Für diesen Vergleichstest haben wir die freien Büroprogramme Gnome Office [1], KOffice [2] und OpenOffice [3] sowie das kommerzielle Softmaker Office [4] näher unter die Lupe genommen. Abgesehen von Softmaker Office liegen alle nachfolgend vorgestellten Büropakete in den Repositories der großen Distributionen. Meist haben die Distributoren die Suiten an das Standarderscheinungsbild des Desktops angepasst, sodass beispielsweise OpenOffice unter Ubuntu etwas anders aussieht als unter OpenSuse. Bedienung und Funktionsumfang bleiben jedoch gleich.
Bis auf KOffice orientieren sich sämtliche Kandidaten an altbekannten und jahrzehntelang eingeschliffenen Bedienkonzepten: Oben ein Menü, darunter mehrere vollgepackte Symbolleisten. Wer eines der Büropakete kennt, kommt intuitiv auch mit allen anderen zurecht. So formatieren Sie in der Textverarbeitung mit den vertrauten Symbolen den Text fett oder kursiv und verschieben Tabulatoren auf dem Lineal direkt darunter. In der Tabellenkalkulation tippen Sie Formeln in das überlange Feld der untersten Symbolleiste, die Spalten eines Rechenblatts erhalten Buchstaben, die Zeilen Nummern.
Auf diese Weise fällt zwar ein Umstieg leicht, in den mittlerweile hoffnungslos überfrachteten Menüs und Symbolleisten verlieren jedoch gerade Gelegenheitsanwender schnell die Orientierung. Die OpenOffice-Entwickler haben das Problem erkannt und wollen in zukünftigen Versionen mit einer generalüberholten Benutzeroberfläche eine Schneise in den Funktionsdschungel schlagen [5]. Vorerst aber finden Sie innovative Bedienkonzepte nur bei KOffice oder Office-Exoten (siehe Kasten "Office-Exoten").
Ein weiteres Problem stellen Rechtschreibprüfung, Thesaurus (Synonymwörterbuch) und Grammatikkorrektur dar. Die Hersteller kommerzieller Office-Pakete kaufen diese Komponenten bei Drittherstellern ein. Die freie Konkurrenz muss gezwungenermaßen freie Wörterbücher und Thesauri integrieren, deren Umfang und Qualität derzeit noch durchwachsen ausfällt. Das merkt man beispielsweise im New Thesaurus von OpenOffice, der keine konjugierten Verben findet – gebeugte muss man erst in beugen umschreiben. Unter OpenOffice darf man immerhin selbst weitere Wörterbücher und Thesauri nachinstallieren.
Mit Ausnahme von KOffice bieten sämtliche Büropakete die selben Grundfunktionen: Die Textverarbeitungen kennen Fußnoten, Kopf- und Fußleisten, die Tabellenkalkulationen bombardieren den Anwender mit zahlreichen mathematischen Funktionen, und die Präsentationsprogramme werfen die auf Masterfolien basierenden Dias hübsch animiert an die Wand. Im Folgenden soll deshalb das Augenmerk auf den Unterschieden und Besonderheiten der einzelnen Pakete liegen. Als Testumgebung diente Ubuntu 10.04, die jeweils verwendeten Programmversionen verrät die Tabelle "Office-Suiten: Bezugsquellen".
Office-Exoten
Neben den vier hier vorgestellten Office-Paketen gibt es noch ein paar weniger bekannte Alternativen.
Lotus Symphony ([7],[8]) stülpt über das gute alte OpenOffice eine neue Oberfläche, spendiert ein paar proprietäre Importfilter und bindet das Ganze an Lotus Notes an. Der Funktionsumfang und die Ergebnisse stimmen daher weitgehend mit OpenOffice überein. Die aktuelle Symphony-Version hinkt der aktuellen OpenOffice-Fassung allerdings immer etwas hinterher. Zudem muss man sich für den Download bei Lotus beziehungsweise dessen Mutter IBM registrieren.
Applixware [9] beweist, dass Totgesagte länger leben: Das wohl älteste Office-Paket für Linux ist immer noch erhältlich, die Entwicklung wurde allerdings irgendwann kurz nach dem Jahrtausendwechsel gestoppt. Dementsprechend mager fällt der Funktionsumfang aus, mit dem der kostenlosen Konkurrenz kann Applixware nicht mithalten.
Thinkfree Office [10] ist eine vollständig in Java geschriebene, kommerzielle Office-Suite für Windows, Mac OS X und Linux. Sie umfasst eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation und ein Präsentationsprogramm. Ihr Hersteller vermarktet sie allerdings nicht mehr offensiv, sondern setzt voll auf die Online-Variante.
