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Hausgemachte DVDs

DVDs erstellen mit Tovid

01.01.2007 Mastern wie die Meister: Mit Tovid bereiten Sie Urlaubsfilme für DVDs oder (S)VCDs auf und gestalten zugleich ein Startmenü mit Bildern und Sounds.

Oma besitzt keinen Computer und braucht auch kein Internet, wie sie immer wieder betont. Den Film aus dem Urlaub in Griechenland will sie dann aber doch sehen. Was nun? Zum Glück besitzt Großmutter wenigstens einen DVD-Player – ein Geschenk von Ihnen. Mit Tovid [1] konvertieren Sie den Urlaubsfilm in ein DVD- oder (S)VCD-Format. Die Software besteht aus diversen Skripten, die vorhandene Tools wie Ffmpeg und Transcode verwenden, um Filme zu encoden. Tovid greift dabei wahlweise über die Kommandozeile oder eine GUI auf die externen Helfer zu.

Quelltext vs. Fertighaus

Auf der Webseite finden Sie neben fertigen RPMs für Suse und Fedora auch Debian-Pakete für Ubuntu und Debian sowie ein Quelltext-Archiv mit der neuesten Version [2]. Da Tovid ohnehin von einer Reihe externer Programme abhängt, übersetzen Sie am besten gleich den Quellcode. Spielen Sie zunächst alle Programme ein, die auf Tovids Abhängigkeitsliste [3] stehen, um das Programm in vollem Umfang zu nutzen. Zusätzlich installieren Sie checkinstall und die entsprechenden Tools, um Quellcode zu übersetzen. Vergessen Sie eine Abhängigkeit, weist Tovid Sie bei der Anwendung darauf hin. Sie müssen dann das fehlende Programm nachinstallieren und tovid -refresh-deps eingeben, wodurch das Tool die Abhängigkeiten neu prüft.

Den Quellcode von Tovid finden Sie auf der Heft-CD. Sie kopieren ihn in ein Verzeichnis, entpacken ihn über tar xvzf tovid-0.29.tar.gz, wechseln in das neu entstandene Unterverzeichnis und geben ./configure und schließlich – mit Root-Rechten – checkinstall ein. Checkinstall stellt Ihnen ein paar Fragen, die Sie gewöhnlich alle mit [Eingabe] bestätigen, und baut dann aus dem Quellcode direkt ein RPM- respektive DEB-Paket. Das RPM installieren Sie mit Root-Rechten über rpm -Uhv Paketname .rpm, den Pfad verrät Ihnen Checkinstall. Das Debian-Paket spielt die Software sogar automatisch ein.

Kommandozeile

Tovid bringt vier Skripte mit, über die Sie auf der Kommandozeile einen Film im DVD-Format erzeugen. Im ersten Schritt verwandeln Sie die Filmvorlage in eine DVD-fähige MPEG2-Datei. Dafür müssen Sie zunächst wissen, wie viele Frames pro Sekunde (FPS) der Film – nennen wir ihn testfilm.avi – auf Ihrer Festplatte verwendet. Die europäische PAL-Norm verwendet etwa 25 Bilder pro Sekunde, das amerikanische NTSC spielt in derselben Zeit um die 29 Bilder ab, bei NTSC-Film sind es indes nur 24 Bilder pro Sekunde. Das Problem: Wandeln Sie den NTSC-Film in das europäische PAL-Format um, laufen Bild und Ton mitunter asynchron. Da die meisten aktuellen DVD-Player auch Filme im NTSC-Format verstehen, spricht vieles dafür, das Format des Ausgangsfilms beizubehalten.

Ob ein Film in PAL oder NTSC vorliegt, verrät idvid. Wechseln Sie in das Verzeichnis, in dem der Testfilm liegt, und geben Sie idvid testfilm.avi ein (Abbildung 1). Das Skript analysiert das Video und verrät nicht nur die Bildfrequenz in Frames pro Sekunde (fps), sondern auch, ob der Film kompatibel zum DVD- oder (S)VCD-Standard ist. Sollte das der Fall sein, ersparen Sie sich das langwierige Encodieren und brennen den Film – nach dem Anlegen eines Menüs – direkt auf eine DVD oder (S)VCD.

