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Im Anfang war der Prompt

Einführung in die Shell – Teil 1

Mit der Shell geht vieles schneller: Das zeigen wir regelmäßig im Guru-Training. In dieser Ausgabe können Sie bei Null loslegen, wir erklären die Grundlagen der Shell-Benutzung und schaffen damit eine Grundlage für die übrigen Beiträge in dieser Rubrik.

Grafische Benutzeroberflächen sind zwar heute nicht mehr wegzudenken: Seit den ersten Windows-Versionen haben sie sich als bequeme und einsteigertaugliche Möglichkeit, einen PC zu verwenden, etabliert, und auch vor Windows gab es für professionelle Unix-Workstations schon die Möglichkeit, Fenster mit der Maus auf der Oberfläche hin und her zu schieben. Doch die Rechnersteuerung über Tastaturkommandos ist viel älter, und so hatten die Entwickler von Kommandozeileninterpretern (so genannten Shells) Jahrzehnte lang Zeit, diese Tools zu perfektionieren.

Der Grundgedanke aller Shells ist simpel: Als Benutzer geben Sie ein Kommando ein, das der Rechner interpretiert und dann ausführt. So sagen Sie einem Linux-Rechner etwa auf gut Englisch: "remove all files in /tmp" (Entferne alle Dateien im Verzeichnis /tmp/). In der Shell wird das englische Kommando dann verkürzt zu rm /tmp/* – die Entwickler und ersten Anwender der Shells waren tippfaul und wollten nicht immer "remove" schreiben, so entstand "rm" als Abkürzung des englischen Worts für das Löschen. Auch Windows hat mit dem Programm cmd (command) eine Shell, in der Sie Befehle eingeben können – die spricht aber eine andere Sprache und verwendet zum Löschen nicht das Wort "remove" (entfernen), sondern "delete". Auch die Windows-Shell kürzt das ab, ein entsprechendes Kommando könnte unter Windows del c:\temp\*.* sein. In beiden Befehlsbeispielen sehen Sie hier Sternchen: Die bieten eine bequeme Möglichkeit, ein Kommando nicht nur auf eine einzelne Datei, sondern gleich auf mehrere anzuwenden – im Beispiel auf sämtliche Dateien, die sich im temporären Verzeichnis befinden, das bei Linux /tmp/ und bei Windows oft c:\temp\ heißt.

Allgemein gilt für eine Shell dasselbe wie für Programmiersprachen: Die Intelligenz des Kommandozeileninterpreters (der Ihre Kommandos eben zunächst interpretieren muss) ist beschränkt, und Sie müssen beim Angeben eines Befehls exakt die Sprache (mit korrekter Syntax) sprechen, welche die Shell versteht. Würden Sie in der Linux-Shell etwa remove statt rm schreiben, wäre die Aufforderung zwar für Sie verständlicher, die Shell hingegen könnte damit nichts anfangen.

Auf geht's

Nach diesen einleitenden Worten ist es Zeit für erste eigene Experimente. Im Normalfall werden Sie Linux mit einem der beiden großen Desktops KDE und Gnome verwenden. Dann steht zunächst keine Möglichkeit bereit, dem System einen getippten Befehl zu erteilen. Sie müssen dazu erst ein so genanntes Terminalfenster öffnen. Die Startmenüs der Desktop-Umgebungen halten passende Einträge dafür bereit, unter KDE suchen Sie nach dem Programm "Konsole", unter Gnome nach dem "Terminal". Wenn Sie nicht fündig werden, nutzen Sie eine alternative Möglichkeit, Programme zu starten: Öffnen Sie mit [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster, geben Sie darin den Namen des zu startenden Terminalprogramms (unter KDE: konsole, unter Gnome: gnome-terminal) ein, wobei Sie die durchgehende Kleinschreibung der Programmnamen beachten müssen. Wenn Sie jetzt die Eingabetaste drücken, erscheint ein neues und weitgehend leeres Fenster auf dem Bildschirm, das je nach Voreinstellung in weißer Schrift vor schwarzem Hintergrund oder mit genau umgekehrter Farbwahl den so genannten Shell-Prompt anzeigt. Das ist die Eingabeaufforderung, die Ihnen mitteilt, dass jetzt eine gute Gelegenheit wäre, in diesem Fenster einen Befehl einzugeben. Der Prompt kann je nach Linux-Version unterschiedlich aussehen, enthält aber meist einige charakteristische Elemente. Das folgende Beispiel eines solchen Prompts stammt von einem Ubuntu-System:

esser@netbookhg:~$

Fragen Sie sich hier: "Was will uns der Autor dieser Zeile sagen?", dann ist dies die Antwort:

