Wer es schon einmal ausprobiert hat, weiß ein Lied davon zu singen: Das Aufsetzen eines Inter/Intranet-Servers samt Web-, Mail- und Datenbankserver ist beileibe kein Spaziergang. Zwar geht die Installation dank des Paketmanagements locker von der Hand, die anschließende Konfiguration der Dienste aber stellt viele Anwender vor unlösbare Aufgaben. Wer trotzdem nicht darauf verzichten möchte, greift zu einer Distribution wie Eisfair [1].
Eisfair besteht nach der Installation lediglich aus einer rudimentären Grundausstattung, die Sie mit dem integrierten Paketmanager nach eigenen Wünschen (siehe Kasten "Erweiterungen") ergänzen. Das Projekt stellt im Online-Repository mehrere hundert Pakete zum Download bereit. Sowohl für das System selbst als auch die installierten Dienste stellt die Distribution eine einheitliche und übersichtliche Verwaltungsoberfläche bereit (Abbildung 1).
Dank einer extrem ressourcenschonenden Auslegung läuft Eisfair auch auf wirklich alten Rechnern tadellos (siehe Kasten "Hardwarevoraussetzungen"). Die Distribution eignet sich dank einer Vielzahl integrierter Entwicklungstools auch ideal als Plattform für Webentwickler.
Erweiterungen
Der in Eisfair integrierte Paketmanager bedient sich in einem Online-Repository namens Pack-Eis [2]. Dort stehen einige hundert Programme zum Download bereit, Abhängigkeiten löst das Paketmanagement selbständig auf. Die wichtigsten Applikationen im Überblick:
- Apache 2 (incl. PHP, Python und Tomcat)
- MySQL 5.0 (Datenbank)
- PostgreSQL 8.1.10 (Datenbank)
- Perl 5.8 (Interpreter)
- Mail 1.9.2 (besteht u. a. aus Fetchmail, Exim, Mailx, Ipop3d)
- Samba 3.0 (File Server)
- Squid 1.8.1 (Web Proxy)
- Talk 1.1 (Chat-Daemon)
- Bind 9 (DNS-Server)
- OpenVPN 2.0.7 (Tunnel-Server)
- Inet 1.10 (enthält Tftp, Sshd, Xinetd und Telnet)
Daneben stellt das Repository noch eine ganze Reihe Treiber bereit, unter anderem zur Unterstützung von ISDN-Karten.
Hardwarevoraussetzungen
Eisfair benutzt als Grundlage einen Kernel aus dem 2.4er-Zweig, was vor allem älterer Hardware wegen der besseren Treiberunterstützung zugute kommt. Da das Konzept der Distribution den Einsatz auf älteren Rechnern vorsieht, reicht bereits eine P90-CPU, gepaart mit 64 MByte Hauptspeicher, zum Betrieb aus. Eisfair belegt nach der Installation etwa 150 MByte Festplattenspeicher (ohne Swap-Partition). Zur Installation benötigen Sie darüber hinaus ein CD-Laufwerk sowie Tastatur und Bildschirm. Welche Hardwareausstattung das System im täglichen Betrieb tatsächlich erfordert, hängt nicht zuletzt vom Einsatzzweck ab. So verbraucht beispielsweise ein Proxy samt Filter deutlich mehr Ressourcen als ein Webserver mit überschaubaren Zugriffszahlen.
Installation
Sie finden Eisfair sowohl als bootbare Version als auch als ISO-Image im Verzeichnis /LinuxUser/eisfair/ auf der ersten Heft-DVD. Leser der No-Media-Ausgabe laden das Image von der Projektseite [1] herunter und brennen es auf eine CD. Nach dem Booten erscheinen zunächst einige Abfragen nach den Treibern für das CD-ROM-Laufwerk und die Festplatte. Verwenden Sie einen SATA- oder SCSI-Controller, halten Sie dessen die Typenbezeichnung griffbereit, da Eisfair sie nicht selbständig erkennt, sondern stattdessen eine Auswahlliste anzeigt (Abbildung 2).
Beachten Sie auch, dass die Distribution in diesem Stadium noch das englische Tastaturlayout verwendet, das gegenüber dem deutschen [Y] und [Z] vertauscht. Nach der Partitionierung der Platte und der Abfrage der Nutzerpasswörter beginnt die Installation, die Eisfair mit einem Reboot abschließt.
Konfiguration
Eisfair stellt vier Konsolen bereit, zwischen denen Sie mit [Alt]+[F1] bis [Alt]+[F4] wechseln. Um die menügestützte Konfiguration zu erreichen, melden Sie sich als User eis an. Zum Wechsel in den komfortableren Curses-Stil öffnen Sie im Auswahlmenü System administration | Base configuration | Set eisfair menu style und ändern den Wert auf 2. Curses style. Da das Konfigurationsmenü stellenweise bis zu vier Ebenen tief verzweigt, erleichtert das Navigieren mit den Pfeiltasten die Handhabung enorm (Abbildung 3).
Um das Netzwerk einzurichten, rufen sie über System administration | Base configuration | Edit base configuration die Konfigurationsmaske auf. Neben der IP-Adresse, dem Routing und DNS stellen Sie hier auch die Zeitzone und verschiedene Logging-Optionen ein. Die User administration benötigen Sie in erster Linie beim Einsatz von Diensten, die eine Authentifizierung erfordern, beispielsweise Samba, FTP, unter Umständen auch Squid. Alternativ zur Konfiguration via Konsole stellt das Projekt eine webbasierte Verwaltungsoberfläche namens Webconf im Repository zur Installation bereit. Sie deckt bislang allerdings nur einen verhältnismäßig kleinen Teil der Verwaltungsaufgaben ab und zeigt sich darüber hinaus fehlerbehaftet.