Mit seinem Internetdienst Google Text & Tabellen [11] verlagert der Suchmaschinenriese Textverarbeitung und Tabellenkalkulation ins Web, die Arbeit erfolgt im Browser. Allerdings bleiben die Leistungen der Anwendungen hinter jenen der Desktop-Kollegen zurück. Zudem muss man Google seine privaten Dokumente und Daten anvertrauen.
Mehr zur Online-Variante von Thinkfree Office und zu Google Text & Tabellen finden Sie im Vergleichstest der Online-Bürosuiten [12] in dieser Ausgabe.
Office-Suiten: Bezugsquellen
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| Gnome Office | KOffice | Softmaker Office | OpenOffice |
|---|---|---|---|---|
| URL | http://live.gnome.org/GnomeOffice | http://www.koffice.org | http://www.softmaker.de | http://www.openoffice.org |
| Version | Abiword 2.8.2, Gnumeric 1.10.1 | 2.2 | 2010 | 3.2 |
| Preis (ca.) | kostenlos | kostenlos | 70 Euro (Update 40 Euro) | kostenlos |
| Komponenten | Textverarbeitung, Tabellenkalkulation | Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogramm, Datenbank, Mal- und Zeichenprogramm, Flussdiagramme, Projektmanagement | Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogramm | Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogramm, Zeichenprogramm |
| OS | Linux, Windows | Linux, Windows | Linux, Windows, Windows Mobile, Version 2008 auch für Windows CE | Linux, Windows, Mac OS X |
Gnome Office besteht aus einer Sammlung von Einzelprogrammen und umfasst derzeit offiziell die Textverarbeitung Abiword (Abbildung 1), die Tabellenkalkulation Gnumeric und das E-Mail-Programm Evolution. Einige Distributionen und Internetseiten zählen noch weitere Anwendungen hinzu, wie Gimp oder das Zeichenprogramm Inkscape. Die einzelnen Komponenten erweisen sich bei näherem Hinsehen als mehr schlecht als recht integriert: Beispielsweise importiert Abiword keine Gnumeric-Tabellen.
Abiword und Gnumeric entpuppen sich als agile Leichtgewichte. Viele Mini-Distributionen ziehen das Duo deshalb dem speicher(platz)hungrigen OpenOffice vor. Die Benutzeroberfläche wirkt angenehm aufgeräumt und fühlt sich auch auf kleineren Bildschirmen von Netbooks wohl. Während Gnumeric eine ausführliche und gut geschriebene, englische Online-Hilfe anbietet, bemüht Abiword die recht kargen und extrem unübersichtlichen Texte auf seiner Homepage.
Die wenigen vorhandenen Vorlagen sind durchweg auf amerikanische Zwecke zugeschnitten und wirken laienhaft. Über so genannte Plugins rüsten Sie bei Bedarf neue Funktionen nach. Auf diesem Weg erhält Abiword beispielsweise einen direkten Draht zur Wikipedia oder übersetzt via Babelfish Texte in andere Sprachen. In Gnumeric binden Erweiterungen unter anderem die Skriptsprachen Perl und Python ein.
Bilder dürfen Sie in Abiword frei auf der Seite platzieren und skalieren. Möchten Sie mehr, wie etwa eine simple Rotation um 90 Grad, müssen Sie ein externes Programm wie Gimp konsultieren. Generell verdaut Abiword Abbildungen nur schlecht: Beim Umherschieben einer Grafik verschwanden im Test einmal spontan mehrere Seiten, ein anderes Mal hagelte es Darstellungsfehler.
Der Zeilenabstand lässt sich nur in festen Schritten für einen kompletten Absatz vorgeben. Für Absätze dürfen Sie darüber hinaus nur noch Einzug und Abstand einstellen, weitergehende Absatzformatierungen kennt Abiword nicht. Die Textverarbeitung verzichtet zudem auf Rahmen, Linien und andere dekorative Elemente. Komplexere Layouts gilt es daher aus den bereits erwähnten Bildern sowie frei platzierbaren Textrahmen zu bilden.
