Dem Himmel so nah

Kommen wir nun zur Sternkarte und deren Bedienung. Cartes du Ciel stellt die Himmelskarte grundsätzlich in vier verschiedenen Koordinatensystemen dar: äquatorial, azimutal, ekliptikal oder galaktisch. Äquatorial entspricht der Darstellung eines typischen Sternatlanten. Es gibt also keinen Horizont; Datum und Uhrzeit haben keinen Einfluss auf die Sichtweise. Beim azimutalen System dagegen wird der Sternenhimmel so dargestellt, wie ihn der Beobachter an einem bestimmten Ort zu einem gegebenen Zeitpunkt sieht.

Koordinatensysteme

Analog zu den Längen- und Breitengraden unserer Erde wird auch die Himmelskugel in Koordinaten eingeteilt. Bezogen auf die Erdoberfläche des Beobachterstandortes wird das horizontale System mit der Höhe über dem Horizont und Azimut (Beobachtungsrichtung in der Ebene) verwendet.

Am gängigsten ist das äquatoriale System mit Bezug auf den Himmelsäquator. Es verwendet als "Längengrade" die Rektaszension (in der Einheit hh:mm:ss) und als "Breitengrade" die Deklination (in Grad). Das ekliptikale System dagegen bezieht sich auf die scheinbare Bahn der Sonne am Himmel (Ekliptik). Das galaktische System schließlich stützt sich auf unsere Galaxis als als Bezugspunkt. Zur detaillierteren Veranschaulichung sei auf einen älteren LinuxUser-Artikel [2] verwiesen.

Zusätzlich können Sie auch noch die Projektion für einzelne Blickfelder einstellen: CAR (kartesisch) entspricht einer Mercatorprojektion wie bei einer Landkarte – es werden jedoch Regionen nahe der Pole stark verzerrt. Bei der ARC-Ansicht (Bogenlänge) stellt CdC die Karte so dar, als würde sich der Betrachter im Innern einer Kugel befinden (wie auch in Abbildung 1 links). Bis 20 Grad Blickfeld gibt es zusätzlich auch noch SIN und TAN.

Die Standarddarstellung beim ersten Start entspricht dem linken Teil von Abbildung 1: Sternbildfiguren – also Linien, welche die Hauptsterne der Sternbilder verbinden – zusammen mit den ausgeschriebenen lateinischen Namen, Bezeichnungen der Sterne, Namen der Planeten und dem Koordinatengitter.

Die einzige Alternative zu den Namen der Sternbilder stellt übrigens nur deren internationale Abkürzung dar – englische Namen, geschweige denn deutsche (davon abgesehen, dass es für CdC in dieser Version noch keine deutschen Sprachdateien gibt) bietet das Programm nicht an.

Für die Sterne gibt es dagegen gleich drei Möglichkeiten: Den Eigennamen (zum Beispiel Wega), deren griechischer Buchstabe (entsprechend der Helligkeit: Alpha ist dem hellsten Stern des Sternbildes zugeordnet, Beta dem zweithellsten und so weiter) oder statt einer Bezeichnung die Helligkeit des Sterns in mag.

Realistische Planeten

Außer den Sternbildern in Form von Verbindungslinien von Stern zu Stern gibt es auch die modernen Sternbildgrenzen: CdC umreißt dann lediglich die Flächen, welche die einzelnen Sternbilder einnehmen. Planeten stellt das Programm auf Wunsch realistisch dar, so, als ob Sie durch ein Teleskop blicken würden, inklusive Oberflächentextur und korrekter Ausrichtung (etwa Lage der Saturnringe, Abbildung 4). Als Voraussetzung dafür müssen Sie XPlanet [4] sowie (unter Suse) die Pakete libjpeg und libjpeg-devel installieren.

Abbildung 4: Planeten stellt Cartes du Ciel sehr realistisch dar. Hier sehen Sie den Planeten Pluto zusammen mit einigen Zusatzinfos.

Bei den Deep-Sky-Objekten klappt das leider noch nicht: Eigentlich unterstützt CdC auch das Arbeiten mit den in der Astronomie üblichen Bilddateien im Datenformat FITS (Flexible Image Transport System). Diese Dateien enthalten zusätzlich zu den reinen Bilddaten weitere Angaben, wie die Himmelskoordinaten des Objekts, eine Plattenidentifikationsnummer und den Zeitpunkt der Aufnahme.

Es gibt zwar den Button Show pictures, dieser führt aber nur zu der Fehlermeldung Access violation. Zur Beruhigung: Die Bilddarstellung der Deep-Sky-Objekte funktioniert auch in der Windows-Version noch nicht.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • XEphem 3.5.2
    Wie heißt der helle Stern da oben? Ist der sich bewegende Lichtpunkt ein Flugzeug oder ein Satellit? Antworten auf diese Fragen und (viel) mehr liefert XEphem (sprich: "eks-i-fem"), das seit 1990 nicht nur für diverse Unix-Systeme, sondern auch für MacOS X und Windows entwickelt wird. Wir nehmen die aktuelle Version 3.5.2 unter die Lupe.
  • Virtuelles Planetarium
    Mit Stellarium unternehmen Sie vom heimischen Sofa aus Ausflüge ins Universum. Die Software kennt nicht nur zahllose Planeten, Sterne und Nebel, sie zeigt Ihnen den Nachthimmel auch so, wie er gerade aussieht – inklusive Satelliten.
  • KStars
    Warum in die Ferne schweifen, um den Sternenhimmel zu betrachten, wenn das KDE-eigene Planetarium so nah ist? Klicken Sie sich mit KStars am heimischen Rechner durch den spätsommerlichen Sternenhimmel!
  • Das Edutainment-Paket des KDE-Desktops
    Wer möchte nicht gerne lernen und dabei gleichzeitig Spaß haben? Ein schwer überschaubarer Schatz verbirgt sich im Edutainment-Paket von KDE. Wir stellen die wichtigsten Programme vor.
  • Den Sternenhimmel erkunden mit Stellarium
    Was nachts am Himmel funkelt, bleibt oft hinter Wolken verborgen. Stellarium sorgt für klare Sicht und liefert obendrein viele astronomische Informationen.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

WLAN-Signalqualität vom Treiber abhängig
GoaSkin , 29.10.2014 14:16, 0 Antworten
Hallo, für einen WLAN-Stick mit Ralink 2870 Chipsatz gibt es einen Treiber von Ralink sowie (m...
Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...