Der Excito Bubba Two arbeitet als NAS, übernimmt obendrein zahlreiche Server-Aufgaben und belastet dabei weder die Ohren noch die Stromrechnung.
Aus Schweden kommen nicht nur Möbel: Die Excito Elektronik i Skåne AB aus dem skandinavischen Löddeköpinge bietet mit dem Bubba Two einen ebenso optisch wie akustisch unauffälligen Heimserver an. Auf dem lüfterlosen und bis auf die Festplatte geräuschlosen schicken schwarzen NAS-System versieht ein Debian “Etch” seinen Dienst. Als Siliziumherz schlägt ein PowerPC-Prozessor des Typs PowerQuic II von Freescale mit 333 MHz. Er greift auf 256 MByte DDR2-Hauptspeicher zu, wobei das Gerät im Betrieb gerade einmal 10 Watt benötigt. Zur Außenwelt nimmt der Bubba Two über je zwei Gigabit-Ethernet- und USB-2.0-Ports Verbindung auf. Zwei eSATA-Ports ermöglichen auf Wunsch den Betrieb in einer RAID-1-Konfiguration (Spiegeln), was zusätzliche Datensicherheit gibt.
Die zwei Netzwerkanschlüsse hat der Bubba Two deswegen, weil er sich bei Bedarf auch als Router samt ordentlicher Firewall im Heimnetz betätigt. Das macht umständliches Port-Forwarding im Router überflüssig, soll der Bubba Two denn aus dem Internet erreichbar sein. Eine WLAN-Option (über einen internen Mini-PCI-Port) – für einen Router heutzutage eigentlich unverzichtbar – soll es nach langer Ankündigung bald im Excito-Webshop [1] gegen Aufpreis geben. Dort können Sie das Gerät auch zum Basispreis von 220 Euro ohne Festplatte ordern. Gegen Aufpreis stattet der Hersteller das System auch gleich mit Platten bis zu 2 TByte Kapazität (256 Euro) oder einer 32-GByte-SSD (84 Euro) aus.
Funktionsumfang
In Sachen Software bietet der 1200 Gramm schwere Server-Ziegel fast alles, was man sich für ein NAS wünschen kann:
- Medienstreaming per DLNA/UPnP,
- DAAP (iTunes) und Logitech Squeezebox,
- Fileserverdienste per Samba, Appleshare und FTP,
- einen CUPS-Printserver für USB-Drucker,
- einen Mailserver mit IMAP-Unterstützung
- einen Horde-Webmailer mit Kalender und Kontakten sowie Mail-Aggregator per Fetchmail, um von mehreren Mailaccounts die E-Mails einzusammeln,
- einen Webserver mit PHP5, MySQL und Foto-Galerie-Generator mit Slideshow-Funktion, sowie
- einen SSH-Zugang (das Standard-Superuser-Passwort beim Remote-Login lautet übrigens excito).
Lediglich eine NFS-Funktion sucht man vergeblich, diese lässt sich allerdings per Apt-get einfach nachrüsten [2]. Auch als Server für Downloads via FTP, HTTP und Bittorrent kann der Bubba Two dienen. Hierzu gibt es optional ein äußerst praktisches Firefox-Plugin [3], mit dem man dem Gerät per Rechtsklick eine Datei zum Download übergibt. Zusätzlich zum Download-Fortschritt zeigt das Plugin-Fenster (Abbildung 1) dabei auch noch Statusinformationen über die Plattenbelegung und Uptime des Bubba Two an.
Der integrierte Mediatomb-UPnP-Server ist kompatibel mit vielen Geräten – explizit nennt der Hersteller die Playstation 3, den Popcorn Hour und die Xbox 360. Problemlos erkennt auch iTunes das Gerät als Musikserver. Im Test mit der PS3 funktionierte das Gerät perfekt, lediglich das von der PS3 unterstützte Containerformat MTS/M2TS zeigt der Bubba Two nicht an. Da die Playstation 3 keine 64-Bit-MP4s unterstützt, liegt bei Videos im MP4-Container die Grenze bei 4 GByte Umfang. Größere Videodateien im H.264-Codec (hierfür eignet sich bei der Playstation 3 eben nur ein MPEG-Transport-Stream im MTS/M2TS-Format) kann der Bubba Two nicht streamen.
