Ob Podcaster, Youtuber oder Musiker: Der gute Ton gehört zum Pflichtprogramm. Welche Hard- und Software sich dazu am besten eignet, zeigt unser Test.
Audioaufnahmen lassen sich schon mit relativ einfachen Mitteln realisieren. Wie der erste Teil dieser kleinen Beitragsreihe bereits beschrieb [1], erreicht man schon mit einem ordentlichen USB-Mikrofon sehr gute Ergebnisse. Die lassen sich dann mit Software wie Ardour so verarbeiten, dass auch kritische Ohren nichts zu meckern haben.
Für das Anhören der Soundausgabe während der Produktion verwiesen wir im ersten Teil pauschal auf die Stereoausgabe einfacher Interfaces. Diesmal geht es um mehr. Besonders das Mastering, der letzte Schliff für einen fertigen Mix, verlangt etwas mehr als ein “im Kopfhörer klingt’s ganz gut”. Wer sicherstellen möchte, dass der Mix auch aus einem einzelnen Smartphone-Lautsprecher noch akzeptabel klingt und sich auf verschiedenen Stereoanlagen gut bewährt, sollte das vor dem Veröffentlichen testen.
Ein weiteres Thema betrifft das Aufnehmen eines Live-Auftritts. “Laptop-Konzert” gilt als gängiger Begriff, und solche Auftritte lassen sich auch mit freier Software unter Linux heute gut über den Stereoausgang eines einfachen USB-Interfaces durchziehen. Aber die heutige Technik erlaubt sehr viel mehr als das. Das reicht von der einfachen Vorhörmöglichkeit für DJs, mit der sich Soundquellen genau auf den Beat synchronisieren lassen, bis hin zum analogen Mixer als Musikinstrument. Die Möglichkeiten gestalten sich hier vielfältig.
Hardware
Der Schritt vom einfachen USB-Mikrofon zur Beschallungsanlage ist heutzutage erschwinglich. Wir benutzen für diesen Artikel das Mischpult Mackie ProFX10v3 [2] zum Preis von etwa 250 Euro (Abbildung 1). Das Gerät ist das Ergebnis von mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung beim Bau von analogen Mixern, vor allem für den Live-Betrieb. Zu all den Qualitäten, die man davon erwarten darf, kommt noch ein eingebautes USB-Interface hinzu, das unter Linux nach dem Anschließen völlig unauffällig seinen Dienst verrichtet.

Abbildung 1: Das Mischpult ProFX10v3 von Mackie bringt zwar nur Drehregler statt langer Kanal-Fader mit, dafür passt es aber noch neben einem normalen Laptop auf den Tisch.
Mit dem Audioserver Jack funktionieren solche generischen USB-Geräte inzwischen durchgehend einwandfrei, bei einigen davon stellt der generische Alsa-Treiber aber nicht die Kontrollen für den Software-Mixer des Geräts bereit. Der ProFXv3 erscheint aber klaglos auch als Mixer-Sektion im Qasmixer, und somit steht alles vollständig bereit, was diese Hardware für den Rechner zu bieten hat (Abbildung 2). Technische Einzelheiten lesen Sie bei Interesse im Kasten “Der ProFX-Mixer im Detail” nach.

Abbildung 2: Sofort nach dem Anschließen zeigt der ProFX zwei Eingänge und vier Ausgänge für Jackd (hier in Carla), die Sie mit dem Qasmixer regeln.
Am Gerät fällt erst einmal die sehr solide Verarbeitung auf. Alle Regler, Schalter und Anschlüsse lassen sich leicht erreichen und machen einen vertrauenswürdigen Eindruck. Wackeln und gar Nebengeräusche beim Bedienen fielen im Test nicht auf. Alles ist gut lesbar und sinnvoll beschriftet. Die beleuchteten Stummschalter verweisen noch einmal darauf, dass sich der Mixer auch für den ernsthaften Live-Einsatz bei schlechter Beleuchtung eignet.
Die 10 im Namen ProFX10v3 steht für die analogen Eingänge, deren Stereosumme auf die zwei PCM-Eingänge des USB-Interfaces gelegt ist, wobei der Master-Regler des Mixers die Lautstärke des Signals nicht beeinflusst. Damit nehmen Sie den Gesamtmix einer Band auf oder auch zwei Kanäle gleichzeitig getrennt voneinander (diskret), indem Sie deren Balance-Regler ganz auf links oder rechts drehen.
