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TV aus dem Keller

Videoserver selber basteln

Gespaltene Persönlichkeit

MythTV besteht aus zwei Teilen: Das so genannte Frontend umfasst lediglich die Oberfläche und läuft später im Wohnzimmer. Die eigentliche Arbeit erledigt das Backend auf dem Server. Es merkt sich alle Informationen, wie beispielsweise die Aufnahmezeit einer Sendung, in einer MySQL-Datenbank. Diese muss folglich vor dem Start von MythTV im Hintergrund laufen.

Wie Sie die Datenbank anwerfen, hängt von der verwendeten Distribution ab. Unter OpenSuse 10.3 genügt beispielsweise der Befehl rcmysql als Benutzer root, unter Ubuntu sudo /etc/init.d/mysql restart. Auf dem Server sollten Sie MySQL so einrichten, dass es automatisch bei jedem Bootvorgang Ihres Computer startet. Geschieht das – wie bei Ubuntu – nicht ohnehin, bieten die Systemeinstellungen Ihrer Distribution in der Regel die passenden Werkzeuge an.

Damit läuft nun MySQL jungfräulich im Hintergrund. Die vom MythTV-Backend benötigte Datenbank erzeugt der Aufruf mysql -u root < mc.sql. Die Datei mc.sql finden Sie im Unterverzeichnis database des MythTV-Quellcode-Archivs.

Installieren Sie die paketierte Version unter Ubuntu, kümmert sich ein Wizard um das Einrichten der Datenbank – folgen Sie einfach den Anweisungen. Zwischendurch erscheint ein Passwort für den Zugriff auf die Datenbank des Backends, das Sie sich notieren sollten: Das Frontend braucht es später, um auf die Datenbank des Backends zuzugreifen. Sie finden das Kennwort aber auch in der Datei /etc/mythtv/mysql.txt.

Abbildung 2: Das Hauptmenü des Setup-Programms. Die angebotenen Menüpunkte sollten Sie von oben nach unten durchgehen.

Grundeinstellungen

Als nächstes rufen Sie auf dem Videoserver mythtv-setup auf, um das Backend auf den Zugriff durch das MythTV-Frontend vorzubereiten. Nach einigen verwirrenden Meldungen präsentiert das Programm die Sprachauswahl aus Abbildung 2. Wählen Sie mit den Pfeiltasten Deutsch und betätigen Sie mit [Eingabe]. Damit erscheint das Konfigurationsmenü, bei dem Sie die angebotenen Punkte von oben nach unten durchgehen und an Ihre Gegebenheiten anpassen. Mit [Tab] und den Pfeiltasten springen Sie zwischen den Feldern hin- und her, [Esc] bringt Sie immer wieder schnell zum Hauptmenü zurück. Den Wert einer Liste ändern die Pfeiltasten nach links und rechts, eine hervorgehobene Schaltfläche aktivieren Sie über die Leertaste.

Kontrollieren Sie zunächst unter Allgemeines, ob die IP-Adresse hinter IP Adresse für der des Servers entspricht (Abbildung 3). Die voreingestellte 127.0.0.1 bezeichnet den Client selbst, das MythTV-Backend ließe sich folglich nur lokal auf dem Computer nutzen. Darunter stehen ein paar TCP-Ports, über die Backend und Frontend miteinander kommunizieren. Sofern Sie eine Firewall einsetzen, müssen Sie dort entsprechende Löcher bohren. Ein Klick auf Weiter führt zu einem Eingabefeld: Dort hinein gehört das Verzeichnis, in dem MythTV alle seine Aufnahmen ablegen soll. Sie landen ja nicht auf dem Wohnzimmer-Rechner, sondern auf der Festplatte im Keller.

Abbildung 3: In diesem Bildschirm ist die IP Adresse für ganz oben wichtig: Steht dort wie in der Abbildung nur die 127.0.0.1, so erhält das Frontend auf dem Wohnzimmer-PC keinen Zugriff auf das Backend im Keller.

Wieder einen Schritt weiter setzen Sie die TV-Norm auf das in Deutschland verwendete PAL, die Videotext-Norm (VBI) auf Pal Teletext und die Tabelle der Senderfrequenzen auf europe-west. Alle weiteren Dialoge tragen bereits die korrekten Einstellungen, weshalb Sie einfach so lange Weiter und schließlich Fertig wählen, bis Sie wieder im Hauptmenü landen.

Weiter geht es bei den TV-Karten. Dort richten Sie zunächst eine (Neue TV-Karte) ein. Im nächsten Schirm wählen Sie unter Kartentyp die DVB DTV TV-Karte (v3.x) (Abbildung 4). Unter Frontend ID zeigt MythTV den Namen oder den Chipsatz der gefundenen Karte an. Bei DVB-S Karten müssen Sie noch die Einstellungen hinter DiSEqC kontrollieren.

Abbildung 4: Direkt nach der Einstellung des Kartentyps auf den angezeigten Wert wurde der angeschlossene DVB-T USB-Stick erkannt. Weitere Einstellungen waren in diesem Fall nicht notwendig.

Sobald Sie Fertig wählen, landen Sie wieder in der Liste mit allen vorhandenen TV-Karten. Hier könnten Sie nun noch weitere Karten einrichten. Dies ist beispielsweise dann notwendig, wenn Sie ein Programm sehen und gleichzeitig ein anderes aufzeichnen wollen. Da jede TV-Karte – mit wenigen Ausnahmen – immer nur genau einen Sender liefert, kommen Sie in diesen Fällen nicht um eine zusätzliche Karte herum. Achten Sie aber dann darauf, dass sich die Kartennummer bei beiden Empfängern unterscheidet. Per [Esc] landen Sie wieder im Hauptmenü.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


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