Serienbriefe geraten zu einem kleinen Abenteuer: Den Ausgangspunkt bildet eine Datei mit Adressen, die im XML-Mail-Merge-, TSV- oder CSV-Format vorliegen muss. Nachdem Sie diese Abiword bekannt gegeben haben, bestücken Sie ein Dokument mit Platzhaltern für Name, Straße und Co., beenden die Textverarbeitung und starten sie erneut über den Kommandozeilenbefehl:
$ abiword -m adressen.csv -p ausgabe.ps brief.abw
Damit erzeugt Abiword aus der Adressdatei adresse.csv und dem Brief mit den Platzhaltern (brief.abw) das Postscript-Dokument ausgabe.ps – umständlicher geht es wohl kaum noch, aber immerhin funktioniert es.
Mathematische Formeln tippen Sie als LaTeX-Gleichung ein (Abbildung 2). Ingenieure und Mathematiker freuen sich eventuell über diese mächtige und flexible Möglichkeit, Gelegenheitsschreiber würden aber sicher einen grafischen Editor bevorzugen.
Abiword legt auf Wunsch eine Chronik an, mit deren Hilfe Sie im Bedarfsfall schnell eine älteren Dokumentenversion reanimieren. In unseren Tests klappte das aber nicht immer zuverlässig; meist beschwerte sich Abiword über fehlende Versionsinformationen. Mehrere Anwender dürfen über den Internetdienst Abicollab.net [6] gemeinsam an einem Dokument arbeiten.
Gnumeric (Abbildung 3) bietet neben den üblichen Standardformeln vor allem ausgefeilte Statistikfunktionen, die teilweise weit über das Angebot der Konkurrenz hinaus gehen. Nicht umsonst hat die Tabellenkalkulation bei Statistikern einen guten Ruf. Auf Wunsch füllt Gnumeric beliebig viele Zellen mit Zufallswerten und schaltet bei Bedarf auf die R1C1-Notation um, in der die Tabellenspalten keine Buchstaben, sondern Nummern tragen.
Der Diagrammassistent besitzt einen ungewöhnlichen Aufbau (Abbildung 4). Nachdem Sie sich sich für eine Darstellungsart entschieden haben, präsentiert er eine Liste mit sämtlichen Bestandteilen des Diagramms. Diese dürfen Sie wiederum nach Herzenslust verändern und ergänzen. So lassen sich sogar mehrere Diagramme zu einem kombinieren.
Dass Gnumeric weder eine Rechtschreibprüfung bietet, noch von Haus aus externe Datenquellen anzapft, ließe sich verschmerzen. Schwerer wiegt hingegen, dass die Gnome-Tabellenkalkulation im Gegensatz zur Konkurrenz keine bedingten Formatierungen kennt. Damit ließe sich beispielsweise eine Zelle automatisch leuchtend Rot färben, sobald ein negativer Wert in ihr auftaucht.
Das Büropaket des KDE-Projekts wirft mit Programmen nur so um sich. Neben der Textverarbeitung KWord, der Tabellenkalkulation KSpread und dem Präsentationsprogramm KPresenter gibt es noch die Bildbearbeitung Krita, das Zeichenprogramm Karbon14, den Projektmanager KPlato, den Diagramm-Editor Kivio sowie seit Version 2.2 auch wieder die generalüberholte Datenbank Kexi. Hinzu kommen noch Hilfswerkzeuge, wie ein Thesaurus oder der Formeleditor. Letzterer steht allerdings nicht in allen Programmen zur Verfügung.
Nach dem recht fixen Start einer KOffice-Anwendung erscheint ein Auswahlfenster mit diversen Vorlagen. In der Regel handelt es sich hier um häufig genutzte Dokumentgrößen; die vorhandenen, echten Vorlagen kann man an einer Hand abzählen. Bei der Gestaltung der Oberfläche gingen die Entwickler neue Wege: So haben sie die Symbolleisten vom oberen an den rechten Fensterrand verlagert. Wie bei Adobes Photoshop residieren dort die Funktionen auf mehreren Registern, die Sie mit der Maus abreißen und verschieben können (Abbildung 5).
Insbesondere auf Monitoren im Breitbildformat entpuppt sich diese Anordnung als besonders angenehm, die Dokumente wirken weniger gequetscht. Dummerweise stopften die Entwickler die Register dann doch wieder mit Funktionen und Symbolen voll. Dadurch leidet nicht nur die Übersicht, sondern man beginnt schon nach kurzer Zeit die Register immer wieder zurecht zu zupfen. Auf kleinen Netbook-Bildschirmen reicht die Leiste am rechten Rand zudem schnell über den unteren Bildschirmrand hinaus – die dort verschwundenen Funktionen bleiben dann unerreichbar.