Das ist alles sehr brauchbar und schon mehr, als sich mit den in Teil 1 vorgestellten Mikros machen ließ, aber noch nicht wirklich spektakulär. Der Mixer bietet jedoch für unser aktuelles Hauptthema, das Abspielen von Musik, deutlich mehr als ein einfaches Stereo-Interface.
Der ProFX-Mixer im Detail
Der Mixer bietet sehr viel auf kleinem Raum. Für das Verwenden der Inserts in den ersten vier Kanälen benötigen Sie einen Stereoklinkenstecker, der einen Kanal herausführt und mit dem anderen das bearbeitete Signal entgegennimmt (Abbildung 3). Das FX im Namen des Mixers steht für digitale Effekte, die die GigFX-Engine im Mixer berechnet. In jedem Kanal lassen sich diese dann zumischen. Das vollständige Handbuch der v3-Serie finden Sie auf der Mackie-Produktseite [5].

Abbildung 3: Die Inserts lassen sich nicht regeln, sie schleifen das Signal lediglich in den Kanal ein. Der Schalter darunter ist für den LowCut EQ zuständig.
Szenarien
Als Erstes bringen wir in Erfahrung, wie sich die Hardware in Kombination mit Linux, Jackd und entsprechenden Anwendungen verwenden lässt. Zunächst erlaubt das 2×4-Interface die Ausgabe der Klangquellen an zwei getrennte Ziele: Main Mix und Control Room. Letzterer bedient auch den Kopfhörerausgang, an den sich bei Bedarf noch ein weiterer Verstärker mit Lautsprechern anschließen lässt (Abbildung 4).

Abbildung 4: In Ardour erhalten Sie mit einem Foldback-Bus praktisch einen zweiten Master-Ausgang im Mixer, der sich an eine andere Ausgabe senden lässt.
Für die Arbeit an einem aufgenommenen Mix lassen sich damit verschiedene Ausgabesysteme gleichzeitig verwenden. Normalerweise kommen für unsere Tests zwei aktive Nahfeldmonitore von Tannoy zum Einsatz. Diese Klassiker erlauben das sehr genaue und analytische Abhören, das allerdings auch etwas unbarmherzig wirken kann, weil sie den Ton möglichst natürlich reproduzieren. Auf dem ProFX testen Sie per Knopfdruck, wie derselbe Mix auf der Stereoanlage klingt. Bei Bedarf lassen sich auch Bluetooth-Lautsprecher und ähnliche Abspielgeräte anschließen, sofern diese über einen analogen Eingang verfügen.
Den Main-Mix sendet das Mischpult über symmetrische XLR-Kabel, die auch noch über 50 Meter und mehr ein störungsfreies Signal weiterleiten. Eins der Markenzeichen von Mackie ist die Totenstille der Mixer, wenn kein Signal übertragen wird. Der ProFX hält dieses Versprechen auch dann, wenn Sie den Main-Mix über einfache Klinkenkabel 2 bis 3 Meter weit verschicken.
Für Aufnahmen und deren Mix gilt Ardour nach wie vor als Referenz in Sachen freier Software für die Linux-Musikproduktion. Zum Komponieren von Musikstücken mit Midi-Noten bietet Muse noch etwas mehr, Qtracktor glänzt mit einigen innovativen Features für die Arbeit mit Loops und Samples. Beides funktioniert auch in Ardour, allerdings etwas umständlicher; echte Notenblätter wie Muse bietet Ardour nicht. Dennoch empfiehlt es sich, fertige Kompositionen in ein Ardour-Projekt zu übertragen. Die Möglichkeiten, die die Software für Mix und Mastering bietet, sind einfach unübertroffen.
