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01.02.2008

Aufschub für KDE 4

Mit einem Monat Verzögerung soll KDE 4 am 11. Januar 2008 erscheinen – also bereits verfügbar sein, wenn Sie diese Ausgabe des LinuxUser in Händen halten. Die gewonnene Zeit wollten die Entwickler nutzen, um das Benutzerinterface fertigzustellen: Dessen wichtigster Teil, Plasma, war der Nachzügler in der Entwicklung von KDE 4 und wies selbst im letzten Release-Kandidaten, "Coenig", noch einige Kanten und Ecken auf.

Auch der KControl-Nachfolger "System Settings", bislang eine Entwicklung des Kubuntu-Projektes, soll noch einmal eine Frischzellenkur erhalten. Zudem behoben die Entwickler gemeinsam mit dem Xine-Projekt einen Bug in der Xine-Bibliothek, der das Abspielen kurzer Sounds verhindert. Gemeinsam mit "Coenig" kommt die sechste Alpha-Version von KOffice 2.0, die aber in separaten Paketen ausgeliefert wird. KOffice 2.0 soll wenige Wochen nach KDE 4 erscheinen und unter anderem einen vereinfachten Modus für Kinder enthalten.

KDE 4.0 RC 2 mit neuem Start-Design, Konqueror und dem endlich finalen Kickoff-Startmenü.

Mehr Platz im RAM dank KDE 4?

Weniger Speicherverbrauch trotz neuer Programmversion? Gerade Windows-Anwender können davon oft nur träumen. Der Blogger Korneliusz Jarzebski hat den Speicherverbrauch von KDE 4 mit dem des Vorgängers KDE 3.5 verglichen und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Angeblich verbraucht die neue KDE-Version bis zu 39 Prozent weniger Arbeitsspeicher.

Nachdem die News bereits die Runde im Netz gemacht hatte, meldete sich der Autor noch einmal zu Wort: Seine Ergebnisse seien nicht korrekt interpretiert worden und sollten auch nur eine Tendenz darstellen. Hintergrund: die komplizierte Speicherverwaltung moderner Betriebssysteme, aus denen oft auch geübte Entwickler falsche Schlüsse ziehen.

Daher entschloss sich Jarzebski zu einer Herausgabe einer verfeinerten Analyse, die er ausführlicher erläutert. In dieser kommt er zu einer Speicherersparnis von noch rund 20 Prozent gegenüber KDE 3.5. Wer sich für die Ergebnisse interessiert oder mehr über die Linux-Speicherverwaltung lernen möchte, kann den Bericht unter http://www.jarzebski.pl/read/kde-3-5-vs-4-0-round-two.so nachlesen.

KDE-EDU-Meeting in Paris

Die Mandriva-Büros in Paris bildeten die Kulisse für das erste Treffen des KDE-Education-Projekts. Dessen Paket bildet bereits seit Jahren einen festen Bestandteil jedes KDE-Releases und stellt neben Lernprogrammen wie dem interaktiven Periodensystem Kalzium auch kinderfreundliche gestaltete Lernspiele bereit.

Zu den in Paris vorgestellten und diskutierten Programmen, die bereits in KDE 4.0 enthalten sein werden, gehören unter anderem KTurtle, ein an Logo angelehntes Programm zum spielerischen Erlernen von Programmierkonzepten sowie der Vokabeltrainer Parley, der sich auf verschiedene Trainings- und Testarten versteht und dabei eine Vielzahl von Sprachen unterstützt. Zum Datenaustausch kommt ein offenes XML-Format zum Einsatz, das auch andere Programmen aus der KDE-Edutainment-Reihe verwenden. Zu den überarbeiteten Anwendungen gehört das interaktive Periodensystem Kalzium, das dank der OpenBabel-Bibliothek nun verschiedene Dateiformate liest und einen 3D-Betrachter für Molekülstrukturen mitbringt. Erst in KDE 4.1 wird dagegen der Physik-Simulator KStep Einzug halten, mit dem Benutzer interaktiv Szenarien etwa mit variierenden Schwerkraftbedingungen simulieren und vergleichen können.

Viel beachtet war der Vortrag von Patrik Spendrin: Der Windows-Hacker zeigte mögliche Perspektiven für KDE-Programme auf Windows auf. Gerade mit Education-Programmen könne man die Benutzer abholen, meint er. Viele KDE-Programme laufen bereits unter dem Betriebssystem von Microsoft, für die Stabilisierung und Fertigstellung sucht man jedoch händeringend interessierte Entwickler.