KWord merkt man deutlich an, dass es eigentlich ein DTP-Programm sein möchte. So müssen Sie grundsätzlich alle Objekte und jeden Text in einem Rahmen platzieren. Gerade Umsteiger dürften über dieses Konzept stolpern, auch wenn KWord es mit seinen Vorlagen recht geschickt zu verstecken versucht. Darüber hinaus gilt es immer ein Auge auf das gerade gewählte Werkzeug zu werfen – anderenfalls wundert man sich, warum ein Klick in den Text wirkungslos bleibt.
Haben Sie sich mit dem Konzept jedoch erst einmal angefreundet, erstellen Sie mit KWord im Handumdrehen selbst Vereinszeitungen. Die von Karbon14 übernommenen Layout- und Zeichenfunktionen sind vorbildlich und entsprechen denen der DTP-Konkurrenz: Geometrische Figuren dürfen Verläufe aufnehmen und lassen sich dank Raster und Anordnen-Funktionen exakt auf der Seite positionieren und ausrichten. Texte dürfen über mehrere verknüpfte Textrahmen laufen, die sich sogar stufenlos drehen und verformen lassen. Neue Textrahmen bestückt KWord netterweise gleich mit Blindtext.
Gegenüber den vielen Layoutfunktionen vernachlässigt KWord jedoch den eigentlichen Text. So unterkringelte die deutsche Rechtschreibprüfung das Wort ist, Hurenkinder und Schusterjungen müssen Sie selbst korrigieren und Kopf- und Fußzeilen umständlich in Textrahmen verwalten. Einen Serienbriefdruck fehlt komplett, und Tabellen bestehen im Wesentlichen aus mehreren, unveränderlichen Rahmen.
Bilder lassen sich zwar munter um die eigene Achse drehen, aber nicht im Text verankern, sodass Sie ihren Sitz nach jeder größeren Textänderung per Hand korrigieren müssen. Während die Konkurrenz zumindest einfache Bildbearbeitungsfunktionen zur Verfügung stellt, wie etwa eine Helligkeitskorrektur, müssen KOffice-Anwender jedes Mal Krita konsultieren. Die Verwaltung von Formatvorlagen erfolgt dafür mittlerweile genau so komfortabel wie in OpenOffice: Ein Doppelklick auf den gewünschten Kandidaten in der Seitenleiste genügt.
Auch KSpread erbt die Zeichenfunktionen aus Karbon14, Sie dürfen also auf dem Rechenblatt komplexe Zeichnungen anlegen. Wie auch KWord führt die Tabellenkalkulation Python, Javascript oder Ruby-Skripte aus, die externe Quellen anbinden und komplexe Funktionen realisieren. Mittlerweile zapft KSpread auf Wunsch sogar MySQL-Datenbanken an.
Ein Diagramm zieht Sie etwas untypisch erst einmal aus der Objekt hinzufügen-Palette auf die Tabelle. Erst danach bestimmen Sie Aussehen und Aufbau. Dazu öffnet KSpread ein eigenes, recht komfortables Register in der Seitenleiste. Versteckt im Werkzeugkasten am linken Fensterrand finden Sie einen kleinen Kalenderassistenten, der mit zwei Mausklicks einen kompletten, aktuellen Kalender in das Tabellenblatt setzt (Abbildung 6).
Halten Sie die Maustaste auf der gerade aktiven Zelle gedrückt und bewegen dann den Zeiger, dann ziehen Sie nicht etwa eine Markierung auf, sondern verschieben stattdessen den Zelleninhalt. Diese Automatik dürfte insbesondere Umsteiger schnell in den Wahnsinn treiben.
KPresenter wirkt wie ein leicht frisiertes Karbon14 (Abbildung 7). Trotz der geerbten Zeichenfunktionen bleibt das Präsentationsprogramm gegenüber der Konkurrenz spartanisch: So fehlen der sonst übliche Sortiertisch, die extrem nützliche Gliederungsansicht und hübsch animierte Folienübergänge. Vorlagen gibt es nur in Form von acht drögen Folienlayouts. Immerhin kommt KPresenter mit mehreren Monitoren zurecht.
Die einzige kommerzielle Office-Suite in der Runde stammt vom Nürnberger Unternehmen Softmaker. Eine aktuelle Testversion steht auf der Homepage des Herstellers bereit. Derzeit gibt es Softmaker Office nur in einer 32-Bit-Fassung, die aber auch auf 64-Bit Systemen klaglos ihren Dienst verrichtet. Das Paket besteht aus der Textverarbeitung Textmaker, der Tabellenkalkulation Planmaker und dem Präsentationsprogramm Softmaker Presentations. Das Trio bietet einen ähnlich starken Funktionsumfang wie OpenOffice, verschlingt aber weniger Ressourcen, startet schneller und verhält sich auch im Betrieb wesentlich agiler.
