Angewandte Leidenschaft in Ferrari-Rot, so bezeichnet Acer das offizielle Notebook der Scuderia Ferrari. Das Hardware-Labor hat dem roten Renner unter die Haube gesehen und einige Ecken und Kanten gefunden.
Das Ferrari 3400 ist ein Traum in rot, wie bei den Sportwagen aus der Scuderia Ferrari hat der Hersteller und Formel-1-Sponsor Acer peinlich auf ein geschmackvolles Äußeres und kraftvolles Innenleben geachtet: Acryldeckel und Gehäuselackierung im Original-Ferrari-Rot, maximal 2 GByte RAM, eine große Festplatte, ein DVD-Allesbrenner mit Slot-In-Technologie, Gigabit Ethernet, 54-MBit-WLAN, Bluetooth, Modem und Infrarot-Schnittstelle sichern die Kommunikation mit der Außenwelt. Die Rechenpower liefert ein Mobile Athlon 64 3000+ mit 64 Bit und 2 GHz Takt.

Abbildung 1: Das Acer Ferrari 3400 ist ein Traum in rot. Der Display-Deckel ist aus rotem Acryl und trägt das Ferrari-Logo, die Seitenteile sind in den Original-Ferrari-Farben lackiert.
Die Unterstützung von Prozessor und Chipsatz erweist sich im Test unter SuSE Linux 9.2 al zwar gut, aber noch lange nicht perfekt: Der Mobile Athlon 64 passt den Prozessortakt nicht automatisch der Auslastung an. Weiterhin zeigt /proc/acpi/processor/CPU0/performance zwar vier verfügbare Leistungsstufen zwischen 800 MHz und 2 GHz, behauptete aber felsenfest, der Prozessor würde immer auf der höchsten Stufe (P0) laufen. Tatsächlich befindet sich die CPU nach jedem Neustart jedoch im Stromsparmodus und ist nur mit 800 MHz getaktet, was /proc/cpuinfo auch korrekt anzeigt und auch die Leistungsaufnahme von “nur” 40 Watt nahelegt – bei 2 GHz verschlingt allein der Mobile Athlon 64 schon 35 Watt.
Schalten mit Zwischengas
Um auf volle Leistung zu schalten, muss folgender Befehl zwei mal eingegeben werden:
echo 0 > /proc/acpi/processor/CPU0/profile
Erst nach dem zweiten Aufruf schaltet der Prozessor tatsächlich um. Wie gehabt müssen Sie den Erfolg über /proc/cpuinfo kontrollieren. Tabelle 1 enthält die verfügbaren Leistungsstufen des Ferrari 3400 und die dazugehörige CPU-Taktung sowie Leistungsaufnahme.
Tabelle 1: Leistungsstufen
| Stufe | CPU-Takt | Leistungsaufnahme |
| 0 | 2,0 GHz | 57 Watt |
| 1 | 1,8 GHz | 51 Watt |
| 2 | 1,6 GHz | 49 Watt |
| 3 | 800 MHz | 40 Watt |
In Spitzenzeiten verbraucht das Notebook mit 90 Watt genau so viel Leistung wie ein herkömmlicher Desktop-PC. Allerdings hat der Hersteller dem Ferrari-Book lediglich einen kleinen Akku mit 65 Ah spendiert. Im Laufzeittest hält der Akku im sparsamsten Betriebsmodus bei 800 MHz CPU-Takt bei deaktiviertem Bluetooth und WLAN gerade einmal 2,5 Stunden. Bei 2 GHz Taktfrequenz und intensiver Nutzung der Festplatte und des DVD-Brenners – etwa bei der Installation der Distribution – schaltet das Gerät bereits nach 90 Minuten ab.
Auf Suspend-to-RAM und Suspend-to-Disk muss der Besitzer verzichten, zumindest unter SuSE Linux 9.2: Beim Suspend-to-RAM verabschiedete sich der Kernel wegen ACPI-Fehlern mit einem Panic, während der Rechner beim Fortsetzen einer Suspend-to-Disk-Session unvermittelt neu startete. Solche Widrigkeiten schränken die Eignung für den mobilen Einsatz stark ein.