Der Vokabeltrainer Parley hält mit KDE 4.0 Einzug in das Edu-Modul von KDE.

Verbindungskontrolleur

Spätestens seit der Einführung breitbandiger Internetzugänge will so gut wie jedes Programm Verbindungen ins Netz aufbauen, was gleichermaßen lästig fällt und das System Angriffen von außen aussetzt. Beidem lässt sich gewöhnlich durch eine Firewall entgegenwirken, doch welche Verbindungen sind wirklich aktiv? Die Antwort darauf, die man bisher von Hand über das Kommandozeilentool Netstat auslesen musste, zeigt nun das Tool KConnections direkt aus dem System-Tray heraus an. Eine White-/Blacklisting-Funktion filtert dabei unverdächtige Connections. Somit erlaubt das Tool einen wirklich interessanten Überblick über die aktuellen Verbindungen und deren Zustand. Das Programm liegt in der aktuellen Version 0.4.0 unter http://ksquirrel.sourceforge.net/subprojects.php bereit.

KConnections zeigt auf Wunsch nur relevante Verbindungen.

Trolltech unterstützt Phonon

Das norwegische Unternehmen Trolltech übernimmt das Sound- und Video-Framework Phonon für das Qt-Toolkit in der kommenden Version 4.4. Phonon wurde ursprünglich von Entwicklern des KDE-Projekts als Nachfolger für den Soundserver Arts entwickelt. Statt die Ausgabe selbst zu realisieren, greift Phonon dabei direkt auf bestehende Backends wie GStreamer oder Xine zurück. Somit müssen Entwickler von KDE-Programmen zur Soundausgabe nur gegen Phonon entwickeln, das sich seinerseits um die korrekte Ausgabe kümmert.

Für Qt benötigte Trolltech eine ähnliche Architektur, weshalb das Unternehmen beschloss, Phonon direkt in Qt aufzunehmen. Dabei findet die Entwicklung weiterhin im Rahmen des KDE-Projektes statt. Zusätzlich stellt Trolltech zusätzlich zum bestehenden Xine-Backend neue Ausgabemöglichkeiten für Quicktime unter OS X, DirectX unter Windows und GStreamer unter unixoiden Systemen bereit. Damit haben Distributoren und Benutzer unter Linux nun die Wahl zwischen Xine und GStreamer.

Die Ankündigung dürfte vor allem dem Amarok-Projekt enormen Vorschub leisten, das den beliebten Musik-Verwalter bereits auf Windows und Mac OS X portiert hatte, ohne dass er dort jedoch Musik abspielen konnte. Qt 4.4 soll im ersten Quartal 2008 erscheinen, bis mindestens dahin wird Phonon also noch Teil der KDE-Bibliotheken sein.

VPN-Allrounder neu aufgelegt

Die Autoren des VPN-Client Kvpnc haben pünktlich zum Weihnachtsfest die Version 0.9 herausgebracht. Sie erlaubt sichere Verbindungen über das Internet über nahezu alle verbreiteten Protokolle. Dazu gehören etwa IPSec, das Cisco-VPN-Protokoll, OpenVPN, L2TP oder Microsofts PPTP. Zur Authentifizierung dienen dabei neben klassischen Zertifikaten in Dateiform nun auch Smartcards. Die neue Version behebt fast 60 Bugs und führt zahlreiche Verbesserungen im Umgang mit PPTP und dem proprietären Cisco-VPN-Client ein. Alternativ beherrscht das Programm schon länger die freie Vpnc-Implementierung. Wer die neue Version testen möchte, lädt Pakete für alle wichtigen Distributionen unter http://home.gna.org/kvpnc/en/download.html herunter.

Mit Python entwickeln

Mit der neue Version 4 stellen die Entwickler der Python-Programmierumgebung Eric eine Qt4-basierte Version ihrer beliebten IDE bereit. Neben der obligatorischen Projektverwaltung bietet die IDE auch eine interaktive Python-Konsole, einem Debugger und einer Anbindung an CVS und Subversion. Auch Unterstützung für Refaktorisierung und Unittests sind enthalten. Für grafische Ausgaben können Entwickler zusätzlich auf die PyQt-Bindungen zugreifen. Wer sich Eric 4 anschauen möchte, findet das selbst in PyQt geschriebene Programm unter http://www.die-offenbachs.de/eric/.

Eric 4 ist eine vollständige IDE für Python.

