Textbasierte Oberflächen und obskure Installationsskripte verschreckten in der Vergangenheit des Lfteren Anwender der Linux-Variante der Telekom-Telefonbuch-CD; inzwischen hat der rosa Riese nachgebessert und präsentiert ein anwenderfreundlicheres Interface.
Auf einer CD liefert die Telekom die Versionen für alle unterstützten Betriebssysteme – Windows, Mac OS X und Linux. Der Hersteller verlässt sich auf kein gängiges Paketsystem und preist auf der Packung Kompatibilität zu Suse, Red Hat und Debian an.
Der Preis für die CD-ROM beträgt bei [1] 14,95 Euro; wer über eine schnelle Internet-Anbindung verfügt, kann sich die 635 MByte für 12,95 Euro selbst herunterladen. Gegen Aufpreis gibt es eine netzwerkfähige Variante sowie Updates, um den Datenbestand aktuell zu halten.
Installation
Im Unterverzeichnis linux der CD befindet sich das Installationsskript install. Mit root-Rechten aufgerufen installiert es die Telefonbuch-Software nicht nur unter den drei angegebenen Distributionen ins Verzeichnis /opt/tfd/, auch unter Mandrake verlief in unserem Test alles reibungslos.
Der Anwender stimmt den Nutzungsbedingungen zu, danach läuft alles von selbst; Voraussetzung sind 610 MByte freier Festplattenspeicher – entgegen der Angabe auf der CD-Hülle von 20 MByte – da die Linux-Version ausschließlich von Festplatte startet. Die geforderten 16 MByte Arbeitsspeicher stellen wohl keinen Rechner dieses Jahrtausends vor Probleme. Abschließend fragt die Installationsroutine nach der Erlaubnis, einen Eintrag ins Menü vorzunehmen, dies funktioniert sowohl unter Gnome als auch unter KDE.
Wer das Telefonbuch später wieder loswerden möchte, führt unter /opt/tfd/ oder im linux-Verzeichnis der CD-ROM als root das Skript removetfd aus. Es beseitigt alle Spuren bis auf die persönlichen Einstellungen unter ~/.tfd/.
Das Telefonbuch-Programm startet man übers Menü oder per Kommandozeile mit dem Befehl starttfd und landet direkt in der Suchmaske. Deren Basisfunktion erklärt sich selbst: Im Feld Ort beschränkt man die Suche auf Wunsch auf eine Stadt, unter Name gibt man den gesuchten Nachnamen an; lässt man letzteres Feld leer, spuckt die Datenbank sämtliche Einträge des angegebenen Ortes aus. [Enter] fahndet nach allen passenden Einträgen (Abbildung 1).
Neben der gewöhnlichen Suche mit [Eingabe] findet der Button Komfortsuche wesentlich mehr Einträge: Diese Funktion zeigt nicht nur exakte Übereinstimmungen, sondern alle Einträge, die das Suchmuster enthalten; selbst ähnliche Schreibweisen werden berücksichtigt.
Mehr Details
Wem die Suche nach einem Namen zu viele Ergebnisse bringt, der schränkt sie durch zusätzliche Angaben ein: Der Knopf mehr Suchkriterien... öffnet eine erweiterte Suchleiste, in der man Vorname, Beruf und Adresse festlegt (Abbildung 2).
Dabei gibt es nützliche Zusatzfunktionen wie eine Umkreissuche, falls man beispielsweise einen Arzt in seiner näheren Umgebung sucht. Weiterhin filtert man die Ergebnisse nach Vorwahlen, für den Fall dass man z. B. eine Handy-Nummer benötigt oder nur eine kostenlose Servicenummer in Betracht zieht.
Zudem gibt es eine regional beschränkte Suche nach Postleitzahl, Bundesland, Bezirk oder Landkreis. Bei der Postleitzahlensuche hilft eine kleine Landkarte, auf der man die gewünschte Stadt mit der Maus anklickt; das Programm trägt dann den Anfang der dazugehörigen Postleitzahl in die Suchmaske ein.
Die Übersichtskarte dient nicht nur der Suche von Postleitzahlen; möchte man wissen, wo eine gefundene Adresse liegt, illustriert ein Fähnchen den Standort. Außerdem bietet die Software ein persönliches Telefonbuch, das auf Wunsch Einträge zum späteren direkten Nachschlagen speichert.
Weitere Extras finden sich im gleichnamigen Menü. Messetermine... füllt die Trefferliste mit Messen aller Art bis einschließlich 2005. Ein Doppelklick auf einen Eintrag zeigt nähere Angaben in eingem eigenen Fenster (Abbildung 3). Dass der Aufruf der Messetermine zuerst immer die Details zum obersten Eintrag präsentiert, verwirrt zunächst, bevor man das nur noch als lästig erachtet.
Nützliche Zusatzinformationen bieten außerdem das weltweite Vorwahlenverzeichnis (Abbildung 4) sowie Übersichten über alle deutschen Kfz-Kennzeichen und Bankleitzahlen.
Mit dem direkten Zugriff auf einstellbare externe Hilfsprogramme fügt sich das Telefonbuch geschmeidig in bestehende Linux-Systeme ein: Verrät ein Eintrag eine E-Mail-Adresse öffnet man per Mausklick das eingestellte E-Mail-Programm; der Standard ist Mozilla Mail.
Oder man entscheidet sich für einen Brief, dann fügt die Telefonbuch-Software den Empfänger im Texteditor direkt als Briefkopf ein. Der hierfür voreingestellte Editor vi existiert zwar auf praktisch allen Linux-Systemen, aber viele Anwender werden ihre Mühe haben, damit einen Brief zu verfassen.
Andere Funktionen der Windows-Version wie den Aufgabenplaner und den Bußgeldkatalog enhält die Linux-Ausgabe nicht. Zudem verlangen beispielsweise die automatische Anwahl per Modem oder das Vorlesen einer Rufnummer aus dem Telefonbuch entsprechend vorkonfigurierte externe Software.



