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Die freie Distribution Ubuntu Linux

01.02.2005 Preislich zumindest unterscheiden sich Linux-Distributionen gewaltig. Vom kostenlosen Debian, nur aus freier Software bestehend, bis zu Enterprise-Angeboten mit vollem Support und dicken Handbüchern liegen einige Hundert Euro. Ubuntu Linux basiert auf Debian und freier Software, dahinter steckt aber eine Firma, die auch professionellen Support bietet.

Debian [1] gilt als stabil und zuverlässig, obwohl oder weil dahinter keine Firma steckt, sondern ein Projekt aus Freiwilligen. Vorschnelle Releases aus wirtschaftlichen Gründen gibt es hier nicht. Im Gegenteil, mittlerweile entbehrt die letzte stabile Version fast jeglicher aktueller Software. Wer auf einen der offiziell noch nicht freigegebenen Zweige ausweicht, tut dies auf eigenes Risiko und verzichtet auf Sicherheits-Updates. Die Firmen hinter kommerziellen Distributionen dagegen versprechen regelmäßige Aktualisierungen und Support.

Einen Mittelweg beschreitet die Firma Canonical [2] mit ihrem Debian-Derivat Ubuntu Linux [3]. Jedes Release dieser Distribution basiert auf einer Momentaufnahme des noch in der Testphase befindlichen Debian Sarge. Diese ergänzt das Ubuntu-Team um eine aktuelle Desktop-Oberfläche und eine sinnvolle Vorkonfiguration, außerdem bietet es beim Bekanntwerden von Sicherheitslücken sofortige Sicherheits-Updates.

Kasten 1: Ubuntu

Das Wort Ubuntu stammt aus der südafrikanischen Sprachfamilie Nguni, eine exakte Übersetzung existiert in keiner europäischen Sprache. Der Begriff beschreibt Menschlichkeit und gegenseitige Großzügigkeit ebenso wie die Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel.

Eben diese Werte gibt der Multimillionär Mark Shuttleworth [4] als Gründe seines finanziellen Engagements für Ubuntu an. Ihm gehört die Firma Canonical, die die Ubuntu-Entwickler bezahlt. Sie beteuert, dass Ubuntu Linux stets aus freier Software bestehen und damit kostenlos bleiben wird. Trotzdem erhofft sich Canonical natürlich langfristig Profit von Ubuntu, aber nach eigenen Angaben ausschließlich aus Support-Verträgen und nicht mit dem Verkauf von Software.

Alle sechs Monate plant Ubuntu ein neues Release und entspricht damit dem Gnome-Rhythmus. Version 4.10 mit dem Codenamen Warty Warthog ("Warziges Warzenschwein") erschien exakt nach Plan im Oktober 2004; die Versionsnummer setzt sich zusammen aus Jahreszahl und Monat. Der Nachfolger Hoary Hedgehog ("Altersgrauer Igel") soll im April herauskommen.

Die Ubuntu-Installations-CD besteht ausschließlich aus freier Software, so dass sie nicht nur kostenlos heruntergeladen, sondern auch beliebig oft installiert und weitergegeben werden darf. Selbst den Download erspart Canonical auf Wunsch: Auf ihre Kosten schickt die Firma gepresste Ubuntu-CDs in die ganze Welt.

Installation

Wer den neuen Installer von Debian Sarge bereits ausprobiert hat, landet nach dem Booten der Ubuntu-CD in einer bekannten Umgebung. Statt einer grafischen Installationsoberfläche gibt es hier nur ein tastaturgesteuertes Textmenü. Trotzdem finden sich auch weniger erfahrene Benutzer zurecht. Beim Partitionieren ist jedoch Vorsicht geboten: Der Installer schlägt als Standard vor, die gesamte Festplatte zu löschen und für Ubuntu zu verwenden.

Die einzige Änderung, die das Ubuntu-Team am Debian-Installer vorgenommen hat, betrifft die Software-Auswahl. Bei Ubuntu fällt dieser Punkt gänzlich heraus: Die Installationsroutine fragt lediglich ab, ob sie aktualisierte Pakete aus dem Internet herunterladen soll. Dann installiert sie eine vorgegebene Paketkollektion, die das aktuelle Gnome 2.8 und weiteres Desktop-Zubehör enthält. Andere grafische Oberflächen wie KDE gibt es ebenfalls, jedoch nur zum nachträglichen Download vom Ubuntu-Server. Ubuntu verfolgt den Grundsatz, auf der CD für jeden Zweck nur ein Programm anzubieten, daher hält sich die Menge der zu installierenden Software in Grenzen.

Entschließt sich der Benutzer, keine Updates aus dem Internet zu holen, verläuft die Installation schneller als bei den meisten Distributionen. Allerdings übergeht der Installer in diesem Fall auch die Konfiguration des Internet-Anschlusses, so dass man dies später nachholen muss.

Danach landet der Benutzer in einem sauber vorkonfigurierten Gnome 2.8. Wie Apples Mac OS X – und damit für die Linux-Welt ungewöhnlich – behandelt Ubuntu den root-Account: Er bleibt in der Standardeinstellung deaktiviert. Der zuerst angelegte Benutzer hat dafür das Recht, per sudo alle ansonsten für root reservierten Aufgaben zu erledigen. Als Kompromiss zwischen Komfort und Sicherheit gibt der Benutzer beim ersten sudo-Aufruf sein Passwort erneut ein, danach bleibt es fünf Minuten lang im Speicher. Um den root-Account wie gewohnt zu aktivieren, reicht das Setzen eines Passworts mit dem Kommando sudo passwd root.

Hardware

Komfortables Einbinden zahlreicher Hardware funktioniert unter Ubuntu durch das Zusammenspiel der Gnome-Oberfläche mit dem Kernel-eigenen Hotplugging-System, das Hardware entdeckt und identifiziert. So erscheinen beispielsweise eingelegte CD-ROMs, angeschlossene USB-Memory-Sticks und andere Wechselmedien direkt auf dem Desktop (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Wechselmedien werden direkt eingebunden und erscheinen auf dem Gnome-Desktop.

Mit Hilfe der ausgefeilten Debian-Skripte für den Laptop-Betrieb eignet sich Ubuntu auch für tragbare Computer. So erscheint bei Laptops automatisch ein Batteriestatus-Applet im Gnome-Panel, das den Akkuladestand sowohl bei APM- als auch bei ACPI-Systemen widergibt.

Nicht nur auf PCs läuft Ubuntu, auch der Test auf einem iBook G4/800 verlief reibungslos. Während auf dem Gerät zuvor weder Yellow Dog noch Gentoo Linux eine grafische Oberfläche hervorbrachten, begrüßte unter Ubuntu nach der Installation anstandslos der Login-Manager. Sämtliche Sondertasten des Mac funktionierten ohne manuelle Nacharbeit, auch der Bildschirm verdunkelte sich beim Zuklappen automatisch.

Handarbeit ist jedoch angesagt, wenn es um Geräte geht, die der Standard-Kernel nicht unterstützt. So benötigt beispielsweise ein USB-WLAN-Stick mit Prism2-Chip das Paket linux-wlan-ng aus dem universe-Repository des Ubuntu-Servers. Nach der Installation des WLAN-Treibers versteckt sich das Startskript zum Aktivieren des Sticks unter /usr/share/doc/linux-wlan-ng/examples/rc.wlan.

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