Amarok kann besser mit neuen iPods

Vor allem an Besitzer neuerer iPods richtet sich die neuste Version 1.4.8 des Musikspielers Amarok. Apples Abspielgeräte der neueren Generation verschmähen unter anderem Musikdateien mit mit groß geschriebenen Dateiendungen. Zusätzlich behob das Amarok-Team eine Reihe von Problemen, die die Stabilität im Betrieb beeinträchtigten. Bei MTP-kompatiblen Geräten überträgt der Player die Dateien nun mit korrekter UTF-8-Kodierung, iPhone und iPod Touch werden jetzt korrekt über Fuse angesteuert. Unterdessen arbeiten die Entwickler weiter an Amarok 2.0, das bereits unter Windows, Linux und OS X läuft, sich jedoch noch nicht für den allgemeinen Einsatz eignet. Mit einer Freigabe rechnen die Entwickler erst einige Wochen nach Fertigstellung von KDE 4.0.

Podbrowser: Perls Nachschlagewerk

Wer beim Namen Podbrowser (http://jodrell.net/projects/podbrowser) an ein Tool für Apples populären MP3-Player denkt, ist auf dem Holzweg: Das Programm bietet vielmehr eine grafische Oberfläche für die Perl-Dokumentation. Mit seiner Hilfe recherchieren Sie bequem in der Dokumentation der in Perl eingebauten Funktionen und den Perldoc-Pages nach Informationen.

Eine Navigationsleiste gruppiert die verfügbaren Informationen nach Modulen, POD-Dokumenten und Pragmas. Unterhalb der Oberbegriffe verwaltet Podbrowser jedes Modul oder Pragma als eigenständiges Objekt. Mittels einer Suchfunktion filtern Sie nach bestimmten Begriffen in den Objektnamen und schränken so die Suche ein. Eine Suche über den Inhalt aller Objekte ist nicht möglich, aber in der Regel auch nicht notwendig.

Bei Bedarf stellt Podbrowser die Gruppe "Module" auch in einer Baumstruktur dar. Das Einklappen der Zweige sorgt dabei für mehr Übersicht. Wählen Sie eine Modul-Funktion aus, so habe Sie auch die Möglichkeit, deren Quellcode einzusehen, ohne Podbrowser verlassen oder ein externes Programm aufrufen zu müssen. Eine weitere Arbeitserleichterung bietet die Lesezeichenfunktion: Hier lassen sich neben einzelnen Funktionen auch komplette Module als Lesezeichen ablegen, was das Nachschlagen in häufig genutzten Modulen erleichtert.

Podbrowser hat nach vierjähriger Entwicklung jetzt die Version 0.12 erreicht. Sie korrigiert lediglich einen Fehler, der beim Laden von Dokumenten auftrat, bringt aber keine neuen Funktionen mit.

Podbrowser ist das ideale Rechercheprogramm für alle Perl-Entwickler.

Digitaler Notizzettel Xpad

Für all jene, die dazu neigen, Ihre Notizzettel im täglichen Chaos zu verlieren, ist Xpad (http://xpad.sourceforge.net) die Rettung. Das Programm bringt die Idee des Sticky-Notes auf die Arbeitsoberfläche. Im Vergleich mit Sticky-Note-Derivaten wie Tomboy wirkt der Funktionsumfang von Xpad 2.14 eher spartanisch, denn das Programm beschränkt sich aufs Wesentliche: die Verwaltung von Notizen.

Nach dem Programmstart öffnet Xpad sofort einen leeren Notizzettel und integriert sich nahtlos ins Panel. Das weitere Erscheinungsbild wie Hintergrund- und Textfarbe passen Sie nach Ihren Vorstellungen an. Auf Wunsch lassen sich auch der Fensterrahmen und das Toolpanel ein- beziehungsweise ausblenden.

Sie legen nun nach Belieben digitale Notizzettel anlegen, die auf der jeweiligen Arbeitsoberfläche sichtbar bleiben, solange Xpad läuft. Besonders wichtige Notizen tackern Sie zudem so fest, dass sie auf jeder Arbeitsoberfläche erscheinen. Weniger wichtige Notizen dagegen sichern Sie und blenden sie aus. So verhindert Sie, dass Xpad die Arbeitsoberfläche langsam komplett verklebt.

Ebenso praktisch wie das Original aus Papier: Xpad.

