Oma besitzt keinen Computer und braucht auch kein Internet, wie sie immer wieder betont. Den Film aus dem Urlaub in Griechenland will sie dann aber doch sehen. Was nun? Zum Glück besitzt Großmutter wenigstens einen DVD-Player – ein Geschenk von Ihnen. Mit Tovid [1] konvertieren Sie den Urlaubsfilm in ein DVD- oder (S)VCD-Format. Die Software besteht aus diversen Skripten, die vorhandene Tools wie Ffmpeg und Transcode verwenden, um Filme zu encoden. Tovid greift dabei wahlweise über die Kommandozeile oder eine GUI auf die externen Helfer zu.
Auf der Webseite finden Sie neben fertigen RPMs für Suse und Fedora auch Debian-Pakete für Ubuntu und Debian sowie ein Quelltext-Archiv mit der neuesten Version [2]. Da Tovid ohnehin von einer Reihe externer Programme abhängt, übersetzen Sie am besten gleich den Quellcode. Spielen Sie zunächst alle Programme ein, die auf Tovids Abhängigkeitsliste [3] stehen, um das Programm in vollem Umfang zu nutzen. Zusätzlich installieren Sie checkinstall und die entsprechenden Tools, um Quellcode zu übersetzen. Vergessen Sie eine Abhängigkeit, weist Tovid Sie bei der Anwendung darauf hin. Sie müssen dann das fehlende Programm nachinstallieren und tovid -refresh-deps eingeben, wodurch das Tool die Abhängigkeiten neu prüft.
Den Quellcode von Tovid finden Sie auf der Heft-CD. Sie kopieren ihn in ein Verzeichnis, entpacken ihn über tar xvzf tovid-0.29.tar.gz, wechseln in das neu entstandene Unterverzeichnis und geben ./configure und schließlich – mit Root-Rechten – checkinstall ein. Checkinstall stellt Ihnen ein paar Fragen, die Sie gewöhnlich alle mit [Eingabe] bestätigen, und baut dann aus dem Quellcode direkt ein RPM- respektive DEB-Paket. Das RPM installieren Sie mit Root-Rechten über rpm -Uhv Paketname
.rpm, den Pfad verrät Ihnen Checkinstall. Das Debian-Paket spielt die Software sogar automatisch ein.
Tovid bringt vier Skripte mit, über die Sie auf der Kommandozeile einen Film im DVD-Format erzeugen. Im ersten Schritt verwandeln Sie die Filmvorlage in eine DVD-fähige MPEG2-Datei. Dafür müssen Sie zunächst wissen, wie viele Frames pro Sekunde (FPS) der Film – nennen wir ihn testfilm.avi – auf Ihrer Festplatte verwendet. Die europäische PAL-Norm verwendet etwa 25 Bilder pro Sekunde, das amerikanische NTSC spielt in derselben Zeit um die 29 Bilder ab, bei NTSC-Film sind es indes nur 24 Bilder pro Sekunde. Das Problem: Wandeln Sie den NTSC-Film in das europäische PAL-Format um, laufen Bild und Ton mitunter asynchron. Da die meisten aktuellen DVD-Player auch Filme im NTSC-Format verstehen, spricht vieles dafür, das Format des Ausgangsfilms beizubehalten.
Ob ein Film in PAL oder NTSC vorliegt, verrät idvid. Wechseln Sie in das Verzeichnis, in dem der Testfilm liegt, und geben Sie idvid testfilm.avi ein (Abbildung 1). Das Skript analysiert das Video und verrät nicht nur die Bildfrequenz in Frames pro Sekunde (fps), sondern auch, ob der Film kompatibel zum DVD- oder (S)VCD-Standard ist. Sollte das der Fall sein, ersparen Sie sich das langwierige Encodieren und brennen den Film – nach dem Anlegen eines Menüs – direkt auf eine DVD oder (S)VCD.
