Gedit

Bei Gedit handelt es sich nicht im eigentlichen Sinne um einen LaTeX-Editor, jedoch bietet der Standard-Texteditor von Gnome schon in der Standardinstallation ein paar Grundlagen zur LaTeX-Bearbeitung: Die Seitenleiste bringt im Tags-Reiter bereits vordefinierte LaTeX-Befehle mit. Durch das zusätzliche LaTeX-Plugin kommt Gedit richtig in Fahrt und mutiert zu einem waschechten LaTeX-Editor. Im folgenden stellen wir die zu Redaktionsschluss kurz vor der Fertigstellung befindliche neue Version 0.1.2 vor (Abbildung 4).

Abbildung 4: Gedit und das LaTeX-Plugin bieten den Komfort eines reinen LaTeX-Editors.

Die Installation des Plugins fällt denkbar leicht: Von der Homepage [2] laden Sie das neueste Archiv herunter und entpacken es anschließend in ~/.gnome2/gedit/plugins/. Sollte das Verzeichnis noch nicht existieren, erstellen Sie es mit dem Befehl mkdir -p ~/.gnome2/gedit/plugins/. Nach dem Start von Gedit aktivieren Sie unter Bearbeiten | Einstellungen im Reiter Plugins des Dialogs das LaTeX-Plugin. Es fügt eine neue Werkzeugleiste und zwei neue Reiter hinzu, einen für die Dokumentenstruktur und einen zweiten für Symbole. In dem Dialog haben Sie außerdem die Möglichkeit, das Plugin zu konfigurieren (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der Konfigurationsdialog der LaTeX-Erweiterung für Gedit.

Die Build Profiles sollten Sie nicht verändern, außer Sie haben dafür triftige Gründe. Anders beim Reiter Code Completion: Standardmäßig ist die verzögerte Vervollständigung für "\", "{", "[" und "(" aktiviert. Wünschen Sie das nicht, schalten Sie es hier ab. Das von IDEs bekannte Aktivieren der Vervollständigung mittels [Strg]+[Leer] können Sie hier ebenfalls an- beziehungsweise abschalten. Damit ist die Installation schon abgeschlossen. Es lohnt sich hin und wieder unter [2] nachzusehen, ob eine aktualisierte Version des Plugin vorliegt.

In der LaTeX-Werkzeugleiste klicken Sie zum Erstellen eines LaTeX-Dokuments auf das erste Symbol (New LaTeX) und geben im darauf erscheinenden Dialog (Abbildung 6) folgende Informationen an:

  • General: Titel des Dokuments, Autor, aktuelles Datum und Schlüsselwörter
  • Style and Layout: Dokumentklasse, Schriftgröße, Papiergröße und Orientierung
  • Language Customization: Zeichenkodierung, Rechtschreibung
  • Margins: Ränder (oben, unten, links, rechts), Einrücktiefe bei Paragraphen

Die Auswahl an Dokumentklassen ist recht groß. Die gängigen Klassenklassen, darunter article, book, letter, report sowie solche des bekannten KOMA-Script führt der Dialog auf.

Abbildung 6: Der reichhaltige und übersichtliche Start-Assistent des Gedit-LaTeX-Plugins.

Gedit erstellt alle notwendigen Befehle aus den Informationen und setzt den Cursor an die Stelle, an der Sie den eigentlichen Text fortsetzen. Im Menü LaTeX | Build LaTeX Document (Abbildung 7) oder in der Werkzeugleiste übersetzen Sie das Dokument in eines der drei Ausgabeformate PDF, Postscript oder DVI. Daneben haben Sie die Möglichkeit, das Dokument auf Syntaxfehler zu überprüfen. Voraussetzung dafür ist ein installiertes Chktex-Paket.

Abbildung 7: Das LaTeX-Plugin erweitert Gedit um ein zusätzliches LaTeX-Menü.

In der Werkzeugleiste finden Sie die wichtigsten LaTeX-Befehle, die beim Schreiben eine Dokuments immer wieder auftauchen. Die Befehle sind in Gruppen eingeteilt und durch Separatoren voneinander getrennt. Die erste Gruppe beherbergt Formatierungen, Ausrichtungsbefehle, Strukturkommandos wie \section{} sowie Aufzählungen ( \begin{itemize}...\end{itemize}). Es folgt ein weiteres Symbol, das bei der Eingabe von mathematischen Bereichen hilft.

Für Tabellen und Bilder bietet das Editor-Plugin-Gespann ebenfalls zwei Assistenten, die eine ähnliche Funktionalität wie bei Winefish bieten. Die zwei am weitesten rechts stehenden Symbole in der Leiste übersetzen das Dokument bequem per Knopfdruck in das ausgewählte Zielformat. Auch die Ausgabe als PNG, JPEG und GIF-Bild ist möglich. Im linken Teil des Hauptfensters stehen in der Seitenleiste im Reiter Symbols allerhand mathematischen Symbole bereit.