Youtube@home mit Clive

Youtube, Google Video und Konsorten halten viel interessantes Filmmaterial bereit. Wer nicht die Zeit hat, die Beiträge online anzuschauen, braucht ein Tool wie Clive (http://home.gna.org/clive/), das den Videostream aus der Webseite extrahiert, herunterlädt und als Datei speichert.

Dem in Python implementierten Kommandozeilenprogramm Clive übergeben Sie beim Start lediglich die URL der Website übergibt, von der das Video heruntergeladen werden soll. Möchten Sie mehrere Videos herunterladen, können Sie die URLs auch in einer Textdatei ablegen und diese an Clive übergeben. Das Format der Textdatei gleicht dem von Wget: je eine URL pro Zeile.

Soll der Download via Proxy erfolgen oder Clive den Videostream direkt in ein bestimmtes Format konvertieren, geben Sie das via Parameter beim Programmstart mit an. Zum Konvertieren setzt Clive auf das Programm Ffmpeg. Damit Sie Clive nicht bei jedem Aufruf mit Parameter konfigurieren müssen, verfügt das Tool auch über eine Tk-basierte grafische Konfiguration, die der Parameter --configure startet. Hier legen Sie bequem Player, Encoder, Proxy-Server und Kodierungen fest. Alle Einstellungen speichert Clive nach Beenden in einer benutzerspezifischen Konfiguration.

Die aktuelle Clive-Version 0.4.0 bietet zwar keine Neuerungen, beseitigt jedoch einige kleinere Fehler beseitigt.

Dank Tk-basierter Oberfläche ist Clive einfach zu konfigurieren.

Programmlaufzeit am Limit

Scheduler, die ein Programm zu einem vordefinierten Zeitpunkt starten oder beenden, installiert jede Distribution bereits standardmäßig. Soll ein Programm jedoch unabhängig vom Startzeitpunkt nur über ein bestimmtes Zeitintervall ausgeführt werden, benötigt man ein Tool wie Limit (http://www.isotton.com/software/unix/limit/).

Das noch relativ junge Programm liegt zurzeit in Version 0.1 vor. So beschränkt sich der Funktionsumfang auch auf das Wesentliche: Sie übergeben Limit beim Aufruf das auszuführende Programm samt dessen Parametern, legen die Dauer der Laufzeit in Sekunden fest und ändern gegebenenfalls das zu sendende Abbruchsignal. Sofern nicht anders vorgegeben, sendet Limit ein SIGTERM, Sie können aber auch mit einem SIGKILL zuschlagen.

Der Start von Limit erfordert nur wenige Parameter.

Kurz notiert

Um Entwicklern, Übersetzern und Dokumentationsautoren den Zugang zu aktuellen Änderungen in der Gnome-Entwicklung und damit die Arbeit zu erleichtern, plant das Gnome-Projekt, mehrmals wöchentlich aktuelle, lauffähige Vmware-Images und Live-DVDs zum Download (http://www.rpath.org/rbuilder/project/gnome/) bereitzustellen. Die Systeme basieren auf Foresight Linux und lassen sich mit dem mitgelieferten Programm PackageKit problemlos aktuell halten. Ein regelmäßiger erneuter Download des gesamten, rund 1 GByte großen Images ist somit nicht erforderlich.

Kurz vor Weihnachten hat das Projektteam die Version 1.0 Beta 3 der Gnome-Entwicklungsumgebung MonoDevelop (http://www.monodevelop.com) freigegeben. Die IDE ist primär für die Entwicklung von Programmen in C# und .NET gedacht und unterstützt den Programmierer unter anderen bei Aufgaben wie Klassen- und Projektverwaltung. Die jetzt veröffentlichte Beta 3 beseitigt nicht nur eine Reihe von Fehlern, sondern optimiert auch den Docking Manager und besitzt einen verbesserten Projektdialog im den Bereichen Packen und Übersetzung. Darüber hinaus wird jetzt auch die Moonlight Runtime unterstützt. Wann die endgültige Version von MonoDevelop erscheint, steht noch nicht fest.

Brasero-Entwicklung kommt gut voran

Wer bisher nach einem guten und zugleich in Gnome integrierten Brennprogramm suchte, wurde nur selten fündig. Die Brennfunktion des Gnome-eigenen Dateimanagers Nautilus kommt zwar mit allen notwendigen Grundfunktionen daher, mehr aber auch nicht. In den letzten Jahren starteten Entwickler diverse Versuche, die noch klaffende Lücke zu beseitigen: Brasero http://www.gnome.org/projects/brasero/ heißt der letzte Spross aus dieser Familie, den LinuxUser auch schon in Ausgabe 06/2007 ausführlich vorstellte.