Die üppig bestückten Menüs und Symbolleisten sind recht klein geraten. Damit fühlen sich die Anwendungen zwar auch auf Netbook-Bildschirmen pudelwohl, auf großen Monitoren gerät die Bedienung aber etwas fummelig. Mehrere Dokumente öffnen die Anwendungen nicht eigenen Fenstern, sondern ähnlich wie Browser in Tabs. Schon nach kurzer Eingewöhnung entpuppt sich dieses Verhalten als extrem praktisch. Die Hilfe besteht aus ausführlichen, deutschsprachigen PDF-Handbüchern, die kaum Fragen offen lassen. Die mitgelieferten Vorlagen erweisen sich als zweckmäßig und unspektakulär, Planmaker bringt sogar nur Beispieldokumente mit.
Die automatische Rechtschreibprüfung (Abbildung 8) müssen Sie zwar erst einschalten, dafür korrigiert sie Tippfehler selbständig und mahnt sie auf Wunsch mit einem Warnton an. Die alte deutsche Rechtschreibung hebt Textmaker gesondert hervor. Im Zweifelsfall konsultieren Sie einfach die mitgelieferte elektronische Fassung des Duden-Universalwörterbuchs, des Großen Fremdwörterbuchs des selben Herstellers oder eines der Langenscheidt-Fremdwörterbücher Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Der Thesaurus hat allerdings die gleichen Probleme mit konjugierten Verben wie die kostenlose Konkurrenz.
In längeren Dokumenten gibt die Textverarbeitungen Hilfestellungen bei der Kapitelformatierung, indem sie beispielsweise jedes Kapitel automatisch auf einer rechten Seiten beginnen lässt. Genau wie OpenOffice nummeriert Textmaker auf Wunsch Kapitel und Zeilen automatisch durch, kennt Textbausteine und verwaltet Querverweise.
Einzigartig ist die Möglichkeit, eine Berechnung in den Text einzufügen. Dazu übergeben Sie wie in einer Tabellenkalkulation einem Assistenten eine mathematische Formel. Dabei dürfen Sie sogar auf die Inhalte von extern angebundenen Datenbanken zurückgreifen. Textmaker berechnet dann das Ergebnis und setzt es im Text ein. Das erweist sich beispielsweise bei Angebotsschreiben als praktisch, bei denen Sie dann den Endpreis dynamisch aus den Vorgaben einer externen Preistabelle berechnen lassen.
Textmaker kann Datenbanken im DBase-Format anlegen und verwalten, alternativ akzeptiert es auch CSV-Dateien. Aus den darin gespeicherten Daten generiert die Textverarbeitung Serienbriefe oder Reports. Entsprechende Assistenten erzeugen passende Versandetiketten und Briefumschläge. Unsere vorgefertigte CSV-Datei mit Adressen wollte Textmaker allerdings nicht öffnen – die Konkurrenz verdaute die Datei hingegen problemlos. Für Stichwort- und Bibliographieverzeichnisse stehen eigene Datenbanken zur Verfügung. Zusätzlich erzeugt Textmaker Inhalts- und Abbildungsverzeichnisse.
Die Tabellenkalkulation Planmaker (Abbildung 9) bietet ein Beobachtungsfenster, in dem Sie die Formel und den berechneten Inhalt ausgewählter Zellen im Überblick behalten. Das erleichtert insbesondere den Umgang mit großen Tabellen. Matrizen lassen sich schnell mit drei Mausklicks transponieren, Datentabellen mit zahlreichen Formularobjekten bestücken. Zudem dürfen Sie Textbausteine definieren und wie in OpenOffice Zeichen- und Zellenvorlagen anlegen.
In Softmaker Presentations residiert die Gliederungsansicht zusätzlich auf einem schmalen Register am linken Seitenrand innerhalb der Layoutansicht. So erhalten Sie schon während der Texteingabe direkt einen Ausblick auf das Ergebnis, beziehungsweise umgekehrt einen Einblick in die Struktur der Präsentation (Abbildung 10). Auf der gegenüberliegenden Fensterseite warten die oft knallbunten Vorlagen auf ihre Anwendung – etwas seriösere Alternativen wären hier wünschenswert gewesen. Dafür kennt Planmaker Folienfarbschemata: Ein Mausklick genügt, schon erhält die aktuelle Folie einen nach Farbregeln abgestimmten Anstrich. Auf diese Weise färben Sie beispielsweise in einem zu hellen Vortragsraum eine Präsentation schnell nachträglich mit kräftigeren und somit besser sichtbaren Farben ein.
