sie das Paket auf Ihr System, indem Sie mit Root-Rechten rpm -Uhv bochs-2.3-1.i586.rpm eingeben. Wer eine Debian-basierte Distribution einsetzt, sollte zunächst die bekannten Repositories abklappern. Nutzer von Ubuntu "Edgy Eft" finden Pakete der Version 2.2.6 beispielsweise im Universe-Repository und installieren zusätzlich das Programm Bximage. Für Opensuse brauchen Sie das nicht: Bximage ist dort Bestandteil des Bochs-RPMs. Notfalls hilft ein Griff zu den Quelltexten (siehe Kasten "Bochs kompilieren"). Gleiches gilt, wenn Sie unter Bochs statt des voreingestellten Pentium-Prozessors etwa einen 486er betreiben möchten.

Abbildung 1: Die neue Heimat von Bochs ist Sourceforge.net. Dort finden Sie auch die komplette Dokumentation, die in den fertigen Software-Paketen fehlt.

Das so installierte Programm simuliert auf Abruf einen kompletten PC samt Intel-Prozessor, Grafik-, Sound- und Netzwerkkarte. Dieser virtuelle PC im PC arbeitet so gut, dass unter Bochs' Führung sogar komplette Betriebssysteme laufen. Darunter fallen beispielsweise alle Windows-Versionen (Abbildung 2) bis auf Vista, natürlich Linux und viele weitere Exoten. Damit eignet sich Bochs nicht nur zur Wiederbelebung alter Software, sondern auch um "mal eben" ein neues Betriebssystem oder kritische Einstellungen auszuprobieren. Im Gegensatz zum ähnlich arbeitenden Qemu existiert für Bochs kein Beschleunigungsmodul. Folglich werkelt der Oldtimer durchweg langsamer als sein Kollege.

Abbildung 2: Windows XP läuft unter Bochs, wenn auch recht zäh. Am besten arbeitet der Emulator mit älteren Betriebssystemen zusammen.

Bochs kompilieren

Wollen oder müssen Sie Bochs aus den Quellen selbst erstellen, installieren Sie zunächst den C++-Compiler und die Entwicklerpakete für das X11-System. Nach dem Entpacken des Quellcodearchivs ([1], auch auf Heft-CD) übersetzen Sie die Software über ./configure; make und installieren Sie mit Root-Rechten via make install. Damit erhalten Sie allerdings nur die Minimalausstattung.

Um etwa die Unterstützung für die Netzwerkkarte im virtuellen PC zu aktivieren, verlangt configure nach dem zusätzlichen Parameter --enable-ne2000. Die extrem umfangreiche Liste im Benutzerhandbuch [2] nennt alle weiteren Optionen. Das RPM-Paket von Bochs unterstützt diese Hardware-Komponenten bereits von Hause aus. Wollen Sie aber einen anderen Prozessor nutzen, müssen Sie den Quellcode übersetzen. Der Schalter --enable-cpu-level=4 schwört Bochs dabei beispielsweise auf einen 486er-Prozessor ein.

Wachsende Platten

Im Gegensatz zu Qemu gestaltet sich die erste Inbetriebnahme von Bochs etwas holpriger und erfordert verschiedene Vorbereitungen. Zunächst benötigen Sie die Installationsmedien des Betriebssystems, das später im virtuellen PC laufen soll. Dies dürfen entweder reale CDs/DVDs sein oder so genannte ISO-Images. Diese Dateien enthalten das exakte Abbild eines realen Mediums. Die meisten Linux-Distributionen gibt es im Internet bereits in diesem Zustand, andernfalls liest ein Brennprogramm wie K3b den entsprechenden Datenträger Bit für Bit aus.

Festplatten simuliert Bochs nach dem gleichen Prinzip: Anstelle einer realen Festplatte verwendet der Emulator lediglich ein Abbild. Während somit in Wahrheit alle Daten in dieser großen Datei landen, glaubt das Gastsystem im virtuellen PC mit einer echten Festplatte zu hantieren. Beim Erstellen einer komplett leeren Festplatte in der gerade benötigten Größe geht das mitgelieferte Hilfsprogramm Bximage zur Hand. Es erzeugt in nur wenigen Schritten eine leere, virtuelle Festplatte. Eine typische Sitzung zeigt Abbildung 3: Nach dem Start von Bximage in einem Terminalfenster möchte das Programm zunächst wissen, ob es eine leere Festplatte oder eine Diskette erzeugen soll. Übernehmen Sie hier die Vorgabe, indem Sie einfach nur [Eingabe] drücken. Als nächstes ist das Dateiformat an der Reihe: Hier sollten Sie von der Vorgabe abweichen und growing eintippen. Damit wächst die Image-Datei später automatisch mit den in ihr enthaltenen Daten. Bei flat würde sie hingegen immer genau so viel Speicherplatz beanspruchen, wie maximal auf die virtuelle Festplatte passt.

Abbildung 3: In diesem Beispiel legen Sie über das Hilfsprogramm Bximage eine 5 GByte große, virtuelle Festplatte an.

Im nächsten Schritt geben Sie die gewünschte Größe der Platte ein. Für Windows XP benötigen Sie mindestens 5 GByte, folglich wäre hier 5000 der passende Wert. Bximage präsentiert nun die Eckdaten der virtuellen Festplatte und möchte bei der Gelegenheit auch noch deren Dateinamen wissen. Im Beispiel aus Abbildung 3 wurde abweichend festplatte.img gewählt. Damit wären schon alle benötigten Angaben beisammen. Bximage erstellt nun ein passendes Image und gibt abschließend eine etwas kryptische Zeile aus. Diese müssen Sie sich gut notieren, da sie bei der Konfiguration von Bochs noch eine wichtige Rolle spielt.

Praktischer Werkzeugkasten

Virtuelle Festplatten sind äußerst praktisch. Um beispielsweise ein System zu klonen, müssen Sie lediglich die Image-Datei kopieren. Im Gegenzug kommen Sie nur recht schwer an ihren Inhalt heran. Das ist insbesondere immer dann ärgerlich, wenn Sie Dateien zwischen realem und virtuellem PC austauschen möchten. Eine enorme Arbeitserleichterung verschaffen die Bochs-Tools [3]. Sie nehmen die virtuellen Festplatten bei Bedarf ordentlich in die Zange: So hängt ein bxtmount hda.img:1 /mnt die erste Partition der virtuellen Festplatte mit dem Dateinamen hda.img in das Verzeichnis /mnt ein. Über dieses Verzeichnis können Sie nun Dateien zwischen den beiden Welten austauschen. Vergessen Sie aber nicht das Image wieder auszuhängen, bevor Sie Bochs aufs neue starten.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


Infos zur Publikation

Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift LinuxUser.

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