Fragt man Linux-Nutzer nach einem Scan-Programm für Linux, dann erhält man als Antwort in der Regel "X-Sane". Der Veteran unter der Linux-Scanprogrammen bietet zwar eine reichhaltige Featurepalette, die Bedienung lässt allerdings in manchen Bereichen zu wünschen übrig.
Als Alternative bietet sich das proprietäre Vuescan von Hamrick Software (http://www.hamrick.com) an. Die aktuelle Version 8.5 unterstützt erstmals auch Deutsch als Sprache und kostet in der Standard-Version 40 US-Dollar, in der Professional-Variante das Doppelte. Während die Standard-Edition nur kostenlose Upgrades für ein Jahr enthält und keine Farbverwaltung mitbringt, unterstützt die "Professional" ICC-Farbprofile und IT8-Farbkalibrierung. Zudem erhalten Sie damit Updates auf Lebenszeit.
Schnellstart
Die Demoversion von Vuescan finden Sie auf der Produkt-Homepage und auf der Heft-DVD als Tarball zum Download. Wollen Sie die 32-Bit-Software auf einem 64-Bit-System nutzen, müssen Sie die entsprechenden 32-Bit-Bibliotheken installieren. Nach dem Entpacken des Archivs vuesca85.tgz starten Sie das Programm im ausgepackten Verzeichnis über den Befehl ./vuescan. Die Demoversion bietet den kompletten Funktionsumfang der Standard-Edition, fügt aber in die eingescannten Bilder ein Dollar-Wasserzeichen ein (Abbildung 1).
Das Programmfenster ist zweigeteilt: Auf der rechten Seite zeigt Vuescan auf zwei Reitern die Vorschau oder das eingescannte Bild an, zur Linken haben Sie die Auswahl zwischen verschiedenen Eigenschaften, einem Assistenten und der eigentlichen Scan-Funktion. Die nicht registrierte Version zeigt ab und zu ein Hinweisfenster zur Registrierung an. Ganz rechts findet sich unter Vorlieben auch der Dialog zur Sprachauswahl. Neben Deutsch und Englisch unterstützt die Software noch eine Liste weiterer "Lokalisierungen", die jedoch komplett über den Google-Übersetzer erstellt wurden und dementsprechend nur mit Einschränkungen zu genießen sind. Das trifft auch auf die "deutschsprachigen" Hilfeseiten zu.
Für den Scan-Vorgang gibt es zwei Möglichkeiten: Den Assistenten oder die manuelle Vorgehensweise. Ein Klick auf Erweitert (die Übersetzung ist hier nicht ganz perfekt) bzw. Geführt wechselt zwischen diesen zwei Modi hin und her. Mit dem Assistenten wählen Sie im ersten Schritt die Funktion aus. Neben der traditionellen Methode In Datei scannen bietet Vuescan hier auch die direkte Ausgabe auf einen Drucker sowie verschiedene Profile für Drucker und Scanner zur Auswahl an (Abbildung 2).
Nach dem kompletten Einlesevorgang öffnet Vuescan das Bild für die weitere Verarbeitung in Gimp. Einfache Bearbeitungsmöglichkeiten finden Sie aber auch auf den Reitern Zuschnitt, Filter und Farbe. Möchten Sie auf den Gimp-Start verzichten, dann entfernen Sie unter Vorlieben die Checkbox vor dem Eintrag Externer Bildbetrachter.
Etwas umständlich gestaltet sich der Speichervorgang (Abbildung 3). In der Grundeinstellung sichert Vuescan alle eingelesenen Bilder automatisch im Verzeichnis, in dem Sie Vuescan gestartet haben, unter dem Namen Scan-Datum
-Nummer
im JPEG-Format. Über den Reiter Ergebnis lassen sich sowohl das Verzeichnis als auch die Namenskonvention ändern, wobei wir den @-Button zur Ordnerauswahl nicht sehr intuitiv fanden.
Vuescan verfügt auch über eine integrierte OCR-Funktion, die in den Tests allerdings keine Buchstaben mit Umlauten erkannte und sich somit praktisch nur für englische Texte eignet.
Farbkalibrierung
Vuescan beherrscht auch das in der Linux-Welt aus lizenzrechtlichen Gründen eher vernachlässigte Feld der Farbkalibrierung. Dazu kann die Software IT8-Farbbeschreibungsdateien einlesen, mittels Farbschablone eine Kalibrierung des Scanners vornehmen und die passende ICC-Datei erstellen. X-Sane bringt zwar auch Support für ICC-Dateien mit, hier müssen Sie aber die vom Hersteller angebotene Datei einbinden, indem Sie diese unter /usr/share/color/icc/ ablegen.
Im professionellen Bereich kommen für die Kalibrierung fertige IT8-Schablonen als Druck oder DIA-Positiv (so genannte IT8-Targets) mit einer zugehörigen Referenzdatei zum Einsatz. Diese kosten je nach Anbieter zwischen 50 und 500 Euro, bei manchen Geräten liegt aber ein IT8-Target bei.
Für einen Farbabgleich legen Sie ein IT8-Target in den Scanner ein, hinterlegen die zugehörige Referenzdatei unter dem Namen scanner.it8 im Vuescan-Verzeichnis und wählen Scanner-Profil erstellen. Drücken Sie auf Vorschau, zeigt Vuescan einen Rahmen an, den Sie nun möglichst genau auf das IT8-Target anpassen (Abbildung 4). Starten Sie zur Sicherheit nach der Ausrichtung noch einmal die Vorschau und wählen Sie anschließend Profil | Scanner-Profil erstellen. Vuescan legt nun einen Datei mit dem Namen scanner.icc an. Arbeiten Sie nur mit einem Scanner, können Sie den Dateinamen belassen. Nutzen Sie mehrere Scanner, speichern Sie die Profildatei unter einem passenden Namen, zum Beispiel hp-psc1310.icc.
Um das Profil beim Scannen auch zu nutzen, wechseln Sie auf den Reiter Farbe, klicken auf Mehr und scrollen dann zum Punkt Farbraum Scanner. Hier wählen Sie aus der Liste den Eintrag ICC Profile aus und geben dann per Klick auf den @-Button die passende ICC- und IT8-Datei an.
Über das eingescannte IT8-Target lässt sich auch der Drucker kalibrieren. Dazu wählen Sie im ersten Dialog unter den Funktionen den Eintrag IT8-Vorlage und klicken auf Vorschau. Vuescan generiert dann ein IT8-Target, das Sie über einen Klick auf Scannen ausdrucken. Das selbst erstellte Target legen Sie nun auf den Scanner, wählen auf dem Reiter Quelle den Eintrag Drucker-Profil erstellen und klicken auf Vorschau. Richten Sie das Gitter an der Vorschau aus und wählen Sie anschließend aus dem Menü Profil | Drucker-Profil erstellen. Vuescan erstellt nun eine ICC-Profildatei, die Sie wie oben beschrieben über den Reiter Farbe einbinden und bei Bedarf auf den Namen des Druckers umbenennen.