Viele der angebotene Folienübergänge bleiben Windows-Benutzern vorbehalten. Wenden Sie einen der DirectX-Übergänge unter Linux an, ernten Sie stets eine einfache Überblendung. Damit reduzieren sich die tatsächlich nutzbaren Übergänge auf etwa ein Dutzend. Für die Texteinblendungen gilt dies nicht: Hier dürfen die Stichpunkte auch unter Linux ungehindert einfliegen oder sich auflösen.
Wie in OpenOffice weisen Sie einzelnen Objekten bei Bedarf eine Aktion zu. Die lösen Sie dann während des Vortrags mit einem Mausklick aus, sodass sich beispielsweise eine verknüpfte Webseite öffnet. In einer laufenden Präsentation können Sie mit einem virtuellen Stift schreiben oder Teile markieren – etwas, das KPresenter noch nicht beherrscht.
Im Gegensatz zu den anderen Büropaketen mutet OpenOffice schon fast als Monster an: Der Klassiker unter den Office-Suiten kann vor Funktionen kaum noch gehen und beansprucht dementsprechend viel Rechenleistung. OpenOffice enthält neben der Textverarbeitung Writer, der Tabellenkalkulation Calc und dem Präsentationsprogramm Impress auch die Datenbank-Komponente Base, das Zeichenprogramm Draw sowie mehrere kleine Helfer, darunter einen komfortablen Formeleditor. In ihm klicken Sie mathematische Gleichungen einfach aus einer Palette zusammen. Sämtliche Anwendungen sind extrem gut aufeinander abgestimmt und integriert. So lassen sich etwa Zeichnungen aus Draw problemlos in ein Textdokument einbetten, bei einem Doppelklick öffnet sich dann automatisch die zuständige Anwendung.
Lange stellte der eingebaute PDF-Export ein Alleinstellungsmerkmal der Suite dar, mittlerweile beherrscht das auch die Konkurrenz. Diese kann dafür keine Dokumente signieren. Wie Abiword besitzen sämtliche OpenOffice-Anwendungen eine Versionsverwaltung, über die Sie schnell zu einem vorherigen Stand zurückkehren. Vorlagen gibt es nur ein paar wenige für das Präsentationsmodul, im Internet findet sich jedoch schnell hochwertiger Nachschub.
Die OpenOffice-Programme besitzen zudem einen Makrorekorder und führen Skripte in Python, Javascript und dem eigenen OpenOffice-Basic-Dialekt aus. Die deutsche Online-Hilfe fällt umfassend aus, ist allerdingsetwas chaotisch aufgebaut. Ergänzend meldet sich in bestimmten Situationen ein kleiner Assistent. Ältere MS-Office-Nutzer erinnert er an den berühmten "Karl Klammer", der OpenOffice-Kollege agiert allerdings nicht gar so penetrant.
Writer versucht bereits bei den ersten Tastenanschlägen das entstehende Wort zu erraten und unterbreitet entsprechende Vorschläge (Abbildung 11). Bei gedrückter [Strg]-Taste markiert die Textverarbeitung voneinander unabhängige Textstellen. Im Gegensatz zur Konkurrenz erstellt Writer beliebige Verzeichnisse, also auch solche der Tabellen und Objekte. Ansehnliche Serienbriefe generieren Sie Ruck-Zuck über einen Assistenten, drei weitere erstellen Briefumschläge, Etiketten und sogar Visitenkarten.
Ein Navigator getauftes Fenster listet alle wichtigen Elemente des Dokuments auf. So behalten Sie gerade bei langen Texten den Überblick über alle Kapitel, Abbildungen und Tabellen und springen ohne lästiges Scrollen direkt an die gewünschte Stelle. Einzelne Dokumente führt Writer mit Hilfe eines sogenannten Globaldokuments zusammen. Die Textverarbeitung kopiert dabei nicht etwa einfach den Text, sondern legt intelligente Verknüpfungen an. Änderungen in einer der eingebundenen Dateien erscheinen somit immer auch im Globaldokument.