Als besonders wichtig erweist sich dieser Umstand beim Testen der Kompatibilität des Mixes für Monoausgaben. Viele heute populäre Klangschleudern fassen eingehende Stereosignale entweder physisch oder in Software zu einem Kanal zusammen. Viele Fehler, die in der Stereowiedergabe nicht auffallen, klingen in der Monoausgabe nicht wie gewünscht. Wenn Ihr Mix auf ordentlichen Stereomonitoren gut klingt, justieren Sie so auch die Monoausgabe, wobei Sie bequem zwischen den Ausgaben umschalten. Klingt Ihr Werk auch in der Monoausgabe akzeptabel, dürfen Sie guter Hoffnung sein, dass es sich mit einem Smartphone-Lautsprecher ähnlich verhält.
Noch einmal deutlich komplexer verhält sich die Situation der Live-Darbietung. Egal, ob Sie auf Twitch live streamen und Musik einspielen, Voice-Chat einbeziehen möchten oder eine Band optimal mixen möchten: Die Möglichkeiten, die ein Mixer wie der ProFX zum Steuern des Signalflusses bietet, fühlen sich schnell unverzichtbar an. Und noch schneller findet man heraus, dass es deutlich mehr Freude macht, mit echten Reglern und Tasten zu arbeiten als mit virtuellen Knöpfen auf dem Bildschirm.
Ein in dieser Preisklasse seltenes Feature sind die Insert-Anschlüsse in den ersten vier Kanälen des ProFX. Damit lässt sich das jeweilige Signal an externe Geräte weiterleiten, die es dann bearbeitet in Ihren Mix zurückleiten. Alles das kommt in Linux via Jack als Stereomix an und lässt sich beispielsweise in Ardour aufnehmen.
Sie können aber auch Signale von Jack-fähiger Linux-Software an die am Mixer-Ausgang angeschlossene Beschallungsanlagen senden. Das erlaubt es zum Beispiel, dass eine Band den Drum-Computer Hydrogen nutzt und gleichzeitig via Midi-Keyboard einen Softsynth wie Yoshimi oder VeeOne spielt – zusammen mit Signalen, die via Mikrofon oder Gitarre in den Mixer gelangen (Abbildung 5).
Mix und Master
Wie bereits erwähnt darf Ardour als die wohl beste freie Linux-Software zum Mixen und Mastern gelten. Die Anwendung bietet für diesen Zweck umfangreiche Möglichkeiten zur Automation. Jeder einzelne Parameter sowohl des Mixers an sich als auch aller Plugins lässt sich mit intuitiven Kurvenspuren parallel zum Audio programmieren. Die Kurven können Sie direkt in der Oberfläche der Software zeichnen, wofür sich auch Midi-Controller oder eine OSC-fähige Smartphone-App eignet.
Im Editor öffnet ein Klick auf A ein Menü, mit dem Sie für die Spur Metaspuren einblenden, auf denen sich Kurven für praktisch jeden Parameter zeichnen lassen, von der Lautstärke bis zur verstecktesten Plugin-Einstellung (Abbildung 6). Darüber hinaus erlaubt das ganz auf Jack setzende Signal-Routing von Ardour ein flexibles Ansteuern praktisch beliebiger Ausgangskanäle, das sich in dieser Form auch in Bezahlsoftware für Linux sonst nicht findet. Auch einen zweiten oder mehr Master-Kanäle lassen sich mit relativ geringem Aufwand als Busse umsetzen (Abbildung 7).

Abbildung 6: Egal, was Sie im Lauf einer Aufnahme an einem bestimmten Zeitpunkt neu einstellen möchten: In Ardour automatisieren Sie das mit intuitiven Kurven.

Abbildung 7: Der Mixer von Ardour folgt der Philosophie: Das ärgerlichste Feature ist eins, das fehlt. In Sachen Signal-Routing fällt es schwer, sich mehr Möglichkeiten vorzustellen.
Für das Mastering benötigen Sie vor allem Plugins für Equalizer und Kompressor/Limiter. Auf diesem Gebiet hat sich in Sachen freier Erweiterungen für Linux in den letzten zwei, drei Jahren viel getan. Neben den simplen Klassikern aus der LADSPA-Zeit wie dem Foolimiter und den edlen Vollkomfort-Plugins von CALF gibt es einige neue Module, die bei sehr guter Qualität noch mehr Einstellungsmöglichkeiten und aufwendige, gut gestaltete grafische Oberflächen bieten (Abbildung 8).