Das Programm unterstützt alles, was die Konkurrenz bietet, wie zum Beispiel das Brennen von Daten-CDs/DVDs oder Audio-CDs. Das CUE-/BIN-Format gilt genauso als Selbstverständlichkeit wie die Song-, Bild- und Videovorschau. In Sachen Backend kann Brasero nicht nur mit den Cdrtools umgehen, sondern versteht sich auch mit Libburn. Vor kurzem stellten die Autoren des Programms die neueste Entwicklerversion 0.7 vor und hoffen auf reichlich Feedback seitens der Anwender.

Brasero wirkt nach dem ersten Start mit lediglich vier Schaltern sehr aufgeräumt.

Vorstandswahlen der Gnome Foundation

Bei den diesjährigen Vorstandswahlen der Gnome Foundation verlief im Vorfeld nicht alles so reibungslos, wie gewohnt: In einem Blog-Eintrag griff Gnome-Entwickler Murray Cumming Ende November den seit langer Zeit für die Gnome Foundation tätigen Jeff Waugh auf das Schärfste an (http://www.murrayc.com/blog/permalink/2007/11/26/gnome-board-2007-candidates-the-bad/). Cummings Meinung, derzufolge Waugh viele wichtige Entscheidungen blockiert und auch nur selten auf Anregungen seitens Entwickler und Anwender eingeht, teilen nicht alle Gnome-Hacker: Luis Villa – ebenfalls seit längerem im Gnome-Umfeld tätig – versuchte Cummings Anschuldigungen etwas Wind aus den Segeln zu nehmen.

Einen Einfluss hatten die Querelen allemal, betrachtet man die endgültige Stimmverteilung (http://mail.gnome.org/archives/foundation-announce/2007-December/msg00002.html): Waugh schaffte es mit nur 79 Stimmen als Letzter gerade noch in den Vorstand der Gnome Foundation. Im Vergleich zu den letzten Jahren lässt sich eine deutliche Diskrepanz erkennen: Der gebürtige Australier war sonst stets auf den vordersten Rängen vertreten. Bis zum nächsten Jahr sind außerdem Brian Cameron (86 Stimmen), John Palmieri (128), Behdad Esfahbod (141), Lucas Rocha (143), Vincent Untz (153) und Luis Villa (159) in den Vorstand gewählt. Cumming selbst hatte vor der Wahl angekündigt, nicht mehr für das Board kandidieren zu wollen.

Unter Beschuss, aber trotzdem wieder im Vorstand der Gnome Foundation: Jeff Waugh aka "jdub".

Diskussion über verteiltes Code-Management-System

Bereits seit Ende letzten Jahres führen die Gnome-Entwickler eine Diskussion über die Einführung eines verteilten Code-Management-System (http://live.gnome.org/DistributedSCM). Zur Diskussion stehen drei Kandidaten: Canonical fördert "Bazaar", das es erfolgreich für seine Projekte auf http://www.launchpad.net/ einsetzt. Das von Linus Torvalds als Ersatz für das kommerzielle Bitkeeper entwickelte System "Git" nutzen einige Gnome- und X.org-Entwickler schon intensiv. Daneben steht noch "Mercurial" zur Auswahl, das ebenso wie "Bazaar" in Python geschrieben ist.

Alle drei Programme haben ihre Vor- und Nachteile, und aufgrund der Erfahrungen, die die Gnome-Entwickler durch die Umstellung von CVS auf SVN gesammelt haben, dauert die Entscheidung noch an. "Bazaar" sagt man nach, besonders robust, durch Plugins erweiterbar und gut in Nautilus, Eclipse und Trac integriert zu sein. "Git" auf der anderen Seite gilt als recht schnell und glänzt mit einer gelungenen Bugzilla-Integration. Durch die Mischung von Perl und C lässt es sich aber nicht so einfach erweitern wie "Bazaar". "Mercurial" schließlich kann als Kompromiss zwischen den beiden anderen Systeme gesehen werden. Ob überhaupt und wann der Sprung auf eines der dezentralen Code-Management-Systeme passiert, steht noch nicht fest.

GTK+-Hackfest in Berlin

Wie Behdad Esfahbod Ende Dezember verlauten ließ, plant die Gnome Foundation um den 10. März 2008 ein einwöchiges GTK+-Hackfest in Berlin (http://mces.blogspot.com/2007/12/berlin-gtk-hackfest.html) zu veranstalten. Zu diesem Invitation-only- Event sollen nach Angaben von Esfahbod rund 25 Gtk+-Kernentwickler anwesend sein.

