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LaTeX-Editoren im Vergleich

01.12.2007
Anders, als es ein verbreitetes Vorurteil wissen will, lässt sich LaTeX auch ohne Profiwissen beherrschen: Clevere LaTeX-Editoren machen's möglich.

Besonders Anfänger haben große Startschwierigkeiten beim Erlernen von LaTeX. Dies liegt nicht etwa daran, dass LaTeX kompliziert wäre, sondern eher an der Vielzahl von Möglichkeiten dieser Sprache: Sie ist ähnlich wie HTML eine so genannte Beschreibungssprache: Statt spitzer Klammern leiten Sie Befehle mit einem Backslash ("\") ein. Dabei gibt sich LaTeX ausgesprochen vielseitig; Neben Diplomarbeiten erstellen Sie auch professionelle Präsentationen oder Briefe in LaTeX ohne größere Probleme. Es existieren bereits eine Vielzahl von Dokumentenklassen, die individuell auf die Anwendungsfälle zugeschnitten sind.

Doch die Vielseitigkeit hat ihren Preis: Selbst erfahrene Anwender haben im Umgang mit dem Satzsystem gelegentlich Probleme, sich alle in Frage kommenden Befehle zu merken. Sehr gelegen kommen da spezielle Editoren, die die Komplexität auf ein erträgliches Maß reduzieren. In unserem Test stellen wir vier bekannte LaTeX-Editoren vor. Sie unterstützen den Anwender bei der täglichen Arbeit, bieten eine Vielzahl von Optionen und jeweils ganz spezifische Vorzüge.

Die Kandidaten

Winefish [1], ein auf Bluefish basierender Editor. ist das kompakteste Programm der sechs Kandidaten, recht minimalistisch und von den Systemanforderungen daher sehr genügsam. Es eignet sich aber dennoch gut für weniger anspruchsvolle Aufgaben.

Bei Gedit handelt es sich nicht um ein ausgesprochenes LaTeX-Werkzeug, sondern um den bestens bekannten Standard-Texteditor für Gnome. Das Programm bietet eine sehr gute Plugin-Infrastruktur, auf die auch eine passende LaTeX-Erweiterung [2] aufsetzt. Sie steht den anderen hier vorgestellten Editoren in nichts nach. Der Vorteil dieser Lösung: Sie müssen kein zusätzliches Programm installieren, sofern Sie bereits Gnome verwenden.

Texmaker ([3],[4]) ist ein in Qt geschriebener Editor, der mit vielen nützlichen Assistenten aufwartet. Kile [5], ein für KDE optimierter Editor, ähnelt von der Funktionalität her Texmaker. Beide Editoren entwickelte ursprünglich derselbe Autor.

Winefish

Winefish (Abbildung 1) ist der kleinste Editor unter den Testkandidaten. Er benötigt lediglich die Bibliothek Gtk+ in der Version 2.4 oder höher. Optional integriert er sich Gnome, sofern der Desktop mit den dazugehörigen Paketen auf dem System installiert ist und Winefish mit der entsprechenden Option vom Paketbetreuer compiliert wurde. Statt der aktuellsten Winefish-Version 1.4 (Quellen auf Heft-CD) bringen die meisten Distributionen derzeit nur das ältere Release 1.3.3 mit. Ein Blick in die Datei ROADMAP offenbart Interessantes; allerdings arbeiten die Entwickler seit Ende März diesen Jahres nicht mehr aktiv an Winefish. Auf der Projektseite [1] steht noch immer die ältere Version zum Herunterladen bereit.

Abbildung 1: Winefish mit geöffnetem LaTeX-Dokument.

Winefish zeigt sich nach dem Start von der spartanischen Seite (Abbildung 2). Beispielsweise fehlt eine deutsche Übersetzung. Es erstrahlt ein weißes Fenster mit einer Menü- und Statusleiste. Unter View finden sich drei Menüpunkte, wovon zwei speziell interessieren: Unter View Custom Menu definieren Sie eigene Befehle, sodass das Menü quasi als Shortcut dient. View Sidebar aktiviert im linken Bereich des Hauptfensters eine Seitenleiste: Deren oberer Teil beinhaltet die Verzeichnisse, der untere die Dateien des aktuellen Pfades.