In der Regel liegt Ihr Video aber in einem inkompatiblen Format wie Xvid oder Divx vor. Ein einfaches Kommando verwandelt PAL-Material in ein für DVD-Spieler geeignetes Format:
tovid -pal -dvd -in testfilm.avi -out Meine_DVD
Handelt es sich bei der Vorlage um einen NTSC-Film, ersetzen Sie -pal durch -ntsc oder geben alternativ einen FPS-Wert an. Der Eintrag -fps 25:1 erzeugt einen Film nach der PAL-Norm, -fps 30000:1001 sorgt für einen Film im NTSC-Format.
Der Prozess des Konvertierens dauert mitunter eine Ewigkeit, bei einem abendfüllenden Spielfilm mehrere Stunden. Achten Sie darauf, dass genügend freier Speicherplatz zur Verfügung steht: Auf eine DVD passen bekanntlich höchstens 4,7 GByte. Das Skript verwandelt zunächst die Audiodaten in das AC3-Format (Audio Code 3 – Dolby Digital) und anschließend die Bilder in das M2V-Format (MPEG-2 Elementary Video Stream) (Abbildung 2).
In einem zweiten Schritt entwerfen Sie nun das Hauptmenü, das erscheint, sobald Sie die DVD einlegen. Der Befehl:
makemenu "Hauptfilm" -out Hauptmenue
erzeugt ein Menü mit einem einzigen Eintrag. Natürlich macht ein Startmenü mehr Sinn, wenn Sie auch mehrere Filme auf eine DVD packen. Um zusätzliche Einträge anzulegen, schreiben Sie hinter "Hauptfilm" weitere Menüpunkte jeweils in Anführungszeichen und durch Leerzeichen voneinander getrennt. Die Befehlszeile erzeugt eine weitere MPEG-Datei mit dem Namen Hauptmenue.mpg. Über die Option -background /Pfad/Zum/Bild
.jpg versehen Sie das Startmenü mit einem Hintergrundbild, der Schalter -audio /Pfad/Zum/MP3
unterlegt es mit einer Audio-Datei.
Nun gilt es im dritten Schritt, das Startmenü und die Filme miteinander zu vereinigen. Dazu erzeugen Sie eine XML-Datei, die weiß, welcher Film zu welchem Menüeintrag gehört:
makexml -dvd -menu Hauptmenue.mpg Meine_DVD.mpg -out Komplett
Die Datei Komplett.xml versammelt sämtliche Einträge, um eine komplette DVD zu erstellen. Vermutlich packen Sie mehrere Filme auf die DVD. In diesem Fall schreiben Sie hinter Meine_DVD.mpg die weiteren Filme in genau der Reihenfolge, in der sie auch im Startmenü auftauchen. Tovid verknüpft dann die Einträge im Startmenü mit den dazugehörigen Filmen. Abschließend steht noch das Brennen der DVD aus:
makedvd -burn Komplett.xml
Durch die Option -burn erzeugt Tovid die Verzeichnisse AUDIO_TS und VIDEO_TS mit den üblichen Dateien und brennt die komplette Struktur gleich auf eine DVD. Fehlt die Option, sichert Tovid die Verzeichnisse und Dateien zunächst nur auf der Festplatte und Sie können prüfen, ob das Ergebnis den Erwartungen entspricht, indem Sie das Verzeichnis zum Beispiel mit VLC öffnen.
Tovid bringt auch eine grafische Oberfläche für die Freunde schneller Mausklicks mit. Sie wirkt recht übersichtlich und nutzt Python sowie die Grafikbibliothek Cairo. Geben Sie tovidgui ein, um die grafische Oberfläche aufzurufen. Die GUI besteht aus drei Reitern (Abbildung 3), über denen Layout, Encode und Burn steht: In dieser Reihenfolge mastern Sie auch die DVD. Im Bereich Layout wählen Sie rechts oben zunächst aus, was für ein Zielmedium (DVD oder (S)VCD) Sie nutzen und in welchem Format der Film erscheinen soll. Dann klicken Sie auf Add Menu und erzeugen so einen Eintrag für das Startmenü. Ein Mausklick auf Untitled menu 1 genügt, um den Eintrag durch einen anderen Text zu ersetzen. Auch den Namen der DVD ändern Sie auf diese Weise. Die eigentlichen Filme fügen Sie über Add Video(s) hinzu. Um Menüeinträge oder Filme wieder zu löschen, benutzen Sie den Remove-Button.
