Zwei Notebooks mit vorinstalliertem Linux

Aus LinuxUser 02/2007

Zwei Notebooks mit vorinstalliertem Linux

Tarnen und täuschen

Es gibt sie immer mal wieder – Laptops mit vorinstalliertem Linux. Doch nicht überall, wo Linux drauf steht, ist auch wirklich ein funktionierendes System drin.

Auf den meisten aktuellen Rechnern läuft Linux problemlos. Doch beim Notebook-Kauf ist Vorsicht angebracht, da einzelne Hardware-Elemente sich nicht ohne weiteres austauschen lassen. Auch bei Geräten, die der Anbieter mit vorinstalliertem Linux bewirbt, fragen Sie besser noch einmal nach, welche Komponenten der Linux-Support abdeckt, um böse Überraschungen zu vermeiden. wir fühlten zwei aktuellen Systemen genauer auf den Zahn: dem Megabook 662 von MSI [1] und einem speziell vorkonfigurierten IBM Thinkpad T60 von Hilmix [2] (siehe Tabellen “Technische Daten” und “Testmatrix”).

Technische Daten

 
Hersteller MSI Lenovo
Typ Megabook 662 T60 200763G
Betriebssystem Suse Linux Enterprise Desktop 10 Ubuntu 6.06.1
Motherboard-Chipsatz Intel 945GM Express Intel 945PM
CPU Celeon M, 1,6 GHz Intel Core Duo T2500, 2 GHz
Hauptspeicher 512 MByte 2 GByte
Display Größe 15,4″ 14,1″
Display Auflösung 1280×800 1400×1050
Grafik Chipsatz Intel GMA 950 ATI Mobility Radeon X1400
Grafik Speicher shared, max. 128 MByte shared, max. 128 MByte
Festplatte FUJITSU MHV2080B, 80 GByte Hitachi Travelstar 5K100, 100 GByte
Opt. Laufwerk DVD-Brenner: Philips SDVD8821 DVD-Brenner: Matshita UJ-842
Netzwerk Realtek RTL8111/8168B PCI Express Gigabit Ethernet controller Intel PRO/1000 Gigabit Ethernet
WLAN Ralink RT73 Intel 3945
Anschlüsse 3xUSB 2.0, 1xFirewire 1394a, VGA, S-Video, Mikrofon, Line-In, SPDIF/Kopfhörer, 1xCardbus 3xUSB 2.0, VGA, Line-In, Kopfhörer, 2xCardbus
Besonderheiten Webcam, SD-Kartenleser Fingerprint-Reader, Beleuchtung im Deckel
Maße (BxTxH) 35,8×25,9×3,3 cm 32,9×26,8×3,1 cm
Gewicht 2,6 kg 2,3 kg
Support 60 Tage Online Updates 3 Jahre per Mail
Garantie 2 Jahre 3 Jahre
Preis 600 Euro 1850 Euro
Bezugsquelle Online-Shops Hilmix IT Solutions, mailto:info@hilmix.de

Testmatrix

Modell MSI 662 Lenovo IBM T60
voreingestellter Modus/TFT 800×600/1280×800 1400×1050/1400×1050
Ändern möglich nach Update J
Ausgabeumschaltung J (nur Clone) N
3D-Desktop J J
3 Tasten J J
Scrollfunktion J J
Sound J (snd-hda-intel) J (snd-hda-intel)
Ethernet J (rt6168) J (e1000)
WLAN N (rt73) J (ipw3945)
Modem NU NU
Bluetooth NV NV
Firewire J (OS Micro) NV
Sondertasten N (Internet, Email) Lautstärke, ThinkVantage
Speedstep NV J
Suspend (Disk/Ram/Standby) J/N/NV N/J/NV
LID sleep/wakeup J/J J/J
Webcam NU NV
Cardreader N NV
Fingerprintreader NV J
NV=Nicht vorhanden, N=Nicht eingerichtet, NU=Kein Linux-Support

Billige Suse

MSI bietet sein Megabook M662 offiziell mit “Suse Linux 10.0” an. Dabei handelt es sich aber keineswegs um die normale Distribution, sondern um den Suse Linux Enterprise Desktop 10 (SLED 10). Dieses an und für sich kleine Detail ist durchaus relevant: Während Novell bei Suse Linux Updates für zwei Jahre Dauer kostenlos bereitstellt, umfasst das Paket von MSI mit SLED 10 lediglich ein Update über 60 Tage. Nach Ablauf dieser Frist haben Sie also keinen Zugriff auf Aktualisierungen mehr – oder müssen dafür bezahlen.

Bereits der erste Start des MSI-Laptops enttäuscht: Die grafische Oberfläche zeigt gerade einmal 800 x 600 Bildpunkte an, obwohl das 15,4″-Display des M662 eine Auflösung von 1280 x 800 Punkten bietet. Die Soundkarte ist nicht vorkonfiguriert und gibt deshalb auch keinen Ton von sich. Auch die Netzwerkkarte funktioniert im Test nicht: Obwohl per DHCP eingerichtet, bringt der Netzwerkmanager keine Verbindung zustande. Zusätzliche Treiber finden sich weder für das interne WLAN-Modul noch für das Modem.