Bedienung
Die Bedienung des Geräts gestaltet sich allgemein sehr einfach – sofern man des Englischen mächtig ist, denn ein lokalisiertes deutsches Interface bietet Excito nicht. Der Bubba Two passt sich der vorhandenen Netzumgebung an und startet seinen integrierten DHCP-Server, falls er im Netz keinen findet. Dank eigenes ebenfalls an Bord befindlichen Nameservers kann man das Gerät einfach über bubba beziehungsweise bubba.local im Webbrowser, der Shell oder dem FTP-Client erreichen, ohne mühsam die IP-Adresse herausfinden zu müssen. Alle vom Bubba Two bereitgestellten Freigaben tauchen problemlos im Netzwerkbrowser auf – nicht nur unter Linux, sondern auch unter Mac OS X und Windows.
Um den Bubba Two via Internet erreichbar zu machen, implementiert Excito ein DynDNS-ähnliches System, über das jedes Gerät auch mit dynamischer IP unter einem frei wählbaren festen Namen (etwa lu-test.bubbaserver.com) im Internet auftaucht. Auf diesem Weg lassen sich äußerst einfach selbst Dateien, Fotoalben oder Webseiten auf dem kleinen Ziegel hosten, entweder passwortgeschützt für Bekannte oder frei zugänglich für Alle.
Die Konfiguration gestaltet sich einfach und komfortabel: Hier hat sich Excito die Kritik am Vorgängermodell zu Herzen genommen und stark nachgebessert. Das Webinterface bietet gute Assistenten, ist einfach verständlich, gut strukturiert und vielseitig, ohne überladen zu wirken. Auch das Update des Systems macht keine grauen Haare: Dazu genügt ein Mausklick auf den Update-Knopf im Webinterface, und der Bubba Two aktualisiert sich vollkommen selbständig.
Die überall verfügbare Hilfe assistiert bei fast allen Tätigkeiten rund um das Gerät, auch mit Screenshots für die etwas komplizierteren Themen. Das einzige, was uns der Hilfe stört, sind die beiden verschachtelten Scrollbalken rechts, die durch eine sehr lange Navigationsleiste im linken Frame verursacht werden. Bei einer vertikalen Bildschirmauflösung von weniger als 900 Pixel gilt es ständig den äußeren Scrollbalken zu verschieben, um an den inneren zu kommen und die Hilfeseiten vollständig zu lesen.
Features
Ein echtes Highlight stellt der integrierten, via http://http:/bubba.local/mail erreichbaren Horde-Webmailer (Abbildung 2) dar. Er ist erfreulicherweise auch in Deutsch verfügbar und umfasst auch ein Adressbuch, Notizen sowie einen Kalender. Letzterer importiert Daten im v/iCalendar-Format sowie als Komma-getrennte Werte (CSV). Das Adressbuch akzeptiert beim Import neben CSV (Komma- oder Tab-getrennt) auch vCard sowie Mulberry/PINE und LDIF. Anders herum exportieren Kalender und Adressbuch auch die Import-Formate (mit Ausnahme von Mulberry/PINE). Leider synchronisieren sich die Kalender nicht optional online, zum Beispiel mit Google Kalender oder Apples MobileMe.
Die Fotogalerie des Bubba Two quetscht zwar alle erzeugten Thumbnails in ein fixes Format, was bei Bildern im Portrait-Format sehr seltsam aussieht, hat aber ein durchaus schickes und flottes Webinterface (Abbildung 3). Auch die Bedienung der Galerien weiß zu gefallen: Man stellt die Galerien einfach per Drag & Drop zusammen und bekommt rechts das ausgewählte Bild angezeigt, um falls gewünscht Bildname und -unterschrift zu ändern. Eine Option zum Rotieren der Bilder fehlt allerdings – das zählt eigentlich zu den essentiellen Grundfunktionen.