Beim Klick auf einen Film erscheinen auf der rechten Seite detaillierte Parameter, die Sie Ihren Bedürfnissen anpassen. Sie betreffen die Auflösung und das Seitenverhältnis der Filme. Im rechten Bereich layouten Sie das Startmenü: Sie fügen über Image ein Hintergrundbild ein, in die Zeile Audio kommt ein Musikstück, das die Zuschauer hören, wenn das Startmenü erscheint (Abbildung 4). Hier bestimmen Sie auch detailliert, welche Farben die Schriften des Menüs tragen. Auf die oben ausgeführte Weise ergänzen Sie das Startmenü um weitere Filme und Menüeinträge.
Stimmen die Parameter, widmen Sie sich dem zweiten Reiter, Encode. Er listet die Befehlszeilen auf, die Tovid basierend auf Ihren Entscheidungen ausführt. Notfalls revidieren Sie Angaben an dieser Stelle. Den Encoding-Prozess, den Sie mit Start encoding anstoßen, begleitet das Fenster mit Status- und Fehlermeldungen. Hat Tovid das Startmenü erstellt und den Film konvertiert, bleibt noch der Reiter Burn. Wahlweise setzen Sie hier ein Kreuz bei Burn Disc und tragen neben Burn to device ein, welches Laufwerk Tovid zum Brennen der DVD verwendet. Der Defaultwert stimmt nicht unbedingt mit dem Pfad zu Ihrem Brenner überein. Der Befehl mount verrät, an welcher Stelle Linux das Gerät einhängt. Dazu legen Sie zuvor eine DVD in das Laufwerk. Um den Brennvorgang in die Wege zu leiten, drücken Sie abschließend lediglich auf Start.
Tovid erweist sich als komfortable Lösung, um ohne großen Aufwand DVDs und (S)VCDs inklusive Menüs zu mastern. Leider dauert das Verwandeln eines Films in das DVD-Format ziemlich lange, was jedoch nicht an Tovid liegt. Da die Software eine übersichtliche GUI mitbringt, dürfte sie auch Linuxern gefallen, die nicht gern lange Befehlsketten in die Konsole hacken.
Glossar
(S)VCD
die (Super) Video Compact Disc ermöglicht es, Filme auf einer CD zu speichern und sie auf (S)VCD-fähigen DVD-Playern oder reinen (S)VCD-Playern abzuspielen. Die Qualität kommt nicht an die einer DVD heran, als Codecs kommen MPEG1 (VCD) und MPEG2 (SVCD) zum Zuge.
PAL
Besonders in Europa und Asien verbreitete Fernsehnorm, Weiterentwicklung von NTSC zur Behebung eines Farbton-Fehlers. Die Norm zeigt 25 Bilder pro Sekunde und nutzte 625 Zeilen.
NTSC
In Nord- und Südamerika verbreitete Fernsehnorm, benannt nach dem National Television Systems Committee. NTSC nutzt nur 525 Zeilen und zeigt pro Sekunde 29,97 Vollbilder. NTSC gilt als erstes Farbübertragungssystem für TV-Signale.
[1] Wiki des Tovid-Projekts: http://tovid.wikia.com/wiki/Main_Page
[2] Pakete und der Quellcode von Tovid: http://tovid.wikia.com/wiki/Installing_tovid
[3] Abhängigkeiten des Tools: http://tovid.wikia.com/wiki/Tovid_dependencies