Primär möchten die Entwickler die Planungen für die nächste Gtk+-Version diskutieren, die pünktlich zur GUADEC 2008 in Istanbul fertig sein soll. Konkret geht es um die Integration des neuen, von Alexander Larsson initiierten virtuellen Dateisystems Gio sowie die Einführung eines besseren und flexibleren Canvas-Widgets, das das obsolete der Gnome-Bibliotheken ersetzt. Daneben stehen ein generisches HTML-Widget beziehungsweise eine HTML-Bibliothek mit austauschbaren Backends sowie eine bessere Gobject-Introspection auf der Tagesordnung, von der sich vor allem die Entwickler von Sprachbindungen mehr Komfort erhoffen.

Genügend Diskussionsstoff liefert auch der Wrapper D-Bus-Glib: In naher Zukunft soll die Anbindung der Kommunikationsbibliothek D-Bus komplett in Glib wandern. Last not least gibt es mit Sicherheit Gesprächsbedarf rund um die neue Session-Management-API und den als heißen Kandidaten gehandelte Gconf-Ersatz Gsettings.

Neue Highlevel-Programmiersprache

Viele wissen es – einige stört es: Das Schreiben von Gnome-Anwendungen in C läuft nicht immer besonders intuitiv ab. Bevor eine Anwendung steht, müsse man zu viel Code schreiben, meinen viele Programmierer: Dabei ließe sich die selbe Problematik in Python beziehungsweise C# mit nur wenigen Zeilen abhandeln. Das dachte sich wohl auch der Schweizer Jürg Billeter, der die neue Sprache Vala erfand (http://live.gnome.org/Vala).

Der Vala-Compiler Valac übersetzt Vala-Quelltext direkt in Gobject-Code – also nach C. Anders als ein C-Compiler findet aber Valac etwaige Fehler schon während der Übersetzung, da er über wesentlich mehr Informationen verfügt als beispielsweise GCC. Unter dem Strich führt das zu wesentlich weniger Fehlern und Programmabstürzen in Anwendungen. Hinzu kommt die vergleichsweise kompaktere, an C# angelehnte Syntax.

Viele Gnome-Programme, darunter der Mediaplayer Totem, bieten schon Schnittstellen für Vala. Auch in Vala programmierte Beispiele für einen PDF-Betrachter und einen Webbrowser gibt es bereits. In Zukunft steigt wohl mehr als nur der ein oder andere C-geplagte Entwickler auf die neue Sprache um: Zumindest fiel das Echo der Gnome-Entwickler bisher durchweg positiv aus.

Kurz notiert

Unser Artikel zu Shuttles LinuXPC in LinuxUser 12/2007 stieß auch beim Hersteller auf großes Interesse. Shuttle hat das Angebot überarbeitet (http://de.shuttle.com/de/desktopdefault.aspx/tabid-565/) und bietet die Rechner ab sofort mit OpenSuse 10.3 an, was die Hardwareprobleme mit dem DVI-Ausgang behebt. Zudem haben die Entwickler die Partitionierung so geändert, dass eine separate Home-Partition zur Verfügung steht und das System die komplette Festplatte nutzt.

Konsolen-Tetris

Für die einen ist Tetris einfach ein Spiel – für die anderen ein Lehrprogramm, das Reaktionsfähigkeit, Hand-Augen-Koordination und die Erkennung geometrischer Formen trainiert. Doch ganz gleich, in welche Kategorie man es einstuft, bei dem Programm handelt es sich um einen Klassiker, der dutzendfach implementiert wurde. So wundert es niemanden, dass mit Vitetris (http://victornils.net/tetris/) auch eine Version für die Konsole existiert.

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Konsolenspielen verwendet Vitetris nicht die Ncurses-Bibliotheken zur Darstellung der geometrischen Objekte: Das Spiel kommt mit dem ASCII-Zeichensatz aus. Damit besitzt es keinerlei Abhängigkeiten und lässt sich problemlos auch über eine SSH-Verbindung nutzen.

