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© Kevin McGee, sxc.hu

Löwenmaul

ARM-basierte Netbooks für Linux

18.11.2009 Der unerwartete Verkaufsschlager Netbooks brachte Microsoft in arge Bedrängnis und Linux in die Schlagzeilen. Mit einem reanimierten Windows XP und viel Marketing riss Redmond den neuen Markt dann doch noch an sich. Jetzt steht mit ARM-basierten Netbooks eine neue Runde des Duells an – und diesmal eine, die Microsoft nicht gewinnen kann.

Die kommenden Netbooks mit ARM-Chips, international generisch als "Smartbooks" bezeichnet (siehe Kasten "Juristisches"), sind in aller Munde – insbesondere die Linux-Welt erhofft sich viel davon: Da es sich hier nicht um eine x86-Architektur handelt, kann Microsoft diesmal weder seinen riesigen Softwarepool noch die Treiberunterstützung für nahezu alle Geräte als Totschlagsargument für Windows und gegen Linux gebrauchen. Für ARM bietet Microsoft lediglich Windows CE an, das mit Windows für x86 allerdings wenig mehr als den Namen gemein hat. Die Treiberdecke dafür fällt dünn aus, das Softwareportfolio erscheint im Vergleich zu x86-Windows (oder auch Linux und Mac OS X) winzig. Beim Einstecken von Druckern, DVB-T-Sticks, Webcams oder sonstigen USB-Geräten in Windows-CE-basierende Computer sind lange Gesichter also ebenso vorprogrammiert wie bei der Suche nach dem "unverzichtbaren" Windows-Programm.

Juristisches

In 192 Ländern dieses Planeten tragen Mini-Rechner auf der Basis einer mit Smartphones vergleichbaren oder verwandten Hard- beziehungsweise Software die generische Bezeichnung "Smartbook". Allein in Deutschland darf man sie so nicht nennen, weil der Kölner Notebook-Hersteller Smartbook AG die Markenrechte an diesem Begriff besitzt. Der ließ Ende August von einer Kölner Kanzlei ein Schreiben an diverse deutsche Blogs, Websites und Redaktionen senden [7], so auch an unseren Verlag. Das Schreiben verlangt, bei Berichten über Produkte, die nicht von der Smartbook AG stammen, künftig auf die Verwendung des Begriffs "Smartbook" zu verzichten und bisher veröffentlichte Artikel zu "modifizieren oder aus [dem] Internetangebot zu entfernen". Grundlage des Maulkorbs ist ein Beschluss des LG Köln (Az: 31 O 482/09).

Linux hingegen hat einen äußerst beachtlichen Treiber- und Software-Pool vorzuweisen, zum Großteil quelloffen und portabel, sodass Linux auf ARM fast genausogut läuft wie auf x86 – schon heute ist es auf zahllosen ARM-basierten Embedded-Geräten im Einsatz. Zusätzlich zu Linux und Windows CE läuft auf den ARM-Netbooks auch noch Google Android – entsprechende Prototypen waren schon auf der Computex zu sehen – sowie zukünftig das von Google angekündigte Chrome OS. Letzteres, das genau wie Android letztendlich auf Linux aufsetzt, wird sich laut Aussage von Google besser für Notebooks eignen als das primär auf Smartphones ausgelegte Android.

Die Zeichen stehen also auf Umbruch, nicht nur in der Softwarewelt: Mit der günstigen und stromsparender Atom-CPU versucht Intel den Vorstoß in den Embedded-Bereich, der bislang als Domäne von MIPS, PPC und ARM galt. Es erweckt fast den Eindruck, dass die ARM-Entwickler dies als Kriegserklärung sahen und sich als Antwort darauf jetzt ihrerseits "nach oben" in Richtung Allzweck-Prozessor entwickeln wollen – bisher das Kerngeschäft von Intel und AMD. Seit der Vorstellung des leistungsfähigen Cortex-A8-Kerns überschlagen sich Freescale, Marvell, Texas Instruments und Qualcomm geradezu mit der Vorstellung leistungsfähiger ARM-CPUs mit Taktraten im GHz-Bereich. Inzwischen präsentierte ARM schon das Cortex-A9-Design [1] mit dem Codenamen "Osprey", die erste ARM-Variante mit Out-of-order-Execution, zwei Kernen und Taktfrequenzen bis zu 2 GHz. Der Stromverbrauch soll bei lediglich 1,9 Watt liegen, die Produktion entsprechender Chips dürfte jedoch noch etwas dauern.

Wir trafen uns mit Georg Schweighofer, dem Marketing-Director von Qualcomm für Europa, zu einem Gespräch über Qualcomms neuen Snapdragon-ARM-Chip, ARM-Netbooks und Linux.

Abbildung 1: Georg Schweighofer von Qualcomm.