Ein Mausklick auf die Checkbox Show full tree erweitert die Verzeichnisansicht um den ganzen Dateisystembaum. Unter dem Reiter functions in der Seitenleiste stehen mitunter griechische Buchstaben zum Einfügen bereit. Ein Klick darauf bindet das entsprechende Zeichen im Text ein. Besonders nützlich in größeren Dokumenten ist marks, mit dem Sie zuvor gespeicherte Lesezeichen ([Strg]+[D]) anspringen.

Abbildung 2: Recht minimalistisch fällt der Quickstart-Assistent von Winefish aus.

Ein neues Dokument legen Sie üblicherweise über den Menüpunkt Project | New an. Es öffnet sich ein Dialogfenster, das nach dem Projektnamen, dem Basisverzeichnis, der Basisdatei und nach eventuell bereits vorhandenen Vorlage fragt. Ähnlich wie bei einer integrierten Entwicklungsumgebung speichert Winefish die Projekteigenschaften global ab. Anschließend erstellen Sie unter Insert | Tools | Simple document (code) das eigentliche LaTeX-Dokument. Zur Auswahl stehen drei Dokumentklassen: article für kleine Texte, report und book für größere Projekte.

Es ist allerdings nicht unbedingt notwendig, dass Sie immer erst ein neues Projekt erstellen: Für kleinere Dokumente können Sie den ersten Schritt auch überspringen.

Trotz der Einfachheit stellt Winefish dem Benutzer eine Vielzahl von Assistenten zur Seite, die Sie in den Menüs Insert | Tools beziehungsweise Insert | Table, List finden. Unter Tools stehen die folgenden Helferchen zur Verfügung: * Figure: Der Dialog erwartet den Speicherort des Bildes, das Label, auf das Sie später im Dokument durch den Befehl \ref zurückgreifen, und zu guter Letzt die Bildunterschrift. Den relativen Pfad füllt der Assistent selbstständig aus (Abbildung 3). * Time, Date: Stellt die verschiedensten Datumsformate bereit. * Source Seperator: Fügt einen kommentierte horizontale Linie ein, die im eigentlichen Dokument später nicht erscheint aber bei der Übersichtlichkeit hilfreich ist.

Table, List bietet umfangreiche Assistenten für alle gängigen Listen (itemize, enumerate) und für Tabellen an – darunter auch mathematische, wie Matrizen.

Abbildung 3: Der Bild-Assistent von Winefish ist recht gut gelungen.

Unter Headings, Environments, AMS equations und Font style verstecken sich die gängigsten LaTeX-Befehle, die im Alltagsbetrieb vollkommen ausreichen. Winefish springt beim Einfügen der Befehle – wie zum Beispiel bei einer Gleichung zwischen \begin{equation} und \end{equations} – an die richtige Stelle, an der Sie die Eingabe fortsetzen. Alle Menü-Befehle lassen sich auch über Tastenkürzel erreichen. Das erhöht die Arbeitsgeschwindigkeit beim Verfassen von LaTeX-Dokumenten.

Um ein PDF-, PS- oder DVI-Dokument zu erstellen, klicken Sie im External-Menü auf die entsprechenden Menüpunkte. Die Protokoll-Datei erreichen Sie über [F5] – sie erweist sich oft als nützlich, wenn ein Fehler aufgetreten ist. Komfortabel gibt sich Soft clean, das die während des Übersetzens erstellten AUX-, LOG- und TOC-Dateien löscht.

Die Einstellungen des Programms finden sich etwas versteckt im ?-Menü. Dort definieren Sie unter anderem den PDF-, PS- und DVI-Betrachter und setzen Optionen wie Schriftart und -größe.

Winefish gibt sich ebenso komfortabel wie simpel und eignet sichbesonders für kleinere Dokumente recht gut. Auch in Sachen Konfigurierbarkeit bleiben kaum Wünsche unerfüllt. Auf der anderen Seite gibt es noch einige Baustellen: Viele Funktionen sind ziemlich unintuitiv und machen daher für den Anwender auf den ersten Blick keinen Sinn, außer dieser beschäftigt sich eingehend mit der Materie. Ungeklärt bleibt auch, ob Winefish noch weiterentwickelt wird.

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