Aktuelle Software im Kurztest

Aus LinuxUser 05/2024

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Dateien mit Broot in der Konsole verwalten, Dateien mit Delta vergleichen, Daten mit Ftpserver übertragen, reguläre Ausdrücke mit Grex erstellen, Social-Media-Videos via Lux herunterladen, Webserver mit Vegeta unter Last setzen.

Baumpfleger

Mit Broot 1.36.0 durchforsten Sie Verzeichnisbäume und verwalten Dateien in der Konsole.

In der Konsole navigieren Sie in der Regel mit den Befehlen ls und cd durch das Dateisystem. Wer es etwas einfacher möchte und dabei den Gesamtüberblick über den Verzeichnisbaum wahren will, für den ist das Rust-basierte Tool Broot das Richtige. Im Github-Repository stehen Binärpakete zum Herunterladen bereit, Sie müssen das Tool also nicht selbst kompilieren.

Ohne Parameter aufgerufen, zeigt Broot den Inhalt des aktuellen Verzeichnisses an. Handelt es sich um den ersten Start nach der Installation, legt die Software außerdem ihre Standardkonfiguration unter ~/.config/broot/ ab. Sie navigieren mit den Pfeiltasten bequem durch den Verzeichnisbaum. Bei Unterverzeichnissen erscheint immer nur ein kleiner Teil des Inhalts im Verzeichnisbaum. Die Anzahl der restlichen Einträge kennzeichnet das Tool als unlisted – so bleibt die Angelegenheit übersichtlich. Beim Wechsel in das jeweilige Unterverzeichnis listet Broot aber den gesamten Inhalt auf. Sie steuern die Software größtenteils über Tastenkürzeln. Eine Übersicht aller Kombinationen finden Sie in der Online-Hilfe. Mit : wechseln Sie in einen Befehlsmodus, der wie in Vi die Eingabe kompletter Befehle ermöglicht. Suchen Sie einen bestimmten Eintrag, genügt es in der Regel, Teile des Namens in die Fußzeile von Broot einzugeben. Das Werkzeug listet dann alle passenden Einträge dynamisch auf.

Mit [Strg]+[Pfeil-rechts] starten Sie außerdem eine Zwei-Panel-Ansicht. Eine ausführlichere Ansicht mit Zeitstempeln und Eigentumsrechten aktivieren Sie im Befehlsmodus mit dates und perms. Die Applikation bietet einen großen Funktionsumfang. Haben Sie Interesse an Broot, sollten Sie sich die Dokumentation und die Beispiele auf der Projektseite ansehen, um den vollen Funktionsumfang nutzen zu können.

Broot 1.36.0

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/Canop/broot

Unterscheider

Das Tool Delta 0.17.0 positioniert sich als übersichtliche Diff-Alternative.

GNU Diff gilt als das Standard-Tool zum Vergleichen von Inhalten aus Textdateien unter Linux. Suchen Sie ein Vergleichswerkzeug mit einer übersichtlicheren Ausgabe, könnte das Rust-basierte Delta das Richtige für Sie sein. Dank fertiger Binärpakete im Github-Repository sparen Sie sich das Kompilieren und können das Tool sofort nutzen. Als Dokumentation steht mit -h eine kompakte Online-Hilfe zur Verfügung. Ähnlich wie GNU Diff vergleicht auch Delta immer nur zwei Dateien, die Sie beim Aufruf als Parameter mitgeben. Beim Vergleich von Quellcode aktiviert das Delta bei der Ausgabe ein Syntax-Highlighting.

In der Ausgabe stellt das Werkzeug die abweichenden Stellen gegenüber, wobei die Unterschiede in der ersten Datei rot hinterlegt werden, die in der zweiten grün. Identische Textpassagen hebt das Programm gar nicht hervor. In der Grundeinstellung zeigt es die Abweichungen untereinanderliegend an. Wünschen Sie eine gegenüberstellende Ausgabe, geben Sie beim Aufruf den Parameter -s an. Dabei zeigt Delta die Ausgabe strukturiert an und aktiviert eine Zeilennummerierung, die Sie mit -n auch bei anderen Ausgabeformen jederzeit aktivieren können. Damit bei zahlreichen Abweichungen die Ausgabe nicht einfach durchrollt, geben Sie hinter --pager einen Pager Ihrer Wahl an.