Abbildung 8: Wer in den Mastering-Plugins von CALF irgendwelche Einstellungsmöglichkeiten vermisst, sollte einen Blick auf die EQs und Dynamikprozessoren von LSP werfen.
Hört, hört!
Eine Möglichkeit, Audiosignale beim Mixen und der Aufnahme zu hören, bieten Kopfhörer. Im Test verwenden wir dazu den Klassiker K240DF von AKG und ein recht neues Angebot namens MC350 (Abbildung 9), wie der Mixer und die später beschriebene Soundbar bei Mackie im Vertrieb.
Der MC350 weist dabei einen bedeutenden Unterschied zum AKG auf: Er ist ein geschlossener Kopfhörer. Seine Konstruktion entspricht der einer Gehörschutzkappe. Das Signal kann sich so nicht mit Umgebungsgeräuschen mischen. Bei der Aufnahme von Stimmen oder Gitarren erhält man dadurch einen Klang, den man mit Lautsprechern gar nicht und mit offenen Kopfhörern nur eingeschränkt erreicht. Man hört das aufgenommene Signal, ohne dass es sich mit dem gleichzeitig erklingenden Ton im Raum mischt.
Das Resultat fällt mitunter frappierend aus: Eine von Guitarix verstärkte Gitarrenstimme, die im Test mit den Lautsprechern von Tannoy schön rund und musikalisch wirkt, hört sich mit dem Mackie auf den Ohren so an, wie die Aufnahme tatsächlich klingt: harsch verzerrt und mit kaum noch unterscheidbaren Harmonien. Das liegt keineswegs daran, dass der Mackie irgendwie mit dem Signal nicht zurechtkommt. Der Hörer verzerrt gar nichts, er gibt lediglich unbarmherzig die in Guitarix gewählten Einstellungen wieder. Hört man den Track über die Lautsprecher, mischt er sich mit dem akustischen Eigenklang der gespielten Ibanez-RG-Gitarre, und zum fetten Crunch von Guitarix kommen eben diese wohldefinierten akustischen Klänge.
Kurzum: Gerade beim Einstellen von Effekten für akustische Signale empfiehlt es sich, einen Kopfhörer zu verwenden. Der krass entblößende Effekt fällt mit dem offenen AKG-Hörer weniger extrem aus. Allerdings findet man den Fehler auch damit, indem man die Lautstärke einfach etwas weiter aufdreht.
Die richtigen Lautsprecher
Wer selbst Audio produziert, sollte darauf achten, sich nicht allzu sehr durch auf Schönheit getrimmte Anlagen täuschen zu lassen. Mixe, die mit Mittelklasse-Hi-Fi-Anlagen gemacht wurden, neigen stark dazu, auf den Geräten schlechter, dumpfer, zu spitz und damit anders als gewollt zu klingen.
Monitore für Toningenieure klingen analytisch. Sie heben nicht hervor, was der Hörer als besonders brillant empfindet, und sie übertreiben nicht den Schub, den Bässe erzeugen. Dafür arbeiten sie möglichst frei von Verzerrungen und Verfärbung und bilden Klänge besonders räumlich genau definiert ab, damit sich die einzelnen Stimmen im Mix genau ausbalancieren lassen.
Wir testen diese Fähigkeiten mit einem Klassikerpaar, dem 2-Wege-System Tannoy Reveal Near-Field Studio Monitor mit eingebauten 50-Watt-Verstärkern (Abbildung 10). Wir stellen die Boxen in einem nicht ganz gleichschenkligen Dreieck in etwa 1,20 Metern Entfernung vom Arbeitsplatz auf. Auf diese Weise ist alles zu hören, auch Fehler. Die räumliche Darstellung wirkt spürbar stärker als mit der im selben Raum aufgestellten Stereoanlage mit Denon-Verstärker und zwei 3-Weg-Hi-Fi-Boxen von Canton.

Abbildung 10: Klassische Nahfeldmonitore klingen meist besser und fast immer kräftiger als kleine Kompaktlösungen, wiegen aber auch 5 Kilo pro Stück.