Sämtliche Versuche, wenigstens die Bildschirmeinstellungen zu ändern, resultierten im Test in einem Absturz des Rechners. Einen Rechner in diesem Zustand als Linux-Desktop zu verkaufen, ist schlicht eine Frechheit. Für Linux-Einsteiger dürften diese Hindernisse weniger schwerwiegend sein: Sie löschen dieses nicht funktionale Linux-System und “lösen” das Problem mit der Installation von Windows. Dafür liegt immerhin eine Treiber-CD bei.

Die frustrierten Linux-Benutzer finden hingegen lediglich eine englische Quick Start Tour und eine README.odt-Datei auf dem Desktop. Sie erklärt zwar, wo man welche Treiber für das Notebook findet, verschweigt jedoch, welche von diesen Treibern man tatsächlich benötigt. Welche Hardware sich konkret im Gerät befindet, gibt auch die Dokumentation nicht preis.

Dafür enthält sie Fehlinformationen, wie etwa ein falsches Passwort für das bereits angelegte Benutzerkonto. Lässt der Anwender den Rechner fünf Minuten unbeaufsichtigt, findet er sich durch den automatischen Bildschirmschoner erst einmal ausgesperrt. Bevor Sie nun aber kurzfristig das Passwort ändern, sollten Sie zunächst das eingestellte Tastaturlayout von Englisch auf Deutsch umstellen.

Update hilft

Ist der erste Schock einmal überwunden, hilft ein Update des Systems über die ärgsten Macken hinweg. Nach 250 MByte Downloads lässt sich die grafische Oberfläche dank des neuen X-Servers und sämtlicher Fehlerkorrekturen von SLED 10 reibungslos in Betrieb nehmen. Selbst der 3D-Desktop XGL verführt nach wenigen Mausklicks mit seinen schwabbelnden Fenstern.

Findet man schließlich YaST2 unter Computer | Kontrollzentrum | Administratoreinstellungen öffnen, lassen sich auch der Soundkarte Töne entlocken. Dank Helix Banshee kann man sich nun immerhin die MP3-Sammlung anhören. Für 600 Euro erwartet man allerdings mehr, als einen MP3-Player mit 3D-Desktop und einem unangenehm spiegelnden TFT.

Die Netzwerkverbindung über die Ethernetkarte funktionierte auch nach dem Update nicht automatisch, vom WLAN ganz zu schweigen. Laut Dokumentation gibt es das MSI-Notebook mit zwei verschiedenen WLAN-Chipsätzen: Die Modelle mit Pentium-M-Prozessor besitzen in der Regel ein Modul von Intel, für das SLED 10 bereits Treiber mitbringt. In unser Testgerät mit einem Celeron-M-Prozessor baute MSI hingegen eine WLAN-Karte von Ralink ein – für die es im Internet soagr Treiber gibt [3]. Eine kurze Recherche ergab, dass Linux die Karte über das Kernelmodul rt73 unterstützt. Den Quellcode für den Treiber finden Sie täglich aktualisiert unter [4].

Nach der Installation des Treibers führt YaST unter Netzwerkgeräte | Netzwerkkarte den neuen Eintrag Ralink 802.11 bg WLAN auf. Mit einem Klick auf Bearbeiten richten Sie die Karte ein. Da YaST das Ralink-Gerät nicht als WLAN-Karte erkennt, müssen Sie im ersten Setup-Schritt unter Gerätetyp unbedingt den Eintrag Drahtlos auswählen. Nur so erscheinen die nötigen Dialoge zur ESSID und den weiteren WLAN-Parametern. YaST zeigt dann zwar eine Warnung an (Abbildung 1), diese können Sie aber getrost ignorieren und auf Fortfahren klicken.

Abbildung 1: Selbst nach der Treiber-Installation erkennt SLED 10 die Ralink-Karte nicht als WLAN-Gerät.

Abbildung 1: Selbst nach der Treiber-Installation erkennt SLED 10 die Ralink-Karte nicht als WLAN-Gerät.

Teures Ubuntu

Dass man es auch anders machen kann, zeigt das vorkonfigurierte Thinkpad T60 von Hilmix [3]. Es kostet zwar gut dreimal so viel wie das MSI-Notebook, bringt aber out of the box Unterstützung für sämtliche Hardwarekomponenten mit. Hilmix liefert das Notebook im Originalzustand mit Windows XP ausgeliefert. Ubuntu liegt auf einem 1 GByte großen Memory-Stick bei. Booten Sie den Rechner von diesem, startet Dapper Drake mit dem 3D-Desktop XGL.

Auf dem Desktop finden Sie das Icon ubuntu-IBMT60-Installer, über das Sie per Doppelklick die Installationsroutine in Gang setzen. Das Hilfsprogramm verkleinert zunächst die NTFS-Partition des Rechners, legt eine neue im Ext3-Format an und kopiert dann das System vom Stick auf die Platte. Nach rund fünf Minuten können Sie Ubuntu bereits von der Festplatte booten. Über den Stick lässt sich das Notebook zudem jederzeit in den Ursprungszustand zurückversetzen.