Der etwas umständliche Filemanager kommt mit manchen Sonderzeichen wie etwa Klammern nicht klar, entsprechende Dateien lassen sich dann auch nicht übers Webinterface herunterladen. Auch eine Option zum Kopieren oder Umbenennen einer Datei sucht man vergeblich.
Leistung
Die Leistung des Bubba Two, genauer gesagt die Netzwerk-Leistung, ist sein Pferdefuß: Trotz Gigabit Ethernet-Anschluss saturiert der schwarze Ziegel noch nicht einmal ein 100 MBit-Netz (siehe Tabelle “Netzwerk-Geschwindigkeit Bubba Two”). Insbesondere verschlüsselte Transfers via SCP oder SFTP überfordern die 333-MHz-CPU schlichtweg, beim Kopieren vom System zeigt top 100 Prozent CPU-Last. Lädt man Dateien auf den Bubba Two, bleibt die Auslastung zwar geringer, dasselbe gilt aber auch für die Durchsatzrate. Die höchsten Geschwindigkeiten erreichen wir mit unverschlüsseltem FTP (7 MByte/s), am langsamsten überträgt verschlüsseltes SFTP (2 MByte/s).
Damit steht der Bubba Two jedoch nicht alleine da: Das Problem geringer Netzwerkgeschwindigkeiten plagt zahllose NAS-Systeme diverser Hersteller. Für das Streaming selbst von HD-Videodateien genügt die Geschwindigkeit zwar, aber beim Transfer größerer Dateien oder dem parallelen Zugriff mehrerer Nutzer auf das NAS wird es schnell quälend langsam. Wir aktivieren testweise unter Netzwerk | LAN die Jumbo-Frames-Option und erreichen dadurch zumindest bei unverschlüsselten Protokollen 1 MByte/s mehr Datendurchsatz.
Beim Bubba Two handelt es sich um ein reines NAS-System, dem die Möglichkeit zum alternativen Betrieb als USB-Festplatte ebenso fehlt wie der entsprechende quadratischer USB-B-Stecker. Auch ein Betrieb als eSATA-Festplatte kommt nicht infrage, was unsere anfängliche Freude über die zwei schnellen Ports stark mindert. Eine Notlösung stellen der Anschluss einer externen Festplatte an die eSATA-Ports des Bubba Two und ein Verschieben der Dateien über den eingebauten Filemanager dar (ein Kopierfunktion fehlt, wie schon erwähnt). Dabei, wie auch beim alternativen cp per SSH über die Shell, liegt der maximale Durchsatz immerhin bei 10 MByte/s, allerdings bei fast komplett ausgelasteter CPU. Das ist immer noch alles andere als berauschende und verbessert sich auch bei Anschluss der Datenträger über USB nicht.
Netzwerk-Geschwindigkeit Bubba Two
| Protokoll | Lesen | Schreiben |
|---|---|---|
| SMB | 5,0 | 4,6 |
| HTTP | 4,0 | 4,0 |
| FTP | 7,0 | 6,4 |
| SFTP | 2,0 | 1,0 |
| NFS | 6,5 | 6,0 |
| SCP | 2,8 | 2,3 |
| UPnP | 4,4 | – |
| Alle Werte in MByte/s. | ||
Fazit
Der Bubba Two ist äußerst vielseitig, einfach zu bedienen und einzurichten, sparsam im Verbrauch und sehr leise. Er arbeitet jedoch auch sehr gemächlich. Falls Sie also viel mit Dateien im GByte-Bereich hantieren oder mehrere Nutzer das NAS gleichzeitig nutzen, sollten Sie sich nach einem schnelleren Gerät umsehen.
Infos
[1] Excito-Webshop: https://www.excito.com/bubba/buy/shop.html
[2] NFS-Installation: http://forum.excito.net/viewtopic.php?p=6201
[3] Firefox-Plugin: http://stenarson.homeip.net/the_void/index.php/bubba/firefox/