Möchten Sie bestimmte Parameter permanent setzen, hinterlegen Sie diese in der Umgebungsvariablen $DELTA_FEATURE. Delta bietet eine Vielzahl an Optionen, die die Interaktion mit Drittwerkzeugen wie Git, Grep oder Merge optimieren. Anwendungsbeispiele finden Sie auf der Github-Seite oder in der ausführlichen Version der Online-Hilfe, die Sie mit --help öffnen. Unterm Strich bietet Delta eine funktionsreichere und wesentlich übersichtlichere Alternative zu Diff.

Delta 0.17.0

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/dandavison/delta

Transporthelfer

Mit Ftpserver 0.13.0 setzen Sie im Handumdrehen einen FTP-Server oder ein FTP-Gateway auf.

FTP war lange das Protokoll der Wahl, um Dateien online bereitzustellen. Mittlerweile hat HTTP es in vielen Bereichen abgelöst. Gerade lokal kann es jedoch immer noch sinnvoll sein, einen FTP-Server zu betreiben. Mit dem Go-basierten Ftpserver implementieren Sie einen solchen Dienst ohne großen Aufwand. Binärpakete finden Sie im Github-Repository, sodass die Installation schnell vonstattengeht.

Die Konfiguration erfolgt über die Datei ftpserver.json, die das Tool standardmäßig im aktuellen Verzeichnis erwartet. Fehlt sie, erzeugt die Applikation eine neue Konfiguration mit Standardparametern, die sich sehr gut als Vorlage für eigene Anpassungen eignet. Eine alternative Konfigurationsdatei geben Sie beim Programmstart hinter -conf an. In der Grundeinstellung erwartet Ftpserver eingehende Verbindungen auf Port 2121, für die Datenübertragung verwendet es Ports zwischen 2122 und 2130. Als Basispfad nutzt es /tmp. Das lässt sich aber ebenso wie der Port-Bereich in der Konfiguration anpassen. Darin legt Ftpserver auch einen Benutzerzugang an, dessen Standard-Credentials Sie unbedingt ändern sollten.

Im Github-Repository finden Sie weitere Konfigurationsbeispiele, die beispielsweise zeigen, wie Sie für jeden Nutzer einen eigenen Basispfad vorgeben. Auch die Konfiguration einer TLS-Verschlüsselung wird anhand eines Beispiels erklärt. Die Dokumentation erläutert außerdem, wie sich Cloud-Dienste wie Dropbox, Google Drive oder Amazon S3 als Backend einbinden lassen.

Ftpserver 0.13.0

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/fclairamb/ftpserver

Ausdrucksstark

Mit Grex 1.4.4 erzeugen Sie auf einfache Weise komplexe reguläre Ausdrücke.

Viele Tools unterstützen beim Filtern und Suchen die Angabe von regulären Ausdrücken. Doch je komplexer die Muster, desto aufwendiger gestaltet sich das Erstellen eines Regex und setzt entsprechendes Know-how voraus. Das Rust-basierte Werkzeug Grex geht Ihnen beim Erzeugen einer RE-Abfrage hilfreich zur Hand. Binärpakete für alle wichtigen Plattformen stehen im Github-Repository bereit, womit umständliches Kompilieren entfällt. Als Anleitung steht lediglich die Online-Hilfe zur Verfügung. Ausführliche Erklärungen und Beispiele finden Sie im Github-Repository des Projekts.

Sie geben die Zeichenfolgen, aus denen Sie einen regulären Ausdruck generieren möchten, beim Aufruf als letzte Parameter an. In einer minimalen Umwandlung setzt Grex lediglich die Symbole für Zeilenanfang und -ende. Möchten Sie Ziffern durch reguläre Ausdrücke ersetzen, geben Sie dem Werkzeug den Parameter -d mit. Er weist Grex an, alle Ziffern durch die Zeichenfolgen \d zu ersetzen. Zum Umwandeln von Leerzeichen in einen regulären Ausdruck nutzen Sie den Schalter -s, für ganze Worte verwenden Sie -w. Aufeinanderfolgende Ausdrücke desselben Typs fassen Sie mit -r zusammen. Die Anzahl der Ausdrücke, die in einem Ausdruck verschmelzen, beschränken Sie über --min-repetitions und --min-substrings-length. Eine farbliche Aufbereitung der Ausgabe ermöglicht die Option -c. Spielt die Schreibweise der Eingabe keine Rolle, legen Sie das mit -i fest.

Grex richtet sich in erster Linie an Anwender, die wenig Erfahrung mit regulären Ausdrücken mitbringen und eine entsprechende Hilfestellung benötigen. Erfahrene Anwender oder Perl-Gurus profitieren weniger von den Fähigkeiten des Programms. Die Lernkurve bleibt überschaubar, die Ergebnisse sind durchaus hilfreich.