Die Tannoy-Lautsprecher gibt es gebraucht ab etwa 200 Euro. Sie wiegen zusammen 10 Kilo und erwarten ein Signal aus einem Klinkenkabel, das von einem brauchbaren Interface beschickt wird. Ob ein kleines, leichtes Kompaktgerät wie die Stealthbar von Mackie für 100 Euro da mithalten kann? Wie der Name andeutet, besteht die Stealthbar aus einem kompakten Querbalken, den Sie am besten unter dem Bildschirm aufstellen. Das Gerät dient gleichzeitig als USB-Interface und Bluetooth-Box (siehe Kasten “Stealthbar richtig verwenden”).
Stealthbar richtig verwenden
Zum Glück bietet die kleine Kompaktanlage alle möglichen Anschlussmöglichkeiten. Die Stealthbar lässt sich sowohl als brauchbarer USB-Master direkt mit Jack nutzen als auch als reines Ausgabegerät für ein anderes Interface. Als Master via USB mit Jack eingebunden, funktioniert sie unauffällig. An der Rückseite findet sich ein Miniklinkeneingang, der das Stereo-In des USB-Interfaces beschickt. Als nettes Extra bietet die Stealthbar eine Bluetooth-Schnittstelle (Abbildung 11). Für Pulseaudio kein Problem: Sofort nach dem Koppeln erklingt Sound aus dem Browser. Dummerweise ist dieser Bluetooth-Port aber nicht in Jack eingebunden. Selbst, wenn man die Zusatzlatenz von Pulseaudio ignoriert, lassen sich deshalb Klänge aus Ardour und anderen Jack-Anwendungen auf diesem Weg nicht anhören. Aber was, wenn man darauf Wert legt, Jack mit einem anderen Interface zu verwenden? In diesem naheliegenden Fall müssen Sie den Stereoausgang des betreffenden Geräts an der Rückseite der Stealthbar via Miniklinke anschließen. Dann funktioniert die Stealthbar genau wie die klassischen Monitore von Tannoy als aktiver analoger Abhörlautsprecher.

Abbildung 11: Die Stealthbar lässt sich im Bluetooth-Bereich der Plasma-Systemeinstellungen koppeln, wenn Sie den Aktivierungsknopf am Gehäuse des Lautsprechers drücken.
Im Test mit dem unkomprimierten Blu-ray-Soundtrack von Denise Villeneuves “Dune” klingt die Stimme des Sardaukar-Priesters am Anfang deutlich weniger markerschütternd, aber auch erheblich klarer und detaillierter als über die Hi-Fi-Boxen. Wer in einem soundtechnisch anspruchsvoll gestalteten Film wirklich jedes Wort verstehen will, wird mit der Stealthbar nicht viel schlechter bedient als mit den erheblich kräftigeren Tannoys. Obwohl die Stealthbar nur 50 Zentimeter breit ist, liefert sie eine gute Stereoabbildung, auch wenn es etwas mehr Konzentration erfordert, den Raumeindruck des kleinen Lautsprechers zu realisieren.
Wirklich besser sind die Tannoys erstaunlicherweise nur bei der Wiedergabe von Höhen. Beim Celtic-Frost-Klassiker “Nemesis” lässt die Stealthbar das Blech des Schlagzeugs viel zu stark in den Hintergrund treten, während sie die Stimme und die machtvollen Gitarren makellos wiedergibt. Eigentlich sollte ein sehr kleiner Lautsprecher mit Höhen die wenigsten Probleme haben. Selbst die Hochtoneinheiten von Referenzlautsprechern wie dem Infinity Kappa würden in das kleine Gehäuse passen. Möglicherweise wollte Mackie etwas zu sehr den Eindruck vermeiden, dass kleine Lautsprecher übertrieben spitz klingen.