  • Am unscheinbarsten, aber trotzdem wichtig ist das Dollarzeichen ganz am Ende: Es teilt Ihnen mit, dass diese Shell mit einfachen Benutzerrechten (und nicht mit den Administratorrechten des speziellen Benutzers root) läuft. Manchmal erscheint anstelle des Dollarzeichens auch ein Größerzeichen (>), das dieselbe Bedeutung hat. Nur wenn Sie am Ende des Prompts eine Raute (#) sehen, ist die Situation eine andere: Dann haben Sie das Terminalfenster mit Root-Rechten geöffnet, und es ist besondere Vorsicht angebracht! Dazu später mehr.
  • Am Anfang des Prompts sehen Sie Ihren Benutzernamen. Wenn Sie der einzige Anwender Ihres Systems sind, erscheint das vielleicht als nicht weiter nützlich, auf Rechnern mit mehreren Benutzer-Accounts macht es aber auf einen Blick deutlich, wer gerade angemeldet ist. Außerdem erscheint auch hier zur Mahnung der Benutzername root, wenn Sie mit administrativen Rechten unterwegs sind.
  • Hinter dem aus Mailadressen bekannten At-Zeichen (@) steht der Name des Rechners. Dass dieser im Prompt erscheint, hilft in erster Linie Anwendern, die in einem Netzwerk arbeiten und sich über die Netzverbindung auf anderen Computern anmelden. Dort läuft nämlich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit dieselbe Shell, die einen ähnlichen Prompt anzeigt. Damit hier keine Verwirrung entsteht (und Anwender z. B. auf dem falschen Computer eine Datei löschen), gibt der Rechnername im Prompt stets Auskunft darüber, welchen PC Sie gerade steuern.
  • Leicht zu übersehen ist die Tilde (~), die hier – abgetrennt durch einen Doppelpunkt – auf den Rechnernamen folgt: Sie zeigt das aktuelle Arbeitsverzeichnis an. Wenn Sie noch kein Verzeichnis namens ~ auf Ihrem Rechner entdeckt haben, liegt das daran, dass die schreibmüden Shell-Benutzer hier wieder eine Abkürzung verwenden: Die Tilde ist eine Abkürzung für Ihr persönliches Arbeitsverzeichnis, das auf Standard-Linux-Systemen immer /home/benutzername/ heißt.

Endlich was tun

Genug vom Shell-Prompt – jetzt ist es Zeit, einen ersten Befehl einzugeben. Haben Sie über die Erläuterungen zu den wenigen Zeichen im Prompt die Übersicht verloren, hilft es, sich über die eigene Identität Gewissheit zu verschaffen. Linux bietet dafür das hübsch benannte Kommando whoami. Es eignet sich gut als erstes Beispiel für einen Shell-Befehl, weil es (im Gegensatz zu einigen anderen Befehlen) auch bei falschem Gebrauch keinen Schaden anrichten kann.

Tippen Sie also die Buchstaben whoami ein und drücken Sie dann die Eingabetaste: Mit diesem letzten Tastendruck "schicken Sie den Befehl ab", wie Shell-Anwender sagen. Solange Sie noch nicht die Eingabetaste gedrückt haben, können Sie Ihren Befehl verändern, z. B. Tippfehler korrigieren oder so genannte Argumente für ein Kommando ergänzen. Bei der Eingabe stehen Ihnen auch die Cursortasten zur Verfügung, mit denen Sie weiter nach vorne oder zurück nach hinten springen, in Verbindung mit [Strg] auch wortweise.

esser@netbookhg:~$ whoami
esser

In diesem Artikel (und allen anderen Texten in EasyLinux) stellen wir die Anzeigen in der Shell immer mit Buchstaben in fester Breite dar – Ihre eigenen Eingaben erscheinen dabei gefettet, die Ausgaben des Systems in normaler Schrift. So können Sie schnell unterscheiden, was Ein- und was Ausgabe ist.

Im Beispiel gibt das Kommando whoami einfach Ihren Benutzernamen aus. Etwas informativer ist ein anderes Kommando, das in der Langform "print working directory" (gib das Arbeitsverzeichnis aus) heißen würde – auch hierfür kennt die Shell nur eine Abkürzung, der Befehl heißt pwd.

esser@netbookhg:~$ pwd
/home/esser

Wie versprochen, erscheint das Arbeitsverzeichnis /home/benutzername (Abbildung 1).

Abbildung 1: In der Shell geben Sie Befehle der Reihe nach ein, die Antworten erscheinen direkt unter Ihren Eingaben.

Kommentare
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Ferdinand Thommes, Sonntag, 13. Dezember 2009 13:06:11
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Trotzt Anmeldung kann ich den Artikel nicht lesen wogegen andere EasyLinux Artikel lesbar sind.


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Re: Login
Ferdinand Thommes, Sonntag, 13. Dezember 2009 13:08:35
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Seltsam, mehrmaliges Aktualisieren half nicht. Nach dem Absenden des obigen Kommentars war der Artikel dann lesbar. Vorführeffekt :)


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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer war von 2003 bis 2009 Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux und arbeitet jetzt als Mathematik- und Informatiklehrer.


Infos zur Publikation

Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift EasyLinux.

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