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© Steve Woods, sxc.hu

Auf der Schulbank

Linux im Bildungssystem

20.08.2009
Technisch stehen dem Einsatz von Linux im Bildungssektor keine ernsthaften Hindernisse mehr im Weg. Doch nach wie vor fehlt der notwendige politische Druck.

Bildung ist eins unserer höchsten Güter. Was in der Schule versäumt wird, muss man später mühsam nachholen. Das gilt auch und gerade für den Informatikunterricht und den Umgang mit Computern generell. Die Beschränkung auf ein Betriebssystem – heute üblicherweise Microsoft Windows – fördert die überall geforderte Medienkompetenz nicht. Ein Grundrecht der heutigen Zeit muss also lauten: freier Zugang zu digitalen Medien und Inhalten.

Unsere Verfassung schreibt in Artikel 72 die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse als Aufgabe des Staates fest. Diese Pflicht wird jedoch verletzt, wenn der Staat Bürger zwingt, beispielsweise für ihre Steuererklärung ein Produkt eines kommerziellen Anbieters verwenden zu müssen. Das gilt erst recht, wenn Schülerinnen und Schüler mit proprietärer Software arbeiten müssen, die sie sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht legal beschaffen können. Neben den schlichten Kosten spielt auch und gerade in der Schule die Freiheit der Software eine wichtige Rolle: Der Quellcode der eingesetzten Anwendungen sowie die Datenformate sollten frei zugänglich, veränderbar und redistribuierbar sein.

Linux und freie Software erfüllen all diese Anforderungen und eignen sich damit perfekt, um Jugendliche auf die stetig wachsenden Anforderungen des Berufslebens vorbereiten. Des weiteren erscheint es gerade angesichts der Wirtschaftskrise als Gebot der Vernunft, Geld zu sparen. Auch hier bietet die lizenzkostenfrei Open-Source-Software eine mögliche Lösung. So verwundert es nicht, dass sich in den Medien wöchentlich Meldungen aus aller Welt finden, dass Behörden und Schulverwaltungen auf Linux umstellen. Dieser Artikel soll beleuchten, was Linux im Schulunterricht, für das Studium sowie bei Lernen und Hobby leisten kann und welche Initiativen und Projekte es gibt.

Schulträger

In Deutschland fungieren die Gemeinden als Schulträger. Die Rahmenbedingungen dazu setzen jedoch die Kultusministerien der 16 Bundesländer. In einigen davon gibt es Modelle der Schulvernetzung auf der Basis von Linux – so etwa in Baden-Württemberg, Hamburg und Rheinland-Pfalz – die aber lediglich alternativ zu anderen Modellen angeboten werden. In den meisten Bundesländern jedoch gibt noch nicht einmal alternativ derartige Angebote.

Die Schulvernetzung liegt dann konkret in der Hand der lokalen "Netzwerkadministratoren", sprich: Lehrer, die hier oft als Einzelkämpfer auftreten müssen. Selbst wenn Linux als Basis der Schulvernetzung zum Einsatz kommt, läuft letzten Endes auf dem Desktops in aller Regel Windows. Die gängige Begründung: "Die Lernsoftware XYZ läuft nicht unter Linux". Dass auch Linux ein breites Spektrum an Lernsoftware bietet, wissen die wenigsten Verantwortlichen.

Bestandsaufnahme

Wie nicht anders zu erwarten, dominiert in Deutschland wie anderswo im Bildungsbereich der Marktführer Microsoft mit seinen Produkten. Anders als in der dritten Welt, wo auch in vielen Schulen überwiegend Raubkopien zum Einsatz kommen, beruht die Zusammenarbeit in Deutschland auf langfristigen Verträgen der Behörden mit Microsoft, für die pro Jahr immense Summen an Lizenzkosten anfallen. Diese Verträge gehen teilweise so weit, dass Microsoft die Schulserver fernadministriert – als ob die Schulserver nicht unter die Obhut der Schulämter oder der jeweiligen Verantwortlichen vor Ort gehörten.

Wie sieht es nun mit dem Einsatz von Open Source und freier Software in unserem Bildungssystem? An verlässliche Zahlen ist schwer heranzukommen und, was es an Statistiken gibt, stimmt eher traurig. Offizielle Initiativen seitens der Schulämter und Bildungsministerien bleiben die Ausnahme. Immerhin unterstützen die Bundesländer Hamburg und Rheinland-Pfalz das Projekt Skolelinux, in Brandenburg soll es eventuell noch in diesem Jahr eine Zusammenarbeit mit einem anderen Projekt geben. Ansonsten engagieren sich in vielen Schulen Lehrer, die Linux fördern und administrieren. Hier tut mehr Initiative der betreffenden öffentlich Verantwortlichen sowie Zusammenarbeit mit den bestehenden Distributionen und Initiativen Not. Allerdings besteht die Hoffnung, dass insbesondere die leeren Kassen zum verstärkten Einsatz freier Software führen – auch wenn das eigentlich der falsche Beweggrund ist.

Tatsächlich bietet Linux neben zahlreichen Anwendungen, die sich von der Vorschule bis hin zur Universität einsetzen lassen, auch eine Reihe speziell für die Anforderungen des Bildungsbereich ausgelegte Basissysteme. Alle großen Distributionen pflegen auch einen Bildungszweig, die wohl prominentesten Vertreter sind Debian-Edu, Edubuntu und OpenSuse-Edu.

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