Frisch aufpoliert
Open Suse 10.2 im Test
Benutzeroberflächen
Die Oberfläche des KDE-Desktops gibt sich gewohnt aufgeräumt mit den bekannten Icons und dem Novell-Startfenster, wirkt optisch aber deutlich liebevoll gestaltet. Die klobige K-Menüleiste und die wuchtigen Fensterdekore wurden gegen feinere gezeichnete Pendants ersetzt. Statt des K-Menü-Knopfes prangt nun als augenscheinlichste Neuerung ein elegant geschwungenes Suse-Logo in der Kontrollleiste (Abbildung 1).
Dieses von Novell entwickelte Menü präsentiert sich als aufgeräumte Schaltzentrale, wird aber wohl wieder einmal gemischte Gefühle bei den Benutzern hinterlassen: Zwar erlaubt es einen spielend leichten Umgang mit dem System, nicht zuletzt durch die Integration der nun standardmäßig laufenden Desktopsuche Beagle. Allerdings versteckt es vor Neulingen die tatsächlichen Verzeichnisstrukturen des Systems und lädt dadurch nicht gerade zum besseren Verständnis der dahinterstehenden Technik ein.
Auch unter Gnome finden Sie nicht das altangestammte Gnome-Menü: Es musste einem nicht ganz so featurereichen Hauptmenü namens Slab (engl.: "Platte") weichen. Besonders umständlich gestaltet sich hier die Recherche nach den installierten Anwendungen (Abbildung 3). Dazu klicken Sie auf den Schalter Weitere Anwendungen des Gnome-Menüs, worauf sich mit kleiner Verzögerung der Applikationsbrowser öffnet. Hier finden Sie, in Sektionen geordnet, das Softwarearsenal des Rechners.
Die detailreiche und durchdachte Vorkonfiguration beider Desktopsysteme zielt allerdings eindeutig auf eine Klientel, die entweder neu im Linuxland unterwegs ist oder einfach schnell mit der Büroarbeit beginnen will, ohne sich um die technischen Hintergründe oder eine geeignete Erstkonfiguration Gedanken machen zu müssen. Das verdeutlicht unter anderem ein nicht vorinstallierter Midnight Commander. Auch die KDE-Terminalemulation Konsole öffnet sich nicht mehr auf Anhieb per Mausklick, sondern muss über die Suchfunktion des K-Menüs oder den Schnellstarter ([Alt]+[F2]) gestartet werden. Die früher obligatorische Steuerleiste am oberen Bildschirmrand fehlt.
Flüssiges Paketmanagement
Wie Schon erwähnt, stellte die mangelnde Benutzbarkeit des Paketmanagements eines der größten Mankos des 10.1-Releases dar. Der dafür vorgesehene Zenworks-Daemon zmd arbeitete unerträglich langsam, was viele Anwender dazu veranlasste, für Updates und das Installieren von Software Alternativen wie Smart oder Apt-get zu verwenden. Dies war wohl auch den Entwicklern der Distribution ein Dorn im Auge, und so legten sie vor allem auf diesem Gebiet mächtig zu.
Die Softwareverwaltung, sei es über YaST oder den Button Installieren von Software des Gnome-Menüs (Zenworks-Updater, Abbildung 4), läuft nun wesentlich flüssiger. Wem das aber immer noch nicht schnell genug geht, der greift auf die bereits installierten Alternativen zurück, die ohne zmd auskommen. Den Zenworks-Updater ersetzt hierbei das Tool Opensuse-Updater, das sich gleich in die Kontrollleiste einnistet. Sie finden es im K-Menü unter Anwendungen | System | Desktop-Applet.
Das Kommandozeilentool zypper nimmt dabei den Platz von rug ein. Seine Funktionsweise lehnt sich an die von Apt oder Smart an, sodass Sie ohne Lernaufwand mit den Befehlen zypper update, zypper install und zypper remove wie gewohnt arbeiten können. Weitere mögliche Befehle verrät der Aufruf zypper -h.
Den nun nicht mehr benötigten Zenworks-Daemon tragen Sie über den Runlevel-Editor der YaST-Systemverwaltung aus den eingetragenen Runleveln 3 und 5 aus oder deinstallieren ihn einfach. Externe Repositories fügen Sie bequem über YaST | Software | Installationsquelle wechseln hinzu. Über empfehlenswerte Repositories und deren Inhalt klärt eine eigene Seite [2] auf Opensuse.org auf. Die Alternative, Ihr System über Smart oder Apt auf dem laufenden zu halten, steht auch weiterhin offen.