Beim ersten Login begrüßt Sie ein Applet für den Fingerprint-Sensor (Abbildung 2). Da es Ihren Fingerabdruck noch nicht kennt, können Sie sich auch nicht damit identifizieren. Klicken Sie das Fenster deshalb einfach weg, um das Passwort einzutippen. Starten Sie danach über System | Einstellungen | bioapi das Fingerprint-Tool erneut, dann speichert es Ihren Abdruck, und Sie können den nächsten Anmeldevorgang per Fingerdruck vornehmen.

Abbildung 2: Klappt problemlos: Anmeldung per Fingerabdruck.

Abbildung 2: Klappt problemlos: Anmeldung per Fingerabdruck.

Auch die meisten Sondertasten und Suspend-to-RAM funktionieren auf dem Hilmix-Notebook ohne manuelle Eingriffe. Lediglich die Multimedia-Tasten sind nicht belegt. Sie senden aber alle Keycodes, lassen sich also problemlos nutzen. Ein besonderes Schmankerl finden Sie unter Anwendungen | Zubehör | EasyUbuntu. Mit dem kleinen Tool (Abbildung 3) installieren Sie einige Programme für Ubuntu nach, die sich in keinem offiziellen Repository befinden.

Abbildung 3: Mit EasyUbuntu rüsten Sie Komponenten nach, die sich in keinem Repository befinden.

Abbildung 3: Mit EasyUbuntu rüsten Sie Komponenten nach, die sich in keinem Repository befinden.

Schattenseiten

Ganz perfekt ist die Ubuntu-Installation aber trotzdem nicht. Beim Aufwachen aus dem Suspend-to-Disk stürzt das Notebook ab – besser gesagt: es bootet nicht mehr. Auch beim Suspend-To-RAM kam es in rund einem von zehn Versuchen zu Problemen. Die traten aber nur auf, wenn wir den Suspend über das Zuklappen des Notebook-Deckels initiierten. Über die Tastenkombination [Fn]+[F4] klappte das Einschlafen problemlos.

Den schlimmsten Bug entdeckten wir im Speedstep-Support, der die Geschwindigkeit des Doppelkernprozessors regelt. Nach dem Entfernen des Netzsteckers schaltete die CPU automatisch auf die höchste Leistung. Mit einer Taktfrequenz von 2 GHz verbraucht der Laptop aber nicht nur mehr Strom, sondern startet ziemlich schnell auch den Lüfter. Den ACPI-Dienst neu zu starten oder die Speedstep-Module von Hand neu zu laden, brachte keine Abhilfe. Nach einem Neustart war das Problem verschwunden, es ließ sich auch nicht mehr reproduzieren.

Seltsam fanden wir auch, dass der Dateisystemcheck von Ext3 bereits nach dem dritten Neustart des Notebooks behauptete, das Dateisystem sei nicht sauber, und eine Überprüfung vornahm. Auch bei späteren Reboots kam es zu dieser Routineüberprüfung, wobei Ubuntu das System zur Fehlerkorrektur jeweils neu startete.

Schließlich leuchtete beim T60 anstelle der WLAN-LED die Bluetooth-Anzeige, obwohl der Rechner kein Bluetooth-Modul enthält. Das ist aber lediglich ein Schönheitsfehler, der sich auf die Funktionsweise des IBM-Notebooks nicht auswirkt.

Direktvergleich

Beide Notebooks setzen auf eine leicht angepasste Variante des Gnome-Desktops, wobei die Hilmix-Variante das Extra-Menü und das Kontrollzentrum beim SLED abgeschaut hat (Abbildung 4). Ansonsten gibt es kaum Gemeinsamkeiten bei den Testkandidaten.

Abbildung 4: Der Ubuntu-Desktop des Hilmix-Notebooks schaute sich einige Elemente beim SLED von Novell ab.

Abbildung 4: Der Ubuntu-Desktop des Hilmix-Notebooks schaute sich einige Elemente beim SLED von Novell ab.

Auf der Hardwareseite überzeugt der Thinkpad T60 durch deutlich bessere Komponenten. Die 2 GHz schnelle Core-Duo-CPU arbeitet rund dreimal so schnell wie der Celeron-M-Prozessor des MSI-Notebooks, und die 2 GByte Hauptspeicher spürt man bei den Startzeiten von OpenOffice, Firefox & Co. deutlich. Allerdings fehlt dem T60 eine Firewire-Schnittstelle und ein integrierter Kartenleser, der bei den meisten aktuellen Laptops zum Standardumfang gehört.

Beim Preis/Leistungsverhältnis hat das MSI-Notebook klar die Nase vorn. Allerdings verdient es auf Grund der miserablen Vorinstallation des Suse Linux Enterprise Desktops die Bezeichnung Linux-Notebook eigentlich nicht.

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