Trotz bescheiden anmutender Grafik bietet Vitetris großen Spielspaß und zahlreiche Konfigurationsoptionen, darunter die Wahl der Rotationsrichtung, des Rotationssystems oder eine individuelle Tastaturbelegung. Auch Objekt- und Hintergrundfarbe passen Sie nach Ihren Wünschen an. Das Spiel besitzt sogar einen Zwei-Spieler-Modus, der allerdings nicht netzwerkfähig ist, sodass Sie sich die Tastatur mit Ihrem Gegner teilen müssen. Dabei kann jeder Spieler Tastenbelegung und Rotationsverhalten an seine Bedürfnisse individuell anpassen.

Die ersten Versionen von Vitretis programmierte Viktor Nilsson. Die jetzt erschienene Version 0.3 überarbeitete jedoch Hugo Fernbom gründlich und erweiterte Sie um Optionen wie Zwei-Spieler-Modus und konfigurierbare Tastaturbelegung.

Vitretis setzt auf schlichte ANSI-Darstellung.

Nie mehr ein Passwort vergessen mit Kiskis

Im digitalen Zeitalter muss sich der Anwender Dutzende von Passwörtern merken. Da der Mensch aber zur Vergesslichkeit neigt, kleben diese meist auf Notizzetteln am Bildschirm. Geht dort der Platz zur Neige, ist es Zeit für einen Passwort-Manager wie Kiskis (http://kiskis.sourceforge.net).

Mit dem Java-Programm Kiskis haben Sie unter jedem Betriebssystem Zugriff auf Ihre gespeicherten Passwörter. Die intuitive grafische Oberfläche erleichtert dabei die Verwaltung. Eine baumartige Navigationsleiste ermöglicht das Zusammenfassen von Passwörtern zu logischen Gruppen. Die Passwörter selbst erfasst Kiskis in sogenannten Konten. Zur Zeit stehen vier vordefinierte Kontotypen zur Verfügung: Bankkonto, Kreditkarte, Netzwerk und Datei.

Die allgemeinen Einstellungen fallen bei allen Kontenformen identisch aus. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihr Passwort abzulegen oder vom System generieren zu lassen. Zudem können Sie das Passwort mit einem Verfallsdatum versehen. Für jedes Konto führt Kiskis eine Statistik, die Auskunft gibt, wann es zuletzt geändert oder genutzt wurde. In den spezifischen Einstellungen eines Kontos hinterlegen Sie je nach Typ die Konto- oder Kreditkartendaten, Zugangsdaten für eine Webseite oder eine zu schützende Datei.

Haben Sie alle Passwörter eingetragen, speichert Kiskis diese in einer passwortgesicherten, verschlüsselten Datei, wobei Sie zwischen den Algorithmen AES-128, CAT5 und Blowfish zur Verschlüsselung wählen. So müssen Sie sich künftig nur noch ein Passwort merken.

Kiskis liegt zurzeit in Version 0.23 vor. Sie prüft erstmals die vom Anwender gewählten Passwörter mittels Cracklib auf deren Sicherheit.

Die übersichtliche Kiskis-Oberfläche erleichtert die Passwortverwaltung.

System-Ressourcen im Blick

Für den privaten Anwender geraten professionelle Monitoring-Lösungen zum IT-Overkill. Damit der Benutzer trotzdem weiß, wie es um die Ressourcen seines Rechners steht, gibt es handliche Monitoring-Tools wie Conky (http://conky.sourceforge.net).

Mit Conky haben Sie wichtige Systemparameter wie Speichernutzung, CPU-Auslastung, Festplattenkapazität oder Netzwerkverkehr permanent im Blick. Aber auch Power-Management-Funktionen, POP3-Mail-Konten oder die aktuelle Prozessliste lassen sich mit Conky überwachen. Dies sind nur einige der vielen Optionen – welche Daten das Programm in welchen Intervallen erfasst und anzeigt, legen Sie in der Konfigurationsdatei fest.

Im Gegensatz zu anderen Monitoring-Werkzeugen wie Gkrellm kann Conky seine Daten nicht nur in einen Fenster, sondern auch mit transparentem Hintergrund auf dem Desktop anzeigen. Besonders bei niedriger Bildschirmauflösung spart man so wertvollen Platz. Die Positionierung auf der Oberfläche legen Sie in der Konfigurationsdatei individuell fest.

Seit 2004 schreitet die Entwicklung von Conky stetig voran. Aktuell ist die Version 1.49, die neben der Korrektur einiger Fehler mit einer Audacious-Unterstützung aufwartet.

Im transparenten Modus verschmilzt Conky förmlich mit dem Hintergrundbild.