Grex 1.4.4

 

Lizenz: Apache-2.0

Quelle: https://github.com/pemistahl/grex

Cineast

Mit Lux 0.22.0 laden Sie Videos nicht nur von Social-Media-Seiten bequem herunter.

Videobeiträge bilden heute einen nicht unerheblichen Bestandteil von Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram. Manche der Beiträge möchte man gern lokal archivieren. Da kommt ein Downloader wie Lux genau richtig. Das Projekt stellt in seinem Github-Repository Binärpakete für alle relevanten Betriebssysteme und Plattformen bereit. Ergänzend zur mit -h aufrufbaren Online-Hilfe findet sich auf der Github-Seite des Projekts eine komplette Dokumentation.

Zum Herunterladen eines Videos genügt es, Lux dessen URL als Aufrufparameter mitzugeben. Bei Bedarf übergeben Sie ihm auch mehrere URLs. Handelt es sich bei der URL um eine Playlist, kennzeichnen Sie das mit dem Schalter -p. Um nur einzelne Elemente der Playlist zu übertragen, legen Sie über die Parameter -start und -end einen Bereich fest. Alternativ übergeben Sie die URLs auch in einer Textdatei, wofür der Parameter -F gefolgt vom Namen der Datei zum Einsatz kommt. Lux protokolliert den aktuellen Status der Übertragung in der Datei .download. So besteht nach einem Verbindungsabbruch die Möglichkeit zur Wiederaufnahme der Übertragung an der letzten bekannten Stelle. Lux überträgt das Video immer im Standardformat der jeweiligen Seite. Der Schalter -f erlaubt es, ein anderes Videoformat vorzugeben. Eine Aufstellung aller verfügbaren Formate eines Videos liefert die Option -i.

Für die Angabe von Proxys greift Lux auf die Umgebungsvariable HTTP_PROXY zurück. Dabei kommt die Software auch mit Socks-Proxys zurecht. Die Applikation unterstützt das Herunterladen von Videos von über 40 verschiedenen Plattformen, ein Großteil davon aus dem asiatischen Raum. Es kommt freilich auch mit gängigen Plattformen wie Tumblr, Youtube, Facebook, Instagram oder Reddit zurecht.

Lux 0.22.0

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/iawia002/lux

Stressfaktor

Mit Vegeta 12.11.1 loten Sie das Lastverhalten von Webservern aus.

Jüngere Leser verbinden mit dem Namen Vegeta vielleicht einen Charakter aus einer bekannten Manga-Reihe. Hier handelt es sich jedoch um ein Werkzeug für HTTP-basierte Last- und Stresstests. Das Go-basierte Tool fehlt in aktuellen Distributionen, Sie können jedoch auf die Binärpakete im Github-Repository des Projekts zurückgreifen. Als Dokumentation liefern die Entwickler eine Readme-Datei und eine Online-Hilfe (-h) mit.

Für einen einfachen Stresstest übergeben Sie Vegeta die zu prüfende URL und die gewünschte Verbindungsmethode via Pipe. Mit dem Unterbefehl attack als Parameter startet Vegeta den Test. Mit weiteren Schaltern legen Sie beispielsweise die Dauer der Belastung oder die Anzahl der verwendeten CPUs fest. Auch die Anzahl der Verbindungen und zu verwendenden Zertifikate können Sie angeben. In der Grundeinstellung beendet die Software eine Abfrage, wenn sie 30 Sekunden erfolglos bleibt. Über den Timeout-Parameter lässt sich dieses Verhalten jedoch anpassen. Die Ausgabe des Lasttests schreibt das Tool auf die Standardausgabe, alternativ geben Sie mit -output eine Datei als Ziel vor. Über die Unterbefehle report und plot stellt Vegeta Auswertungsmöglichkeiten für die erfassten Daten bereit. So zeichnet plot ein Diagramm, während report die Daten tabellarisch aufbereitet. Sie sehen dann sofort die Anzahl der Anfragen, die benötigte Zeitspanne, welche Zugriffe erfolgreich waren und wie viele Bytes übertragen wurden. Auf Wunsch liefert das Tool die Ausgabe auch als JSON – ideal zur Weiterverarbeitung.

Vegeta bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Lastgrenzen eines Webservers auszutesten. Es lohnt sich, die zahlreichen Parameter des Werkzeugs auszuprobieren. Das Github-Repository bietet dazu zahlreiche Beispiele. (Uwe Vollbracht/tle)

Vegeta 12.11.1

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/tsenart/vegeta

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