Abbildung 1: Idvid versorgt Sie mit Informationen zu dem Film, den Sie für die DVD aufbereiten wollen.

In der Regel liegt Ihr Video aber in einem inkompatiblen Format wie Xvid oder Divx vor. Ein einfaches Kommando verwandelt PAL-Material in ein für DVD-Spieler geeignetes Format:

tovid -pal -dvd -in testfilm.avi -out Meine_DVD

Handelt es sich bei der Vorlage um einen NTSC-Film, ersetzen Sie -pal durch -ntsc oder geben alternativ einen FPS-Wert an. Der Eintrag -fps 25:1 erzeugt einen Film nach der PAL-Norm, -fps 30000:1001 sorgt für einen Film im NTSC-Format.

Der Prozess des Konvertierens dauert mitunter eine Ewigkeit, bei einem abendfüllenden Spielfilm mehrere Stunden. Achten Sie darauf, dass genügend freier Speicherplatz zur Verfügung steht: Auf eine DVD passen bekanntlich höchstens 4,7 GByte. Das Skript verwandelt zunächst die Audiodaten in das AC3-Format (Audio Code 3 – Dolby Digital) und anschließend die Bilder in das M2V-Format (MPEG-2 Elementary Video Stream) (Abbildung 2).

Abbildung 2: Tovid konvertiert die Audio- und Videospur separat, wandelt erst den Sound in das AC3- und das Video in das MV2-Format um.

In einem zweiten Schritt entwerfen Sie nun das Hauptmenü, das erscheint, sobald Sie die DVD einlegen. Der Befehl:

makemenu "Hauptfilm" -out Hauptmenue

erzeugt ein Menü mit einem einzigen Eintrag. Natürlich macht ein Startmenü mehr Sinn, wenn Sie auch mehrere Filme auf eine DVD packen. Um zusätzliche Einträge anzulegen, schreiben Sie hinter "Hauptfilm" weitere Menüpunkte jeweils in Anführungszeichen und durch Leerzeichen voneinander getrennt. Die Befehlszeile erzeugt eine weitere MPEG-Datei mit dem Namen Hauptmenue.mpg. Über die Option -background /Pfad/Zum/Bild .jpg versehen Sie das Startmenü mit einem Hintergrundbild, der Schalter -audio /Pfad/Zum/MP3 unterlegt es mit einer Audio-Datei.

Nun gilt es im dritten Schritt, das Startmenü und die Filme miteinander zu vereinigen. Dazu erzeugen Sie eine XML-Datei, die weiß, welcher Film zu welchem Menüeintrag gehört:

makexml -dvd -menu Hauptmenue.mpg Meine_DVD.mpg -out Komplett

Die Datei Komplett.xml versammelt sämtliche Einträge, um eine komplette DVD zu erstellen. Vermutlich packen Sie mehrere Filme auf die DVD. In diesem Fall schreiben Sie hinter Meine_DVD.mpg die weiteren Filme in genau der Reihenfolge, in der sie auch im Startmenü auftauchen. Tovid verknüpft dann die Einträge im Startmenü mit den dazugehörigen Filmen. Abschließend steht noch das Brennen der DVD aus:

makedvd -burn Komplett.xml

Durch die Option -burn erzeugt Tovid die Verzeichnisse AUDIO_TS und VIDEO_TS mit den üblichen Dateien und brennt die komplette Struktur gleich auf eine DVD. Fehlt die Option, sichert Tovid die Verzeichnisse und Dateien zunächst nur auf der Festplatte und Sie können prüfen, ob das Ergebnis den Erwartungen entspricht, indem Sie das Verzeichnis zum Beispiel mit VLC öffnen.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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