Chipfragen

Der eindrucksvoll klingende Name "Snapdragon" ist nichts anderes als die englische Bezeichnung der hierzulande als Löwenmaul bekannten Blume. Uns interessierte der Aufbau des Chips (Abbildung 2) und Qualcomms Roadmap dafür. Momentane Versionen des Snapdragon sind mit bis zu 1 GHz Takt erhältlich und in 65 Nanometer gefertigt. Es gibt den QSD8250 mit HSDPA-, UMTS-, EDGE-, GPRS- und GSM-Mobilfunk-Unterstützung sowie die QSD8650-Version, die zusätzlich noch das in den USA populäre, von Qualcomm maßgeblich entwickelte CDMA unterstützt (Qualcomm nennt dies "Worldmode" oder "Multimode").

Qualcomm schickt momentan an seine Partner erste Samples der Dualcore-Version QSD8672 mit 1,5 GHz. Diese Variante soll dank einer Verkleinerung auf 45 Nanometer Strukturgröße nicht arg viel mehr Strom verbrauchen als der aktuelle QSD8650. Zusätzlich zum Dualcore-Snapdragon soll es dann auch eine 1,3GHz/45nm-Version des Singlecore-QSD8250/8650 mit dem Namensanhängsel "A" geben, die 30 Prozent weniger Strom verbraucht.

Abbildung 2: Qualcomms "Snapdragon" ist das Herzstück der kommenden ARM-Netbooks.

Qualcomm hat in den Chip zusätzlich zum "Scorpion" genannten, Cortex-A8-ähnlichen superskalaren ARM-Kern eine Menge zusätzlicher Gadgets integriert: So finden sich hier ein integrierter Speichercontroller (für stromsparendes, teures Low-Power- oder leistungsfähiges, günstiges DDR-RAM) sowie ein Mobilfunk-Kern mit Unterstützung für GPS, Bluetooth und WLAN. Ebenfalls mit an Bord sind ein mit 600 MHz getakteter DSP aus eigener Produktion sowie ein Imageon-3D-Grafikchip. Hierfür hat Qualcomm Anfang 2009 ATI das Entwicklerteam und die Rechte an dem Grafikkern abgekauft. Der weiterentwickelte Imageon im Snapdragon zeichnet 22 Millionen Dreiecke und 133 Megatexel pro Sekunde und bietet Unterstützung für OpenGL ES 2.0 und 1.1. Er soll Qualcomm zufolge nicht nur 3D, sondern auch Flash beschleunigen, was auf internetfähigen Geräten heutzutage ein Muss darstellt.

Das SoC ist sehr hoch integriert; Schweighofer schwärmt, dass zum Bau eines Snapdragon-Systems – neben dem Speicher – nur drei Chips nötig seien: Der Snapdragon, ein HF-Chip für die Funkanbindung sowie ein Power-Management-Chip, der die Spannungen regelt. Durch diese sehr hohe Integrationsdichte lassen sich äußerst stromsparende, kleine und dennoch günstige mobile Geräte produzieren.

Entwicklungsgeschichte

Wir fragen, warum Qualcomm nicht einfach wie die meisten anderen Hersteller einen fertigen ARM-Core lizenzierte, sondern extra eine ARM Architectural License zur Entwicklung eigener Kerne beantragt hat. Schweighofer erzählt, dass man nach guten Erfahrungen mit fertigen ARM-Kernen in der Qualcomm-7000er-Serie der Meinung war, dass hier noch viel Optimierungspotential sei, insbesondere in Sachen Stromsparen. Zusätzlich war die ebenfalls schon hoch integrierte 7000er-Serie mit 528 MHz bei den Abnehmern ein großer Erfolg.

So entschloss sich das Unternehmen, "den nächsten Schritt zu machen", wie es Schweighofer ausdrückt. Um das zu ermöglichen, beantragte Qualcomm die notwendige Architectural License und übernahm einige Chip-Entwickler von IBM. Diese entwarfen dann in jahrelanger Arbeit den Snapdragon, der trotz verdoppelter Taktrate immer noch sehr wenig Strom verbraucht.

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Kommentare
Gewünschtes Betriebssystem markieren: Linux [x] - Micro... [ ] - ...
Uwe (unangemeldet), Donnerstag, 26. November 2009 23:39:34
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Wir könnten es so einfach haben:

- gewünschten Hersteller auswählen
- gewünschtes Gerät auswählen
- gewünschtes Betriebssystem auswählen

Wir sollten uns nicht wieder an einen Strohhalm klammern. Wie schon so oft erlebt, wird Micro... auch in diesem Fall eine Lösung finden, GELD, GELD, GELD...

Wir brauchen eine dauerhafte Lösung: eine EU-Klage, die endlich die Wahlfreiheit für die Verbraucher durchsetzt!




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@Editor
Karl Schlosser (unangemeldet), Donnerstag, 19. November 2009 15:14:17
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Out-of-Order Execution gabs schon seit den Sechzigern. Der POWER1 war zwar der erste Mikroprozessor mit der Technik, benutzte sie aber auch nicht durchgängig.


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Absenken, anmieten, vorwarnen
WvG (unangemeldet), Mittwoch, 18. November 2009 20:08:50
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"sind lange Gesichter also ebenso vorprogrammiert"
Programmieren muß man meines Wissens immer vorher. "vorprogrammieren" ist also nur Bläh-Deutsch.


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