Durstiger Geselle
Analog zur Leistungsaufnahme steigt natürlich auch die Abwärme, was sich durch ein relativ leises, aber doch hörbares Lüftergeräusch bemerkbar macht. Standardmäßig schaltet das Notebook laut /proc/acpi/thermal_zone/THRM/temperature den Hauptlüfter bei 39 Grad Rechnertemperatur ein und bei 32 Grad wieder aus. Während des Tests lief der Lüfter auffallend selten – von Pentium-4-Notebooks mit Desktop-Prozessoren, die eine ähnliche Leistungsaufnahme wie ein Mobile Athlon 64 haben, ist man Schlimmeres gewohnt.
Einen Patzer leistete sich der Hersteller Acer jedoch mit der Platzierung der Festplatte. Sie sitzt links vorne unter der Handauflage und heizt dem Benutzer kräftig ein: Während der Installation brachte es diese Stelle auf 40 Grad Außentemperatur, eine Messung direkt an der Platte scheiterte leider an den beengten Verhältnissen im Gehäuse. Zudem ist die 80-GByte-Festplatte von Hitachi ohne Not kopfstehend eingebaut. Zwar sind die Festplattenlager in den letzten Jahren verbessert worden, dennoch bleibt die Über-Kopf-Montage problematisch. In Kombination mit den über 40 Grad Betriebstemperatur dürfte der erste Plattentausch wohl noch im Garantiezeitraum erfolgen.
Als ebenfalls kritisch erweist sich die Temperatur des benachbarten Cardbus-Schachts: Hier liegen im Normalbetrieb fast 50 Grad an. Cardbus- und PCMCIA-Karten sind jedoch lediglich für 55 Grad spezifiziert, die Temperaturreserve für den Sommer beträgt also gerade einmal zehn Prozent.
Kein WLAN unter Linux
Die Einrichtung des Wireless-LAN-Moduls Broadcom BCM4603 erweist sich im Test als unnehmbare Hürde: Linux-Treiber für dieses WLAN-Modul sucht man vergeblich, und im 64-Bit-Linux-Kernel der Suse 9.2 gibt es keinen NDIS-Wrapper. Somit lässt sich auch der Windows-XP-Treiber von Acer nicht benutzen.
Mit dem 32-Bit-Kernel hingegen funktioniert die Netzwerkkarte des Notebooks nicht mehr, so dass auch diese Möglichkeit – hier ist der NDIS-Wrapper ja enthalten – ausfällt. Letztlich bleibt, bis entweder der NDIS-Wrapper auch für die 64-Bit-Kernel oder ein Linux-Treiber zur Verfügung steht, das WLAN-Modul des Ferrari-Notebooks unbenutzbar.
Ganz anders stellt sich die Situation bei Bluetooth dar: Der fest eingebaute USB-Adapter läuft anstandslos out-of-the-box. Dabei hat der Notebook-Hersteller mitgedacht: Über eine Taste an der Vorderkante des Geräts lässt sich der USB-Bluetooth-Adapter komplett deaktivieren, so als wäre ein USB-Dongle herausgezogen worden. Dementsprechend meldet SuSE Linux 9.2 den Verlust des Bluetooth-Adapters in der KDE-Startleiste – das schützt vor Angriffen von außen.
Installation mit aktivem Bluetooth
Auf der anderen Seite sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Bluetooth während der Installation der Distribution aktiviert ist. Anderenfalls finden die Einrichtungsprogramme den Adapter nicht und richten womöglich keine Bluetooth-Unterstützung ein, das zuständige Kernel-Modul heißt hci-usb.
Ist der Bluetooth-Adapter bei der Installation aktiviert, erkennt SuSE 9.2 automatisch ein in der Nähe deponiertes Bluetooth-Handy (Nokia 6310i) und baut darüber problemlos eine Internetverbindung auf. Alternativ zu Bluetooth ließe sich dazu auch der IrDA-Anschluss auf der Vorderseite (Abbildung 2) des Geräts neben den Kartenschächten benutzen. Allerdings funktionierte er bei Redaktionsschluss ebenso wenig wie das eingebaute AC97-Win-Modem.
