Technik-Dinosaurier
Reanimation alter Programme mit Dosbox
Fallstricke
Apropos Windows 3.1: Dieses sollte die Hardware zunächst weitgehend selbst erkennen. Als Grafikkarte emuliert die Dosbox ein SVGA-Modell mit dem Trio64-Chipsatz von S3. Experimentierfreudige können sich den passenden Treiber für die S3 864 aus dem Internet laden und ihn unter Windows installieren. Unter Umständen führt dies jedoch zu einer instabilen Dosbox. Die Treiber für Windows 3.1 für die emulierte Soundblaster 16 stellt immer noch Creative selbst zum Download bereit (unter Archivierte Produkte im Bereich Kundendienst).
Weigert sich ein Spiel oder Programm zu laufen, hilft unter Umständen ein Eingriff in die dosbox-0.73.conf. Bei Grafikproblemen suchen Sie dort den Eintrag machine=svga_s3 und ersetzen den Teil nach dem Gleichheitszeichen gegen den Namen einer anderen Karte respektive eines anderen Grafikstandards. Infrage kommen hercules (im ersten IBM PC verbaut), CGA (4 Farben) und EGA (16 Farben). Bei VGA-Spielen und Programmen hilft es mitunter, die S3-Karte gegen eine ET4000 (svga_et4000) auszutauschen, Windows 3.1 bringt für diese sogar Treiber mit. Die Zeile memsize=16 legt noch den Speicher auf 16 MByte fest, mehr als 64 nutzt jedoch kein 16-Bit-Programm.
Sollte die Soundblaster 16 zu neu für ein Spiel sein, tauschen Sie sie gegen ein älteres Modell. Suchen Sie dazu die Zeile sbtype=sb16 und verwenden Sie statt des sb16 die Werte sb1 für das erste Soundblaster-Modell, sb2 für das zweite, eine Soundblaster Pro emuliert sbpro1, deren Nachfolger sbpro2. Mit den Zeilen darunter (sbbase=, irq=, dma=) drehen Sie zusätzlich an der Konfiguration. Dies setzt jedoch Kenntnisse über die Hardware voraus.
Generell bietet das in Dosbox mitgelieferte DOS keinen vollständigen Ersatz für das originale MS-DOS. Beispielsweise fehlen zahlreiche Anwendungen und Hilfsprogramme, die späteren MS-DOS-Versionen bei lagen (wie etwa edit). Darüber hinaus konzentrieren sich die Entwickler hauptsächlich auf Spiele. Dass auch Anwendungen unter der Dosbox laufen, gehört zu den netten Nebeneffekten. Es gibt im Netz zahlreiche Quellen, die auch heute noch Applikationen und Spiele für MS-DOS bereitstellen (siehe Kasten "Dosenfutter").
Dosenfutter
Einmal Blut geleckt, stellt sich schnell die Frage, wo es noch alte Spiele zu kaufen gibt. Neben gebrauchten Exemplaren von Flohmärkten oder dem Auktionshaus Ebay, bietet GOG.com alte Spiele zum Schnäppchenpreis an. Im Gegensatz zu vielen illegalen Abandonware-Seiten besitzt dieser Vertrieb die Rechte an den Programmen. Auch auf Valves Verkaufsplattform Steam finden sich immer wieder Spieleklassiker, die Sie mit Dosbox wieder zum Leben erwecken. Achten Sie bei der Suche nach alten Anwendungen und Spielen aber immer darauf, die richtige Version für Ihre MS-DOS-Version zu erwerben.
Noch mehr
Wer sich etwas mit der Konfigurationsdatei des Emulators beschäftigt, dem stehen viele weitere interessante Funktionen offen. So klopft Dosbox auf Wunsch über das Netzwerk bei einer anderen Instanz an und leitet über die aufgebaute Verbindung Datenpakete gemäß IPX-Protokoll. Auf diese Weise nutzen Sie einige alte Spiele sogar über das Internet, obwohl dies ursprünglich gar nicht vorgesehen war. Um die Arbeit mit der Dosbox-Konfigurationsdatei (dosbox-0.73.conf) zu erleichtern, haben zahlreiche Fans grafische Oberflächen entwickelt. Im Dosbox-Wiki findet sich eine kleine Auswahl mit entsprechenden Links [4].
Infos
[1] Dosbox: http://www.dosbox.com
[2] Freedos: http://www.freedos.org
[3] Dosbox-Wiki: http://www.dosbox.com/wiki/Main_Page
[4] Frontends: http://www.dosbox.com/wiki/DOSBoxFrontends