Neben den üblichen Zeichen- und Absatzvorlagen kennt Writer noch Seiten-, Rahmen-, und Listenvorlagen, die allesamt ein kleines, aber komfortabel zu bedienendes Fenster auflistet. Für Pixelbilder stehen rudimentäre Nachbearbeitungsfunktionen zur Verfügung, die aber über das Angebot der Konkurrenz hinausgehen. So können Sie nicht nur an Helligkeit und Kontrast drehen, sondern auch einen Mosaikeffekt anwenden oder das Bild schärfen.
Die Tabellenkalkulation Calc besitzt nicht nur den obligatorischen Formelassistenten, sondern blendet auf Wunsch am rechten Rand eine Liste mit allen Funktionen ein, aus der Sie dann schnell das Passende herauspicken (Abbildung 12). Ähnlich wie in Planmaker zeigt eine Detektiv genannte Funktion, aus welchen Zellen sich einzelne Formeln zusammensetzen. Das hilft insbesondere bei der Fehlersuche.
Die Präsentationsanwendung Impress begrüßt Sie mit einem Assistenten, der nach wenigen Mausklicks eine grundlegende Präsentation zusammenbastelt. Die verschiedenen Folien- und Gliederungsansichten erreichen Sie schnell über Registerlaschen. Überhaupt wirkt Impress für ein Präsentationsprogramm erstaunlich aufgeräumt: Der linke Fensterrand listet die vorhandenen Folien auf, der Aufgabenbereich auf der rechten Seite präsentiert nur die Elemente und Funktionen, die Sie gerade benötigen (Abbildung 13).
Die Vorlagen reißen zwar Vortragsprofis nicht vom Hocker, fallen aber seriöser aus als die aus Softmaker Presentations. Auf Wunsch erstellt Impress sogar maßgeschneiderte Handzettel für das Publikum. Um ein Gefühl für die Vortragsdauer zu erhalten, kann das Präsentationsprogramm die benötigte Zeit stoppen. Zudem kommt es mit mehreren Bildschirmen zurecht und verwandelt auf Wunsch wie Softmaker Presentations den Mauszeiger während der Präsentation in einen Stift verwandeln.
Jedes einzelne Office-Programm nutzt eigene Dateiformat, lediglich KOffice ist mittlerweile auf das maßgeblich von OpenOffice eingeführte und mittlerweile von der ISO standardisierte Open-Document-Format umgestiegen. Aus der Windows-Welt kommen noch die weit verbreiteten Formate von MS-Office, die derzeit sogar in zwei Geschmacksrichtungen vorliegen: Einmal die alten Format DOC, XLS und PPT, zum anderen Office OpenXML mit den Endungen .docx, .xlsx und .pptx. Moderne Office-Anwendungen sollten zumindest diese Formate öffnen können – doch schon das geht fast immer schief (Abbildung 14 bis 16).
So fehlten in Abiword sämtliche Bilder, Textfarben verrutschten und Initialen standen außerhalb des Textes. Der Import der Microsoft-Word-Vorlage Broschüre endete mit zwei leeren Seiten und einem kleinen Bildrahmen. KOffice 2.2 bekam durch den Sponsor Nokia runderneuerte Importfilter spendiert. Davon merkt man allerdings nicht besonders viel: Zeilenumbrüche werden ignoriert, das automatisch generierte Inhaltsverzeichnis zerhackt, Tabulatoren gehen komplett verloren und der Spaltensatz wird unterschlagen. Da tröstet es wenig, dass KWord Initialen übernimmt und die Absätze korrekt einrückt: Die Broschüre besteht nach dem Import aus einem wüsten Potpourri mehrerer leerer Grafikrahmen.
Wesentlich besser schlagen sich Textmaker und Write. Sie importierten sämtliche Dokumente weitgehend korrekt, einschließlich der grafisch opulenten Broschüre. Dennoch stolpert man auch hier immer mal wieder über kleine Fehler. Bei Textmaker ragen beispielsweise gerne Tabellen über den Seitenrand hinaus, OpenOffice verwirft den Spaltensatz und stürzte bei einem Angebotsschreiben sogar reproduzierbar ab. Dafür blieb das dynamisch generierte Inhaltsverzeichnis als solches erhalten. Beim Import von OpenOffice-Dokumenten hatte Textmaker im Test klar die Nase vorn: Abiword verweigerte unser Testdokument mit einer Fehlermeldung, KWord verlor Kästen und Tabellen.
Bei Excel-Dokumenten sieht es durchweg etwas besser aus. Alle Kandidaten übernahmen die Formeln, sofern die verwendete Funktion in ihrem eigenen Bestand zu finden war. Auch die Formatierungen bleiben weitgehend erhalten, nur Planmaker erwies sich hier als vergesslich. Diagramme verwandelten sich hin und wieder in unansehnlichen Kurvenbrei, KSpread tauschte sogar den Diagrammtyp aus. In Planmaker führen Dokumente im XLSX-Format reproduzierbar zu einer leeren, weißen Tabelle. OpenOffice Calc behält deshalb hier die Nase vorn.