Lautsprecher richtig aufgestellt
Einer der großen Vorteile von Kopfhörern besteht in ihrer einfachen Verwendung: Egal, wo man sie aufsetzt, sie klingen immer gleich. Die durch Lautsprecher im Raum verbreiteten Schallwellen dagegen werden durch die Wände reflektiert, der Klang ist zudem stark positionsabhängig. Wichtigste Faustregel: Sie sollten genau in der Mitte zwischen den Boxen sitzen. Ideal wäre ein gleichschenkliges Dreieck, dessen Größe Sie auf die Physik der Lautsprecher abstimmen sollten. Die Stealthbar dagegen ist für geringen Abstand optimiert, in etwa einem Meter Entfernung bekommen Sie den besten Raumeindruck. Auch in größerer Entfernung klingt sie noch, aber die Lokalisierung von Stimmen im Stereomix fällt schwerer. Für die Nahfeldmonitore von Tannoy empfiehlt der Hersteller ein gleichschenkliges Dreieck in Kopfhöhe mit etwa zwei Metern Schenkellänge. In Ermangelung eines sehr großen Raums und ordentlicher Stative stehen die Tannoys beim Autor an den äußeren Enden eines zwei Meter breiten Schreibtischs. Um wirklich gut zu hören, muss er den Stuhl also etwas vom Tisch wegrollen.
Raumakustik analysieren
Wer sich bezüglich der Klangqualität nicht so sicher ist, benutzt eine Software, die das exakte Messen und die Analyse der Klangausgabe im Raum erlaubt. Im Test kam die Java-App Room EQ Wizard (REW) zum Einsatz, die sich kostenfrei herunterladen lässt [3]. Von der proprietären Freeware [4] gibt es auch eine kostenpflichtige Pro-Version, die vor allem präzisere Messungen ermöglicht, wie man sie etwa beim Bau von Lautsprechern benötigt. Die kostenlose Variante bringt aber bereits alles mit, was Sie zum Optimieren eines Home-Studios benötigen. Sie erzeugt die erforderlichen Messtöne und aussagekräftige Grafen der gemessenen Signale.
Beim ersten Start bietet REW das Kalibrieren des angeschlossenen Mikrofons an (Abbildung 12). Danach misst es die Schallwellen, die die Lautsprecher im Raum verbreiten, und zeigt grafisch an, ob und wie das Resultat von einem erwarteten Idealergebnis abweicht. Die Abweichungen bauen Sie ab, indem Sie Hindernisse in der Nähe der Boxen entfernen und Reflexionen im Raum dämpfen. Letztere erzeugen nicht nur Halleffekte, die das Klangbild verwaschen: Sie löschen auch Frequenzen aus oder heben sie an, was den Klang gänzlich verfälscht.

Abbildung 12: REW misst die Fähigkeiten Ihrer Mikrofone, sodass sich die Analysefunktionen auch mit vorhandenem Gerät sinnvoll nutzen lässt.
Das Optimieren der Raumakustik ist eine kostspielige Wissenschaft, wenn es perfekt werden soll. Zum Glück kommt man der Perfektion auch schon mit einfachen Mitteln sehr nahe. Weiche Teppiche und schwere Vorhänge wirken oft schon Wunder, Auslöschungen durch Zimmerecken lassen sich leicht mit dort angebrachten Wandbehängen verhindern.
Ein allerletztes Mittel sollte der Einsatz eines Equalizers vor dem Master-Ausgang von Jack sein. Dieses Setup ist umständlich und erzeugt weitere Systemlast. Einer mit Sorgfalt physikalisch optimierten Abhöranlage sollten Sie in jedem Fall den Vorzug geben.
Fazit
USB-Mixer funktionieren heute unter Linux wie von selbst. Geräte, die komplexe Signalführungen anbieten, lassen sich dank Jack in Carla leicht verdrahten. Ardour setzt schließlich all diese Möglichkeiten so um, wie das in der gehobenen Klasse der Musikproduktion und Darbietung üblich ist. (tle)
Der Autor
Hartmut Noack arbeitet in Celle und Hannover als Dozent, Autor und Musiker. Unter http://lapoc.de finden Sie CC-lizenzierte klingende Ergebnisse seiner Arbeit mit freier Musiksoftware.
Infos
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Audio-Workshop: Hartmut Noack, “Ohrenschmaus”, LU 09/2022, S. 74, https://www.linux-community.de/47204
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Mackie ProFX10v3: https://mackie.com/en/products/mixers/profxv3-series/ProFX10v3.html
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Room EQ Wizard: https://www.roomeqwizard.com/
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Lizenzbedingungen der proprietären Freeware-Version des REW: https://www.roomeqwizard.com/eula.html
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Handbuch zum Mackie ProFX: https://mackie.com/img/file_resources/ProFXv3_OM.pdf







