Kile

Kile (Abbildung 11), das sich in den Repositories aller gängigen Distributionen findet, ähnelt in zahlreichen Aspekten Texmaker. Die Ähnlichkeiten sind nicht zufällig: Bei beiden Editoren war der selbe Entwickler am Werk, bei Kile allerdings nur zu Anfang der Entwicklung. Auf den Projektseiten [5] findet sich eine sehr ausführliche Dokumentation, die selbst Einsteigern den Schritt in die LaTeX-Welt erleichtert.

Abbildung 11: Die Benutzerschnittstelle von Kile ähnelt im Aufbau jener von Texmaker.

Kile integriert sich besser als die anderen hier vorgestellten Editoren in KDE. Schon bei der Installation fordert das Programm Sie gegebenenfalls auf, die KDE-Bibliotheken mit einzurichten. Beim ersten Start sollten Sie zuerst den Konfigurationsdialog über Settings | Configure Kile... aufrufen und dort unter Template Variables Ihren Namen und die Zeichenkodierung (UTF8 oder ISO 8859-1) eintragen. Außerdem treffen Sie hier eine Vielzahl weiterer Einstellungen, unter anderem bietet Kile auch das automatische Löschen temporärer Dateien an.

Genau wie Winefish bietet Ihnen Kile die Möglichkeit, neue Projekte zu erstellen (Abbildung 12). Den Dialog dazu rufen Sie über Projects | New Project... auf und geben die nötigen Parameter, wie Projektname, Verzeichnis, Dateiname und Art des Dokuments an. Bereits vorhandene Dateien fügen Sie über das selbe Menü durch Add Files to Project... hinzu. Gleiches gilt für das Entfernen von Projektdateien über Remove Files from Project.... Weiterhin haben Sie die Möglichkeit, die Projektoptionen zu ändern und das Projekt im TAR.GZ-Format zu archivieren.

Abbildung 12: Kiles Quickstart-Assistent bietet mehr Features als das Texmaker-Pendant.

Kile bietet wie Texmaker eine ganze Reihe von Assistenten an. Dazu zählen unter anderem Floats zum Einfügen von Grafikelementen oder Tabellen (Abbildung 13) und Math Environments für sehr genau definierbare mathematische Umgebungen. Auch für das Einfügen von Bildern gibt es unter LaTeX | Image Insertion einen Helfer, der jenem von Texmaker ähnelt. Hier geben Sie etwa Breite, Höhe und Bildunterschrift an.

Abbildung 13: Der Tabellen-Assistent von Kile ist dem von Texmaker sehr ähnlich.

Trotz aller Verwandtschaft mit Texmaker hält Kile ein paar zusätzliche Schmankerl parat. Das LaTeX-Menü fällt etwas umfangreicher aus, zudem können Sie wie bei Winefish Lesezeichen setzen und wieder löschen. Bei besonders größeren Dokumenten sorgt das so genannte Code folding für zusätzlichen Überblick. Befehle vervollständigen Sie wie bei Gedit mit der Tastenkombination [Strg]+[Leer]. Falls ein Fehler in Ihrem LaTeX-Dokument auftritt, bietet der untere Teil des Hauptfensters die Möglichkeit, dessen Quelle genauer zu inspizieren. Auch Hinweise zu Befehlen stellt Kile dort übersichtlich dar.

Kile übertrifft die Funktionalität von Texmaker in einigen Bereichen deutlich und eignet sich sehr gut als alltäglicher Wegbegleiter beim Schreiben von LaTeX-Dokumenten. Mit dem Erscheinen dieses Artikels steht eventuell schon die Version 2.0 in den Startlöchern, die noch mehr Features bereithält. Die Projekt-Homepage [5] bietet weitere Informationen zur neuen Version, die allerdings immer noch auf Qt3/KDE3 basiert: Den zeit- und arbeitsintensiven Sprung zu Qt4/KDE4 wagen die Autoren zurzeit offenbar noch nicht.

Zusammenfassung

Alle genannten Programmen erfüllen die Grundvoraussetzungen, um komfortabel und ohne tiefschürfende Vorkenntnisse LaTeX-Dokumente zu erstellen.