Das Gedit-Plugin bringt alles mit, was man braucht, um ein LaTeX-Dokument zu schreiben. Dazu muss man als Gnome-Nutzer nicht einmal ein zusätzliches Programm installieren. Momentan arbeitet der Autor des Plugins an Anpassungen, die durch die Umstellung einer für Gedit neuen Bibliothek erforderlich wurden. Auf der Homepage der Erweiterung [2] sammelt er weitere Verbesserungsvorschläge. Zu den bereits eingeplanten Features zählen eine Strukturansicht und die bessere Integration von BibTeX. Möchten Sie am Plugin mitarbeiten und beherrschen Python, dann ist die Seite im Gnome-Wiki genau die richtige Anlaufstelle dafür.

Texmaker

Texmaker ist einer der ausgereiftesten LaTeX-Editoren. Laut Homepage [3] gibt es den Editor seit 2003, aktuell ist die Version 1.6 von Mitte Juni (auf der Heft-CD). Auf den Internetseiten des Projekts finden Sie nebst Dokumentation auch die obligatorischen FAQs. Das Programm funktioniert nicht nur unter Linux, sondern auch unter Windows und Mac OS X. Zur Installation benötigen Sie die Toolkit-Bibliothek Qt in der Version 4.x.

Texmaker ist ein sehr übersichtlicher Editor (Abbildung 8). Die Aufteilung der Arbeitsfläche ähnelt jener von Gedit. Die Werkzeugleiste beinhaltet die wichtigsten Formatierungs- und mathematischen Befehle. Die Seitenleiste umfasst die Reiter:

  • Struktur des LaTeX-Dokuments,
  • Mathematische Symbole und Operatoren,
  • verschiedene Pfeile, darunter auch mathematische,
  • Klammern und
  • Griechische Buchstaben.

Im Reiter Häufige Symbole führt Texmaker die Symbole auf, die Sie am häufigsten verwendet haben, unter Pstricks Kommandos und Metapost Kommandos finden sich vordefinierte Befehle, die sich auch erweitern lassen. Unter Verschiedenes fasst das Programm alles zusammen, was nicht in die anderen Kategorien passt.

Abbildung 8: Texmaker präsentiert sich recht übersichtlich.

Ein neues Dokument erstellen Sie ähnlich wie mit den zuvor genannten Editoren. Es stehen Ihnen auch wieder hilfreiche Assistenten zur Seite, wovon wir einen gleich näher betrachten: Der Assistent für neue Dokumente im Menü Assistenten bietet in etwa die gleichen Funktionen wie Gedits LaTeX-Plugin (Abbildung ). In diesem Dialog legen Sie Dokumentenklasse, Schriftgröße, Papierformat und Zeichenkodierung fest, um nur einige zu nennen. Unter Andere Optionen definieren Sie weitere Merkmale des Dokuments. Mehrere Optionen wählen Sie durch Halten von [Strg] aus.

Abbildung 9: Der Start-Assistent von Texmaker bietet alle wichtigen LaTeX-Optionen.

Neben dem zur Standardausstattung eines jeden LaTeX-Editor gehörenden Dokument-Assistenten gehören noch vier weitere zu Texmakers Repertoire: Im Tabellen-Assistenten legen Sie Spalten- und Zeilenanzahl, Ausrichtung der Spalte und die vertikalen Trenner fest (Abbildung 10). Ganz ähnlich funktioniert der Matrix-Assistent, in dem Sie zusätzlich noch die Umgebung (array, matrix) festlegen. Der Tabulator-Assistent hilft beim Einrücken von Texten. Schließlich gibt es noch einen Brief-Assistenten, dessen Sinn allerdings im Dunklen bleibt: letter können Sie auch im Dokument-Assistenten unter Dokumentenklasse auswählen.

Abbildung 10: Der Texmaker-Assistent für Tabellen ist recht intuitiv bedienbar.

Es erstaunt, dass ein Assistent zum Einfügen von Bildern fehlt. Eine eher rudimentäre Alternative bietet das Menü LaTeX | \includegraphics{file}. Auf der Habenseite hingegen stehen BibTeX-Integration und Rechtschreibprüfung.

Unter Werkzeuge wandeln Sie das Dokument in die üblichen Formate, aber auch nach HTML um. Texmaker löscht temporäre Dateien, die während des Übersetzens angefallen sind, durch einen Klick auf Werkzeuge | Aufräumen.

Bei Texmaker handelt es sich um einen ausgereiften Helfer, der vor allem durch seine einfache Bedienung besticht. In manchen Bereichen gibt es jedoch noch Verbesserungsmöglichkeiten. Insgesamt lohnt sich eine Installation allemal.

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