Softmaker Presentations verdaut ausschließlich die alten PPT-Dateien, bei denen einige Elemente kommentarlos unter den Tisch fallen, darunter beispielsweise ein dynamisches Datumsfeld. Genau dieses ersetzt KPresenter durch die aktuelle Uhrzeit, Folienübergänge verwirft das Programm komplett. Die Texte wurden immerhin übernommen, wenngleich bereits etwas komplexere Layouts zerrupft aussahen. Die beste Figur macht erneut OpenOffice – allerdings nur beim alten PPT-Format. PPTX-Präsentationen waren nach dem Import nicht mehr zu gebrauchen.
Unter dem Strich kann man sich derzeit niemals sicher sein, dass ein importiertes Dokumenten wirklich noch alle Elemente und Texte enthält. Visual-Basic-Makros aus MS-Office ignorieren übrigens alle Pakete, OpenOffice kommentiert sie immerhin aus. Ein generelles Problem stellen fehlende Schriftarten dar: Findet ein Office-Programm eine im importierten Dokument verwendete Schriftart nicht, muss es sie zwangsweise gegen eine ähnliche ersetzen. Deren Maße stimmen jedoch nur selten mit dem Original überein, wodurch sich wiederum der komplette Textsatz verändert.
Alle vier untersuchten Bürosuiten bieten mittlerweile einen ausreichenden Funktionsumfang, der den alltäglichen Bedarf in den heimischen vier Wänden abdeckt. Gegenüber KOffice und Gnome Office bieten die beiden größeren Konkurrenten Softmaker und OpenOffice wesentlich mehr Detaileinstellungen: So dürfen Sie nur hier Absätze mit einem Rahmen, einer Hintergrundfarbe und einem individuellen Muster versehen.
Davon abgesehen besitzt jede Suite ihre eigenen Stärken und Schwächen: Die Kollaborationsfunktionen sprechen für Abiword, die Plattformunabhängigkeit für das speicherfressende Ungetüm OpenOffice. Softmaker Office kostet zwar eine Kleinigkeit, macht den Preis jedoch schon allein mit den exzellenten mitgelieferten Wörterbücher wieder wett.
KOffice macht zusehends Fortschritte, weist aber immer noch zahlreiche Fehler auf. So erhielt die Darstellung immer mal wieder einen Knacks, während KSpread bei der Eingabe einer Formel urplötzlich die Zelle wechselte. Wichtige Daten sollten Sie daher den KOffice-Komponenten im Moment noch nicht anvertrauen.
Wer nicht auf ein bestimmtes Alleinstellungsmerkmal angewiesen ist, kann bei der Wahl des Büropakets dem eigenen Geschmack folgen. Da alle Pakete kostenlos oder als Testversion zur Verfügung stehen, können und sollten Sie in jedes einmal unverbindlich hineinschnuppern – vielleicht kommt Ihnen die aufgeräumtere Oberfläche von Abiword ja eher entgegen als das mit Symbolleisten vollgestopfte OpenOffice.
Glossar
Hurenkinder und Schusterjungen
Einzelne Zeilen eines Absatzes, die durch einen Seitenumbruch abgetrennt werden. Eine einzeln stehende ersten Absatzzeile nennt man Schusterjunge, eine einzeln stehende letzte Zeile Hurenkind.
Infos
[1] Gnome Office: http://live.gnome.org/GnomeOffice
[2] KOffice: http://www.koffice.org
[3] OpenOffice: http://www.openoffice.org
[4] Softmaker Office: http://www.softmaker.de
[5] Klick-Folie (Linux-Community): http://tinyurl.com/lu1008-klick
[6] Abicollab.net: http://abicollab.net
[7] Lotus Symphony: http://symphony.lotus.com
[8] Test Lotus Symphony: Erik Bärwaldt, "Leichte Symphony", LU 12/2007, S. 82, http://linux-community.de/artikel/14492
[9] Applixware: http://www.vistasource.com/en/apl.php
[10] Thinkfree Office: http://www.thinkfree.com
[11] Google Docs: http://docs.google.com/
[12] Online-Offices: Mirko Albrecht, "Ab in die Wolke", LU 08/2010, S. 38, http://linux-community.de/artikel/21118