10.000 Dollar für SMB/CIFS

Im Urteil des Kartellverfahrens durch den EU-Gerichtshof gegen Microsoft verpflichtete das Gericht Microsoft zur Offenlegung einiger Schnittstellen für Mitbewerber. Die deutsche Firma Sernet griff diese Klausel auf und forderte von Microsoft im Namen des Samba-Teams die Offenlegung der Spezifikationen für das SMB/CIFS-Protokoll. Hierzu war Microsoft aber nur nach Unterzeichnung eines strengen Vertraulichkeitsabkommen und der Zahlung von 10 000 US-Dollar.

Damit die Verpflichtung nicht auf einer einzelnen Firma lastet, gründete das Software Freedom Law Center jetzt die gemeinnützige Protocol Freedom Information Foundation (http://www.protocolfreedom.org), die gegenüber Microsoft als Vertragspartner auftritt und die Summe zahlte. Für das Samba-Projekt ist dies ein freudiges Ereignis: Die Projektmitglieder sind sich sicher, nun die Interoperabilität von Samba weiter verbessern zu können.

Kurz notiert

Knapp ein halbes Jahr nach Erscheinen des ersten Pre-Release veröffentlichen die Entwickler des Proxy-Servers Squid (http://www.squid-cache.org) jetzt die erste stabile Release der neuen Version 3.0. Fast der gesamte Quellcode wurde dabei überarbeitet, so dass Squid nun in weiten Teilen in C++ implementiert ist. Auf die Portierung einiger Funktionen wie beispielsweise URL-Gruppen, die UMASK-Direktive oder das Mapping von Server-Fehlermeldungen müssen die Anwender jedoch noch warten. Dafür entschädigen neue Features wie das Internet Content Adaption Protocol, kurz ICAP – es implementiert eine Art RPC für HTTP und FTP. Ebenfalls neu sind Edge Side Includes, die es dem Proxy erlauben, einfache XML-Prozesse auszuführen. Damit lässt sich das Zusammensetzen von Webseiten vom Server auf den Proxy auslagern.

Kurz vor Weihnachten aktualisiert Dell die Produktpalette seiner Linux-Rechner und liefert diese jetzt mit Ubuntu 7.10 und dem kommerziellen Software-DVD-Player LinDVD aus. Zuvor hatten sich bereits zahlreiche Kunden auf Dells Feedback-Website http://www.dellideastorm.com über die fehlende Unterstützung zum Abspielen CSS-verschlüsselter DVDs beschwert. In den Staaten waren die neuen Systeme noch vor Weihnachten im Handel erhältlich, für Europäer gibt es sie jedoch erst jetzt.

Pünktlich zum zwanzigsten Geburtstag veröffentlichte das Perl-Projekt Perl 5.10.0. Die Geburtstagsversion enthält zahlreiche Neuerungen, von denen einige der kommenden Version 6.0 entliehen wurden. Zu den Neuerungen zählt unter anderem die Pragma-Funktion, die bei der Auswahl von Sprachfeatures hilft, sowie der Kommandozeilenparameter -E. Dabei handelt es sich um ein Äquivalent zum bekannten -e, das jedoch alle optionalen Funktionen aktiviert. Außerdem gibt es neue Möglichkeiten der rekursiven Mustersuche, um nur einige Neuerungen zu nennen. Alle Neuerungen sowie mögliche Inkompatibilitäten mit bestehenden Skripten sind unter http://search.cpan.org/~rgarcia/perl-5.10.0-RC2/pod/perl5100delta.pod aufgeführt. Bis Perl 5.10 in die gängigen Distributionen einzieht, kann es aber noch ein paar Monate dauern.

Der Tradition folgend findet auch 2008 wieder ein Linuxtag statt. Als Veranstaltungsort dienen wieder die Messehallen unter dem Berliner Funkturm, die sich bereits 2007 bewährt hatten. Die zum vierzehnten Mal stattfindende Veranstaltung (http://www.linuxtag.org/2008) gilt als Muss für jeden Linux-Fan und widmet sich 2008 den Schwerpunktthemen "Kommunikation" und "Digitaler Lifestyle". Hierzu zählen VoIP und Instant Messaging ebenso wie Home Entertainment sowie Video- und Musik-Bearbeitung. Die Veranstalter rechnen mit über 10 000 Besuchern und stellen Ausstellungsflächen für über 90 freie Projekte bereit. Ein Vortragsprogramm existiert noch nicht, da der Call-for-Papers noch läuft. Wer den Linuxtag nicht verpassen möchte, sollte sich den 28. bis 31. Mai 2008 freinehmen.

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