Die Positionierung des IrDA-Anschlusses ist für den praktischen Einsatz extrem ungünstig: Das Handy müsste stets vor dem Benutzer auf dem Tisch liegen – entsprechend unbequem ist es dann, auf der Tastatur zu tippen. Besser wäre ein IrDA-Fenster an einer der Gerätekanten. Damit bliebe dem Benutzer die Wahl, das Handy entweder neben oder hinter das Notebook zu legen.

Abbildung 2: Die Schächte für die Flash-Karten und die Bedienknöpfe für Bluetooth und WLAN sind ergonomisch gut auf der Vorderseite untergebracht. Das IrDA-Fenster wäre an einer Ecke des Geräts jedoch besser aufgehoben.
Kartenschächte einwandfrei
Der Kartenschacht auf der Vorderseite ist hingegen sehr ergonomisch angebracht. Dort eingesteckte und leicht nach vorn überstehende Flash-Karten behindern nicht beim Tippen und behindern allenfalls im mobilen Betrieb minimal, wenn der Benutzer das Notebook auf den Knien hat.
Der Kartenadapter lässt sich wie auch der Bluetooth-Adapter per USB ansprechen, unterstützt Memorysticks, Smart-Media- (SM), Multi-Media- und Secure-Digital-Karten (SD/MMC) und versieht seinen Dienst problemlos. Nach Einstecken der Karte erkennte SuSE Linux 9.2 die Multi-Media-Card automatisch und bindet sie ein.
Fazit
Das Ferrari-Notebook ist zweifellos ein Hingucker, Acer bewirbt estreffend mit dem Slogan “angewandte Leidenschaft”. Die Leistung des Mobile Athlon mit 2 GHz fällt beeindruckend aus, das hat jedoch seinen Preis: 150 Minuten Unabhängigkeit von der Steckdose sind für ein Notebook zu wenig. Hier hätte der Hersteller einen größeren Akku einbauen müssen.
Die Ausstattung mit DVD-Allesbrenner, großer Festplatte und etlichen Schnittstellen ist ungewohnt gut für ein Notebook im 2000-Euro-Segment, noch dazu wenn es sich um ein Designer-Gerät aus der Scuderia Ferrari handelt. Unter Linux stören jedoch die fehlenden Treiber für WLAN und Modem sowie die nicht optimale ACPI-Unterstützung.
Ein Ferrari ist immer in zweierlei Hinsicht kompromisslos: Schöne Kurven, schöne Lackierung und viel Leistung unter der Haube. Dass dadurch einige Ecken und Kanten sowie nicht zuletzt ein großer Energiehunger entstehen, muss der Kunde auf dem Schreibtisch genauso akzeptieren wie auf der Straße. Trotz allem: Es war noch nie so billig, einen echten Ferrari zu besitzen.
Acer Ferrari 3400
Hersteller: Acer Computer http://www.acer.de
Prozessor: Mobile Athlon 64, 2 GHz
Speicher: 2 x 256 MB So-DIMM DDR-333, ein Modul austauschbar
Grafik: ATI Mobility Radeon 9700 mit 128 MByte RAM, Display 15 Zoll mit 1400×1050 Pixeln
Laufwerke: 80-GByte-Festplatte von Hitachi, DVD-Brenner mit Slot-In für DVD+/-R(W) und DVD-RAM (Matsushita UJ-825S), Flash-Kartenleser für Memorystick, Smart Media (SM), Secure Digital und Multi Media Cards (SD/MMC)
Schnittstellen: Gigabit-Ethernet (Broadcom BCM5788), 54-MBit-WLAN (Broadcom BCM4306), Bluetooth, 4 x USB 2.0, Firewire, Cardbus, Kopfhörer/Mikrofon/Line, IrDA, Win-Modem, parallele und serielle Schnittstelle, S-Video
Zubehör: Mini-USB-Maus im Ferrari-Design, Schutztasche für Notebook, Modem-Kabel, Windows XP
Preis: ca. 1900 Euro