Bereits Winefish bietet quasi "auf kleinstem Raum" viel Komfort an. Allerdings ist die Frage der Weiterentwicklung bis dato noch nicht geklärt. Auf der anderen Seite mausert sich das Gespann aus Gedit plus LaTeX-Plugin immer mehr zum vollwertigen LaTeX-Editor. Texmaker und Kile zählen zu den Senioren der LaTeX-Editoren und geben sich entsprechend ausgereift. Die Funktionalität fällt bei beiden in etwa gleich aus, haben sie doch gemeinsame Wurzeln in der Vergangenheit. Wer kein KDE nutzt, de, bietet Texmaker den Vorteil, keine umfangreichen KDE-Abhängigkeiten auf das System zu schaufeln.

Sagt Ihnen keines der vorgestellten Programme so recht zu, dann werden Sie doch einmal einen Blick auf LyX oder TeXmacs (Kasten "Nebenbei bemerkt"). Beide spielen in einer ganz anderen Liga: LyX gibt es mittlerweile seit elf Jahren, entsprechend ausgereift gibt es sich. TeXmacs Wurzeln stecken in Emacs – er ist der einzige reine WYSIWYM-LaTeX-Editor der hier vorgestellten Programme.

Nebenbei bemerkt

Zwei weitere bekannte LaTeX-Editoren, die allerdings etwas aus dem Rahmen fallen, sind LyX und TeXmacs.

Der wohl bekannteste und älteste LaTeX-Editor, LyX ([6], Abbildung 14), speichert Dokumente im eigenen LYX-Format, das Sie aber unter anderem ins LaTeX-Format exportieren können. LyX funktioniert in etwa so wie ein normales Textverarbeitungsprogramm, Sie brauchen sich also keine Gedanken um Befehle oder Seitenumbrüche zu machen: All das erledigt das Programm selbst. Als Besonderheiten stechen die eingebaute Thesaurus-Unterstützung und die umfangreiche integrierte Dokumentation heraus.

Abbildung 14: LyX ist ein mächtiger Editor, der Dokumente auch nach LaTeX konvertieren kann.

Der von Emacs abgeleiteter Editor TeXmacs ([7], Abbildung 15) speichert Texte im LaTeX-, HTML-, PDF- und PS-Format. Er arbeitet nach dem WYSIWYM-Prinzip und spricht vor allem die Zielgruppe an, die bereits Emacs einsetzt: Naturgemäß tun sich dessen Benutzer mit TeXmacs leichter. Dennoch empfiehlt es sich, TeXmacs zumindest einmal anzusehen. Durch WYSIWYM fallen die Assistenten, mit denen die anderen vier Testkandidaten aufwarten, weg. Der Benutzer bekommt sofort das zu Gesicht, was er haben möchte. Insbesondere der große Funktionsumfang und die zusätzlichen Ausgabeformate machen TeXmacs zu einer lohnenden Alternative.

Abbildung 15: TeXmacs ist der einzige hier vorgestellte WYSIWYM-LaTeX-Editor.

Wer mag, kann LaTeX natürlich auch mit einem eher frugalen Editor wie Vi(m) schreiben – eine entsprechende LaTeX-Erweiterung [8] gibt es durchaus. Die Bedienbarkeit fällt für den geübten TeXer gleichermaßen intuitiv aus.

Glossar

Qt

Eine Klassenbibliothek für die plattformübergreifende Programmierung grafischer Benutzeroberflächen. Qt wird besonders in den Bibliotheken des K Desktop Environments verwendet. Die Bibliothek bietet neben Funktionen zur Entwicklung von grafischen Oberflächen auch umfangreichen Support für Internationalisierung sowie Datenbankfunktionen und XML-Unterstützung.

KOMA-Script

Ein Bündel von Klassen und Paketen für LaTeX, deren Fähigkeiten teilweise ganz erheblich über jene der Standardklassen hinausgehen [9].

Thesaurus

Synonym-Wörterbuch, meist in Textverarbeitungen.

WYSIWYM

"What You See Is What You Mean", zu deutsch etwa: "Was Sie sehen ist auch wirklich das, was Sie meinen".

[1] Winefish: http://winefish.berlios.de

[2] LaTeX-Plugin für Gedit: http://live.gnome.org/Gedit/LaTeXPlugin/

[3] Texmaker: http://www.xm1math.net/texmaker/

[4] Artikel zu Texmaker: Hagen Höpfner, "Anschubhilfe", LinuxUser 11/2007, S. 58

[5] Kile: http://kile.sourceforge.net

[6] LyX: http://www.lyx.org

[7] TeXmacs: http://www.texmacs.org

[8] LaTeX-Erweiterung für Vi(m): http://vim-latex.sourceforge.net

[9] KOMA-Script: http://www.komascript.de

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